Camouflage Music Machine

MIDI Sequencer und Harddisk-Recorder fuer den Amiga.

TEST


Einleitung:

Gerade um Software fuer Musiker ist es leider sehr still auf dem Amiga. Dennoch bedeutet dies nicht, das man als Musiker auf eine andere Plattform wechseln muss, um vernünftig arbeiten zu können. Wer schon mal ein Blick ins Aminet geworfen hat, weiss dass der Amiga auch hier viel zu bieten hat. Eine der am häufigsten verwendete Anwendungen in diesem Bereich ist der MIDI Sequencer. Auch hier hat man eine gewisse Auswahl. Der berühmteste MIDI-Sequencer für den Amiga heisst Bars&Pipes. Er wurde u.a. von Jan Hammer benutzt, der damit das Titelthema der bekannten US-Serie "Miami Vice" komponierte. Dieses Programm wird allerdings schon lange nicht mehr weiterentwickelt. Ganz anderes ist es da bei Camouflage. An Camouflage wird ständig weiterentwickelt und verbessert. So ist seit Ende August '98 die Version AB 2.47 erhältlich und die AB V3.0 soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Grundsätzlich gibt es zwei Versionen von Camouflage. Zum einen gibt es die B Version, die ausschliesslich aus einem MIDI-Sequencer besteht und die AB Version, die zusätzlich noch Harddisk-Recording ermöglicht. Dieser Test bezieht sich auf die Version AB 2.47, allerdings werde ich die Audiofunktionen nur oberflächlich behandeln, da ich keine Soundkarte besitze und somit eine Beurteilung der Audiofunktionen nur bedingt möglich ist.

Hardwareanforderungen:

Die Mindestanforderungen für Camouflage sind wie folgt: Für die B Version:

  • 1. 68020 CPU
  • 2. 4MB Fastram
  • 3. Einen MIDI-Interface

Für die AB Version:

  • 1. 68030/50MHz
  • 2. 4MB Fastram
  • 3. Einen MIDI-Interface
  • 4. Eine Soundkarte

Emplohlen sind aber(für AB Version):

  • 1. 68040+
  • 2. 8MB+ Fastram
  • 3. Eine Festplatte mit einer Audiopartition
  • 4. Einen MIDI-Interface
  • 5. Eine Soundkarte
  • 6. Eine Grafikkarte

Alle Versionen benötigen selbstverständlich auch noch ein Masterkeyboard oder ein herkömmliches Keyboard welches Local On/Off Funktionen bietet und mindestens ein Sound-Modul/Expander. Zwar hat man auch auf der Rechnertastatur eine Behelfstastatur zur Verfügung, aber dies kann man nur als Notlösung bezeichnen. Grundsätzlich sollte man aber die Hardwareanforderungen höher ansetzen. Auch eine Grafik-Karte sei dem Camouflage-Anwender sehr ans Herz gelegt, da Camouflage die grösste Übersicht bietet, wenn man mit 256 Farben und einer Mindestauflösung von 800x600 arbeitet. Ich benutze es im Moment mit 16 Farben und einer Auflösung von 656x480 und da kann Camouflage, je nach Situation, sehr unübersichtlich sein.

Screenshot - (25070)

Mit einer 68040 CPU kann man ca. 4 Audiospuren einbinden, mit einer 68060 CPU sind ca.12 Audiospuren möglich. Man kann die Audioausgabe mit AHI auf die internen Soundchips des Amiga ausgeben, allerdings ist die Audioqualität der Ausgabe dann natürlich nicht sonderlich hoch. Ausserdem arbeitet Camouflage intern mit 16bit, d.h. dass die Audiodaten in Realtime auf die Paula herruntergerechnet werden müssen, was selbstverständlich viel Rechenpower kostet.

Lieferumfang:

Ich hatte mir Camouflage AB+MIDI-Interface bestellt. Zum Lieferumfang dieser Version gehören:

  • 1. Programmdiskette mit aktueller Version
  • 2. Programmdiskette mit letzten patchbaren Version.
  • 3. Handbuch in einer DIN A4 Ringmappe.
  • 4. Ein MIDI-Interface

Das Handbuch ist sehr umfangreich, klar gegliedert und übersichtlich. Leider ist es jedoch nicht von der aktuellen Version, so dass man einige Funktionen vergeblich sucht. Die GUI hat sich seit der Fertigstellung des Handbuches sehr geändert, allerdings ist es trotzdem nicht weiter schwierig, mit dem Handbuch klarzukommen. Das Studium des Handbuches ist ein absolutes Muss um vernünftig mit Camouflage zu arbeiten. Zur V3 wird das Handbuch komplett überarbeitet und das Programm soll dann erstmalig auch in einer engl. Version erhältlich sein. Das MIDI-Interface ist in einem sehr stabilen Metallgehäuse und wird an der seriellen Schnittstelle angeschlossen. Zur Verfügung stehen 1xMIDI-In, 1xMIDI-Thru und 3xMIDI-Out.

