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NAPALM - Einfach gnaaadenlos!Seit Dune 2 fragen sich die Amigianer: wo bleibt denn der nächste Echtzeit-Strategie-Schlachtenknüller? Die MS-Dosenfreunde ergötzen sich schon lange an Command & Conquer und Konsorten, und wir müssen dahinschmachten und uns mit friedlichen Varianten wie Die Siedler oder neuerdings Foundation zufriedengeben? So ein Dasein darf doch nicht wahr sein! Aber Gottseidank gibt es da ein paar Leute, die sich unserer (und unserer Geldbörse) schon einige Male durch Portierung genialer PC-Games und Produktion eigener Hits angenommen haben: ClickBOOM ... Jeder Mensch meckert gerne, und ich ganz besonders, hehe. Na gut, das stimmt eigentlich gar nicht, aber das kann mich nicht davon abhalten, hier und jetzt und auf der Stelle zu meckern. Denn ich mecker', wenn ich will! Vor allem über Intros. Zuletzt meckerte ich kräftig über das Eat The Whistle-Intro, weil es doch wirklich eine gnadenlose Frechheit darstellte. Aber wenigstens war es vorhanden. Obwohl man jetzt darüber streiten könnte, ob es nicht besser gewesen sei, es uns überhaupt zu ersparen. Ein Intro hat ja gewisse Aufgaben zu erfüllen: einerseits soll es das Spiel schmackhaft machen, was durch Witz, geile Grafik/Anims und Sound oder sonstige Genialität und Kreativität zu erreichen ist. Andererseits soll es möglicherweise eine Vorgeschichte zum Spiel liefern, um eine besondere Atmosphäre zu erzeugen, so daß der Spieler wie hypnotisiert erkennt: "Ja, ich muß jetzt für das Gute kämpfen und die fiesen Feinde vernichten. Ich werde Stunden meiner kostbaren Zeit für diese heilige Mission aufwenden. Ich darf nicht lockerlassen, werde nicht ans Telefon gehen und auch nicht außer Haus; mein Hund muß ebenso hungern und dürsten, wie ich nach dem Sieg der Gerechtigkeit hungere und dürste. Dies und nichts anderes will ich tun von nun an bis zu jenem Zeitpunkte, an welchselbigem ich den Abspann erblicke." Natürlich kann eine solche Vorgeschichte auch in das Handbuch oder andere Packungsbeilagen eingebettet werden, und Möglichkeiten zur Gestaltung und Präsentation der Story sowie dem fesselnden Handlungsrahmen gibt es viele. Tja, und vor allem Spiele, bei denen man Schlachten gegen fiese Feinde schlagen soll, ist so eine Vorgeschichte ungeheuer wichtig. Denn ohne sie kann man sich ja gar nicht moralisch verpflichtet dazu fühlen, hier auf oben beschriebene, selbstlose und aufopfernde Weise ins Geschehen einzugreifen und dem Verlauf der Dinge eine entscheidende und rettende Wendung zu verleihen. Aber nun zu der Frage, die sich jeder Leser schon seit etwa 20 Sätzen fragt: "Was bitte hat das alles mit Napalm zu tun?" - Die Antwort wird nun ganz dramatisch in eine Subheadline verpackt... NAPALM hat kein Intro! (Sakrileg!)Ja, unglaublich, nicht wahr? Was die sich da erlaubt haben. Napalm hat nämlich nicht mal irgendwo im Handbuch eine geniale Story verpackt. Der traurige Witz ist: sie fehlt völlig! Fast schon grotesk mutet da der winzige Absatz "The Plot" an, den ich nun zitiere:
