|
|
|
|
|
|
|
"Mr. Aminet Österreich" - InterviewDiesmal im Interview mit dem Amigascene ist Armin Obersteiner, seines Zeichens Aminet Administrator der österreichischen Aminet Site auf http://vienna.aminet.or.at bzw. http://at.aminet.net. (AS = AmigaScene, AO = Armin Obersteiner) AS: Kommen wir gleich zur ersten Frage: Wie groß ist die Site zur Zeit? AO: Unsere Site hat eine Größe von ca. 7.3GB, das bedeutet wir sind nur ein Teilmirror. AS: Hm. "Mirror" heißt Spiegel, daß bring ich mit meinem Englisch noch. Aber was genau ist ein "Teilmirror"? AO: Teilmirror bedeutet, daß wir aus Platzmangel nicht alle Dateien, die auf dem Aminet-Hauptserver vorhanden sind, lokal anbieten können. Wir lassen also mehr oder weniger unwichtige Daten nach einer gewißen Zeit rausfallen. AS: Was bedeutet in diesem Zusammenhang "unwichtig"? AO: Ich lasse meist Teile aus dem "demos" oder "pix" Verzeichnis wegfallen, immer die ältesten. Seit ein paar Monaten sind auch die "mods" zum Löschen freigegeben. AS: Es ist ja nicht nur das Aminet auf der Site zu finden, sondern noch ein paar andere Amiga-spezifische Dinge. Um was handelt es sich dabei? AO: Von den 7.3 GB sind 300MB für andere Sachen reserviert: NetBSD und Linux für Amiga. Bei beiden handelt es sich um Unix-Derivate. Früher hatte ich auch das ADE online, das Amiga Developer Environment, eine Sammlung von Entwicklerwerkzeugen, die zum Großteil aus der Unix-Welt stammen, aber so auch unter AmigaOS verwendet werden können. AS: Aha. Und wieso ist die ADE, die inzwischen "Geek Gadgets" heißt, nicht mehr drauf? AO: Es ist leider zu groß geworden, ich müsste nochmal 400MB vom Aminet wegnehmen. Ich würde es tun, wenn es andere Leute außer mir auch interessieren würde, was ich aber nicht glaube. AS: Man kann also sagen, daß Du ein kleines Platzproblem hast, oder? Das heißt, wenn sich jemand bei Dir melden würde und sagt "Ich sponser Dir eine x GB Festplatte", dann hättest Du kein Problem damit? AO: Prinzipiell hätte ich keine Probleme damit ;-) Allerdings muß es eine SCSI-Platte mit Gehäuse sein, um mit der anderen Hardware zusammenzuarbeiten. AS: Soviel derweil zum derzeitigen Stand. Was mich jetzt interessieren würde: Wie kam es zu dieser Site? Seit wann gibt es sie? War vorher schon was Ähnliches in Österreich? AO: Also, begonnen hat alles im Sommer 1994. Ich wollte eigentlich nur für mich einen kleinen Mirror machen. Damit ich bei meinem täglichen Download nicht so lange warten muß. (Anm.: Im Jahre 1994 waren Netzwerkverbindungen ins Ausland noch viel quälend langsamer als heute und es gab wesentlich weniger Mirrors.) Irgendwie war mir schnell klar, daß der Mirror auch andere mit den selben Problemen (langsame Leitung in die USA) helfen würde. Und da war zumindest die Idee entstanden. Ich hab mit 100-200 MB auf dem Server ftp.giga.or.at begonnen. Kurz darauf hab ich meinen Amiga-Händler (Merlin GraFX) gefragt, ob er nicht eine kleine Platte spendet. Das hat er auch bereitwillig getan: 512 MB wurden in den Giga-Server eingebaut. Zur gleichen Zeit hab ich Urban Müller vom Aminet benachrichtigt und der "wilde" Mirror wurde offiziell. Meines Wissens nach waren wir die ersten in Österreich (und sind es auch noch). Das war Anfang 1995. AS: Zwischenfrage: Du hattest also eine Zeitlang Deinen privaten Aminet-Mirror, von dem die Welt nichts wußte. Wie geht denn sowas, muß man den nicht irgendwo anmelden? AO: Jein, ein "privater Mirror" war das recht kurz. Nachdem alles funktioniert hat, habe ich mich bemüht, gleich offiziell zu werden. Wenn ich nur einen einfachen FTP-Mirror machen will, brauche ich mich nirgends anzumelden (zumindest bei Public Domain Daten). Normal kopiert man sich