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3. AmigaOS 3.5 aus der Sicht eines PC-Users (von Manuela und Rainer Wagner)

»Heute habe ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen: Nämlich das Amiga OS3.5 zu installieren, welches gerade frisch eingetroffen ist. Allerdings wäre ein Update zu einfach, besonders wenn es durch einen erfahrenen Amiga-User gemacht wird.

Also: Nehmen wir einen PC-User (genauer gesagt: einen MS Windows NT4.0 Administrator(!), hierzu musste mein liebes Frauchen herhalten, die Amiga nur zum DeluxeGalaga-Spielen kennt; Danke Schatz!) und geben wir ihr einen ganz und gar blanken Amiga 1200 mit der Hardware-Ausstattung: PPC603e- 160/040-25, 32MB, Big Tower, AriadneII, Retina ZII, 3GB-Fujitsu-Platte, 40xCD-Rom, 2xFDD.

Dazu gab es folgende Software: OS3.1 (Disketten und Buch), IDEfix 97 (Diskette), Grafikkarten-Treiber (Diskette), PPC-Diskette, AriadneII- Install-Disks, und last but not least das OS3.5-Paket.

Zuerst Kiste einschalten und... erste Hürde, der PPC zieht so viel Strom, dass ein erneuter Warmstart gebraucht wird, um die Kiste überhaupt zum Booten zu kriegen. Ist aber kein Fehler vom OS3.5, also weiter.

Install-Diskette rein, booten und "Oh! Da ist ja schon eine Oberfläche!" und "...die Maus ist ja auch schon da!".

Zwei Punkte für Amiga!

Handbuch auf, HD-Toolbox aufrufen, und: "Oh - das ist einfacher als FDISK und viel besser als der NT-SETUP-Drive-Manager!"

Punkt Amiga.

Partitionieren: 2 Partitionen anlegen, 1 bootable klicken, Konfiguration speichern und Reboot. Neue Icons da, ok. "Ist schneller als NT."

Punkt Amiga.

Formatieren nach Handbuch, kein Problem, dauert aber länger als am PC.

Punkt PC.

Install starten, eigentlich ganz einfach.

Aber: Novice User angewählt, versucht auf der Install-Disk zu installieren, schlägt fehl mit "Volume Install 3.1 is full" - Abbrechen, erneut ausführen, "geübter Benutzer" ausgewählt, Festplatten-Partition ausgewählt, los geht's.

Punkt PC! (Wegen "Novice User", das darf nicht passieren! Ein echter Amiga-Anfänger verzweifelt an der Stelle.)

Rest der Installation von 3.1: Problemlos, schneller als NT4.0-Setup, fehlerlos, aber der Diskettenwechsel nervt.

Punkt Amiga!

Reboot. "Ist der schnell!" (hehehe!) - Klare Sache, Punkt Amiga.

Preferences geöffnet, Sprache, Keymap, Auflösung angepasst. Comment: "Das geht viel besser als am PC, besonders das mit dem Screenmode ist eine feine Sache."

Punkt Amiga.

"Wo ist eigentlich das Icon für das CD-ROM?" OOOPS. Also IDEfix installieren, das geht auch ganz gut, bei der Gelegenheit die Geschichte mit den Devices erklärt, CD-ROM läuft.

Daraufhin wird fehlerlos die AriadneII installiert (kleine Hürde: MUI, ist aber hier kein Thema) und die Retina-WB-Emulation. Die Leistungsdaten der Grafikkarte überzeugen den PC-Nutzer nicht, besonders im Vergleich zu AGA mit Flicker-Fixer und Scandoubler, wohl aber die Art der Einbindung der zusätzlichen Devices.

Comment: "Hoffentlich gibt es bessere Grafikkarten für den Amiga!" (Gibt es!) Jetzt haben wir nach 60 Minuten ein lauffähiges OS3.1 mit den nötigsten Treibern. Beginnen wir doch mit dem eigentlichen Kern des Tests, OS3.5.

Mein Testuser liest das Manual, und entscheidet sich für eine erneute Installation von OS3.1 von der OS3.5-CD (gute Wahl... doch dazu gleich mehr).

Das System wird anstandslos ge-updated, Reboot, und... "Wo ist eigentlich das ICON für die CD?"

IDEFIX ist noch da, aber das CD-ROM tut nix...

Punkt PC.

Erneut IDEfix von Diskette, CD-ROM tut wieder.

Beginnen wir mit der Pre-Installation...

Läuft...oh hübsches jpg, aber besch...eidene Bildqualität...(Das ist die Stelle, an der sich die 3.1-Installation ausgezahlt hat...ist aber immer noch besser als der Windows-Setup-Teil von NT. Und viel schneller!

Punkt Amiga!

Läuft. Also weiter, 0S3.5 installieren, klappt anstandslos. (Erneut das hübsche jpg...). An der Stelle, wo gefragt wird: "Sollen die vorhandenen WB-Startup-Befehle nach WB/ALT kopiert werden" dummerweise "Überspringen" ausgewählt...

Installation komplett, Reboot, ("Oh geht das schnell!" - Punkt Amiga) und ... "Wo ist eigentlich das CD-ROM Icon???" IDEfix-Diskette, Install ("Hoffentlich das letzte Mal..." - Punkt PC) und CD-ROM ist wieder da. So ist halt das Leben...