Das ist starker Tobak für unsere so empfindlichen Nerven. Aber mit einer Portion Wut im Bauch lassen sich die Missionen vielleicht noch heftiger und hemmungsloser gewinnen. Ich kann also mitnichten dazu raten, die Installation des Spieles nun aus Trotz zu verweigern. Im Gegenteil: es wird sich lohnen! NAPALM ist leicht zu installieren.Zumindest wenn man mindestens 20 MB auf der Festplatte frei hat. Und ohne 16 MB FastRam und einer 020er-CPU braucht man gar nicht erst loslegen, sondern sollte schleunigst zum Amiga-Händler des Vertrauens rennen und sich eine ordentliche Maschine zulegen. Das wäre ja sonst so, als würde man mit einer Vespa bei den Motocross-Rennen vorne mitmischen wollen. Und wer traut sich das schon? Die empfohlene Mindestkonfiguration beinhaltet schon eine 030-CPU, aber so ganz wird sich auch hier das Spiel nicht entfalten können, wie ich bereits vorwegnehmen will. Für den optimalen Genuß sollte der Amiga mit einer 060er, 32 MB Ram und Grafikkarte ausgestattet sein. Ja, ich habe den Unterschied gesehen und muß sagen: er ist gewaltig. Aber dazu später mehr. Um Napalm zu installieren, bedarf es wenig, ganz wie man es von Amiga-Installern gewöhnt ist. Bald schon bevölkern viele kleine und große Files die Harddisk. Darunter auch ein Napalm-Setup-File, welches getrennt vom Spiel diverse Einstellungen zu den Themen Grafik, Sound, CD-Musik, Chat-Makros (für den Multiplayer-Modus) und Network ermöglicht. NapalmBOOT ist ein File, welches das Spiel nach einem Reset autobooten lassen sollte (für alle, die zuwenig freien Speicher besitzen und nicht extra alles umkonfigurieren wollen). Ich habs probiert und bin kläglich gescheitert: außer einem Sofort-Absturz tat sich nix. Allerdings war es danach gar nicht so einfach, die Sache wieder abzustellen, die sich auf gemeinste Weise irgendwo im System fix eingenistet hatte. Darüber fand sich aber sowieso nix im Handbuch. Und auf der CD sowieso nicht. Ich muß schon sagen, die Dokumentation reißt mich nicht unbedingt vom Hocker. NAPALM ist einfach geil.Nun ist es mal an der Zeit, das Spiel selbst zu beschreiben. (Meine Artikel müssen ja schön frustrierend sein, wenn ich nie zum Wesentlichen komme! Aber das ist bei mir auch sonst so - meine Mitmenschen können ein Lied davon singen...) Es ähnelt in vielerlei Hinsicht sehr stark dem guten alten Dune 2. Es ist eine Reihe von Missionen zu bewältigen, deren Schwierigkeitsgrad genauso wächst wie die Möglichkeiten. Anfangs stehen nur wenige Einheiten und Gebäude zur Auswahl, in der ersten Mission überhaupt nur ein paar mickrige Truppen, aber mit der Zeit kommen neue hinzu und machen das Spiel von Mission zu Mission interessanter und abwechslungsreicher. Das Geschehen wird praktisch aus der Vogelperspektive betrachtet (ein wenig schräg wie bei Dune 2). Der Bau von Gebäuden oder Einheiten und deren Reparaturen kostet Credits, und die sind begrenzt. Aber es existieren Ölvorkommen, die durch eine Spezialeinheit angebohrt werden können. Diese verwandelt sich dann in einen Ölbohrturm, und ein Tanker befördert das "schwarze Gold" in eine Raffinerie, wo es in Credits umgewandelt wird. Alle Gebäude benötigen Strom, vor allem das Radar; außerdem verlangsamt sich die Produktion bei unzureichender Energieversorgung. Gebäude können prinzipiell nur an bestehende Komplexe angebaut werden, also quasi um das HQ herum. Doch nun zu den genialen Features: erstens kann man "fake buildings" bauen, also sozusagen billige Kartenhäuser, die billig und robust sind und den Feind kräftig ins Bockshorn jagen, weil seine Einheiten sinnlos herumballern; zweitens kann man Gebäude und Einheiten unsichtbar machen (solange sie nicht feuern). Drittens gibt es die gnadenlose Erfindung des Tunnels, dessen Ende irgendwo aufgebaut werden kann. Durch ihn gelangen Einheiten in kurzer Zeit, und an seinem Ende darf auch weitergebaut werden, was dem Spiel "neue Dimensionen eröffnet", um das Handbuch zu zitieren. Das Kommandieren der Einheiten gestaltet sich nach kurzer Gewöhnungsphase genial