GoldED 5

von
Andreas Schlick

Nun ist die fünfte Version des legendären Texteditors erhältlich. Nach Version 4 fragt man sich aber, was noch grundlegend besser werden kann. GoldED5 überrascht vor allem durch eine neue Auslieferungsmethode und zwar wird das komplette Paket auf CD-ROM ausgeliefert, was sich bei ca. 30MB Daten auch anbietet.

Die Mindestanforderungen stiegen auf 68020+, OS 3 und CD-ROM-Laufwerk. Leider stieg der Preis auch mit und zwar schlägt der Neukauf mit 89.90DM + 10DM für Porto & Verpackung zu Buche und das Update von V4 auf V5 kostet 49.90DM + 10DM. Nervig fand ich dabei, daß ich als registrierter User und Direkt-Besteller vom Autor die Registrierkarte nochmals extra hinschicken mußte, d.h. einmal den Brief mit Scheck und Updatebestellung raus, dann von Dietmar Eilert das Päckchen mit der CD und nun nochmal die Registrierkarte (oder besser der Brief) zurück. Die Post freut sich unnötig.

GoldED ist ein sehr guter Texteditor, der sich in fast allen Funktionen konfigurieren läßt. Leider läßt sich über das GUI streiten. Auf diesen Punkt gehe ich jedoch unten nochmal getrennt ein.

Installation:

Anstelle eines Installer-Icons findet sich ein Icon "Setup" an. Das erste Anzeichen einer Win****-Manie des Autors. Im Hauptfenster der CD befindet sich auch gleich die Anleitung (dt./eng.), die jedoch überraschenderweise zur Version 4 gehört (warum auch immer). Die aktuelle Anleitung wird erst bei der Installation installiert. Wird das Setup-Programm gestartet, öffnet sich ein Screen mit einem bekannten blauen Farbverlauf. Als nächstes gab es zwei Fehlermeldungen, wegen nicht korrekter Bilder. Dieses Problem trat auch bei einer frisch installierten WB3.1 auf und ließ sich von mir nicht beheben.

Das mitgelieferte FAQ sagt dazu, daß die Fehlermeldungen nicht weiter schlimm seien und man einfach mit der Installation fortfahren könne. Alternativ kann beim Starten des Setup Programms auch die Shift-Taste gedrückt gehalten werden, wodurch der Screen und das Laden der Bilder unterbunden werden kann.

Das probierte ich dann aus und jetzt lief alles ohne Fehlermeldung ab. Glücklicherweise geht es danach trotzdem mit dem Commo-Installer weiter und es kommt kein völlig selbst geschriebenes Installationsprogramm zum tragen. Warum aber extra ein Programm geschrieben wurde, daß die Win- Installation nachmacht, verstehe ich nicht (dabei läuft es nicht mal immer sauber). Die weitere Installation lief problemlos ab. Man wird nach verschieden Größen des zu installierenden Pakets gefragt, bzw. man kann jedes einzelne Modul zum Installieren getrennt auswählen, was bei einer gesamt Größe von ca. 20-30MB auch ratsam ist. :-)

Hat man die Entwickler "Add-Ons" für z.B. SAS/C installiert, wird beim erstmaligen Starten von GoldED eine Reference-Datei der Includes angelegt. Auf die Add-Ons gehe ich später noch ein. Jedenfalls kam es bei der Erstellung dieser Datei häufig zu Abstürzen und damit zu "not validated" Partitionen und auch vor zwei richtigen Festplattenfehlern blieb ich nicht verschont. Erst bei der Benutzung einer frisch installierten WB lief alles ohne Probleme. Auch die weitere Verwendung der so erstellten Dateien brachten keine weiteren Probleme mit sich.

Insgesamt hat die Installation keinen guten Eindruck hinterlassen. Aber vielleicht lag es ja auch an meinem verkorksten System (ich hatte es aber auch ohne MCP versucht! :).