Nächster Schritt: Installation der Internetsoftware, Null Problem. Klarer Fall, hier müßte ein Punkt für den Amiga vergeben werden, aber (oh-oh, 'aber' ist immer schlecht), wieso?! Ist das eigentlich bloß die Demo- Version von Miami? Bei Transfer über die AriadneII legt das gute Stück nach 30 Minuten gnadenlos auf! Der PC-User und besonders der NT-Administrator ziehen einen Vergleich zu den MS-TCP-IP-Stacks und den Browsern in der MS-Welt und damit ist dieser Punkt für den Amiga leider wieder futsch...

Trotzdem funktioniert Miami recht ordentlich, und macht auch nicht mehr Probleme als Genesis.

Nächster Schritt der Installation: Der PPC-Support.

Das für die PC-User mittlerweile nicht mehr ungewohnte Starten des Installers geht nun leicht vonstatten, und verläuft problemlos. Ein kurz darauf installiertes PPC-Proggie verrichtet seinen Dienst danach auch klaglos.

Der MS-NT-Userin mußte ich an dieser Stelle erst einmal erklären, was sie gemacht hat: Nämlich einen Prozessor einer komplett anderen Architektur in das bestehende System eingebunden und getestet.

Dieses Feature eines Multi-Prozessor-Systemes mit verschiedenen CPUs löste dann auch einiges an Erstaunen aus, klarer Fall: Dies ist die Hauptstärke des Amiga und selbst unter dem angelich Multiprozessor-fähigen Windows NT absolut undenkbar.

Punkt Amiga!

Und dann ist da noch...der letzte Punkt der OS3.5-Installation: Einbinden des CD-ROM-Treibers...

Schon der Installationsvorgang verrät: Es handelt sich um CacheCDFs bzw. IDEfix, und entsprechend problemlos verläuft die Installation, auch hier hätte ich gerne einen Punkt für den Amiga vergeben, aber zwei Dinge verhindern dies: Die Farbabstimmung in den Installer-Requestern versteckt die "1" für die Anzahl der Medien des CD-ROM. Daher wurde während des Installierens nochmals eine "1" getippt und im nächsten Schritt wird man auf die 11 CDs hingewiesen, aber nur mit den Optionen "Abbrechen" oder "Fortfahren". Was ich gerne gesehen hätte, wäre die Option "Zurück" gewesen, um die Fehleingabe zu korrigieren. So aber scheitert der Wertungspunkt an einem fehlenden Requester.

Während der Installation wird ein CD-ROM-Treiber benötigt. Jemand, der erstmalig einen Amiga installiert, wird einen CD-ROM-Treiber kaum besitzen, und hat auch nicht die Möglichkeit, diesen von der CD herunterzuladen, da ohne Treiber diese ja nicht gelesen werden kann. Der insgesamt ordentliche Eindruck wird dadurch doch etwas getrübt - Punkt PC.

Benutzung des Amiga OS3.5

Die Benutzung des Amiga OS3.5 hinterläßt sichtlich Begeisterung bei meiner Test-Userin. Besonders die Möglichkeit, beinahe alle Systemeinstellungen mit den Prefs zu verändern und den eigenen Wünschen anzupassen, hat positive Eindrücke hinterlassen.

Die Bedienung war ohne jede Anleitung leicht genug, dass sie auch von einer PC-Benutzerin problemlos erfolgen konnte.


Gewünscht hätte sie sich lediglich noch kontextabhängige Pull-Down-Menüs, 
die direkt an der Position des Mauszeigers erscheinen.  

Ansonsten bestätigt sie, was wir Amiga-Fans schon lange wissen: Das AmigaOS, besonders Version 3.5, ist in allen wesentlichen Belangen dem Mainstream-OS WindowsNT4.0 ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen, und das schnelle Booten sowie die Tatsache, dass ein Amiga nicht heruntergefahren werden muß, freuen den User.

2 Punkte Amiga.

Die fehlende Möglichkeit einer Userverwaltung und des Datenschützens lassen aber den PC wieder zweimal punkten.

Fazit

Das gelungene Setup und die hohe Qualität des OS3.5 machen den Amiga wieder zu einem ernstzunehmenden System, mit dem alle Anwendungen und Tools verfügbar sind, die man zum Arbeiten benötigt. Lediglich die schlechte Einbindung der Netzwerkkarten-Treiber und des CD-ROM während des Setups stören das Gesamtbild. Hier wäre eine Lösung mit einer fertigen Bootdiskette sicherlich der schönere Weg gewesen, und die vollmundige Werbung für Netzwerkunterstützung ließ doch anderes erwarten, als letztlich mit Miami, noch dazu in der Trial-Version, geliefert wurde. Hier kann man nur auf ein Update für registrierte User hoffen. Unabhängig davon, war das Ergebnis klar:

Meine Testuserin wünscht sich zu Weihnachten einen A1200 PPC mit OS3.5! (Als Zweitrechner, neben einem 450Mhz PIII!)

Haben Sie mitgezählt? Für Zahlenfreaks die Punkte:


Amiga PC (NT4.0 WS, D) 
  
12 Punkte 7 Punkte 
  

Natürlich ist dieser Test etwas ungewöhnlich und kein Vergleich zu einem Standardbetriebssystemtest. Aber Amiga OS3.5 ist ja auch kein Standard-Betriebssystem!

Manuela und Rainer Wagner <r.wagner@t-online.net

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