einfach und einfach genial. Die Maus alleine tut´s nicht, echte Strategen benutzen auch das Keyboard auf exzessive Weise. Die Kombination ist allerdings unschlagbar, ich habe selten eine so umfangreiche und zugleich so komfortable Tastaturbelegung gesehen. Multiple select, Definieren, Rufen und Schicken verschiedener Gruppen, Selektieren von allen sichtbaren Tanks, Soldaten, (Nicht-)Kampf- bzw. (un-)beschädigten Einheiten, Formationsbewegung, Zerstreuen, Definieren von und Springen zu Orten auf der Karte, automatisches Senden von neuen Einheiten zu Zielorten und noch zig weitere komfortable Angriffs- und Bewegungskommandos lassen, soferne man sich einmal daran gewöhnt hat und weiß, was wie funktioniert, echte Freude aufkommen. Unter Beschuß sinkt die Energieanzeige jeder Einheit bis hin zur Explosion. Dasselbe gilt auch für die Gebäude, aber bei denen kracht es dann ordentlich: jede Menge feurige Detonationen und fliegende Trümmer, die alle umliegenden Einheiten noch mal ordentlich schädigen. Die letzten Schüsse sind also mit Bedacht und aus sicherer Entfernung abzugeben! Allerdings tendieren Spieler und Computer gleichermaßen dazu, angeknackste Gebäude zu reparieren, so daß oft eine ganze Armee zur Vernichtung derselben vonnöten ist. Daß dabei der eine oder andere Panzer dran glauben muß, läßt sich nicht immer verhindern. Unangenehm sind immer wieder die Invasionen des Gegners, und es hilft gegen seine rollenden Angriffe sehr stark, einen Panzer-Schutzschild zu errichten. Denn alle Einheiten bewegen sich parktisch auf Feldern, und eine geschlossene Reihe von Einheiten läßt sich somit nicht passieren. Aber Vorsicht: das Fußvolk wird gerne überfahren! Sei es nun Infanterie, Bazooker, Pyro-Unit oder Engineer (der theoretisch feindliche HQs, Radarstationen etc. einnehmen und unschädlich machen kann, aber nur wenn man ihn läßt...). Aber auch das gilt nur solange, bis fliegende Einheiten ins Spiel kommen, und derer gibt es einige! Bald fliegen Helikopter und bringen Fallschirmspringer mitten ins feindliche Territorium (surprise, surprise), bald machen UFOs die menschlichen Gefilde unsicher. Und sobald einmal Nuklearwaffen im Einsatz sind, macht es nach einem kurzen "Click" ohnehin überall nur noch "BOOM"! (wau, auf dieses geniale Wortspiel bin ich jetzt aber mächtig stolz ;-)) NAPALM hat auch geile Grafiken & Sounds.Und das nicht nur in den Menüscreens, sondern auch im Spiel selbst. Dummerweise sind die heißen CD-Tracks den Usern mit besserer Konfiguration vorbehalten, zumindest mir hat sich dieser Genuß statthaft und hartnäckig verweigert. Und dummerweise ist das Spiel bei halbwegs annehmbarer Auflösung (PAL Hi-Res, 640x512) lähmend langsam, aus jeder angezeigten Realtime-Sekunde werden dann tatsächlich mindestens drei, sobald sich der Screen einigermaßen bevölkert. Und in Lo-Res (320x256) stimmt zwar die Geschwindigkeit, aber grafischer Genuß und Übersicht leiden doch sehr. Da sieht man wieder: die Zeiten, da Turrican II auf einem nackten 500er zu begeistern wußte, sind vorbei. Jetzt ist auch bei uns Amigianern langsam das Aufrüsten angesagt. Sogar mein 1200er mit Blizzard 1230/IV (030/50) und 16 MB FastRam ist ein alter Opa geworden, und dabei war ich eben erst noch recht stolz auf ihn. Aber mein Bruder hat es ja immer schon gewußt: selber mit einem 4000er, full of Schnickschnack, prahlend und mir ewig weismachend, daß man mit einer 170-MB-Harddisk und ohne Grafikkarte, Modem etcetera nirgends mehr hinkommt. Modem hab ich aber eh schon eins, hehe! - Aber hoppla, mir