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»Angefangen... ja, angefangen hat alles mal Anfang der 70er, als mir in der Stadtbücherei ein Buch über Computer - zimmergroße Riesenmaschinen mit abstrakter Technik, unverständlicher Programmiersprache, gigantisch beeindruckend - in die Hände fiel. Damals, als Teenie, hatte ich schon die Vision: Irgendwann, in ferner Zukunft, möchte ich mich auch mit diesen Monstren beschhäftigen.
Jo, und wie es denn so ist, die Interessen wandeln sich; außerdem gab es ja nichts "zum Anfassen" - und wie heißt es so schön: Aus den Augen, aus dem Sinn! Es gab dann zwar den ersten Taschenrechner, doch das war ja gar kein "richtiger" Computer. So kam ich zur Berufsschule, und was hatte einer meiner Mitschüler? Einen programmierbaren Taschenrechner von Hewlett Packard, der seine Programme auf kleine Magnetkarten speichern konnte. Genial...
... Und das Karussell beginnt sich zu drehen ...
Von da an war der kleine Schwelbrand zur vollen Flamme erwacht. Schon bald hatte ich ebenfalls einen programmierbaren Taschenrechner, von Casio. Fast zeitgleich kam der erste "Persönliche Computer" für zu Hause auf den Markt, der Commodore PET. Ein richtiger Computer, mit Bildschirm und Tastatur und Kassettenlaufwerk zum Speichern - Wahnsinn! Leider zu teuer für einen armen Lehrling :-( Es folgte die Zeit des Dienens, ganz in grün, und alle Welt - ich meine Technikbegeisterte, und davon gab es noch nicht viele - sprach vom ersten richtigen Heimcomputer, dem Sinclair ZX 80. Anzuschließen am Fernseher, kryptische Bedienung (fast so wie die Großrechner aus meinem Buch...), aber ein richtiger kleiner Computer. Nicht viel später kam schon der Nachfolger, der ZX 81. 1 KiloByte Speicher, Minimalgrafik in Schwarz-Weiß, eingebautes BASIC und eine Tastatur für Mäusepfoten. Aber man konnte programmieren...
... und es dreht sich schneller ...
Bei einem Rundfunkhändler (!) stand eines Tages der Commodore VC 20. In Farbe! Mit richtiger großer Tastatur!! Doch schon wieder unbezahlbar. Kaum daß man sich an diesen Anblick gewöhnt, kommt schon der Nachfolger (muß ein Virus sein, der die Hersteller befällt...), der C64. Eine geniale Maschine. 38 KByte Speicher, für maschinennahe Programmierung sogar 52 KByte. Was kann es größeres geben? Gut, IBM hatte zwar den PC entwickelt, aber der war ja nur schwarz-weiß, sauteuer und für Büroarbeiten gedacht - wie langweilig. Und mit PC-DOS ausgestattet, wie kryptisch. Von einem jungen Garagen-Programmierer names William H. Gates, genannt Bill.
Es gab damals wohl ein alternatives Betriebssystem, CP/M - laut Expertenmeinung das Bessere - aber IBM war von Billie Boy wohl so angetan... na ja, der Rest ist Geschichte.
| 7 Jahre arbeiten, tunen, basteln, philosophieren mit dem C64 folgten. Sogar |
| BTX konnte man schon mit ihm machen... |
... und schneller ... und schneller ...
Der PC dümpelte immer noch leise vor sich hin. Atari aber hatte sich schon aus dem Pool der Home-Computer-Kraucher erporgehoben mit dem 520/1040, da bekam Commodore den Joker - die vor dem Konkurs stehende Firma Amiga! Ebenso wie bereits Apple und Atari basierend auf dem 68k Prozessor, aber irgendwie ... besser!? Besser für Commodore, denn das System stand, es brauchte nicht erst entwickelt zu werden. Besser, weil das Potential weit über dem des PCs lag. Nur leider wurde das von Commodore nicht erkannt; oder anders gesagt, Commodore hatte nicht die Courage, diesen Vorsprung zu nutzen.
Mit einer Einschränkung, dem 2000er. Welcher allerdings nicht direkt von Commodore geplant war, sondern von findigen (denkenden?) Servicemitarbeitern aus Braunschweig zusammengetüftelt wurde. Mein 2000er läuft heute noch mit einer Kundendatenbank und als FAX-Maschine in der Firma... - einen 12 Jahre alten PC möchte ich in dieser Situation nicht sehen...
BTW: in den AmigaOS Versionen 1.2 und 1.3 (vorherige Versionen kenne ich leider nicht) werkelte ein BASIC, geschrieben von unserem Freund Bill G.!
... und schneller ... und schneller ...
Die PC-Welt staunte fast täglich über neue Innovationen: schnellere Prozessoren, bessere Software... und wir Amiganer? Zogen über die dummen "DOSen" her, wußten zwar, daß unser System besser war (wußte Commodore das auch? Wahrscheinlich, leider ließen sie es uns nicht wissen, sondern investierten lieber in den ach so aufstrebenden PC-Sektor), doch das Wissen alleine auf der einen Seite und die Verfügbarkeit von Bürotauglicher Anwendungssoftware auf der anderen Seite ließen die Waage reichlich schräg stehen...
Nun, die "Kompatiblen" wurden also mit neuester Technik überhäuft, und wir guckten immer mehr in die Röhre. Dann das Ende von Commodore - anschließend die jahrelange Irrfahrt! Sicher, irgendwas muß am Amiga dran sein, daß es ihn heute trotzdem noch gibt - Doch eigentlich ist das nicht mein Thema, ich werde emotional...
... und schneller ... und schneller ...
Tja, so sind wir fast am Ende meiner kleinen Computerreise angekommen. Oder sollte ich sagen, am vorläufigen Ende? Wenn ich also auf alle meine jemals besessenen Computer zurückblicke, hatte ich mit dem Amiga zugegeben den meisten Spaß. Allerdings habe ich mit meinen beiden PCs auch meinen Spaß. Einen anderen Spaß als mit dem Amiga, aber Spaß. Vor allem die Kinder haben ihren Spaß, denn vernünftige Kids-Spiele bzw. Lernprogramme gibt es halt nur für... Aber ich schweife schon wieder...
Resümee - Was ist in den letzten 20 Jahren passiert? Vom 256 Byte Taschenrechner über den 1 KByte ZX 81 über den 52 KByte C64 über einen 1 MByte Amiga und einen 9 MByte Amiga und einen 18 MByte Amiga zum 80 MByte PC.
Meine Philosophie ist offensichtlich - nutze das was im Moment die besseren Lösungen bietet. Darum sehe ich den Amiga nur als einen Schritt in der Computertechnik. Warum also um alles in der Welt sich daran festbeißen? Irgendwann wird es dem PC genauso gehen, und ein anderer Stern wird aufsteigen.
Vielleicht sogar früher als wir alle erwarten... Und wie heißt es so schön: "Der Computer löst für uns die Probleme, die wir ohne ihn gar nicht hätten!"
...Und angefangen hat alles mal mit einem Buch...
| Martin A. Endrikat | <mae.nms@foni.net>« |