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AMIGA gibt weitere Konzeptzeichnungen zur Veröffentlichung frei +++ AMIGA stellt Dr. Richard Lipes als 'Director of Multimedia Services' ein +++ AMIGA verwendet Linux- statt QNX-Kernel für das AmigaOE +++ AMIGA veröffentlicht Technologiepapier zum AmigaNG +++ AMIGA gibt Kooperation mit Corel bekannt +++ AMIGA stellt Gehäusemodell für den Amiga MCC vor +++ AMIGA verwendet offenbar Transmeta als AmigaNG-Prozessor +++ Veröffentlichung des Amiga OS 3.5 verzögert sich voraussichtlich um ein bis zwei Monate
Soweit die Schlagzeilen des Monats Juli (in chronologischer Reihenfolge). Willkommen damit zur umfangreichsten Ausgabe in der Geschichte von AMIGA aktuell, nachdem ein wahrhaft aufregender, aber auch stressiger Monat zu Ende gegangen ist. War die bisherige Zeit der 'Collas-Ära' schon sehr interessant, so haben die vergangenen Wochen alles Dagewesene bei weitem in den Schatten gestellt.
Wer sich so ausführlich mit Amiga-Neuigkeiten befasst wie ich das als Herausgeber dieses Magazins zu tun pflege, könnte fast meinen, der Amiga hätte im Juli den PC in der Medienpräsenz klar auf den zweiten Platz verwiesen... Ganz so war es natürlich nicht, aber es ist schon beachtlich, wer alles (teilweise mehrmals) über AMIGAs Neuigkeiten berichtet hat: CNN, c't, Die Zeit, Forbes, Mac Times, NBC Giga, PC Week, SAP Magazin, Screen Multimedia, Yahoo, ZDNet, und viele, viele andere. Wohl noch nie seit dem Konkurs von Commodore hat der Amiga soviel Aufsehen erregt wie in diesen Wochen.
Aber nun zu den Neuigkeiten im Einzelnen:
Manchmal beneide ich fast (aber eben nur fast) diejenigen von euch, die AMIGA aktuell per Post bekommen, weil sie über keinen Netzzugang verfügen. Ihr ahnt ja gar nicht, was sich in den ersten Tagen nach Bekanntwerden von AMIGAs Entscheidung, nicht QNX sondern einen Linux-Kernel als Basis für die Amigas der nächsten Generation zu verwenden, in der Amiga-Öffentlichkeit abgespielt hat. In den Foren und Newsgroups herrschte wahre Hysterie, und zwar nicht etwa aus Begeisterung, sondern aus Wut auf AMIGA und speziell dessen Präsidenten Jim Collas, der in ihren Augen nur einen weiteren Linux- Computer auf den Markt bringen wollte.
Zwar gab es von Beginn an auch Stimmen, die entweder zur Geduld mahnten oder die Entscheidung zugunsten Linux begrüßten, aber anfangs konnten sich diese nicht im geringsten gegen die Ablehnungsfront der breiten Masse durchsetzen.
Dadurch sah sich Jim Collas veranlasst, in den folgenden Tagen mehrere Statements und Erklärungen zu veröffentlichen, was schließlich - auf Kosten seines Wochenendes - etwas zur Beruhigung der Gemüter führte. Bezeichnend dafür war eine Online-Umfrage, die auf einer Amiga-Internet-Seite veranstaltet worden ist: Kurz nach Bekanntwerden der Linux-Entscheidung wurde diese nur von etwa einem Viertel der Teilnehmer unterstützt, bei Beendigung der Abstimmung jedoch hielten sich Befürworter und Gegner etwa die Waage.
Allein schon dies hätte vollkommen für einen kurzweiligen Amiga-Monat ausgereicht, aber da gab es ja noch das Technologiepapier zum AmigaNG, das wenige Tage später veröffentlicht wurde und größtenteils die Zustimmung der Anwender fand. Natürlich gab es auch kritische Stimmen sowie vereinzelte 'Totalverweigerer', aber das kann nicht verwundern, die Amiga- Anwenderschaft ist schließlich keine homogene Gruppe.
Insbesondere, was die Serienausstattung des AmigaNG betrifft, gibt es in der Gemeinde sehr unterschiedliche Ansichten. Ein Teil der Anwender wünscht sich veraltete, aber noch weit verbreitete Technologien, wie eine parallele oder serielle Schnittstelle, oder auch das in der Leistungsfähigkeit immer mehr von EIDE/ATA eingeholte SCSI als festen Bestandteil des AmigaNG. Mein Vorschlag: Warum kaufen sich diejenigen, die diese Anschlüsse für sich als notwendig erachten, nicht entsprechende Erweiterungen für USB bzw. PCI? Insbesondere Boards für letztgenannten Steckplatz sind quasi für "'nen Appel und 'n Ei" erhältlich.
