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Wildfire\7 PPC - Der Animateur im neuen Gewand

 
Nachdem die Mühen mit dem nicht funktionieren wollenden SCSI Interface von Phase5's CyberstormPPC endlich überwunden waren und der Inhalt der Wildfire-CD per Envoy3 auf Olivers 'nackten' 4000er gebannt worden war, konnte unsere Wildfire Testsession endlich starten. Mit einer schwarzen CDTV-Tastatur und (lediglich) Memacs bewaffnet geht es nun ans Eingemachte...

 
Vorerst: Auf einem 4000/040/25MHz mit 16 MB RAM macht Wildfire nicht einmal halb soviel Spaß. Hier ist das Programm noch gut genug für einfache Operatoren und vielleicht als simpler Animationskonverter geeignet, aber die aufwendigen 3D-Berechnungen, die das Programm ebenfalls zu bieten hat, werden zur Warteorgie. Also gehe ich zum Jürgen und raunze ihn an, worauf er dem Oliver eine CyberstormPPC samt 64MB RAM in die Hand drückt. Nun sitz' ich hier zwischen 11 Computern und 8 Monitoren in Oliver's Reich, 'Floodland' von 'The Sisters Of Mercy' tönt aus den Boxen, und der Monitor flimmert.

Die Wildfire CD eingelegt, auf das Installer Icon geklickt, das Verzeichnis ausgesucht (ein Verzeichnis mit dem Namen 'Wildfire' wird angelegt), und dann: Warten. Das Programm benötugt MUI3.8, welches auch auf der CD enthalten ist, sowie an die 400MB fertig gerenderter Animationen. Beim ersten Programmstart scheint die Oberfläche recht langsam zu sein, man sieht, wie die Buttons einzeln auf den Screen poppen, aber dann stellen wir den Screen auf 800x600x24, speichern das Ganze, raus aus dem Programm und noch einmal gestartet - na also, jetzt ist die Oberfläche gleich da, und auch das "About"-Fenster schließt sich gleich wieder von selber.

Das Programm gliedert sich in 3 Bereiche: Projekt, Effekte und Einstellungen. Gleich einmal eine Bildsequenz geladen und einen einfachen Crop-Effekt angewandt - ja was ist denn das? Kaum schneller als bei meinem lahmen 68040/25! Und irgendwie ist die 'Verwende PPC'-Checkbox ghosted... Seltsam. Aber wir haben ja noch eine Update-Diskette von Phase5, die der CybervisionPPC beilag, also machen wir ein Update von der PPC-Library und auf einmal läßt sich auch diese Checkbox (also der PPC-Teil) nach Belieben an- oder abschalten. Die Version der Library war v46.18 - dürfte mittlerweile wieder veraltet sein. (Anm.: Im Bonus Verzeichnis auf der CD sind 68040/68060 und ppc.library v46.19. Bei den Blizzard-Karten muß, falls die PPC-Library zu alt ist, ein Flash-Update gemacht werden. Mehr dazu auf der Phase5 Homepage.)

 

Power(PC)

 
Jetzt will ich es aber wissen, was in der PPC-Karte steckt, denke ich mir, und suche eine Session, die nach viel "Rechenarbeit" aussieht. Ein Klick genügt, und der PPC gibt Vollgas. Kein Wunder, schließlich werkt in der Karte auch ein PPC 604e mit 233MHz. Bei kleinen Projekten (bzw. 'Sessions') ist der Unterschied nicht so gewaltig, aber bei einer aufwendigen 3D-Berechnung tut sich schon was, man beachte nur die Tabelle:

Session 68060/60 PPC604e/233
WrapTwirl3D3 01:05:25 00:12:38
ParPlotCompose 00:02:32 00:00:53
 
 

Konzepte

 
Das geniale Konzept von Wildfire ist auf den ersten Blick an sich gar nicht so genial, aber sobald man ein paar Animationen erstellt hat, will man gar nichts mehr von herkömmlichen Programmen wissen. In Wildfire gibt es grob gesagt keine fix definierten Grafiken oder Animationen, sondern diese sind abstrakt als Streams, sprich Daten-Ströme, definiert. Ein Stream kann sein: Eine Grafikdatei, eine beliebige Animation, eine Bildsequenz (die fortlaufende Numerierung wird automatisch erkannt!), oder schwarze, also leere Bilder. Diese Streams werden dann von verschiedenen Effekten verarbeitet. Manche Effekte benötigen einen, mehrere oder keinen Input-Stream und erzeugen eine(n) Ausgabe(stream). Diese(r) kann wieder ein Input für den nächsten Effekt sein, und so weiter. So funktioniert es zumindest im Modus 'Linear'.

