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AMIGA-aktuell-Forum

In dieser Rubrik sind die - bei den meisten anderen Magazinen getrennt geführten - Rubriken "Leserbriefe", "Kleinanzeigen", und "Problemecke" zusammengefasst.

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Carsten Schröder 
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1. Leserbrief zum Amiga-Niedergang unter Commodore (von Raphael Pilarczyk)

»Leserbrief angeregt von Rainer Bendas "Der Commodore-Untergang aus meiner Sicht"


Der Verlauf ist weitgehend bekannt, was waren aber die Gründe? 
Misswirtschaft? Sicherlich, aber 'in welchem Sinne'? 
  

Meiner Meinung nach(!) wusste das Managment überhaupt nicht, was nach C64 passieren soll. Sie haben auf Atari geschaut und Amiga gekauft. Nach A500 zeichnete sich die Frage aber wiederholt ab: "Was nun?"

Der wichtigste Grund für den Untergang war der eigentliche Stolz der Firma, die Customchips. Sie veralteten schneller als sie auf dem Waffer geschnitten werden konnten.

Mit AmigaOS 2.x hat man verschlafen - wie leider auch mit 3.x, aber da war es schon eh zu spät - RTG einzuführen, um die Grafikhardware der x86- Plattform in das System zu integrieren.

Die Customchips mochten zwar gut mit der Fernsehtechnik zusammenspielen, aber das ist keine Voraussetzung für einen HomePC, wie man sieht jedenfalls keine ausreichende.

Der zweite Grund war das OS selbst bzw. die unzureichenden Entwicklungswerkzeuge samt Entwicklerunterlagen.


Kennt jemand eine Anwendergruppe, die sich nicht ihre eigenen Jokes über 
Guru Meditation erzählt (hi hi)? Hier hat Commo die Hausaufgaben 
ebenfalls nicht gemacht.  
  

Wegen fehlendem Speicherschutz erlaubt das OS dem Task, eben dank 'shared memory', ein superschnelles Agieren. Heute ist man aber der Meinung, dass sich dieses Konzept überlebt hat.

Wie man am Win9x und MacOS aber sieht (!), hindert fehlender Speicherschutz eine HomePC-Plattform keineswegs am Erfolg. AmigaOS fehlten in dieser Hinsicht einfach die nötigen Entwicklerwerkzeuge.

Etwas wie Enforcer - oder der nie fertiggestellte GuardianAngel - sind für shared memory keineswegs ausreichend. Es ist eine weitgehend akzeptierte Meinung, dass die meisten Abstürze einer Anwendung, und damit des ganzen Betriebssystems, nicht durch das Überschreiben irgendwelcher "fremden" Daten geschehen, sondern weil die Betriebssystemaufrufe falsch verwendet werden.

Etwas was man in dieser Richtung als brauchbar bezeichnen kann, kommt als OneManShow im Jahre 1999. Gemeint sind hier Thors MuTools und das dazu passende PATCHWORK von Richard Körber. Leider 11 Jahre zu spät.

Andererseits kann ich mir auch die Anmerkung nicht verkneifen, dass die Hobby- wie auch Profientwickler Commo leider nicht gleich am Anfang der Zeit unter Druck gesetzt haben, solche Projekte auf die Beine zu stellen. Meiner Meinung nach war die s.g. Community eben zu lange unreif.

Der letzte Grund war Motorola selbst. Während x86 schnell mit neuen Features und vor allem(!) mit höherem Takt aufwartete, schien man sich bei Motorola nicht ganz klar gewesen zu sein, wohin die Reise eigentlich gehen sollte.

Die Entwicklung des 68k ging für meine Begriffe ziemlich schleppend. Nach 68030 mit seinen niedlichen 50 MHz und eingebauter MMU wagte man, sich den 68k mit 040 neuzudesignen, womit man aber in einer Sackgasse gelandet ist. Mit 40 MHz konnte man dem x86 nicht gefährlich werden. Der 68060 war dann zwar wieder eine CPU mit ausreichend Potential, aber er kam zu spät.

Zu spät für den Amiga - Commo war zu dem Zeitpunkt schon so gut wie platt - wie auch für den Mac. Apple wollte ihn auch gar nicht mehr haben, da der neue PowerPC601 von IBM/Motorola auf Anhieb gleich leistungsfähig war.


Raphael Pilarczyk <PIK@amigo.ping.de>« 
  

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