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Tschingl Bells - Single Sells?Bis zum Christkind ist es nicht mehr weit. Wir nehmen die aktuelle Produktpalette von Amiga Int. unter die Lupe und untersuchen sie auf ihre Weihnachtstauglichkeit. Hah? Wous is los?Manch einer mag jetzt stutzen, wenn in der Einleitung von "aktueller Produktpalette" die Rede ist. Erblödet sich AmigaScene, Motherboards mit einem Design aus dem Jahre 1991 mit ein paar drumherumgetürkten Erweiterungskarten zu versehen und dies als "aktuell" zu definieren? War denn schon seit Jahren von Amiga Int. und Inc. in Hardwarerichtung nichts zu hören? Mitnichten! Wer sich auf der Homepage von Amiga Int. etwas umsieht, der merkt bald, daß es hier auch eine Abteilung "Produkte" gibt. Und genau diese nehmen wir als Grundlage für unseren Artikel. Alles offiziell, keine Patches und Hardwarebasteleien notwendig, Schraubenzieher und Lötkolben dürfen im Werkzeugkasten bleiben. Das BoingpadAuf den erste Blick könnte man meinen, das Boingpad sei ein Mauspad wie jedes andere auch. Man legt es auf den Tisch, und rollt dann mit der Maus darauf herum. Der große Vorteil dabei ist aber, daß das Boingpad rund ist - eben wie ein Boingball. Dem Gelegenheitsanwender mag das wenig berühren, der Power User ahnt aber schon die Möglichkeiten, die in diesem Konzept stecken. Betrachten wir zuerst einen Computertisch von oben, so wie in sich Möbelverkäufer normalerweise vorstellen:
Ganz anders sieht jedoch die Realität aus. Denn in Wahrheit sind Computer nur dann erträglich, wenn man die ganze Zeit allerlei Suchtmittel in sich hineinschüttet. Je nach Person können das Kaffe, Tee, Mineralwasser, Zigaretten, Eukalyptuszuckerl, Heidelbeerjoghurt und schlimmeres sein. Während das Internet schneckt, der Compiler ranzt oder der Fortschrittsanzeiger des Bildbearbeitungsfilters einfriert, will der Anwender etwas zu tun haben.
Sinnvollerweise plaziert man Suchtmittel direkt neben dem Rechner, sodaß sie immer griffbereit sind - also in der Nähe der Maus. Das hat aber den Nachteil, daß der Tischaufbau unstrukturiert wird. Wer hat nicht schon einmal beim Griff zur Maus Kaffee oder Tee über die Tastatur gekippt? Und wieviele Computergehäuse von Rauchern haben noch keine "Brandwunden"? Üblicherweise ergibt sich etwa folgendes Bild:
Genau dieses Problem hat Amiga Int. erkannt. Der Trick beim Boingpad ist einfach, aber wirkungsvoll: das Pad wird nicht wie herkömmlich rechteckig angelegt, sondern rund. Der an den Ecken freibleibende Platz kann nun sinnvoll für das übersichtliche Aufbewahren von Suchtmitteln verwendet werden. Damit ist z.B. folgende Aufteilung denkbar:
Das Boingpad kann über den lokalen Amiga Händler bezogen werden. Der Preis sollte um die 100 ATS bzw. DM 15 betragen. Der Amiga ChronographWozu braucht man schon eine Uhr, wenn man ohnehin das timer.device hat? Grundsätzlich ist das natürlich richtig, dennoch hat eine Armbanduhr gewisse Vorteile. Sie ist kleiner, hat eine schlankere Benutzeroberfläche, ist einfacher zu programmieren und bootet schneller. Und seien wir uns ehrlich, abstürzen tut sie auch seltener als der Rechner. Die Installation verläuft denkbar einfach: mit dem mitgelieferten Lederarmband wird die Uhr an der Hand befestigt. Dank Autoconfig wird keine zusätzliche Software benötigt, und selbstverständlich bleibt die startup-sequence unangetastet. Auch von der Funktion her gibt es kaum etwas zu bemängeln. Der große Zeiger gibt die Minuten an, der kleine die Stunden. Weiters wird das Datum mittels PIP (picture in picture) in einem kleinen, den kreisförmigen Hauptbildschirm überlagernden Fenster eingeblendet. Ein paar zusätzliche Features wie eine Stoppuhr runden den guten Gesamteindruck ab. Gut und schön, mag jemand einwenden, aber das kann bald eine Uhr. Was ist so Amiga-mäßig an ihr? Nun ja, zuerst einmal ist an der Stelle, wo viele andere Uhren eine Mickey Maus oder einen Goofy haben, das Wort "Amiga" zu sehen. Des weiteren hat sich Amiga-Onkel Petro Tyschtschenko seinen Namen auf der Rückseite eingravieren lassen. Na, und als ob das nicht schon reichen würde, heißt der Programmierer Edition Langen. Ein Namen, der für Qualität bürgen sollte, obwohl wir bei einer schnellen Suche am Aminet keine Programme von ihm finden konnten. Vermutlich handelt es sich dabei um einen der neu angeheuerten Programmierer für die Arbeit am AmigaOS jenseits von 3.1.
