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6. Test: Retina BLT Z3 (Uwe Pannecke) und CyberVision 64 (Carsten Schröder)

Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, aus welchem Grund wir Tests unserer mehrere Jahre alten Grafikkarten vornehmen. Der Grund ist einfach: Beide Modelle dürften auch heute noch den Ansprüchen der meisten User genügen, zumindest was 2D-Anwendungen betrifft, und werden vor allem auf dem Gebrauchtmarkt oft recht günstig angeboten, was bei dem derzeitigen Mangel an neuen Grafikkarten ja nicht unwichtig erscheint.

»Die Grafikkarte RETINA BLT Z3

Gegen Ende des Jahres 1992 erschien auf dem Amigamarkt eine Grafikkarte, die für einen für damalige Verhältnisse geringen Preis von knapp 800,- DM gleichzeitig eine herausragende Leistung bot. Diese Retina getaufte Grafikkarte der Firma MacroSystem [1] (die gleiche Firma, die auch die Digitizer VLab, VLab-Motion und den Draco-Rechner entwickelt hat) konnte in jedem Amiga mit einem Zorro II-Bus verwendet werden, also in allen A2000, A3000 und A4000.

Neben der zwar fast universellen Einsetzbarkeit wurden jedoch die Möglichkeiten des Zorro III-Busses der A3000- und A4000-Modelle nicht ausgeschöpft.

Dem wurde Anfang 1994 mit der Veröffentlichung der Retina BLT Z3 Rechnung getragen.

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Diese neue Retina deutete schon in ihrem Namen wichtige Unterschiede zur Vorgängerin an: neben der ausschließlichen Tauglichkeit für den Zorro III- Bus besitzt die Retina BLT Z3 einen verbesserten Video-Chip, den 77C32BLT der Firma NCR/Symbios [2]. Dieser Video-Chip besitzt einen integrierten Blitter, daher auch der Zusatz BLT in der Bezeichnung der Grafikkarte, und soll gemeinsam mit dem Zorro III-Bus den Datendurchsatz wesentlich erhöhen. Für längere Zeit war damit die Retina BLT Z3 auch die schnellste Grafikkarte für den Amiga.

Der Video-Chip 77C32BLT der Retina BLT Z3 erlaubt einen Pixel-Takt von 110 MHz und 32 Bit Zugriffsbreite auf den Grafikspeicher. Die Retina BLT Z3 kann mit 1 oder 4 MB ZIP-RAM ausgestattet werden, wobei die 1 MB-Variante für heutige Verhältnisse etwas unterdimensioniert sein dürfte.

Je nach RAM-Ausbau der Grafikkarte kann die Retina unter anderem folgende maximale Auflösungen darstellen:


Farbtiefe Auflösung Bildwiederholfrequenz 

8 Bit 1600x1200 50 Hz 
16 Bit 1152x900 70 Hz 
24 Bit 800x600 55 Hz 
   

Reduziert man die maximalen Auflösungen in der jeweiligen Farbtiefe, sind auch entsprechend höhere Bildwiederholfrequenzen wählbar.

Zu beachten ist dabei, daß nicht jeder Monitor die dargestellten Werte verarbeiten kann. Einige der von der Retina BLT Z3 unterstützten Werte würden z.B. einen Monitor mit einer Horizontalfrequenz von 38 kHz bei weitem überfordern. Selbst ein 64 kHz-Modell stößt hier schon an seine Grenzen.

Die Grafikkarte besitzt keinen eingebauten Monitorumschalter, so daß für die Nutzung aller nativen Amiga-Videomodi (z.B. das Bootmenu oder die Screens nicht systemkonform programmierter Software) auf einen zweiten Monitor oder eine externe Umschaltbox zurückgegeriffen werden muß. MacroSystem hatte für diesen Zweck einen V-Code-Switch getauften externen Monitorumschalter im Angebot. Soll mit hohen Horizontalfrequenzen (> 57 kHz) gearbeitet werden, so ist entweder beim Einsatz der Umschaltbox auf die Verwendung hochwertiger Kabel zu achten, oder ab spätestens 82 kHz besser auf die Zwei-Monitor-Lösung zurückzugreifen, da ansonsten die Bildqualität leiden wird.