die Files per FTP einfach her. Am nächsten Tag schaut man nach, was sich getan hat und holt sich die neuen Daten. So war das bei mir anfangs auch. Urban Müller hat das Aminet anders entworfen: Ich melde mich also jeden Tag beim Server an (mehrmals), und frage, welche Dateien ich mir holen soll. Das ganze ist also sehr zentralistisch. Der Hauptserver weiß demnach immer, was ich da haben sollte. Und welche aktuellen Files ich noch brauche. Nachdem ich weiß, was ich mir holen soll, wird die Platte frei gemacht (und bei Bedarf alte Files gelöscht) und der Download begonnen. Das ganze geht natürlich nur, wenn Urban Müller etwas von meiner Existenz als Mirror weiß. AS: Du sagst, daß Du Dich beim Server mehrmals am Tag anmeldest und Dir die neuen Daten holst. Setzt Du dich da wirklich vor einen Rechner, schaust Dir eine lange Liste an und tippst dann 200 mal "get xy.lha" ein? Oder geht das etwas automatisierter? AO: Das war natürlich eine Beschreibung dessen, was das etwa 100 zeilige Download Script tut. Das hat Urban Müller geschrieben und wurde von meiner Wenigkeit etwas geändert. Die Scripts werden natürlich mit einem automatische Scheduler (cron) mehrmals am Tag zu fixen Zeiten gestartet - es geht also vollautomatisch. Hier wären wir bei einem weiteren Unterschied zu anderen (simplen) FTP-Mirrors. Am Anfang hab ich etliche C-Programme und Shell-Scripts bekommen. Und außerdem ein Rohgerüst für HTML-Seiten. AS: Gut, dann wissen wir jetzt also, wie Aminet in seinem Innersten funktioniert. AO: Ich hoffe. Es ist ja ansich recht einfach... bis auf die Probleme, die auftreten, wenn die Platte eigentlich immer total voll ist. AS: Aha, das heißt, das Löschen unwichtiger Daten geht manuell vor sich? AO: Bei einem totalen Overflow muß ich manuell Platz machen. Danach die Datenbank mit den lokalen Dateien neu erstellen und erst anschließend kann ich per Script löschen. Das passiert leider doch ab und zu - das Problem ist das Zusammenspiel Overflow, Datenbestand in der Datenbank (nur eine Datei) und Datenbestand auf der Platte. Ich hab das Problem zwar nicht gelöst, aber zumindest minimiert - es tritt jetzt sehr selten auf. AS: Dann können wir eigentlich bei der Geschichte weitermachen. Inzwischen bist Du von den 512MB weg zu 7.3 GB auf einen anderen Server. Wie ging es also weiter? AO: Irgendwie wollte ich mehr vom Aminet online halten. Kurzum hab ich einen Spendenaufruf in at.fido.amiga (eine Newsgroup und Fido-Group gleichzeitig) gestartet. Zuerst war ein reger Zuspruch, doch dann hat es sich im Sand verlaufen. Das hatte damit zu tun, daß ein kommerzieller Provider ebenfalls einen Aminet Mirror starten wollte, aus dem dann letztendlich aber nichts geworden ist. Ein einzelner aus der Newsgroup hat den heutigen Server aus dem Boden gestampft: Edwin Cikan hat einen Server und die 8GB an Platte besorgt und last not least den Standort für den Server. Eigentlich verwalten drei Leute den Rechner: Edwin Cikan ist der System Administrator, ich bin für die Downloads zuständig und Martin Paul schaut, daß physikalisch alles in Ordnung ist und führt allfällige Neustarts des Servers durch. Letzterer ist vom Inistitut für Softwaretechnik und Parallele Systeme, wo auch der Aminet-Rechner steht. Die Migration von ftp.giga.or.at zu vienna.aminet.or.at (heute auch at.aminet.net) war dann problemlos. Kurze Zeit hatte ich sogar *alle* Files online, aber eben nur kurz. Die 8GB waren bald überschritten... AS: Das Meiste funktioniert also über Scripts, die mehr oder weniger automatisch ablaufen. Da greifst eigentlich nur ein, wenn einmal ein kleines Problem auftritt. Wie groß würdest Du Deinen wöchentlichen Zeitaufwand für die Aminet