Negativ zu bemerken ist, daß die Uhr einen Kopierschutz hat: sie ist ihr eigener Hardware-Dongle. Daher ist es nicht möglich, die selbe Uhr an zwei Händen gleichzeitig zu benutzen. Vor allem im Netzwerk ist das lästig, weil der Besitzer der Uhr automatisch zum "Zeitserver" wird. Denn an wen sonst sollen alle anderen sich wenden, wenn sie sich nach der Uhrzeit erkundigen? Dies wird noch weiter verschlimmert durch die Tatsache, daß es nur eine sehr limitierte Anzahl von Amiga Uhren gibt. Einst waren es 55, aber zum Zeitpunkt als dieser Artikel geschrieben wurde, waren davon nur mehr 19 übrig. Wer also noch eine haben will, muß sich schnell entscheiden. Soviel zu den technischen Daten. Wie verhält sich die Uhr in der Praxis? Wir haben einen kleinen Benchmark-Test durchgeführt, bei dem wir verschiedene Uhren eine Stunde laufen ließen und dann die vergangene Zeit auf der Anzeige ablasen:
Das Ergebnis mag auf den ersten Blick überraschen. Jedoch, die beiden Amigas sind hier gleich schnell, weil alle relevanten Daten über die gleiche alten Chips laufen wie auch im ehrwürdigen C-64 (die CIA's) und daher durch eine schnellere CPU nicht beschleunigt werden. Der Pentium verbrennt seine ganze Rechenleistung im Verwalten des Betriebsystems. Das gute Ergebnis des Chronographen kann man aber ruhigen Gewissens auf die Genialität des Programmierers, Edition Langen, zurückführen. Obwohl die Hardware eine um ein Vielfaches kleinere Rechenleistung hat als die anderen drei Teilnehmer, kann die Uhr ohne Probleme mithalten. Dabei wollten wir es aber nicht belassen. Die halbe Welt übertaktet ihre Rechner. Wir wollten mal sehen, ob das auch mit der Uhr möglich ist. Also nichts wie hin zum nächsten ehemals lizensierten Commodore Uhrenhändler, und rauf mit der Takfrequenz. Tatsächlich, bei verdoppelter Taktfrequenz braucht die Uhr nur mehr 30 Minuten, um eine Stunde vergehen zu lassen. Bei dreifacher Frequenz sind es gar nur mehr 20 Minuten. Wer braucht da noch einen Pentium? Dennoch sind diese Experimente nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Ab etwa zweieinhalbfacher Taktfrequenz beginnt die Uhr am Handgelenk unruhig zu werden. Und kurz nach der dreifachen flog uns dann der Sekundenzeiger aus der Kurve. Zum Glück konnten wir unsere Experimente vertuschen und haben die 18 Monate geltende Garantie beansprucht. Bestellen kann man die Uhr im Web auf den Seiten von Amiga Int. mittels Mail an Axel Kraemer. Der Preis beträgt DM 450, was je nach Tageskurs etwas über ATS 3000 ausmacht. Die "Theme of Amiga" CDSeit einiger Zeit schon haben wir Amiganer unsere eigene Hymne. Die Gruppe Annex hüpft diese nicht nur gerne auf diversen Messen vor - zuletzt auf der C98 -, sondern hat sie auch auf CD aufgenommen. "Back for the Future - The Theme of Amiga" nennt sich das Stück. Während der Titel des Liedls halbwegs nachvollziehbar ist, so bringt der Name der Band wohl einige ins Grübeln. Der allwissende Langenscheidt meint, daß "annex" als Verb soviel wie "sich einverleiben, sich aneignen, sich unter den Nagel reißen" und als Substantiv "Anhang, Nachtrag" bedeutet. Beides läßt in diesem Zusammenhang wenig positive Assoziationen zu. So kann's also nicht gemeint sein. Ein wenig Nachforschung auf der Annex Homepage bringt dann aber ans Licht, daß sich die lieben Leute "NX" schreiben. Aha, hippes Wortspiel: Wenn man N und X englisch ausspricht, dann klingt es wie "En Ex", was sich ungefähr gleich anhört wie "annex". Nun sind die Damen und der Herr aber deutsch. N und X auf Deutsch ist "En Ix", und das klingt wie "eh nix". Da haben wir's ja! Sowas nennt man guten Enthüllungsjournalismus. Weil die Frage "eh nix von was?" unbeantwortet bleibt, nehmen wir einmal an "eh nix von allem". Das läßt jetzt endlich eine positive Assoziation zu, nämlich die der Ehrlichkeit. Eh nix originell, eh nix groovy, eh nix fetzig, eh nix subtiler Text. So, jetzt kann mir wirklich keiner vorwerfen, ich hätte nicht versucht, was Nettes zu schreiben.