[NonLinear]
Alternativ dazu kann man einen 'NonLinear' Effektmodus verwenden, hier werden die Effekte irgendwie 'intuitiver' dargestellt...
 
 

Der Konverter

 
Der Konverter ist im Prinzip die Datenschnittstelle von Wildfire: Das Programm bekommt einen Input Stream, erzeugt einen Output Stream (IFF-Anim, YAFA-Anim, einzelne Frames (Bildsequenz), oder nur ein einziges Bild) und dazwischen wird entweder was mit diesen Streams gemacht (z.B. mit Effekten versehen) oder sie werden gleich unverändert an den Output weitergeleitet - somit erfüllt das Programm auch gleich die Funktion eines Animationskonverters.

Der 'Projekt'-Teil ist also in 2 Bereiche geteilt: Input und Output. Die geladenen / berechneten Streams kann man sich anzeigen lassen oder auch Informationen darüber einholen (welcher Typ von Animation, welche Bittiefe, Größe der Bilder, etc.). Zum Laden und Speichern gibt's Stringgadgets oder Filerequester, man kann gleich die gesamte Animation rechnen lassen, oder nur bestimmte Bereiche mit einer bestimmten Schrittanzahl (z.B. nur jedes 3.Bild berechnen, etc). Außerdem kann man sich ein Preview der Animation oder nur ein einzelnes Bild anzeigen lassen.

 

Die Effekte

 
Das Herzstück von Wildfire ist der Effekte-Editor. Hier kann man zwischen linearem und nichtlinearem Modus wählen. In beiden Modi wählt man die Effekte aus einem Listviewfenster aus, diese Effekte sind 'thematisch' gruppiert (2D, 3D, Puffer-Effekte, Farbeffekte, etc.) und werden per Doppelklick oder Drag&Drop in das Skript aufgenommen. Klickt man im Skript eine Zeile (einen Effekt) an, so öffnet sich ein Fenster, in dem man spezielle Einstellungen zu diesem Effekt vornehmen kann. Die Reihenfolge der Effekte kann beliebig verändert werden (per MUI Drag&Drop), und man hat sich im Nu eingearbeitet. War vorher noch alles so kryptisch, so tun sich einem, nachdem man das Konzept geschnallt hat, ganze Welten auf.

Das wirklich geniale an Wildfire ist jedoch die Möglichkeit, verschiedene Puffer (7 Temp-Puffer und 4 3D-Temp-Puffer sowie einen Alpha-Kanal) zur Verfügung zu haben und damit nahezu unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten. Im nichtlinearen Modus braucht man sich übrigens garnicht um die Puffer zu kümmern, dort erledigt dies Wildfire automatisch. Für all jene, die es sich nicht vorstellen können: Man öffnet die Effektebox, wählt 'LWOBJ', sucht sich die Lightwavekuh aus, wählt 'Compose', zieht die Kuh nach Foreground und den Inputstream nach Background, weil man die Kuh jetzt aber doch lieber vorher in Neon haben will, klickt man 'Neon' vom Fenster 'runter, zieht die Kuh auf Neon und das Ergebnis von Neon auf Foreground von 'Compose', und das ganze vielleicht noch mit 'Interlace' würzen...

[NonLinear2]
Nach ein wenig herumklicken sind wir fertig!
 
 

Präferenzen

 
Für die zu erzeugenden Animationen, Bilder und dergleichen können einige Einstellungen vorgenommen werden: Von 2 bis 24Mio. Farben, Dithering F-S/Off, HAM6/8 optional, Glättung, Dimensionen, usw. Dies sind die Voreinstellungen für eine Session. Zu einer Session gehören Input/Output, Effekte und Preferences. Man kann jedoch kinderleicht in einer bestehenden Session statt eines Bildes als Input-Stream z.B. eine Animation verwenden, oder andere Veränderungen an der Session vornehmen, diese ggfs. neu abspeichern, usw. - wenn sich dabei irgendwelche Zählvariablen ändern, so paßt Wildfire diese auf Wunsch automatisch an die neuen Gegebenheiten an.

