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| Scalos | The Digital Universe V1.03 |
 
 

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Scalos - Multitasking von seiner schönsten Seite

 
Was ist Drag'n Drop doch Schönes? Einfach das Icon nehmen, ins andere Fenster ziehen, fallenlassen und - flutsch! - kopiert sind die ganzen Daten. Aber ach, das wollte ich doch gar nicht und jetzt dauert das wieder so lange, bis die Workbench wieder benutzbar wird? Tja, genau dafür gibt es den Workbench-Ersatz namens Scalos.

 
Das wichtigste Attribut des AmigaOS in vielen Diskussionen ist immer wieder sein präemptives Multitasking-Konzept, und ausgerechnet beim Sichtbarsten aller Tools, der Workbench, gibt es keines. Schlecht, dachte sich da ein engagierter Programmierer aus deutschen Landen und programmierte sich seine eigene Workbench. Was daraus geworden ist? Probieren Sie es aus, es lohnt sich!

 

"Des is ja olls des Sölbe!!"

 
Ja freilich schaut die Scalos-Oberfläche nach der reibungslosen Installation und dem praktischen Doppel(!)-Klick aufs Icon genau gleich aus, wie die Workbench. Das ist ja auch der Sinn der Sache. Die Interessantheiten treten dann zu tage, wenn man sich etwas näher mit der Thematik befaßt. Auch wenn ich jetzt schon seit längerer Zeit Scalos bei mir laufen habe, kenne ich noch nicht alles. Zugute halten kann ich aber schon mal vorab, daß es mir in dieser Zeit kein einziges Mal abgestürzt ist, die getestete Version 1.1 also wirklich brauchbar stabil ist.

Die Testversion öffnet einen eigenen Screen, der auf den ersten Blick gar nicht von der Workbench zu unterscheiden ist und die gleiche Funktionalität bietet. Einige Einschränkungen sind eingebaut, aber man sollte dieses geniale Stück Software sowieso registrieren lassen. In der registrierten Version kann Scalos dann als vollständiger Workbench-Ersatz zum Einsatz kommen, indem einfach der LoadWB-Befehl ausgetauscht wird.

Obiges Kopier-Szenario kann sich nun nicht mehr wiederholen, denn sobald man zum Kopieren anfängt, öffnet sich ein Fenster mit der Anzeige der kopierten Dateien. Dessen Schließ-Gadget kann zum Abbrechen des Kopier-Vorganges eingesetzt werden. Die Reaktionszeit darauf ist erfreulich kurz und das Ergebnis ist eine teilweise Kopie. Gelöscht wird dabei nichts wieder. Beim Löschen von Dateien öffnet sich ein ganz ähnliches Fenster, das nun aber auch ein zusätzliches "Abbrechen"-Gadget besitzt, daß zwar Gelöschtes nicht wieder herholen kann, aber der Vorgang wird wirklich sogleich abgebrochen. So soll das sein :-))

 

"Ich will jetzt!", "Nein! Ich!"

 
Nur keine Sorge, jeder kommt dran. Denn da für jedes Fenster ein eigener Task gestartet wird, können auch unzählige Kopier-, Lösch- und dergleichen Vorgänge gleichzeitig ausgeführt werden, ohne daß irgendeine Funktion dieser besseren Workbench gesperrt werden würde.

Eigentlich könnte dieser Testbericht hier schon aufhören, denn dieses feine Feature ist es, der Scalos so bemerkenswert macht. Ja, da gibt es auch noch so einen anderen Workbenchersatz, aber der ist mir zu "astronomisch", sprich, viel zu überladen. Gerade dieses ist Scalos (noch? hoffentlich nicht!) nicht und genau dieses Multitasking funktioniert einfach. Feine Sache.

 

Konfigurationen

 
Nun kann man sicher Scalos einfach mal so als Ersatz der Workbench übernehmen, aber mit den 4 zusätzlichen Preferences kann man unter anderem auch seine Menüs frei gestalten.

Und hier stutzt man schon mal, denn in der Grundeinstellung sind keine Menüs definiert und die rechte Maustaste fühlt sich in der Titelleiste schon sehr vereinsamt. Glücklicherweise lassen sich aber die Standardeinstellungen leicht aus Voreinstellungen für deutsch, englisch, zweimal französisch, italienisch oder schwedisch importieren und man kommt wieder in den Genuß der bekannten Menüs, mit der Beruhigung, diese jederzeit an seine eigenen Wünsche anpassen zu können. Mir ist es aber lieber so, wie ich es schon seit Jahren gewohnt bin. Man wird faul im Alter ;-)) Einzig dem Menüpunkt Löschen habe ich endlich Amiga-D zuordnen können.

