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4. Vorstellung: Audio-CD 'Jogeir Liljedahl - The Wanderer' (von R. Wagner)

»Jogeir Liljedahl - The Wanderer

Vorneweg

Ein Musik-CD-Test in Amiga aktuell? Nanu? Die vorliegende CD wurde komplett mit einem Amiga komponiert und aufgenommen und passt schon von daher in dieses Online-Mag. Außerdem sollte Jogeir Liljedahl zumindest den "älteren" Amiga-Fans, besonders aus der Mod-Szene, ein Begriff sein...

Äußerliches

Die CD von Jogeir Liljedahl kommt in einem Crystal Case mit einem interessant gestalteten CD-Booklet und doppelseitigem Cover. Sie enthält dreizehn Tracks sowie einen Bonus-Track mit einer Gesamtspielzeit von 57 Minuten und 12 Sekunden.

Zur Covergestaltung

Für das Cover wurde ein Bild von Antone Sqizzato benutzt, es zeigt eine surrealistisch veränderte nächtliche Stadt-Landschaft, über der eine Person am Mond schaukelt.

Insgesamt wirkt das Bild sehr farbenprächtig und lädt zum Nachdenken ein, macht aber auch sehr neugierig.

Zur Musik (endlich)

Die Musik besteht ausschließlich aus Instrumentalmusik, wenn man von ein paar verfremdeten Vokalfetzen einmal absieht. Von der Richtung her handelt es sich um hochmelodiöse, sehr ruhige Kompositionen.

Die eingängigen, teilweise komplizierten Melodien und die angenehm leichten Rythmen laden zum Träumen ein, verlangen jedoch auch ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und sind damit als "Hintergrundmusik" ungeeignet. Es schadet nicht, die CD etwas lauter zu hören.

Bei Computerkompositionen wie dieser geschieht es leicht, daß die Musik abrutscht und ein eingängiges Thema öfters einfach nur mit verschiedenen Instrumenten, leicht variiert, gespielt wird. Diese Klippe hat Jogeir Liljedahl gekonnt umschifft, besonders indem er zum einen Aufnahmen von einer "richtigen" Gitarre, gespielt von Henrik Bang, einbezogen hat; zum anderen hat er sich wohl selbst eine enge Beschränkung bei den Instrumenten auferlegt, die verhindert, daß die Stücke unnötig in die Länge gezogen wurden.

Besonders schön ist, daß auch gekonnte Rhythmuswechsel in die Stücke miteingeflossen sind (am auffälligsten bei "Living in a dream") und auch häufiger Aufnahmen aus der Natur, wie z.B. Vogelzwitschern ihren Raum fanden.

Fazit

Ein vielseitiges Werk, mit Musik, die irgendwo zwischen Enya, Jean-Michel Jarre und Mike Oldfield angesiedelt ist. Einfach anders. Die Aufnahmequalität ist gut, die Zusammenstellung ist gut, die Covergestaltung ist toll: Das Gesamtbild stimmt und zeugt von einer liebevoll-gekonnt komponierten Musik. Leider ist diese Mischung viel zu intelligent und eigenwillig, um jemals Mainstream zu werden. Aber das passt ja auch...

Persönliches Fazit

Als ich die CD das erste Mal in den Händen hielt, fragte ich mich, was da jetzt wohl auf mich zukommt: Hardcore-Trance-Techno oder Spiele-Background- Gedudel? In jedem Fall rechnete ich nicht mit dem, was ich bekam: Frische, unverbrauchte Kompositionen, geschickt arrangiert und zusammengestellt und gut durchgemischt zwischen Pop, Jazz und Classic. Besonders erfreut war ich über die Gitarre und die Rhythmuswechsel, die die befürchtete Langeweile gänzlich kurierten, diese CD bekommt bei mir im CD-Regal einen Platz ganz oben!

Hinterher

Als treuer Amiga-User wünsche ich mir, daß Programme und Erweiterungen ebenso gekonnt geschrieben, komponiert, arrangiert und umgesetzt werden, wie diese CD.

Es war ein echtes Vergnügen, ein derartig ausgereiftes und vollendetes Produkt zu testen - wenn das AmigaOS 3.5 genauso gut würde, gäb's bald kein WinTel mehr... ;-)))))))

Rainer Wagner <r.wagner@t-online.net

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