Der Test:

MIDI: Wenn man Camouflage gestartet hat, macht es seinen eigenen Schirm auf und dort sieht man dann auch die elementarsten Bedienungselemente, den Trackeditor, die Toolleiste und die Steuerzentrale. Jedes Fenster hat bei Camouflage seine eigenen Menus(ausser der Toolleiste). Die GUI ist grösstenteils auf Multithreading ausgelegt, d.h. man kann jederzeit in Realtime eingreifen und z.B. MIDI-Daten oder die Trackeffekte ändern. Wer Steinberg's Cubase kennt, denkt sich wahrscheinlich im ersten Moment, dass er sofort mit Camouflage zurechtkommt. Allerdings ist Ähnlichkeit der GUI eher zufällig und die tatsächliche Bedienung des Programmes ist völlig anders. Camouflage bietet alle gängigen Arten um MIDI-Daten zu bearbeiten. Hierfür stehen ein Drumeditor, ein Eventeditor, ein Pianoeditor, ein Blockeditor, ein Wave-Editor und ein Rythmuseditor zur Verfügung. Ein Scoreeditor gibt es in der aktuellen Version noch nicht, dies wird in der V3 aber enthalten sein.

Screenshot - (16814)

Die grundsätzliche Bedienung ist sehr einfach. In dem Trackeditor legt man die globalen Eigenschaften der Tracks fest, z.B. den MIDI-Channel, den Namen des Tracks und die Quantisierung. In Camouflage werden diese als Trackeffekte bezeichnet. Hat man einen neuen Track angelegt und dessen MIDI-Kanal ausgewählt, kann man auch schon zur Aufnahme schreiten. Hier stehen einem mehrere verschiedene Aufnahmemodi zur Verfügung. Im ersten Modus wird jede gespielte Note bzw. Event der bisherigen Spur hinzugefügt. Natürlich gibt es auch ein Punch-In Modus in dem alle "unter" dem neuen Event liegenden Events gelöscht werden. Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass nur alle doppelten Events überspielt werden. Nützlich ist die Möglichkeit bei Cycleaufnahmen den letzten Durchgang während der Aufnahme zu löschen. Es gibt auch die Möglichkeit eine sogenannte Step-Aufnahme zu machen. Hierbei legt man einen Quantisierungsraster für Note on und Note off fest. Startet man dann die Aufnahme, wird nach jeder gespielten Note zum nächsten Rasterpunkt gesprungen. Dies ist gerade für nicht-Keyboarder eine sehr einfache Art z.B. komplexe Arpeggios einzuspielen. Bei der Quantisierung von Events unterscheidet Camouflage zwischen eingangs- und ausgangsseitigem Quantisieren. Als eingangseitige Quantisierung bezeichnet man das Quantisieren während der Aufnahme, als ausgangsseitige Quantisierung wird das Quantisieren während der Wiedergabe bezeichnet. Als Quantisierungsraster bietet Camouflage alles von 1/1 Note bis unquantisiert. Als rythmische Unterteilung stehen binäre und ternäre Phrasierungen zur Verfügung. Es wäre schön wenn in einer zukünftigen Version auch Quantisierungsraster für exotischere rythmische Unterteilungen wie etwa Quintolen und Septolen zur Verfügung ständen. Auch die beliebte Humanquantisierung ist machbar. Hierbei werden bewusst rythmische Schwankungen eingbaut, die der Sterilität, die beim Quantisieren entsteht, entgegenwirken. Das Bearbeiten aufgenommener Tracks geschieht über die diversen Editoren und Modi. Der Blockeditor ist hierbei der erste Ansprechpartner.

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Im Blockeditor wird die das Arrangement graphisch in Form von horizontalen Blöcken dargestellt. Dort kann man auch auswählen welcher Art der Bearbeitung man anwenden möchte. Man kann Blöcke ausschneiden, zusammenfügen, teilen, kopieren, mehrfach kopieren, bewegen, vervielfäligen, anhören uvm. Der Blockeditor arbeitet in zwei verschiedenen Modi, zum einen im Arranger-Modus, in dem der ganze Song sichtbar ist, und im anderen Modus, in dem man nur den Teil des Songs sieht, den man gerade bearbeitet. Sebstverständlich ist in beiden Modi ein Hinein- und Hinauszoomen möglich.

