Wildfire - Version 7 PPC

von
Thomas Heinrich

Gleich vorweg, der Zusatz PPC bedeutet zwar, daß der PowerPC unterstützt wird, zwingend notwendig ist er aber nicht.

Was ist Wildfire eigentlich?

Bei der Recherche zu diesem Artikel ist aufgefallen, daß der Name Wildfire recht beliebt ist. Es gibt z.B. eine 68060-Turbokarte von DKB namens Wildfire, genauso wie ein paar Musikmodule und Grafiken im Aminet. Dieses Wildfire ist jedoch die wahrscheinlich beste Grafikbearbeitungssoftware für den Amiga. Sie können Bilder oder ganze Animationen mit Effekten bearbeiten und als Bilder oder Animation wieder speichern. Und alles das mit einer intuitiven Bedienung, die man bei vielen anderen Amigaprogrammen schmerzlich vermißt.

Systemvoraussetzungen

Zu Anfang gleich die Dinge, die Sie zum Betrieb von Wildfire 7 mindestens brauchen:

Viel anfangen können Sie damit natürlich noch nicht. Für einfache Bildbearbeitung mag es ausreichen, aber allein eine YAFA-Animation mit 60 Echtfarb-Bildern geringerer Auflösung produziert gleich einige Megabyte Daten. Natürlich können Sie auch MPEG-Animationen erzeugen, die wesentlich kompakter sind - wenn Ihre Hardware die Rechenzeit hergibt.

Auf meinem System hatte Wildfire eine Geschwindigkeit, mit der man arbeiten konnte, wenngleich ein PPC einen enormen Geschwindigkeitszuwachs bringt. Sie sollten also haben:

oder, wenn Sie damit nicht dienen können:

Harte Fakten

Was bekommen Sie für Ihr Geld? Die CD-ROM ist mit 450 MB angenehm voll, wenngleich das eigentliche Programm installiert "nur" ca. 25 MB Festplattenplatz braucht. Der Rest der CD sind einige Tools und vor allem Animationen im YAFA-Format.

Dieses Format, das ursprünglich aus der Amiga-Demo-Szene kommt, ist ein relativ schnelles, dafür aber schlecht komprimierendes Animationsformat. Der Clou dabei ist, daß die Sessions, mit der diese Animationen erzeugt wurden, auch mitgeliefert werden, so daß Sie eine Menge Beispiele für die verschiedenen Filter und Effekte haben.

Die Installation läuft natürlich mittels Installer, also problemlos und flexibel. Die Demoanimationen werden nicht mitkopiert, hier verlangt das Programm nach der CD, wenn Sie eine der Demo-Sessions ansehen wollen. Die Sessions selber werden installiert.

Besitzen Sie einen PowerPC, so wird dieser vom Programm automatisch unterstützt, allerdings nur unter der PowerUp-Software von Phase 5. Wie allgemein bekannt sein sollte, können Sie dann mit Wildfire kein Programm starten, das Warp-Up von Haage&Partner benutzt, auch keine auf Warp-Up optimierten Datatypes.

Ein Handbuch gibt es nicht. Statt dessen findet sich eine HTML- Dokumentation an, mit der man eine erste Einführung in die sehr reichhaltigen Effekte von Wildfire bekommt. Wer noch nie mit Wildfire gearbeitet hat, wie z.B. ich, der kommt nicht darum herum, hier zumindest einmal einen Blick hineinzuwerfen. Trotz der einfachen Bedienung des Programms ist natürlich eine solide Grundlage in Bildbearbeitungswissen vonnöten, um überhaupt Resultate zu erzielen. Eine IBrowse-Demoversion zur Anzeige der Dokumentation liegt übrigens bei.

Eine weitere unschätzbare Hilfe sind die MUI-Bubbles, die sozusagen vor Ort ganz genau die Bedienungselemente des Programms erklären.

Wenn Sie Wildfire dann starten, was bei mir ca. 8 Sekunden dauerte, haben Sie etwa 5 MB RAM weniger frei, je nach Bildschirm, den Sie verwenden. Seien Sie auf jeden Fall großzügig mit dem Stack, Wildfire stürzt zwar nicht ab, wenn Sie zuwenig benutzen, aber es startet auch nicht. Problematisch ist dies im Zusammenhang mit den älteren Versionen von "ToolManager", die den Stack nicht immer richtig setzen. Starten Sie normal von der Workbench, und verwenden Sie kein selbstgestricktes Icon, gibt es keine Probleme.

Die Stabilität des Programms ist sehr hoch. Zwar zeigten sich auf meinem Rechner einige wenige Abstürze, aber die waren nicht eindeutig Wildfire zuzuordnen, eher schon den Anzeigeprogrammen für die Animationen. Genauso blieb das Programm einmal während der Berechnung einer MPEG-Animation hängen, aber das ließ sich nicht reproduzieren. Es gilt sowieso grundsätzlich immer: Erst speichern, dann rechnen.

Arbeitsweise

Wildfire bezeichnet seine Projekte als Sessions. Solch eine Session besteht aus den Eingaben, wie Ausgangsbilder und -Animationen, den Effekten, die darauf angewendet werden, und der Ausgabe, also ob ein Bild, eine Bildfolge, oder eine Animation erzeugt wird, oder ob das Ergebnis nur angezeigt, aber nicht gespeichert wird.