In den Menü-Einstellungen stutzt man dann schon wieder (lese man die mitgeliefteren Dokumentationen, wäre das freilich anders), denn dort gibt es auch Unterpunkte für Popup-Menüs. Fein säuberlich aufgeteilt für Disk-, Schubladen-, Werkzeug/Projekt- und Mülleimer-Piktogramme einzeln. Weiters läßt sich auch ein Kontextmenü für Directory-Fenster öffnen, wenn man in dessen Titelzeile klickt. Diese kann auch verdeckt, das Fenster dagegen aktiv sein. Zu diesen praktischen Menüs kommt man, wenn man die popupmenu.libra ry installiert, die bei Scalos nicht dabei ist.

Die newicon.library dagegen ist mit inkludiert und bietet so auf einfache Weise diese "anderen" Icons. Ob sie Gefallen finden, ist ja nun Geschmackssache, aber wofür kann man denn Files umbenennen oder löschen?

 
Scalos ist an sich sehr modular aufgebaut und so sind auch so essentielle Sachen, wie Befehl ausführen aus dem Hauptmenü als Modul (lokalisierbar - für jedes Plugin gibt es einen eigenen Katalog, fertig mitgeliefert in dänisch, deutsch, spanisch, französisch, italienisch und noch ein paar anderen) ausgeführt. Das bietet bei der Installation die Möglichkeit, zwischen Gadtools-, ClassAct- und MUI-Aussehen und -Funktionalität zu wählen. Die Preferences selber sind dabei aber immer MUI-Programme.

 

Icons mal durchsichtig

 
Zieht man Icons durch die Gegend, werden sie transparent dargestellt, sodaß der Untergrund schön durchscheint. Bei der richtigen Einstellung werden sie dann wieder flächig, sobald man sich an einer Stelle befindet, an der das Icon fallengelassen werden kann. Das schaut nicht nur schön aus, das ist auch praktisch. Dabei gehen die Einstellungsmöglichkeiten so weit, daß man zum Beispiel angeben kann, daß bei Disks die Icons flächig werden sollen, beim Trashcan aber nicht, oder auch ganz anders. Die Scalos-Prefs bieten da ungezählte Möglichkeiten.

Ebenso wie auch die Titelzeilen völlig frei definiert werden können. Mittels Prozent-Zeichen werden dann in die Zeile Daten wie Versionsnummern oder Speichergrößen und dergleichen mehr eingefügt.

Der Menüpunkt Fenster aufräumen tut auch nicht nur das, was er soll, nein, es können die Abstände, in denen die Icons angeordnet werden sollen, festgelegt werden. Und sollen es mal keine Icons sein, so wechselt man in den Textmodus. Hier sieht man dann ganz deutlich schon Unterschiede. Denn es kommt eine zusätzliche Menüzeile ins Fenster, die Gadgets darstellen. Das jeweils aktivierte legt fest, daß nach dieser Eigenschaft sortiert werden soll, wie zum Beispiel nach Name, Größe, Datum oder Zugriffsbits.

 

Alles wie aus einem Guß??

 
Ja, und doch nicht, denn das modulare Konzept von Scalos erlaubt es, weitere Plugins und Module einzubinden, indem sie ins passende Plugins-Verzeichnis kopiert und in den Preferences angewählt werden.

Da gibt es dann zum Beispiel Plugins, die man als zusätzlichen Menüpunkt einbinden kann, als Beispiel wäre da sortiertes Aufräumen zu nennen. Andere Plugins stellen so praktische Möglichkeiten wie automatische Filetypen-Erkennung dar, oder die Anzeige der jeweils freien Farbstifte in der Titelzeile und dergleichen mehr.

 
Und da wird es jetzt interessant, denn das Filetype-Plugin soll die Möglichkeit bieten, daß per Doppelklick auf zum Beispiel ein Lha-Archiv ein Requester erscheint, in dem ausgewählt werden kann, ob das Archiv angeschaut, entpackt (mit Angabe des Ziel-Verzeichnisses) oder zum Beispiel auch getestet werden soll. Und alles wie immer schön brav frei konfigurierbar, leider auch ein Muß, denn es gibt keinerlei Voreinstellungen dazu. Das muß alles selber gebaut oder von den Default-Icons importiert werden. Dieses ist aber alles noch sehr im Beta-Stadium, weshalb zum Beispiel das Preferences-Fenster nicht durch das Close- oder das Save-Gadget geschlosen werden kann, sondern nur durch das Cancle-Gadget. Die Einstellungen bleiben dabei aber erhalten. Leider helfen auch die Doku-Files dazu nicht viel weiter, denn etliche Seiten darin sind noch leer. Warten wir also ab, was denn da noch so alles kommen mag...

