Interview mit Dietmar Eilert

GoldEditor und sein Schöpfer

INTERVIEW


Vor kurzem kam endlich wieder eine neue Version des Editors GoldED. Da ist ein Interview mit dem Programmierer jetzt genau das Richtige


  • FT: GoldED gibt es nun schon sehr lange. Die Kontinuität der Entwicklung dieser Software ist eher eine Ausnahme im Amigabereich, wo die Entwicklung der meisten Software nach der V2 aufgrund schlechter Verkäufe eingestellt wird. Wie kamst Du auf die Idee, GoldED zu entwickeln und was treibt Dich heute noch an weiterzumachen?

  • GoldED ist als Tabellenkalkulation enstanden. Ich wollte ein Excel-ähnliches Programm schreiben. Davon ist nur ein rudimentärer Ansatz enstanden: die Menüs, ein paar Konfigurationsrequester und eine primitive Urfassung von GoldED. Die habe ich ausgegliedert und weiterentwickelt. Der Kern des Editors ist in etwa drei Wochen enstanden. Er basierte auf den Teilen von DME, die ich verstanden habe. Aus dieser Phase datieren viele konzeptionelle Schwächen von GoldED, da ich weitgehend das Design von DME übernommen habe: das zeilenorientierte Markieren unter DME, kein Undo, etc. Einziger Lichtblick dieser Version war die Unterstützung von Textfalten, geerbt vom GFA-Basic-Editor.

  • FT:GoldED ist ein Shareware Programm. Wird dies so bleiben, oder wird es mit der neuen Version kommerziell werden? Bist Du mit der Anzahl der Registrierungen zufrieden?

  • Die neue Version gibt es nur auf CD-ROM bzw. CD-R. Einen Vertrieb dafür habe ich noch nicht gefunden. Eine Testversion, die Shareware-typisch über Keyfile freigeschaltet wird, ist bei der neuen Gesamtgröße von deutlich über 25 MB nicht möglich. Ich hätte aber auch keine Testversion angeboten, wenn das praktikabel gewesen wäre: Das Problem damit ist, daß eine Testversion jederzeit mit einem "Keyfilemaker" in eine Vollversion umgewandelt werden kann. Die Anzahl der Registrierungen im letzten Jahr ist (vorsichtig ausgedrückt) unbefriedigend.

  • FT:Es sind eine Vielzahl von Erweiterungen für GoldED verfügbar, z.B. WWW-Publishing, eine Erstellungsumgebung für Guides und Entwicklungsumgebungen für alle gängigen Programmiersprachen. werden diese auch alle mit der V5 zusammenarbeiten?

  • Nein. Konfigurationsdateien (Menüs, Tastatur usw.) können probemlos übernommen werden, da GoldED 5 in diesem Punkt abwärtskompatibel zu Version 4 ist. GoldED 5 unterscheidet sich aber in vielen Details von der Vorgängerversion: Insbesondere Konfiguration und Installation fallen deutlich komfortabler aus. Beispielsweise kann man einzelne Add-Ons (Rechtschreibprüfung, HTML-Erweiterung, usw.) über das Setup-Programm jederzeit nachinstallieren oder auch entfernen. Dafür ist eine Installationsstrategie erforderlich, die die alten Add-Ons natürlich nicht kennen. Ein anderes Hindernis ist die modulare Konfiguration von GoldED 5: unter GoldED 5 ist es möglich, für die Bearbeitung von - nur ein Beispiel - Programmtexten ein Menü zu definieren, das auf dem Standardmenu basiert und Änderungen an diesem Menu dynamisch übernimmt. Dadurch wird die Wartung der Dateitypen drastisch vereinfacht. GoldED 4 kannte diesen Mechanismus nicht, Add-Ons für GoldED 4 hätten deshalb Probleme, diese Konfiguration zu verstehen. Natürlich werden alle bekannten Erweiterungen auf der GoldED 5 CD in neuer Form mitgeliefert. Es sind auch einige Erweiterungen hinzugekommen: beispielsweise eine Integration mit SAS/C oder ein Thesaurus.

  • FT:Welche neuen Features wird die V5 bieten?

  • Zu viele, um sie hier aufzuzählen. Eine drei Seiten lange Liste findet man auf der Support-Seite im Internet. Da die Software auf CD-ROM inklusive aller Add-Ons ausgeliefert wird, kommen zu den Änderungen am Editor auch noch zahlreiche Änderungen bei den Add-Ons (die auf der Webseite gar nicht erst aufgezählt werden). Bei GoldD selbst wird auf den ersten Blick die neue Oberfläche auffallen, die sich stark an Windows 98 orientiert und viel Komfort bietet. GoldED 5 ist speziell für User mit Grafikkarten enstanden: nach dem Kauf einer Picasso96 hatte ich auf meinem Rechner eine brauchbare Auflösung und sechzehn Millionen Farben, aber keine Programme, die mehr als vier Farben benutzt haben. GoldED 5 habe ich deshalb für die User geschrieben, die viel Geld in ihre Hardware investiert haben, einen schnelle Rechner, eine teure Grafikarte und viel Speicher besitzen, die aber kaum adäquate Software dafür finden: Was macht man mit 32 MB Speicher und True Color, wenn keine Anwendung mehr als 250 KB und blau-grau-schwarz-weiß haben will ? Auf die Änderungen bei den inneren Werten möchte ich hier nicht weiter eingehen, da jeder andere Prioritäten setzt. Meiner Meinung nach ist die modulare Dateitypbehandlung am erwähnenswertesten, aber es wird aber sicher User geben, denen das verbesserte Tab-Handling wichtiger ist.

  • FT:Gibt es schon eine preisliche Vorstellung für V5? Wieviel wird ein Neukauf kosten, und wieviel ein Upgrade von einer früheren Version?

  • Die unverbindliche Preisempfehlung für die CD-ROM beträgt 89.90 DM plus Porto und Versand. Bei Updates wird der Kaufpreis der Vorversion pauschal mit 40 DM angerechnet. Die tatsächlichen Preise bitte beim Händler erfragen.

  • FT:Wann kann man mit einer Veröffentlichung rechnen?

  • Nächste Woche. Das Programm ist fertig.

  • FT:Wie ist Deine Meinung zu der AOS4.0 Entwicklermaschine? Ist dies eine interessante Perspektive für Dich?

  • Habe ich noch nichts von gehört. GoldED 5 ist auf einem Windows95-PC (K6-266) unter UAE entstanden und nur kurz auf meinem A3000 getestet worden. Abgesehen von einem PentiumII-450 habe ich zur Zeit keine Hardware-Wünsche.

  • FT: Wie ist Deine Meinung zu den Plänen von Amiga Inc.? Inwiefern beeinflussen ihre Pläne Deine Pläne in Bezug auf zukünftige Entwicklungen für den Amiga?
  • Ich kenne die Pläne nicht. Gibt es Pläne ? Meine Pläne konzentrieren sich auf die Win32-Programmierung und die Intel-Plattform. GoldED für AmigaOS 3 wird auf der Basis von UAE weiter entwickelt, solange es Nachfrage gibt.
(Das Interview führte Mat Colton)



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