Auch das Thema 'Diskettenlaufwerk' erhitzte die Gemüter: Ich persönlich glaube kaum, dass die Anwender sich auf ein Standard-Laufwerk einigen könnten. Die einen werden das LS120-Drive bevorzugen, eine zweite Gruppe das Konkurrenzprodukt Zip-Drive und wieder andere Anwender aus Kostengründen ein simples 1,44MByte-Laufwerk, der Rest will ganz auf eine Floppy verzichten. Deshalb tut AMIGA aus meiner Sicht gut daran, den AmigaNG serienmäßig mit gar keinem Diskettenlaufwerk zu versehen. Ein 3,5"- Schacht sollte aber auf jeden Fall vorhanden sein.
Den Schlusspunkt des Monats Juli setzten die parallel abgehaltenen Amiga- Messen World of Amiga in London und Amiwest in Sacramento. AMIGA zeigte nämlich (hinter Glas) ein Gehäusemodell für den geplanten Amiga MMC (Multimedia Convergence Computer), das in der Amiga-Gemeinde breite Zustimmung gefunden hat. Es äußerten sich jedoch auch vereinzelt Anwender, die das Gehäuse für zu schlicht halten oder aber sich ein konventionelleres Computer-Design wünschen. Dank des ATX-Standards dürfte einem Umbau in ein anderes Gehäuse aber nichts im Wege stehen, und ob der Amiga MCC tatsächlich in dem gezeigten Gehäuse auf den Markt kommt, ist ja auch noch die Frage.
Vielleicht noch wichtiger als das Gehäusemodell war aber ein Video, das AMIGA auf diesen Veranstaltungen vorgeführt hat: Darin wurden unter anderem die Partnerfirmen des Unternehmens bei der Entwicklung des AmigaNG in schriftlicher Form genannt, neben Sun (Java-Eigner), Pentagram (verantwortlich für die Gehäusedesigns) und Corel (Bereitstellung von Anwendungssoftware) auch Transmeta! Damit verdichten sich Spekulationen, dass im AmigaNG tatsächlich der sagenumwobene Prozessor dieser Firma zum Einsatz kommen wird. So gut wie niemand weiß, wie weit die Entwicklung dieses Chips fortgeschritten ist und welche Leistungsdaten er aufweist. Gerüchten zufolge handelt es sich dabei jedoch um eine revolutionäre Prozessorneuentwicklung - und das würde ja bestens zu den Andeutungen von Jim Collas passen. Eine offizielle Ankündigung von AMIGA zur Verwendung des Transmeta gibt es zwar noch nicht, aber die Nutzung von Linux, dessen 'Vater' Linus Torvalds heute bei Transmeta tätig ist, lässt die Verwendung dieser CPU im AmigaNG nur als noch wahrscheinlicher erscheinen.
Eine Information am Rande: Nach AMIGAs Schwenk zum Linux-Kernel sieht Phase 5 offenbar wieder einmal Chancen zur Etablierung eines Konkurrenz- Computersystem, das mit dem QNX-Betriebssystem Neutrino ausgeliefert werden soll (wie übrigens auch die PPC-G3-Karten des Unternehmens, s.u.). Bleibt abzuwarten, ob Phase 5 es diesmal schafft, eine Rechnerankündigung auch wirklich in die Tat umzusetzen - die bisherigen Versuche A\Box und pre\box scheiterten bekanntlich bereits im Ansatz. Damals jedoch hatte der Amiga kaum eine Perspektive, da sich kein offizieller Nachfolger in Entwicklung befand. Die jetzige Situation ist grundlegend anders, deshalb stellt sich die Frage, wie Phase 5 sein Ziel diesmal erreichen will, wenn es in für das Unternehmen günstigeren Zeiten bereits zweimal gescheitert ist. Aber lassen wir uns überraschen.
Jetzt noch zu einem anderen Thema: Das Schlusswort in der letzten Ausgabe hat offenbar Wirkung gezeigt - mit Phase 5 und Metabox haben sich zwei der Unternehmen, die PowerPC-G3-Karten für den Amiga entwickeln, zu Wort gemeldet. Phase 5 hat die Spezifikationen seiner G3-Karten geändert und will sie bereits Anfang September auf den Markt bringen, Metabox will mit der Auslieferung seiner Produkte der 'AmiJoe'-Reihe innerhalb der nächsten zwei Monate beginnen.
Die Interna der heutigen Ausgabe:
Ralf Driesner schreibt für jede Ausgabe einen Kommentar zu einem aktuellen Thema.
| Zu den regelmäßigen Aufrufen: |
Natürlich freuen wir uns aber genauso über Tests kommerzieller Produkte und nicht über die Verteilerliste vorgeschlagener FD-Software. Schreibt an aakt@gmx.de .
Viel Spaß jetzt bei dieser Ausgabe,
euer
Carsten Schröder