 

Neue GUI

 
Im Gegensatz zum alten Wildfire wurde die ehemals sehr (!) gewöhnungsbedürftige GUI einer gründlichen Generalüberholung unterzogen. Das Programm benutzt nun alle Vorteile von MUI und gliedert sich schön in 3 Teile, PlugIns werden über das Menü aktiviert, der Rest wird aus dem Fenster heraus erreicht. Die Oberfläche ist schon anzusehen und in hohem Maße funktional, mir persönlich gefällt der lineare Effekteditor immer noch besser als der neue nichtlineare, aber das ist ja wohl Geschmackssache. Naja, und man kann nicht alle Effekte im nichtlinearen Modus anwenden. Ansonsten kann man die Unterteilung in Konverter, Effekteprozessor und Voreinsteller als gelungen bezeichnen.

 

Und sonst so Sachen

 
Erfreulicherweise brachten wir Wildfire während unserer 8stündigen Testsession nur ein einziges Mal zum Hängen, wobei jedoch nicht das ganze System mitgerissen wurde, das Programm reagierte bloß nicht mehr auf eine Eingabe - das war alles. Ein gewaltiger Pluspunkt ist, wie manch einer sicherlich schon mitbekommen hat, daß das Programm Lightwave Objekte importieren kann (und natürlich morphen und rotieren und und und). Weiters ist jeder Requester mit Return oder Escape zu beantworten, es gibt eine hervorragende Sprechblasenhilfe und eine schöne Online Dokumentation zum Nachschlagen. Dort ist sogar jeder einzelne Effekt erklärt.

Nun noch zwei Tips von einem der Autoren. Erstens: Die 'BitButtons' (die kleinen Bildchen in den Knöpfen) lassen sich in den Prefs von Wildfire ausschalten, dann geht der Bildaufbau auch ohne GFX-Karte recht flott. Wir empfehlen aber GFX-Karte, weil die Berechnungen in 24 Bit durchgeführt werden und dann nichts runtergerechnet werden muß, wenn man Previews anzeigt) Zweitens: Wenn man 'Expertmode' auf 'An' schaltet (Preferences) kann man auf der Optionen Seite (die dritte) die Größe der Thumbnails einstellen (z.B. 92). Dann expertmode wieder aus, WF beenden und neu starten. Und schon sind die ganzen Bilder (preview, NLFX Bilder etc) größer.

Alles in allem macht Wildfire\7 einen hervorragenden Eindruck und vor allem für Besitzer einer PPC-Karte ist es wärmstens zu empfehlen - da geht dann wirklich die Post ab! Jetzt bereue ich irgendwie, daß ich seinerzeit eher mittelmäßige Programme wie 'ArtEffect' und 'ImageFX' so hoch bewertet habe, denn wie gut soll ich dann Wildfire bewerten? Na so gut (hart, aber gerecht):

Bedienung [93]/[100]
Features [86]/[100]
Qualität [91]/[100]
Preis/Leistung [80]/[100]
Stabilität [90]/[100]
Dokumentation [70]/[100]
Gesamt [92]/[100]
 

Bernhard Lukas ...........


- Oberland Computer
- Wildfire
- Effekte Editor (1) (GIF; 29K)
- Effekte Editor (2) (GIF; 37K)
- Effekte: Background (GIF; 38K)
- Effekte: Auswahl (GIF; 35K)
- Endlosschleife (GIF; 3K)
- Es fliegt die LW-Kuh... (MPEG; 172K)
- ParPlot Session (GIF; 22K)
- Rendern (GIF; 19K)
- Benoit (1) (JPEG; 15K)
- Benoit (2) (JPEG; 14K)
- Lightwave Kuh (JPEG; 28K)
- Nichtlineare Session (JPEG; 55K)
- PowerPlugs: CMagnet (JPEG; 6K)
- PowerPlugs: CTransT (JPEG; 9K)
- PowerPlugs: CWave (JPEG; 9K)
- PowerPlugs: MMagnet (JPEG; 11K)
- PowerPlugs: MWrap (JPEG; 9K)
- PowerPlugs: TTwist (JPEG; 8K)
- PowerPlugs: WSphere (JPEG; 8K)
- PowerPlugs: WWaves (JPEG; 15K)
- PowerPlugs: WWrap (JPEG; 9K)
- NonLinear (GIF; 19K)
- NonLinear2 (GIF; 23K)
 
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