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Amiga Writer - Version 1.2Amiga und Textverarbeitungen, das war schon immer ein Problem. Nicht vielleicht, daß es davon zu wenige gab, nein, meist haperte es an der gebotenen Funktionalität. So war die Unterstützung von Fußnoten bei vielen schon nicht mehr gegeben. Irgendwann wurde dann in Amiga-Kreisen die Leistungsfähigkeit einer Textverarbeitung an der Tatsache gemessen, Fußnoten bzw. Kapitelendnoten zu beherrschen. Das reicht heute für eine Textverarbeitung aber schon lange nicht mehr aus. Man verlangt auch zumindest WYSIWYG, Dokumentvorlagen, automatische Kapitelnumerierung, Querreferenzen, Tabellenunterstützung, Grafikeinbindung usw.
Ich haben mir die recht neue Textverarbeitung AmigaWriter (Version 1.1 mit Update auf 1.2) von Haage & Partner angeschaut und wollte herausfinden, wie es in diesem Bereich am Amiga derzeit ausschaut. Man erhält das Ganze in einer CD-Box, die jedoch anstelle der CD zwei Disketten beinhaltet. Gedrucktes Handbuch ist keines dabei, aber Dokumentation in Online-Form als AmigaGuide und zusätzlich auch ein paar Dokumente im AmigaWriter-Format. Auf den Disketten befindet sich die Version 1.1 des Programms. Aber auf der Internet-Seite von Haage & Partner kann kostenlos ein Update auf die Version 1.2 heruntergeladen werden. Diese bringt vor allem zwei Neuerungen: Formatvorlagen und Rechtschreibkontrolle. Alle Updates bis zur Version 2.0 (die es aber noch nicht gibt) sind für registrierte Kunden schon im Kaufpreis der jetzigen Version enthalten. Die Installation des Programms und des Updates können problemlos mit dem Installer durchgeführt werden. AmigaWriter arbeitet im Gegensatz zu anderen Textverarbeitungen mit dem Boxen-Konzept, das man aus der Welt des Desktop Publishing kennt. Das ist für eine Textverarbeitung ungewöhnlich, jedoch ein interessanter Ansatz, der viel gestalterische Freiheiten zuläßt. Bei den Boxen wird zwischen Text- und Bildboxen unterschieden. Erstere können untereinander "verbunden" werden um den Textfluß von einer in die nächste Box festzulegen. Die Boxen können frei auf der Seite plaziert werden. Formate und FormatvorlagenFür eine durchgängige, einheitliche Gestaltung eines Dokumentes ist es von unschätzbarem Wert, wenn eine Textverarbeitung sogenannte Formatvorlagen unterstützt. Damit kann das Aussehen der verschiedenen Textpassagen wie Überschriften, Fließtext, Kopf-, Fußzeile usw. festgelegt werden. AmigaWriter unterstützt hierbei Formate für folgende Teile:
Ein Zeichenformat definiert die Eigenschaften der Schriftzeichen wie Zeichensatz, Schriftstil, Größe und Farbe. Mit einem Absatzformat können zusätzlich zu den schon vom Zeichenformat bereitgestellten Einstellungen auch noch die Abstände vor und nach dem Absatz, der Zeilenabstand, sowie der linke bzw. rechte Einzug festgelegt werden. Außerdem ist es damit möglich, die Textausrichtung (links, Mitte, rechts, zentriert) sowie die Position und Art der Tabulatoren anzugeben. Damit eine Seite ein einheitliches Bild erhält, ist es möglich, Seitenformate zu definieren. Dabei können die Anzahl der Spalten, die Ränder, Bereiche für Kopf- und Fußzeile sowie die Seitennumerierung festgelegt werden. Innerhalb eines Dokumentes können mehrere Seitenformate verwendet werden. Die Kapitelformate dienen beim AmigaWriter dazu, festzulegen, welches Seitenformat für einen bestimmten Abschnitt des Dokumentes (Kapitel) verwendet werden soll. Dabei ist es auch möglich, für