scheint, ich schweife wieder mal vom Thema ab. :-) Spielt man Napalm aber auf einem flinkeren Rechner, dann kommt wieder wahre Freude auf: herrliche Auflösungen, grafische Freuden, fließender Echtzeit-Streß. Man könnte fast meinen, das Spiel sei ein guter Grund dafür, kräftig aufzurüsten, denn der Spielspaß vervielfacht sich dann beträchtlich, und sogar bei mir daheim (wie oben beschrieben) macht es bereits mächtig Spaß, trotz mickriger Auflösung. Und der Hammer ist ja sowieso das Gegeneinander-Spielen von mehreren Menschleins, egal ob über das Modem oder per Nullmodemkabel. Allerdings muß ich hiermit auf gewisse Unzulänglichkeiten hinweisen, derer ich beim Versuch, gegen den Jürgen zu spielen, gewahr wurde. Sogar bei niedrigen Datenraten, die an sich kaum Probleme machen sollten, brach jedesmal schon nach wenigen Minuten die Verbindung ab. Wir konnten zwar weiterspielen, aber beide mit einem "toten" Gegner. Vielleicht lag dies daran, daß einer der beiden Rechner kurzfristig ein wenig länger brauchte und der andere (flinkere) auf seinen langsamen Kumpel nicht warten wollte, obwohl er eigentlich sollte. Naja, so ist das Leben. Ich hoffe doch, daß dieser Fehler sich umgehen oder eliminieren läßt, habe es aber nicht ausreichend ausgetestet. Vielleicht sollte ich demnächst ein Napalm-Test-Update schreiben und dieses Geheimnis lüften, für alle, die sich dafür interessieren. NAPALM hat auch seine schlechten Seiten.Traurig, aber wahr. Besagtes Multiplayer-Problem zum Beispiel. Oder die Sache mit dem Autobooten, die nur zum Crash führte (jedenfalls bei mir). Oder die mangelhafte Dokumentation. Weder eine spannende Hintergrundgeschichte noch genauere technische Informationen oder detaillierte Troubleshooting-Hilfe sind vorhanden (bis auf den Verweis auf Updates und Support auf der Homepage von ClickBOOM). Sogar bei der Formatierung der Daten zur Beschreibung der Einheiten und Gebäude unterliefen den Leuten einige Fehler, und das bei einem so kleinen Handbuch, das man bestenfalls noch mit "Büchlein" bezeichnen könnte. Das macht die abschließende Bewertung natürlich nicht einfach. Das Spiel ist einfach ein absoluter Knüller und Knaller und ein herrlichers Geballer. Ein wahres Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes! Es gibt derzeit nichts Vergleichbares für unsere "Freundinnen", und auch wenn ich die PC-Konkurrenz nicht gut kenne, so möchte ich doch meinen und behaupten, daß Napalm nun seinerseits für Konkurrenz sorgt. Sooo viele Pluspunkte! Jeder Leser, der nicht wenigstens das Demo testet oder kurz in das Spiel von ClickBOOM hineinschnuppert, ist definitiv selber schuld. Die Anforderungen habe ich bereits bekanntgegeben, hier sind sie aber nochmal. Mindestens: 020 / 16 MB fast / 20 MB hd-space ... mindestens empfohlen: 030 ... mindestens für Hi-Res-Freuden: 060 / 32 MB fast / Grafikkarte. Das Spiel kommt wie bereits angedeutet auf einer CD daher, in ansprechendem Design, aber leider mit einem nicht ganz so tollen Handbuch, wie ich es mir gewünscht hätte, ohne dabei große Ansprüche zu stellen (zumal ja auch doc-files auf der CD fehlen). Der Kostenpunkt liegt bei etwa 700 ATS. Und nun die abschließende Empfehlung: kaufen, heimgehen, die Türe versperren, das Zimmer abdunkeln, das Telefon ignorieren und durchzocken, bis die Dauer-Zock-Rekorde purzeln. (offiziell liegen die glaube ich weit jenseits der 100-Stunden-Grenze)
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Wolfgang Lukas ...........
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