Projekte:
Wildfire arbeitet mit drei Einstellungsseiten für eine Session. Auf der Projektseite können Sie die Eingabedatei bestimmen, Einzelbilder oder Animationen, und wie und als was das Ergebnis ausgegeben wird, also z.B. als Einzelbild, wenn Sie nur ein Bild bearbeiten, oder als MPEG-Animation, etc..

Weiterhin können Sie hier die Art der Effekte bestimmen. Wildfire unterstützt hier "keine Effekte", wenn Sie z.B. nur ein Animationsformat ändern wollen, z.B. ANIM nach YAFA, "lineare Effekte", die nacheinander auf ein Eingabeobjekt (Stream) angewendet werden, und "nichtlineare Effekte". Vor allem diese sind das interessanteste Detail an Wildfire.

Effekte:
Lineare Effekte werden in einer Liste dargestellt, und mit Parametern versorgt. Dies sieht einfach aus, ist aber etwas unübersichtlich, da nicht für jeden Effekt Vorschaubilder angezeigt werden, sondern nur das Endprodukt.

Bei den nichtlinearen Effekten kann man in einer optisch ansprechenden Weise aus den Operatoren (Effekten) die Gewünschten wählen, und per Drag and Drop die verschiedenen Ein- und Ausgaben verbinden. Als Beispiel kann man mit einem Ladeoperator ein Bild dazuladen, mit einem Hintergrund verknüpfen (Compose), das Ergebnis etwas verzerren (z.B. mit Twirl), und als Eingabe für einen neuen Hintergrund nehmen. Die Arbeitsweise hierbei ist tatsächlich äußerst intuitiv, man zieht die Eingabebilder auf die Eingabeflächen der Effekte, die Ausgaben auf die Eingabe des nächsten Effektes, usw. Die Problematik liegt wohl darin, daß man irgendwann den Faden verliert, und nicht mehr weiß, welcher Effekt eigentlich wann verarbeitet werden soll. Aber das Verketten macht unheimlichen Spaß...

Einstellungen:
In den Einstellungen kann zum Schluß noch die Größe, Farbtiefe und eventuelles Dithering für das Projekt eingestellt werden.

Professionell

Eigentlich hört sich das alles gar nicht so kompliziert an. Das Programm an sich ist auch nicht schwierig zu bedienen, die Schwierigkeit liegt in der Bedienung der Effekte. Es ist absolut nötig, daß man weiß, welcher Effekt was bewirkt, um die Eingaben und Variablen richtig zu setzen. Das Problem liegt darin, daß man eigentlich schon zuvor wissen muß, welcher Effekt welche Ausgabe erzeugt, um sie sinnvoll zu verketten. Um wirklich professionell mit Wildfire arbeiten zu können, muß man viel Zeit in die Einarbeitung investieren, aber es lohnt sich.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die Variablen des Programms. Will man z.B. zwei Bilder übereinander blenden und daraus eine Animation erzeugen, rechnet Wildfire nicht nur einfach die Zwischenstufen vom ersten zum zweiten Bild aus. Vielmehr kann man mittels einer Kurve festlegen, ob die Überblendung z.B. anfangs schneller geht, oder immer zwischen dem einen und dem anderen Bild hin- und herschwankt, oder das zweite Bild vielleicht nur zu 50 Prozent eingeblendet wird, also das erste nicht ganz verdrängt.

Mittels der Variablen kann aus den sowieso schon vielen Effekten eine unüberschaubare Auswahl kombiniert werden, die jeden Profi zufriedenstellen muß.

Die Art der Effekte reicht dabei von einfachen Puffern, die zur Überblendung u.ä. verwendet werden, über 2D- und 3D-Effekte, Farbmanipulatoren und Partikeleffekte, bis zu speziellen, wie dem GhostScript-Import.

Natürlich fehlt auch der ARexx-Port nicht, der sogar als eigener Effekt eingesetzt werden kann.

Fazit

Wildfire 7 bietet eine große Auswahl an Effekten, eine enorme Flexibilität und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Die Bedienung ist einfach, die Verwendung der Effekte läßt sich aufgrund der Online-Hilfe gut erlernen. Der Grafikbearbeitungseinsteiger wird sich ob der Fülle der Möglichkeiten schwer tun, aber wer die Möglichkeiten von Wildfire erst einmal entdeckt hat, der wird es nicht mehr hergeben. Den Profis bietet Wildfire alles, von dem man, zumindest auf dem Amiga, schon immer geträumt hat.

Wer einmal in Wildfire hineinschnuppern möchte: Es gibt eine Demoversion im Aminet unter "biz/demo". Die ältere Version 5 für PPC ist außerdem für 99 DM, ohne PPC-Support für 79 DM zu haben. Das Update von Version 5 auf Version 7 ist für 299 DM minus 40% vom Kaufpreis der alten Version zu haben.

Produkt: Wildfire 7 PPC Hersteller: WK-Artworks
Art: Grafikbearbeitung Version: 7
Preis: 299 DM Bez.Quelle: Oberland Computer
Leistungsfähigkeit:1
Benutzerfreundlich:1
Dokumentation:1
Preis-/Leistung:1
Gesamt:1


Support:
Andreas Küssner, Marrinksweg 5, 48531 Nordhorn

Bez. Quelle: Oberland Computer, In der Schneithohl 5, 61476 Kronberg, Tel.: 06173 6080


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