linke und rechte Seiten eines Kapitels ein unterschiedliches Format zu wählen, sodaß auch Dokumente für doppelseitigen Ausdruck sinnvoll erzeugt werden können. Was kann das Programm noch?Die Tabulatorunterstützung ist recht umfangreich. Es werden linksbündige, zentrierte, rechtsbündige und am Dezimalpunkt (bzw. einem anderen Zeichen) ausgerichtete Tabulatoren angeboten. Die Tabulatoren können für jeden Absatz einzeln definiert werden. Und natürlich gibt es auch eine Verwaltung von Fußnoten, Kapitelendnoten und Textendnoten. Auch Suchen und Ersetzen im Text wird angeboten. Eine praktische Sache ist auch das zeitgesteuerte automatische Sichern des Dokumentes, sowie die Verwaltung mehrerer Dokumentenversionen. Es können außerdem mehrere Projekte (Dokumente) gleichzeitig geöffnet und bearbeitet werden. Aber was fehlt?Soweit betrachtet sehen die von AmigaWriter gebotenen Funktionen recht ordentlich aus, aber wenn man sich das Ganze dann etwas genauer ansieht, kommt man doch schnell drauf, daß noch einiges fehlt. So ist derzeit beispielsweise keine Unterstützung für eine automatische Kapitelnumerierung zu finden; das ist aber bei etwas längeren strukturierten Dokumenten unbedingt erforderlich, denn wer will schon alle nachfolgenden Kapitelnummern händisch nachführen, wenn er wo eine neue Kapitelüberschrift einfügt. Genausowenig ist eine vernünftige Unterstützung für Inhaltsverzeichnisse vorhanden. Das einzige, was AmigaWriter dafür bietet, ist, alle Absätze, die im Absatzformat besonders markiert sind, auf einer Stelle hinzuschreiben. Jedoch kann keine Formatierung und nichts festgelegt werden. Die fehlende Kapitelnumerierung läßt schon darauf schließen, daß auch keine Aufzählungslisten unterstützt werden. Genausowendig kann man natürlich Referenzen zwischen Kapiteln oder zu Abbildungen in den Text einfügen. Die oben angeführten Funktionen sollten heute eigentlich von jeder Textverarbeitung angeboten werden. Zusätzlich gehört auch das Erstellen von Tabellen heute schon fast zum Standard. Bessere Textverarbeitungen können sogar mit einem Formeleditor aufwarten. Beides fehlt derzeit beim AmigaWriter. Es wird aber versichert, daß sich das Programm eines modular erweiterbaren Konzeptes bedient und solche Ergänzungen hinzugefügt werden können. Wir werden sehen. Positiv überraschtAmigaWriter bietet zahlreiche Einstellfenster, mit denen der Text formatiert werden kann. Während bei anderen Textverarbeitungen (bekanntester Vertreter ist WinWord) diese wieder geschlossen werden müssen, bevor man im Dokument weiterarbeiten kann, sind diese beim AmigaWriter durchwegs nichtmodal ausgeführt. Das bedeutet, man kann diese Einstellfenster ständig offen halten, was ein sehr angenehmes und schnelles Arbeiten ermöglicht. Silbentrennung und RechtschreibprüfungDie Silbentrennung wird von AmigaWriter komfortabel und automatisch nach einem sprachabhängigen Algorithmus durchgeführt. Dazu ist kein expliziter Durchlauf des Dokumentes erforderlich. Der Trennalgorithmus richtet sich dabei an die Sprache, die durch den Landes-Voreinsteller (Locale) im Betriebssystem eingestellt ist. Sollte der Algorithmus einmal nicht zum gewünschten Ergebnis führen, dann kann mittels Tasten-Kürzel auch eine explizite Trennstelle eingefügt bzw. eine automatische Trennstelle entfernt werden. Bei der Rechtschreibprüfung verwendet AmigaWriter das von Unix entlehnte ISpell. Dafür stehen Wörterbücher für viele Sprachen im Internet zur Verfügung. Mitgeliefert sind die für