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Vinyl des Monats - von Thomas Kutschera

 
Es gibt Momente im Leben, denen sollte man mit Ehrfurcht begegnen. Und es gibt die wirklich großen Geheimnisse, wie z.B.: Wie wurden die Pyramiden errichtet? oder: Wie spät war's beim Urknall?

 
Trifft beides aufeinander, so mag man in der ersten Euphorie dazu neigen, diese Akkumulation der Ereignisse als klaustrophobastisches Infundibulum zu bezeichen.

In einem Gespräch mit einem Fachkollegen; es ging um das Mysterium: "Wie können Chip-Tunes (die Gregorianischen Choräle des ausgehenden 20. Jahrhunderts) eigentlich Anklang finden?" ...ooh, ich spüre negative Energien... schildert mir Obengenannter, er habe ein Kuriosum in seiner Plattencollektion. Darauf zu finden sei eine Abbildung eines Chips, und das magische Wort "Commodore".

 
Große Ehrfurcht beschlich mich. Sollte es wirklich möglich sein? Verfügte die damalige Marketingabteilung unseres ehemaligen Mutterkonzerns über soviel Weitblick, schon damals einen Tonträger zu erstellen, der heute, 12 Jahre später, eine Retrowelle ungeahnten Ausmaßes auslösen könnte? Ein paar Tage später hielt ich das Objekt der Begierde in Händen, aufgeregt ob der musikalischen Botschaften, die es in sich trägt. Und wahrlich, die Vorderseite des Covers entsprach der Beschreibung: Ein Chip und !!! eine Micro-Floppy-Disk!

[Front Cover]
 
Eine Sensation! Sollte es noch dicker kommen, statt Chip-Tunes, eine LP - am Amiga erstellt; und das im Jahre 1987. Auch der Inner-Sleeve vermittelt diesen Eindruck.

[Insert mit Werbung]
 
Ein Eindruck, der sich alsbald in Rauch und vor allem Schall auflöste. Das, was da vom Plattenspieler wiedergegeben wurde, entsprach so ganz und garnicht meinen zu hoch geschraubten Erwartungen - musikalische Qualität = -1. (subjektiv) Aber zugleich tat sich DIE Frage auf: "Wer zum Teufel noch mal saß bei Commo in der Werbeabteilung?"

 
Obgleich der Cover verspricht: "Diese Platte ist mit 2 Hits ausgerüstet!", kann ich mich nicht entsinnen, je eine der Nummern gehört zu haben. Das Kuriosum dabei ist allerdings, daß die Leute, die musikalisch dahinter steckten, sehrwohl in den Charts zu finden waren - nämlich das Trio Väth, Anzilotti & Münzing - verantwortlich für einen DiscoHit der damaligen Zeit: "electrica salsa" - als Protagonist der Sven Väth, der Jahre später schwer an der Geburt des deutschen Techno (Mayday & so) beteiligt war. Wäre Commo ein Slapstick-Komiker gewesen, hätten sie es zu Weltruhm gebracht; so oft ins Klo zu greifen - unnachahmlich. In diesem Fall hatten sie wie immer Pech mit dem Timing: zu früh gesponsert - who the f**k is Sven Väth? oder zu spät - Wen kümmert Sven, is doch Schnee von gestern. Oder total visionär siehe auch CDTV - Der Väth wird bestimmt noch ganz, ganz berühmt; dann können wir sagen: das wußten wir schon damals! Leute wie the Snap wurden nicht beachtet oder waren zu teuer; die arbeiteten tatsächlich, darf man dem englischen Magazin AmigaFormat Glauben schenken, mit Amigas. Mehr kann man dazu wirklich nicht mehr sagen.

[Back Side]
 
PS. Ob sich die Leute, die Annex auf den Plan riefen, für ganz besonders schlau hielten???

Anm.d.Red.: Wir hielten es aus Copyright-technischen Gründen für nicht sehr ratsam, die Tunes als MP3 beizustellen, lassen uns aber von BMG-Ariola gerne vom Gegenteil überzeugen...

Anm.d.Red.: Die Gruppe "Snap" hat zumindest insofern etwas mit dem Amiga zu tun, als daß ihre Hits "Ooops Up" und "The Power" in den gleichnamigen Amiga-Games damals als Hintergrund Musik aus den Boxen dröhnten. Und beide Spiele stammten aus dem Softwarehaus "Demonware", die sich seinerzeit auch für den Hit "P.P. Hammer" verantwortlich zeigten.

Thomas Kutschera ...........

 
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