Als besonderes Leckerbissen muss man die sogenannten Ghostblocks hervorheben. Im diesem Modus werden Kopien eines Blockes erstellt. Diese unterstehen aber, im Gegensatz zum richtigen Kopieren, immer noch dem Ursprungsblock. D.h. dass wenn Änderungen am Originalblock vorgenommen werden, diese auch in sämtlichen Ghostblocks vorgenommen werden. Das Bewegen, Kopieren und Verschieben der Tracks geschieht per Drag'n'Drop, was das Arrangieren sehr erleichtert. Einer der zur Verfügung stehenden Modi heisst "selektieren/editieren". Wählt man dann einen Block an, so erscheint ein Requester und fragt, welche Editoren man zur Bearbeitung des ausgewählten Blockes benutzen möchte. Hierbei könne auch mehrere Editoren gleichzeitig verwendet werden. Sind mehrere Blöcke selektiert, so werden sie alle in den ausgewählten Editor geholt. Die Blöcke kann man auch einfärben, was der Übersichtlichkeit zugute kommt. Ausserdem ist es möglich, alle Blöcke einer bestimmten Farbe zu selektieren/bearbeiten. Alle üblichen Funktionen wie z.B. das Verschieben kompletter Tracks bietet Camouflage selbstverständlich auch. Eine weitere sehr nützliche Funktion von Camouflage ist die Tempo-Map. Wie der Name schon suggeriert kann man mit Hilfe dieses Tools Tempoänderungen innerhalb des Stückes vornehmen. Dies funktioniert hervorragend, auch im gesyncten Zustand. Die Tempo-Map wird graphisch dargestellt und ist sehr übersichtlich. Ein unerlässliches Werkzeug für Komponisten, die sich ausserhalb der populären Musik bewegen. Locaterpunkte in der herkömmlichen Form gibt es nicht, allerdings gibt es die Blockliste, welches sich als angenehmere Variante heraustellt. Selbstverständlich kommt Camouflage auch mit GM-Files klar und besitzt auch einen GM-Mixer. Camouflage bietet die Möglichkeit, die Songdaten im Camouflage-eigenen cam-Format abzuspeichern aber auch als MIDI-Files des Typs 0 und 1. Dies ist sehr wichtig, um kompatibel zur restlichen MIDI Welt zu bleiben. Alle unter Camouflage abgespeicherten MIDI-Files liessen sich problemlos in Cubase hineinladen und umgekehrt. Wenn wir schon mal bei dem Thema MIDI-Files sind; man kann MIDI-Files unter Zuhilfenahme der Karaoke-Funktion auch mit Texten versehen, welches ein, besonders bei Tanzmusikern, beliebtes Hilfmittel ist. Eine Online-Hilfe in Form einer Amigaguide Datei gibt es zwar nicht, aber man hat die Möglichkeit, sich in der Schirmleiste kontextbezogene Hilfstexte anzeigen zu lassen (ähnlich wie bei ArtEffect oder MaxonC4D).

Audio:

Audiospuren lassen sich genauso wie MIDI-Spuren einbinden. Dies können einzelne Samples sein, wie z.B. eine gesamplte Bassdrum, wie auch Loops oder komplette gesamplte Stücke. Das Herzstück des Audioteils ist der Audiomanager. In ihm werden alle zur Verfügung stehenden Samples in Wellenform angezeigt. Netterweise kann man hier Samples, die im WAV Format vorliegen in die von Camouflage verwendeten Maud und AIFF Formaten konvertieren. Auch das Resamplen wird vom Audiomanager unterstützt. Fade-Ins und Fade-Outs im herkömmlichen Sinne stellt Camouflage zwar nicht zur Verfügung, allerdings kann man mit Hilfe des ENV-Editors die Velocitykurve eines Samples ändern. Schön wäre es, wenn es in einer zukünftigen Version aber auch problemlos möglich wäre, nicht-lineare Fades zu realisieren. Es empfiehlt sich für die Audiodaten eine eigene Partition anzulegen, die eine grössere Blockgrösse als üblich besitzt. Dies ermöglicht einen schnelleren Zugriff auf die Audiodaten. Man kann innerhalb des Audiomanagers auch die Start- und Endpunkte eines Samples editieren. Den Blockeditor kann man so einstellen, dass die Wellenform der Audiodaten angezeigt werden.

