Oldies Solves Series © 1988-1999
Nico "Dire" Barbat.
Indiana Jones 4
The Fate of Atlantis
Spiele-Test
Dieser
Artikel erschien in der Zeitschrift Amiga Joker, Ausgabe 5/93, S.82.
Nach
endlos langen Warteschleifen hat der Überflieger aus dem Hause Lucas Arts
nun doch noch seinen Konvertierungs-Weg von der MS-Dose zur Amiga-Elite
gefunden. Der Mann mit dem Hut ist wieder da ... das Abenteuer kann beginnen.
Nach
der etwas laestigen Abfrage, in der drei Steinplatten mit Hilfe des Handbuches
in eine korrekte Anordnung gebracht werden muessen, uebernimmt der
ambitionierte Spieler die Rolle des bekannten Archaeologen und Abenteurers Dr.
Indiana Jones vom Barnett College, der sich, im Wettkampf mit den Nazis unter
Fuehrung des blonden, blau-äugigen Agenten Klaus Kerners und des
fanatischen Professors Dr. Ubermann, auf die Suche nach der sagenhaften,
versunkenen Stadt Atlantis begibt. Dabei stellen sich ihm drei Lösungs-Möglichkeiten,
die sich untereinander stark unterscheiden. So ist Indy beim Team- Weg
ausgerechnet auf die Hilfe seiner alten Jugendliebe Sophia Hapgood angewiesen,
die mit mehr oder minder glaubwürdigen Hokus-Pokus-Geschichten über
Atlantis die Welt in Atem hält. Sie ist es denn auch, die Indy mit
gespielter Scharfzüngigkeit oder "damenhafter" Abenteuerlust in
den häufigen, zum Teil nicht sehr harmonischen Dialogen nicht selten,
aber oft genug auf die Palme bringt. Beim Action-Weg darf Dr. Jones wie schon
aus Teil 3 bekannt, getreu nach dem Motto "Zwei Fäuste für ein
Halleluja" mit dreisten Normaden-Patrouillen im heißen Sand bei
Algier, mit dumm-dämlichen Nazis in mysteriösen Labyrinth zu Knossos
oder mit gehirnlosen Muskelpaketen à la Arnold raufen, während beim
Puzzleweg der diplomatische Vorgang geeigneter erscheint. Gemeinsam haben alle
drei Lösungswege lediglich den ungeheuren Unterhaltungs-Wert bei den
Dialogen und logischen Handlungen Indys und Sophias. Spielerisch ist also, wie
leicht zu erkennen, eine Menge geboten. Aber auch technisch ist für das
Wohl des Spielers gesorgt. Die schönen, aber allzu raren Musikstücke,
die erneut mit dem hauseigenen iMuse-Soundsystem hergestellt wurden und
hervorragend zu den entsprechenden Handlungen oder Orten passen, und die
geniale Grafiken nach Art von Monkey Island 2 reichen sich aneinander die Hände,
obwohl an einigen wenigen Stellen, zum Beispiel in Algier auf dem Marktplatz,
die Animation zu kurz kommt, bzw. fast einschläfernd wirkt (eine Turbokarte
waere nicht fehl am Platze!). Bemerkenswert sind jedoch die originellen Einfälle
der Entwickler, was die Animation angeht, beispielsweise der realitätsnahe
Effekt, dass sich die Augen erst mit der Weile an die Dunkelheit gewöhnen,
oder die amüsanten Gesten und spontanen Reaktionen Indys (beleidigte Pose,
erklärende Geste, u.a.). Die angebrachte, zum Teil urkomische Übersetzung
ins Deutsche trägt da seinen Teil zum Meisterwerk nur noch bei. Letztlich,
und das darf gesagt werden, findet das Abenteuer ein gemeinsames Happy-End
unter Sternenhimmel samt Sonnenuntergang. Anzumerken ist noch die gelungene
Verpackung samt Inhalt: ein deutschsprachiges, für den Kontext
angemessenes Handbuch, ein farbiger Werbekatalog, eine kurze Referenzkarte,
ein exklusives DIN-A-3-Poster und ein ebenso exklusives Lösungsbuch!
Lucas
Arts hat sich einmal mehr selbst übertroffen und der ohnehin schon kleinen
Konkurrenz noch mehr das Fürchten gelehrt ...
| Gesamt: | 93% |
| Grafik: | 94% |
| Animation: | 89% |
| Sound: | 80% |
| FX: | 65% |
| Handhabung: | 85% |
| Motivation: | 95% |
| Dauerspaß: | 95% |
| Spielgrad: | Für Fortgeschrittene |