Die Grafikkarte besitzt einen FBAS- und Y/C-Ausgang, die durch eine Zusatzplatine, die huckepack auf die Retina gesteckt wird, aktiviert werden.

Dieses V-Code Retina BLT Z3 genannte Modul wird in den dafür vorbereiteten Video-Modul-Steckplatz gesteckt. So können selbsterstellte Animationen auf Video aufgezeichnet werden. Genlockfähig ist die Retina BLT Z3 jedoch nicht.

Die Retina BLT Z3 kann sowohl unter CyberGraphX [3], Picasso96 [4] als auch unter der hauseigenen RetinaEmu-Software betrieben werden.

Im Lieferumfang der RetinaEmu-Software, aktuelle Version 2.3, befinden sich neben vielen Tools zur optimalen Konfiguration der Grafikkarte zusätzlich MakeRace- eine Software, mit der sich (24 Bit-) Einzelbilder zu einer Animation fügen lassen, PlayRace- um die geschaffenen (24 Bit-) Animationen in hoher Geschwindigkeit abspielen zu können, AnCos- ein nicht-linearer 24 Bit-Frame-Editor, DigitalImage- ein Programm für die digitale Bildverarbeitung und VDPaint/Xi-Paint- ein wohl jedem Amiga-Anwender bekanntes 24-Bit-Malprogramm.

Die hauseigene RetinaEmu-Software hat jedoch mit Verfügbarkeit der CyberGraphX-Software an Bedeutung für die Nutzung der Grafikkarte verloren.

Die Retina BLT Z3 wird nicht mehr hergestellt. Sie ist auf dem Gebrauchtmarkt z.B in [5] zu recht günstigen Preisen von ca. 200...300 DM verfügbar. Trotz ihres Alters kann die Retina BLT Z3 auch heute noch für viele Amigianer zumindest im Bereich der 2D-Anwendungen die Ansprüche erfüllen.

In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse eines Benchmark-Tests aufgeführt:

Retina BLT Z3 auf A3000-Desktop mit 68040/40 und unter CyberGraphX v3


Test/Modi: 1024x768x8 800x600x8 800x600x16 800x600x24 640x480x24 
      
Intuition:      
      
OpenWin 12 13 10 
WinLayer 12 12 
SizeWin 43 50 49 36 37 
MoveWin 97 119 96 65 67 
ConOutP 34 41 33 30 31 
OpenScr 
SwapScr 
      
Grafik      
      
ScrollX 25 52 16 11 23 
ScrollY 25 53 18 11 23 
PrintTxt 2498 2573 2272 1889 1995 
RectFill 3212 3840 2816 1488 1749 
DrwElpse 4668 4672 764 724 725 
DrwCircle 7670 7676 7098 731 732 
WrtPixel 90809 90897 71688 69103 69175 
HorLines 5847 6255 5031 4461 4807 
VerLines 2386 3147 2578 2258 2876 
DiaLines 1446 1935 1511 633 815 
AreaElps 105 112 106 71 71 
AreaCir 96 102 96 63 63 
AreaFill 94 102 98 72 72 
      

Die Tests wurden mit dem Benchmarkprogramm Sysspeed 2.6 [6] auf einem A3000/040 mit CyberGraphX v3 durchgeführt. Alle Leistungsangaben in Operationen pro Sekunde.

Im A3000-Desktop des Autors verrichtet seit April 1995 eine Retina BLT Z3 klaglos und zuverlässig ihren Dienst.

[1] http://www.macrosystem.de [2] http://www.ncr.com [3] http://www.vgr.com/cybergfx [4] http://wwwcip.rus.uni-stuttgart.de/~etk10317/Picasso96/Picasso96.html [5] http://www.amiga-club.de/kleinanzeigen.html [6] im Aminet unter util/moni/sspeed26.lha verfügbar

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de

»Die Grafikkarte CyberVision 64

Die CyberVision 64 von Phase 5 digital products war zwar nicht die erste TrueColor-Grafikkarte mit 64Bit-Grafikchip für den Amiga, dennoch schlug sie bei ihrem Erscheinen, Mitte 1995, wie eine Bombe ein - nicht ohne Grund: Noch nie hatte der Amiga bis dahin eine solch hohe Grafikleistung gesehen. Die CyberVision 64 überflügelt den bis dato Spitzenreiter, die Retina BLT Z3, bei manchen Grafikoperationen in der Darstellungsgeschwindigkeit um ein Mehrfaches. Im Vergleich zum AGA- Chipsatz geht sie geradezu 'ab wie eine Rakete'.

