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Gute Frage....der Grund liegt meiner (unserer) Einschätzung nach in der falschen Beurteilung Commodore'e zu dieser Zeit. Wie schon erwähnt, durften Geschäftsführer so ziehmlich alles machen was sie wollten, wenn der Umsatz stimmte.
Und anscheinend hatte man bei Commodore das Gefühl, sich Experimente wieder "leisten" zu können. Damaliges Megastichwort (vor Multimedia) war "innovativ".
Man suchte bei Commodore nach einem A500 Nachfolger. Der A500 war eigentlich der Umsatzbringer und es immer hieß "solange sich ein Produkt verkauft, werden wir es anbieten", trotzdem verschwand der A500, wie auch der A3000, obwohl dafür keine Notwendigkeit bestand. Jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt, denn richtige Alternativen gab es ja leider nicht.
Commodore USA gab "Entwicklungen" vor und fragte nach dem Prinzip "könnt ihr das verkaufen ? - und wenn ja, wieviel davon ?". Helmut Jost war der Ansicht, er könne vom A600 (Arbeitstitel "A300") 300.000 Stück pro Quartal verkaufen (in diesen Mengen verkaufte C= zu den besten Zeiten gerademal seinen A500).
Wäre der Name bei A300 geblieben, wäre er seinem Ruf vielleicht eher gerecht geworden :-), es kam nur leider anders. :-(
Commodore sah den Vorteil des A600 in der kostengünstigeren Produktionsweise (SMD), der kompakten Bauart und der "leichten" Aufrüstbarkeit via PCMCIA. Anscheinend hatten da einige Köpfe nicht bedacht, daß PCMCIA-Erweiterungen (Anfang der 90er) doch extrem teuer waren.
Eine weiteren "Vorteil" sah man in der Möglichkeit, im A600 eine HD anzu- schliessen. Leider gab es dann zwei Varianten des A600, nämlich ohne HD und ohne direkte Anschlußmöglichkeit, da das eingebaute Kickstart-ROM V37.299 nicht in der Lage war, HD's anzusprechen (es fehlte dann auch die HD- Install Diskette und die Halterung für eine HD, sowie das 2,5" Kabel) und eben den A600HD, der Anfangs mit 20MB Festplatte und später mit 40MB Festplatte ausgeliefert wurde.
Für den nackten A600 gab es dann später ein Upgrade-Kit auf die 40MB Fest- platte, mit den anderen "fehlenden" Teilen und dem Kickstart-ROM V37.300, das später durch die Version V37.350 ersetzt werden musste, da es 2,5" Festplatten gab, die eine zu lange Anlaufzeit hatten und somit der A600 bereits beim Booten war, ohne die Festplatte zu berücksichtigen.
Konkrete Vorteile, wie eben die Möglichkeit, 2 MB CHIP-RAM und bis zu 8MB FAST-RAM (also 10MB insg.) verwalten zu können und dies auch in den Werbe- prospekten unterzubringen, lehnte H. Jost strikt ab. Wir durften für die Marketingabteilung die Prospektentwürfe zwar inhaltlich korrigieren, nur wurde das entweder nicht berücksichtigt (manche Vorlagen wurden ein halbes Dutzendmal von uns korrigiert), oder man übersah sie einfach. Ich hab die Passage mit "max. 8MB RAM" solange durchgestrichen, bis H. Jost endlich nachgab.
Die Personalproblematik bei Entscheidungsträgern bestand nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA. So war zu diesem Zeitpunkt die Ansprechperson "Bill Sydnes". Eigentlich kam er vom PC-Bereich Commodore's und genau so wirkten sich dann auch seine Ansichten aus. Er verstand nicht nur nichts von PC's (einhellige Ansicht meiner PC-Kollegen), sondern noch weniger vom Amiga.
Da ich seinerzeit gegen den A600 Sturm gelaufen bin und eigentlich auch in diesem Bereich aktive "Arbeitsverweigerung" betrieb (H. Jost verlangte von mir, daß ich unserem Vertrieb die Vorzüge des A600 gegenüber einem A500 deutlich machen sollte) und sonst niemand so richtig für den A600 zu begeistern war, versuchte C= Deutschland sich "Hilfe" aus USA zu besorgen.
Dazu verfasste Bill Sydness (1/2) ein Schreiben, in dem ER die Vorzüge dieses Geräts aufführte.
Er schrieb (2/2) in seinem Memo an die Geschäftsführer genau die Punkte rein, die eventuell mal Vorteile sein könnten, verkaufte sie aber als bereits existierende Vorteile. Es war zwar schön zu lesen, daß man Netzwerkkarten, Controller uvm. einbauen könne und das PCMCIA der kommende Standard auch für Low-End Systeme werden würde, nur haben eben diese Punkte zum damaligen Zeitpunkt nicht gestimmt. Und selbst wenn sie gestimmt hätten, wäre es fraglich, ob jemand bei einem 4-500 DM Rechner eine 512KB PCMIA-Ram Karte für den Preis eines A600 kaufen würde.