Administration etwa einschätzen? AO: Am Anfang recht hoch, derzeit aber fast Null - außer, wenn es einen Overflow gibt. Dazuzusagen ist, daß ich natürlich selbst jeden Tag zugreife. Das ist zwar keine Administration, aber wenn's Probleme gibt, seh' ich es sofort. Es ist also auch eine Art Test. AS: Und wenn der Hauptadministrator einmal auf Urlaub geht, wer sieht dann nach dem Rechten? AO: Wir drei haben alle das "root" Passwort des Rechners. Systemmäßig können also alle drei eingreifen. Bei den Downloadscripts kennen sich nur Edwin und ich aus. Da Edwin noch nie hat einspringen müssen, glaube ich, daß er alles schon vergessen hat ;-) Aber Platz machen auf der Festplatte und die Scripts starten kann jeder der Admins. Das Problem ist eher, daß man drauf kommt, daß etwas nicht stimmt. Und das ist nur möglich, wenn man täglich hinschaut... AS: Noch einmal zurück zu den Scripts: Auf welcher Hardware und welchem System rennt dein Aminet und das Aminet im Allgemeinen? AO: Aminet ist für Unix konzipiert. Wir haben eine Sun mit einem Unix-Derivat. Eigentlich ist alles recht portabel. Mit dem ADE rennt es auch auf Amigas. Das einzige, das ein bißchen haarig ist, ist die "recent" Funktion, die jedem Benutzer individuell die Dateien auflistet, die seit seinem letzten Besuch hinzugekommen sind. Das verwendet Unix-db libraries, die sind aber auch portabel. AS: De facto gibt es Deines Wissens aber keinen Amiga, der als Aminet Server fungiert, auch wenn es technisch möglich wäre? AO: Da ich keine 100Mbit Ethernetkarte für den Amiga kenne, ist das wohl der Hauptgrund. Security ist ein zweiter. Aber rein technisch sehe ich mit dem ADE überhaupt kein Problem. AS: Kriegt man als Aminet Admin eigentlich mehr mit als Normalsterbliche? Ich meine, gibt es eine eigene Admin Mailing List, eine Fanzeitschrift, eine Art jährlichen Betriebsausflug oder irgendwas in die Richtung? AO: Leider muß man sagen, daß ich nicht viel mehr mitbekomme. Es gibt eine Admin Mailing List, dort ist es aber recht ruhig. Wenn das Aminet ausfällt, weiß ich das halt schneller... Fixe Treffen gibt es nicht, aber auf Amiga Messen kommt es am Abend hin und wieder zu Zusammenkünften. AS: Der gute alte Urban Müller macht ja das Aminet nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern scheffelt auch einiges Geld damit. Kriegt ihr Administratoren etwas von ihm bezahlt? Oder sponsort er hin und wieder Hardware? AO: Na gut, aber er verwendet auch einen Großteil seiner Zeit dafür, und wie kritisch man das auch betrachten mag: 1) die CDs sind nicht teuer, 2) es ist eh alles (eigentlich mehr, bis auf die "Specials") online, 3) das Aminet hat sehr viel zum überleben des Amigas beigetragen (die Idee und die Ausführung) Bezahlt kriege ich nichts, vielleicht andere, aber die müssen dann auch was machen (z.B. die Files nach Viren testen, CDs zusammenstellen, ...). Ich bin mir sicher, wenn ich in totaler Hardwarenot wäre, würde Urban Müller mich unterstützen. Andererseits bin ich so irgendwie unabhängiger: Wenn ich mehr Platz für Linux will, nehm' ich ihn mir einfach... Aja, etwas bekomme ich schon: die CDs kriege ich gratis. Das hat mir schon mal sehr geholfen, als ich den Server gewechselt habe: ich konnte 90% von den CDs einspielen, was die Netzlast unglaublich verringert hat. AS: Du wolltest uns auch ein bißchen über die Download Statistik der vienna.aminet erzählen. AO: Stimmt. Ich hab mir heute die Logfiles angesehen und hab versucht, irgendwas Brauchbares darin zufinden: Derzeit gibt es ca. 50000 Zugriffe pro Monat auf den WWW-Server. Davon sind 65% HTML-Seiten, Indizes und GIF-Bilder, vom Datenvolumen her machen die aber nur 20% aus. Der Rest geht also an die LHA-Archive. 