Wie dem auch sei, Amiga Int. hat das Ding per Definition zur Amiga Hymne gemacht. Über Musikgeschmack läßt sich bekanntlich lange streiten, ohne das was dabei rauskommt. Objektiv könnte man von "Easy Blubbering" sprechen. Trotzdem wollte man meinen, eine Hymne sollte über eine eingängige Melodie verfügen, die man auch im schlimmsten Vollrausch noch mitgrölen kann. Man betrachte Beispiele wie "We are the Champions" von Queen, Stammgast auf jedem Fußballplatz. (Außer bei Sturm Graz, weil die zur Zeit elendig schlecht spielen.) Oder "Tagwache" von Wolgang Ambros. Obwohl ihn das Liedchen seinerzeit fast die Karriere gekostet hätte, gehört es nach wie vor zum Standardrepertoire für jeden "völlig fetten Obrüsta". Heute noch jagen sich Drogensüchtige zu David Bowie's "Heroes" die Nadel ins unterernährte Gebein. Und wenn sich in zwanzig Jahren noch irgendwer an Falco erinnert, dann sind es pubertierende Gymnasiasten, die "Nie mehr Schule" trällern. Mit "definierten" Hymnen a'la Nationalhymnen assoziiert man gemeinhin eher nur schlafende Politiker, kaugummikauende Fußballspieler, krampfhaft ihre Freude verbergende Olympiasieger oder peinliche zuvor zu Hause vor dem Spiegel das Weinen geübte Amerikaner. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, daß bei der ganzen Sache bloß jemand schnell ein bißchen Kohle machen will, und zwar auf Kosten der für ihre Tendenz zum leicht dümmlichen Fanatismus bekannten Amiga-Gemeinde. Wobei dieser jemand nicht unbedingt der Komponist und die Tänzer sein müssen. Der Hauptzweck der CD soll nach eigene Angaben "Werbung für den Amiga" sein. Das wirft die Frage auf, wofür man zur Zeit groß werben will. Zuerst gehört wieder ein Produkt her, ansonsten wirkt es wie "habt Mitleid mit dem Amiga, auch wenn mit der Entwicklung nichts weitergeht". Trotzdem wird Annex in diversen Messeberichten der letzten Zeit halbwegs positiv erwähnt. Beim genaueren Lesen derselben fällt dann aber rasch auf, daß eigentlich niemand die Musik gutheißt. Alle freuen sich, daß die "Göals" so körperbetont herumhüpfen. Hui, die eine sogar nabelfrei! Sollte man hier das Klischee vom seelisch verkrüppelten Computerdeppen zu Rate ziehen? Demnach wäre alles klar, weil mit Annex sehen sie dann wenigstens einmal "echte" Frauen, und nicht nur irgendwelche weiblich wirkende Pixelkurven. Wie aber bemerkte die österreichische Schauspielerin Birgit Stauber einmal so treffend: "Titten und Arsch sind nicht genug. Du brauchst Titten und Arsch und Grips". Letzterer scheint bei der ganzen Aktion irgendwo verloren gegangen zu sein. Die CD ist nicht im normalen Handel erhältlich, sondern kann nur beim lokalen Amiga Händler bestellt werden. Der Preis sollte um die 100 ATS bzw. DM 15 betragen. FazitDas Boingpad ist eine Meisterleistung in Sachen Usability. Die Fähigkeit, gemeinsam mit Aschenbecher und Kaffeeheferl quasi am selben Platz koexistieren zu können ist sicherlich die herausragendste Eigenschaft, die man schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte; gehört unter dem Weihnachtsbaum eines jeden aufrechten Amiganers. Die Amiga-Uhr beeindruckt durch ihren geringen Bedarf an Ressourcen, wo mit weit weniger Hardware die selbe Geschwindigkeit erzielt wird wie mit einem High-End PC. Erfreulich auch, daß mit Edition Langen endlich wieder ein Entwickler gefunden wurde, der das Zeug zu haben scheint, in die Fußstapfen von Dave Haynie treten zu können Leicht störend auf den Verkauf auswirken dürfte sich jedoch die Tatsache, daß es nur 55 Stück des Chronographen gibt. Schon alleine deshalb wird er sich eher nicht unter jedem Weihnachtsbaum finden. Dennoch empfehlenswert für die, die sonst schon alles haben. Vom Kauf der Annex-CD kann man leider nur abraten. Zu durchsichtig ist das Ganze. Wer dennoch eine "Amiga-CD" haben will, der wende sich vertrauensvoll an alte Hasen wie TRSi und Acid Kitchen. Die haben das nämlich schon lange vor Annex gemacht. Und echte "unabhängige Musik" braucht keine hüpfenden Göals und Mail-Bombings unschuldiger Radiosender. Zusammenfassend kann man sagen, was Hardware angeht ist der Amiga alles andere als tot. Und wir warten schon gespannt, was als nächstes kommt. Vielleicht das Amiga-Haarshampoo, damit wir uns einen neuen Amiga endlich in die Haare schmieren können? Oder das Amiga-Klopapier, damit jeder weiß, wo man sich den neuen Amiga hinstecken kann? Die Zukunft wird es zeigen. Für dieses Jahr ist Weihnachten jedenfalls gerettet. |
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Thomas Aglassinger ...........
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