Im Grunde war das für uns (mich) nie fraglich, denn wir haben weder für den A600 noch für PCMCIA Zusatzprodukte eine Chance gesehen. Wir haben es allerdings zur "Kenntnis" genommen, nachdem es hieß, Commodore würde eigene PCMCIA-Produkte für den A6000 (und A1200) auf den Markt bringen. Das ließ uns wenigstens hoffen, daß man es nicht kleinen Entwicklern überlassen musste, unsere Produkte zu unterstützen, damit wir überhaupt Geräte verkaufen konnten.
Bedauerlicherweise war auch Petro T. der Ansicht, der A600 sei ein tolles Gerät. Ich unterstelle jetzt einfach mal, daß er es nicht besser wusste. Wilfried Häring und ich haben seinerzeit versucht, Petro klazurmachen, daß das Teil nichts taugt und er doch (Petro hat(te) einen direkten Draht zu Mehdi Ali, der sagen wir mal der Commodore-"Oberboss" war) auf diesem Wege versuchen sollte, Mehdi Ali von der Produktion dieses Geräts abzuraten. Wir wissen leider nicht, ob er das jemals getan hat. Der A600 kam ja leider dennoch auf den Markt.
Nachdem was ich erfahren habe, war der A600 schon in Arbeit, als wir noch versuchten, Argumente gegen den A600 vorzutragen. Helmut Jost hatte scheinbar seine Ansicht weiterhin vertreten, er könne die genannten Absatzzahlen auch wirklich realisieren. Es spielte also schon gar keine Rolle mehr, ob wir uns wehren würden oder nicht, der A600 war beschlossene Sache.
Kaum war der A600(HD) da, gingen die vorhergesagten Probleme los. Der Widerstand bei den Käufern (Amiga-Magazin 7/92, Leserforum) richtete sich gerechtfertigterweise gegen das Gerät und dessen Aufrüstmöglichkeiten und Reparaturfeindlichkeit, sowie der nicht mehr 100%igen Softwarekompatibilität, wegen der fehlenden nummerischen Tastatur.
Commodore Westchester Ned McCook (1/2) verfasste ein Memo zum A600HD, indem die einzelnen Niederlassungen aufgefordert wurden, umfangreiche Softwaretests innerhalb von 48 Stunden (2/2) vorzunehmen und die Titel aufzuführen, die bei einem A600(HD) Probleme aufgrund des mangelnden Arbeitsspeichers und des fehlenden Zehnerblocks hatten. Diese "Idee" war völlig abwägig. Denn woher sollte man in dieser kurzen Zeit a) die Titel heranschaffen, um einen aussagekräftigen Bericht abliefern zu können und b) waren gar keine Kräfte für solche Aktionen frei. Es gab zwar bei Commodore eine Art Software-Archiv, die von Wolfgang Trompetter (unser letzter technischer Direktor) "CATS" verwaltet wurde, allerdings waren diese Sachen dafür nicht geeignet.
In einem memo an H. Jost habe ich genau diese Zustände bemängelt, allerdings war H. Jost meiner Meinung nach für viele Dinge nicht mehr "offen". Er schrieb einfach seine Kommentare auf Memos und wollte Ergebnisse sehen, egal wie sinnvoll sie waren. Funkspots halfen dem A600 (und anderen Commodore-Produkten) auch nicht. Wer die Spots gehört hat, wird wohl wissen warum.
Um den A600 zu "retten", kam H. Jost auf die Idee, ihm eine externe Zehner- tastatur zu verpassen (nicht nur wenig sinnvoll, sondern auch teuer). Zudem musste das Teil auch irgendwo angeschlossen werden (meinetwegen an einem durchgeschleiften Joyport) und man benötigte auch noch Treiber, um das Teil ansprechen zu können. Alles keine kurzfristigen Lösungen (war aber auch nicht mehr nötig, wie sich hinterher rausstellte).
Irgendwann in einem Vertriebsmeeting, an dem ausnahmweise auch die Support- Abteilung teilnehmen durfte, kamen neben verschiedenen Themen auch der A600 zur Sprache. Helmut Jost gab bekannt, daß Commodore seinerseits die PCMCIA- Schnittstelle nicht "weiter" unterstützen werde.
Auf meine Frage, wo er denn dann die "Vorteile" des A600 sähe, antwortete er nach einer kurzen Pause: "ich sehe auch keine Vorteile". Die anwesenden Vertriebsmitarbeiter waren sichtlich schockiert, denn wie soll man etwas verkaufen, wenn man keine Argumente für den Kauf sein solchen Produkts an die Hand bekommt?
Kurze Zeit später ging es mit dem A600 endgültig abwärts. Sein Preis fiel immer schneller und H. Jost war beschäftigt, die Dinger so schnell wie möglich zu veräußern. Das war dann die Zeit, wo es die 600er so schweinebillig in verschiedenen Märkten zu kaufen gab.
Ich denke, der A600 war einer der großen Sarknägel Commodore's und der C65 (Seite 5) wäre sogar noch ein größerer geworden, der sicherlich schon 1-2 Jahre früher das Aus für Commodore bedeutet hätte.«
Fortsetzung folgt...