25% der Zugriffe sind File Downloads, je 5% gehen an "Suchen" und Ansehen der "Recent" Listen. Das Datenvolumen pro Monat hat sich von den paar hundert MB im Jahre 1995 auf inzwischen 4GB erhöht. Die meisten Zugriffe kommen aus .com (36%) dann .at (14%) dann .ger (3%). Danach kommen skandinavische Länder und Länder Osteuropas. Am Anfang waren übrigens noch 37% aus Österreich. Betrachtet man FTP und WWW gemeinsam, so werden im Monat ca. 16000 Files (LHA und ReadMe) mit einem Datenvolumen von ca. 3GB heruntergeladen. AS: Kann es sein, daß das bei .com alles nur irgendwelche Suchmaschinen sind? AO: Zwar sind bei .com auch etliche Suchmaschinen dabei (bei den Top-Benutzern), aber das ist trotzdem auch nur ein Bruchteil. AS: Wenn ich die obigen Zahlen zusammenzähle, dann sind bei 36+14+3% noch fast +50% übrig, die dann aus Skandinavien/Osteuropa kommen müßten. Haben die keinen eigenen Aminet Server? Vor allem bei den Skandinaviern weiß man ja, daß die technisch voll auf der Höhe sind mit dem Rest Europas - wenn nicht voraus. AO: Nein, nein: diese Länder sind bei 1-3%. Ein Großteil des Restes kommt von .net. Und sehr viele sind auch nur numerische IP- Adressen, also reine Zahlen statt Namen. Denen kann natürlich nicht (so leicht) ein Herkunftsland zugeordnet werden. Du kannst dir ja die Statistik selbst ansehen: ![]() AS: Ach so. AO: Ich glaube, die Leute wählen ihre Server nach netzwerktopologischer Nähe, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit aus. Eigene Server gibt es in all diesen Ländern. Aber es sind z.B. Teile Amerikas im Netzwerk "näher" als Teile Deutschlands. Potentiell haben natürlich geographisch nähere Länder schnellere Verbindungen, aber der Netzwerkausbau ist oft recht schlecht. AS: Man kann also sagen: Die Öffentlichkeit hält Deinen Server für einen der zuverlässigen und schnellen. ;-) Der Ruf wird schon nicht von ungefähr kommen, und aus persönlicher Erfahrung kann ich das eigentlich bestätigen. AO: Eigenlob stinkt. Und bezüglich der Overflows bin ich nicht zuverlässig. Aber geschwindigkeitsmäßig und bezüglich Zuverlässigkeit während langen Übertragungen gibt's keine Probleme ;-) AS: Nachdem ja ich Dich gelobt habe und nicht Du Dich selbst, tut es wohl nur ein bißchen miachtln... ;-) Am Schluß muß ich es noch kurz ausnutzen, daß wir einmal einen Nicht-Grazer im Interview haben. Der Aminet Mirror steht also in Wien. Kommst Du auch von dort? AO: Nein, ich komme aus Kärnten, Klagenfurt um genauer zu sein. Mein Studium absolviere ich aber in Wien. AS: Von der Wiener Amiga-Szene kriegt man in Graz nicht viel mit. Gibt es die überhaupt? AO: Nein, nicht wirklich. Zumindest keine offene, es gibt noch ein paar Clubs, aber mit denen hab ich keinen Kontakt. Alle, die früher in at.fido.amiga waren, sind verschollen... leider :-( AS: Kennst Du noch wen, der aktiv für Amiga programmiert, sei es kommerziell oder als "freely distributable"? Im Vergleich dazu wieder Graz, wo es nach wie vor sowohl als auch gibt. AO: Nein, ich kenn' niemanden. Früher gab es einen Thomas Dorn (XiPaint) und etliche nicht so bekannte, aber heutzutage... Ich hab mal ein CD-Write Programm für den Amiga geschrieben, zählt das? AS: Das heißt, wir als Provinzler können uns wenigstens selbstgefällig zurücklehnen und sagen, daß unser Wasserkopf von Bundeshauptstadt einmal mehr nix zusammenbringt. Wenn das kein guter Schlußsatz ist! ;-) AO: Ja, in Wien gibt's nur Säcke, die ihren Amiga verschrotten! ;-) Aber ich weiß nicht, ob das wirklich ins Interview soll... AS: Klar, die sollen uns ruhig das Gegenteil beweisen. Dann danke, daß Du Dir die Zeit genommen hast. |
||
|
Thomas Aglassinger ...........
|
||
|
|
|