Synchronisation: Synchronisieren lässt sich Camouflage per SMPTE und per MTC, wobei SMPTE die prof. Lösung darstellt und MTC eher für den Heimanwender gedacht ist. Für die Synchronisation per SMPTE wird allerdings noch zusätzliche Hardware benötigt. Getestet habe ich bisher nur MTC. Dies funktioniert auch einwandfrei, bis auf die Tatsache dass der Testmaster, ein MD-4 von Yamaha, anscheinend keine Start/Stop Befehle versendet. Beim Starten ist dies kein Problem, da Camouflage, sobald es ein MTC Signal empfängt, losläuft. Allerdings läuft Camouflage nach dem Stoppen des MD-4's noch ca. 10 Sek. weiter um dann abzubrechen. Schöner wäre dies gelöst, wenn man innerhalb Camouflage's eine max. Dropout Time einstellen könnte. Wird das MTC Signal länger als diese Zeit unterbrochen, so stoppt der Sequencer. Ein Problem tauchte dann auch noch auf. Da sowohl der MD-4 wie auch mein Masterkeyboard nur einen MIDI-Out und keine MIDI-Thrus vorweisen können und das MIDI-Interface nur einen MIDI-In hat war es nicht möglich gleichzeitig Camouflage mit dem MD-4 zu synchronisieren und zu dem Playback neue Spuren einzuspielen. Eine Lösung für das Problem gibt es allerdings. Setzt man einen sogenannten MIDI-Merger vor dem MIDI-In des MIDI-Interfaces, kann man mit zwei Ins in Camouflage rein. Einen MIDI-Merger bekommt man in jedem Musikfachhandel.

Fazit:

Das Preis-Leistungsverhältnis von Camouflage ist unschlagbar. Was einem hier für den laschen Preis von DM260.- angeboten wird, ist weitaus mehr wert. Sieht man von dem noch nicht implementierten Scoreeditor/druck ab, hat dieses Programm hat alle Funktionen die man von einem prof. MIDI-Sequencer erwartet und vieles mehr. Die einzigen negativen Punkte, der mir während des Testes auffielen, waren dass Camouflage ganz gerne abstürzt, wenn man den Steprecord Modus benutzt. Ausserdem stürzten MCX und auch FlushMemCX ab wenn ich, während dem Camouflage lief oder nachdem ich es beendet habe, die Libs flushte. Das gute alte "avail flush" in der Shell funktioniert aber tadellos, was den Schluss nahelegt, dass es sich hierbei eher um ein Problem der beiden Commodities handelt. Für die V3 wurde auch eine Plug-In Schnittstelle angekündigt. Dies ist eine feine Sache, sofern sie auch genutzt wird. Gerade die Audiosektion könnte einige (PPC-)Plug-Ins gebrauchen. Wünschenswert wären da Standard Plug-Ins wie z.B. einen vollparametrischen EQ, ein Compressor, ein Reverb und ein Delay. Zwar ist es kaum anzunehmen, dass es ein solch reichhaltiges Angebot von Plug-Ins geben wird wie z.B. für Cubase oder Pro-Tools, aber ich setze da grosse Hoffnungen in die Fleissigen der Amigaszene, sodass es hoffentlich zumindest die Standards geben wird. Hervorzuheben sei an dieser Stelle die konsequente Weiterentwicklung, die neben der Leistung des Programmes garantiert, dass man sein Geld gut angelegt hat. Auch möchte ich den vorbildlichen Support erwähnen. Bevor ich mich entschied Camouflage zu kaufen, telefonierte ich mehrmals mit Martin Endres. Er war jedesmal sehr freundlich und beantwortete meine Berge von Fragen. Nachdem ich registrierter Anwender war, sendete ich ihm eine Email mit einem Problem und erhielt prompt schon am nächsten Tag eine Antwort. So fühlt man sich als registrierter User wohl! Da ich während dem Schreiben des Tests bemerkte, dass in kurzer Form auf alle Funktionen einzugehen ein sinnloses Unternehmen ist, habe ich mich entschlossen, einen Camouflage-Workshop zu schreiben. Hierbei werde ich genauer auf die Editoren eingehen und auch andere Teile von Camouflage unter die Lupe nehmen, die ich hier gar nicht erst erwähnte.

  • Testkonfiguration:
  • A1200T
  • BlizzPPC 603e/240MHz@040/25MHz + SCSI
  • 48MB Ram
  • SCSI-HD's und -CD-ROM.

    INFO:Camouflage Kontaktadresse:
    IMS/Martin Endres
    Osterfeldweg 41
    21077 Hamburg
  • WWW: www.work.de/camouflage
  • E-Mail: endres@work.de


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