Angesichts der damaligen Überlegenheit kann kaum verwundern, dass die Leistung der CyberVision 64 von dessen Nachfolgemodell CyberVision 64/3D und selbst von der 1997 erschienenen Picasso IV nur in Teilbereichen übertroffen wird.

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Technische Daten


Die CyberVision 64 ist eine reine ZorroIII-Karte, die wahlweise mit 2 oder 
4 MByte Grafikkarten-Speicher ausgeliefert wurde. 

Auf ihr arbeitet der 'Trio64', ein zu damaliger Zeit ungewöhnlich leistungsfähiger 2D-Grafikprozessor von S3. Zusätzlich enthält die CyberVision 64 einen Spezialchip namens 'Roxxler', der in der Lage ist, Grafikdaten, die im Amiga-internen Planar-Format vorliegen, in das bei Grafikkarten übliche Chunky-Format zu konvertieren. Somit muss diese Umwandlung nicht mittels einer rechenzeitintensiven Softwarelösung erfolgen.

Weiterer Pluspunkt der CyberVision 64: Das 15kHz-Videosignal des Amiga kann, bei Nutzung eines entsprechenden Monitors, ohne lästiges Kabelumstecken weiterverwendet werden - ein serienmäßig integrierter elektronischer Umschalter macht dies möglich. Natürlich lässt sich auf diese Weise auch das Signal eines Scandoublers oder Flickerfixers einspeisen.

Die CyberVision 64 erreicht eine Auflösung von bis zu 1024x768 Pixeln in 24 Bit (16,8 Millionen Farben). Dies stellt jedoch die alleroberste Spitze der Fahnenstange dar, ergonomischer sind bei dieser Farbtiefe 800x600 Pixel. Höhere Auflösungen sind in 16, aber vor allem in 8 Bit, also bei 256 Farben, möglich: Selbst 1600x1200 Pixel schafft die CyberVision 64 hier ohne Probleme. Diese Fähigkeiten verdankt sie nicht zuletzt ihrer Video-Bandbreite von maximal 135 MHz, einem Wert, der damals alles andere als durchschnittlich war.

Leistung


Test/Modi: 1024x768x8 800x600x8 800x600x16 800x600x24 640x480x24 
      
Intuition:      
      
OpenWin 25 28 25 18 24 
WinLayer 33 37 25 17 
SizeWin 196 228 140 117 148 
MoveWin 362 406 199 76 117 
ConOutP 62 97 47 26 18 
OpenScr 
SwapScr 75 75 75 72 75 
      
Grafik:      
      
ScrollX 75 134 42 12 30 
ScrollY 69 133 41 10 28 
PrintTxt 7846 8047 6348 3518 4533 
RectFill 8624 9466 4270 1521 2333 
DrwElpse 17517 17612 1873 2002 2036 
DrwCircle 16911 17115 16313 7928 13845 
WrtPixel 154149 154251 124590 127649 127667 
HorLines 19612 20602 15190 8131 12622 
VerLines 3722 5669 4545 2088 4752 
DiaLines 2822 3899 2989 1837 3035 
AreaElps 276 276 272 225 250 
AreaCir 258 258 251 208 228 
AreaFill 7997 8550 5490 2199 3489 
      

Die Tests wurden mit dem Benchmarkprogramm Sysspeed 2.6 auf einem A4000/060 mit installiertem CyberGraphX v4 durchgeführt. Alle Leistungsangaben in Operationen pro Sekunde!

Fazit

Die CyberVision 64 ist eine der interessantesten Amiga-Grafikkarten, die es jemals gegeben hat. Wer nicht auf 3D-Funktionen und HighEnd- Leistung angewiesen ist und einen ZorroIII-Amiga mit OS 3.x sein Eigen nennt, ist mit einer günstig erworbenen CyberVision 64 auch heute noch gut beraten.

Carsten Schröder <aakt@gmx.de

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