Deutsch (alte Rechtschreibung) und Englisch. ZeichensätzeVon AmigaWriter können alle Amiga-Zeichensätze, also sowohl die Pixelvarianten als auch die skalierbaren im Intellifonts verwendet werden. Mit zusätzlichen Font-Engines können auch andere skalierbare Schriften eingesetzt werden. So können über die ttf.library , welche aus dem Aminet frei bezogen werden kann, auch Zeichensätze im TrueType-Format, welches von PCs verwendet wird, benutzt werden. GrafikenAuch das Einbinden von Grafiken ist am Amiga immer ein Problem. Während Pixelgrafiken wie Bilder noch recht gut unterstützt werden, sieht es bei Vektorgrafiken meist sehr schlecht aus, was wohl auch daran liegt, daß sich hier nie so richtig ein Standardformat durchgesetzt hat. Zwar wird dr2d als Standard angesehen, es fehlt im Betriebssystem aber jegliche Unterstützung für dieses Format, ja für Vektorgrafiken allgemein (was die graphics.library bietet, ist für heutige Verhältnisse lächerlich). Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum AmigaWriter nur mit Pixelgrafiken umgehen kann. Er kann alles einbinden, wofür ein DataType existiert. AusdruckDie Ausdruckqualität ist zwar hochwertig, aber es dauert ungemein lange bis eine Seite gedruckt ist, weil diese vollständig Pixel für Pixel als Grafik zum Drucker geschickt wird. Das fällt bei Tintenstrahldruckern, die selbst wenig Intelligenz besitzen und auch keine allzu hohe Druckgeschwindigkeit haben, vielleicht nicht so auf, aber bei einem Laser mit 600dpi Auflösung wird das Ganze zu einer Geduldprobe. Während bei anderen Programmen (z.B. PageStream) eine Seite fast unmittelbar nach dem Erteilen des Druckauftrages aus dem Drucker kommt, benötigt AmigaWriter dafür auf einem mit 060er Prozessor bestückten Amiga geschlagene 95 Sekunden für den Ausdruck auf einem HP LaseJet 5MP. Die Fähigkeiten der Laserdrucker (Postscript, PCL 5 usw.) werden von der Druckroutine also keineswegs ausgenutzt. Hier liegt der Mangel aber großteils auch im Amiga Betriebssystem, das keine geräteunabhängige Ausgabe von Schriften und Vektorgrafiken bereitstellt, weshalb die Programmierer von Anwendungsprogrammen das immer wieder selber implementieren müssen. FazitAmigaWriter ist eine Textverarbeitung, die sich an Desktop Publishing Systemen orientiert. Leider besitzt es in der derzeitigen Version auch die im DTP Bereich oftmals auftretenden Funktionsmängel wie fehlende Kapitelnumerierung, Aufzählungs-, Listen- und Tabellenunterstützung. Abgesehen von den fehlenden Funktionalitäten und der relativ langsamen Druckerausgabe kann man das Programm aber als sehr gelungen betrachten. Vielleicht bringt die Version 2.0, die man als registrierter Benutzer ja kostenlos erhält, sobald sie erscheint, einige dieser Funktionen. Das Arbeiten mit AmigaWriter ist komfortabel und auf einem Amiga mit MC 68060 Prozessor und Grafikkarte erfreulich schnell. Die gestalterischen Möglichkeiten gehen aufgrund des Boxenkonzeptes weit über die Möglichkeiten einer herkömmlichen Textverarbeitung hinaus. Die Stabilität des Programmes ist erfreulich hoch (es ist mir beim Test kein einziges Mal abgestürzt). Empfehlenswert ist das Programm für all jene, die nicht unbedingt strukturierte Dokumente wie Handbücher, Diplomarbeiten usw. anfertigen müssen, sondern eher Briefe, Einladungen, Preislisten, Speisekarten usw. verfassen wollen.
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Thomas Öllinger ...........
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