Was man alles einstellen kann, ist schier unglaublich. Die Funktionsweise ist die, daß man einem Icon ein Default-Tool zuordnet, zum Beispiel auch DoCommand aus dem Tools-Verzeichnis von Scalos. Dieses DoCommand kann dann Requester öffnen, Shells aufmachen, Befehle ausführen - ganz nach Belieben. Die Auswahl, welches dieser Default-Icons nun zu nehmen ist, hängt von den Kriterien ab, die in den FileType-Preferences eingestellt werden. Da kann zum Beispiel nach einer ganz bestimmten Zeichenfolge an einem bestimmten Offset im File gesucht werden (zum Beispiel "-lh" ab Position 2 erkennt LHA-Archive, etc.) oder man vergleicht auf Dateigröße (gleich, kleiner, größer, etc.) oder -name in bekannter DOS-Pattern-Notation. Auch die Suche nach FileType (Datei, Schublade, Link, etc.) oder Protection-Bits ist möglich. Das alles dann auch noch in ausschließender Suche, Kriterien ODER-verknüpft usw. erfolgen. Wirklich feine Sache. Nur hat das einen Haken: bei mir funktioniert die Erkennung nicht und es wird bei Klick auf Nicht-Programm-Icons immer der normale Requester geöffnet, der die Eingabe des auszuführenden Programmes (wie Menüpunkt Befehl ausführen aus der Workbench) verlangt. Hmmm, aber ich komm schon noch drauf...

Auch ein Hindernis dabei ist die Tatsache, daß der Voreinsteller für die Filetypes ein MUI-Programm ist, das die MUI-Class Betterstring.mcc braucht. Diese ist aber nirgends in den Archiven enthalten und muß erst mal besorgt werden.

 
Wie immer machen natürlich die ungezählten Versionen des picture.datatype so ihre eigenen Sachen. Ich habe hier Picasso96 auf einer PicassoII laufen und da ist es mir nicht gelungen, das schöne Bild von Imladris als Scalos-Hintergrund anzeigen zu lassen. Es sind zwar über 1MB im IFF-Format, aber mit der Workbench geht das. Naja, ist eigentlich nicht so wichtig, denn nehme ich eben was Kleineres, wie ein schönes Amiga-Background-GIF; so erscheint das dann auch erfreulich schnell auf meinem 030er mit 40MHz.

Schön auch der entsprechende neue Voreinsteller zu den Hintergrundbildern, analog dem Original Scalos Pattern benannt, der auch die originalen Preferences ersetzen sollte, wobei lt. Doku in WBPattern auch kein Bild eingestellt werden soll. In diesem neuen Voreinsteller kann man nun unzählige Bilder und Hintergründe auswählen und jedem Nummern zuordnen. Mehrere Bilder können auch gleiche Nummern bekommen. Dem Screen, der Workbench-Oberfläche und den Fenstern in Icon- oder Textmodus werden nun auch jeweils eine Zahl zugeordnet, die angibt, welcher Hintergrund wo angezeigt werden soll. Gibt es nun mehrere Bilder mit gleicher Nummer, wird zufällig ausgewählt, was wann wo erscheint. Die Darstellung kann nun nicht nur einfach zentriert oder gekachelt, wie in der Original-Workbench, erfolgen, sondern auch auf volle Screen-Größe skaliert werden. Dafür können eigene Routinen oder die von GUIGfx eingesetzt werden. Was vielleicht noch ganz interessant wäre, wäre ein zyklisches und nicht nur zufälliges Durchwechseln der Hintergrundbilder...

 
Die Palette des Scalos-Screens wird durch Scalos Palette als Ersatz für das originale Palette eingestellt. In der Grundkonfiguration bleiben die ganzen Vielfarben-Icons in ihrer Falschfarbendarstellung, wie man sie von einer Standard-WB her kennt. Importiert man aber die Farben aus einer laufenden Workbench, in der durch entsprechende Patches oder ähnliches die Farben angepaßt wurden, so werden auch unter Scalos die Farben passend und ansprechend dargestellt, sodaß der Unterschiede in ästhetischer Richtung keine mehr wären.

Eines wäre vielleicht noch zu erwähnen, abgesehen davon, daß man sich diesen Workbench-Ersatz, den man mit dem Original in Bezug auf die Funktionsvielfalt eigentlich gar nicht mehr vergleichen kann, nicht entgehen lassen sollte, daß bei mit dem Lasso eingefangenen und somit aktivierten Icons das Kontextmenü (sprich fixieren der Position oder gar löschen, etc.) immer nur auf das gerade aktuelle Icon wirkt und nicht auf die anderen noch aktivierten. Das kann man nun als Feature sehen, ich finde es aber unlogisch. In den Preferences zur popup.library habe ich allerdings auch nichts gefunden, wo dieses Verhalten zu ändern wäre.

 
Alles in allem habe ich nun eine Workbench, die keine ist, aber so tut und noch dazu viel mehr kann. Ich bin's zufrieden und kann Scalos nur guten Gewissens weiterempfehlen.

Oliver Gerler ...........


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