Grundkonzept

Das Grundkonzept entspricht noch dem von GoldED 4. Von den Menüs angefangen, bis zur Tastatur, läßt sich (fast) alles einstellen (bis auf das GUI :-( Wieder gibt es verschiedene Umgebungseinstellungen, die abhängig von der Endung des Dateinamens geladen werden, bzw. durch Setzen einer bestimmten GoldED-Variable geändert werden können. Dadurch lassen sich den verschiedenen Dateien völlig andere Einstellungen zuordnen (bzw. umgekehrt), so können C-Dateien gleich ein Menü zur Steuerung des Compilers bekommen und bei einer MicroDot-eMail werden die Quotes automatisch verschiedenfarbig eingefärbt.

Interessant ist, daß GoldED kein Standardverhalten hat. Es läßt sich auch einstellen, was passiert, wenn die 'a'-Taste gedrückt wird. Das reicht vom Speichern der Datei, über das Ausführen eines ARexx-Scriptes, bis zum simplen Einfügen des Buchstabens "a" in den Text. Diese Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten verwirrt am Anfang sehr leicht und man muß auch später noch manchmal sehr gut nachdenken, wo sich die eine oder andere Funktion befindet. Hat man sich jedoch mal mit der Konfiguration zurecht gefunden, will man sie nicht mehr missen.

"Add-Ons"

Die früher als "envxxx"-Archive erhältlichen Enviroment-Settings sind nun zu "Add-Ons" mutiert. Auf der CD befinden sich folgende Add-Ons:

Joyce (Rechtschreibkontrolle mit ISpell), SAS/C, StormC, MicroDot, AmigaGuide, RCS, STFax, WebWorld, Assembler, C++, Script, PCL Drucker, Roget's Thesaurus und Thor.

Die Add-Ons werden aus der Hauptinstallation heraus installiert, lassen sich jedoch auch noch nachträglich installieren.

Die Rechtschreibkontrolle ISpell wird mit verschieden großen Bibliotheken für Deutsch und Englisch mitgeliefert, die Größen gehen bis zu 3MB. Auf eine kleine Eigenheit sei noch hingewiesen: Kann die Bibliothek aufgrund ihrer Größe oder eines langsamen Mediums/Rechner nicht schnell genug geladen werden, meldet GoldED eine Fehler beim Laden von ISpell.

Manchmal hilft ein kurz darauf folgendes zweite Starten der Rechtschreibkontrolle. Ansonsten sollte eine kleinere Bibliothek installiert und/oder sie auf eine schnellere HD kopiert werden (bei mir half z.B. die Umstellung auf das SmartFileSystem). Die anderen Add-Ons bieten vorkonfigurierte Menüs etc., damit die entsprechen Programme direkt von GoldED aus gestartet/gesteuert werden können. Desweiteren werden meistens die Schlüsselbegriffe farblich hervor gehoben, woran man dann auch schnell erkennt, ob man sich verschrieben hat (als Beispiel).

Das GUI

Wichtig ist bei Version 5 zu erwähnen, daß sich das GUI geändert hat. Leider kam der Autor nicht auf die Idee, ein bereits bestehendes GUI- Konzept, wie z.B. MUI oder ClassAct, zu verwenden, was sehr zu bedauern ist.

Der Autor scheint sehr in ein bekanntest und (leider) verbreites Betriebssystem vernarrt zu sein. So verzichet er auf viele Amiga-Termina. So wird zum Beispiel aus den Prefs die Registry, aus dem Installer ein Setup, aus der CTRL-Taste eine String-Taste etc. etc.. Dadurch geht eigentlich schon genug Amiga-Feeling verloren, jedoch mußte auch noch das GUI nachgeahmt werden? Insbesondere die neuen S/W-Checkmarks sehen meiner Meinung nach nicht sehr schön aus. Aber auch die Stringfelder und Scrollbalken mußten dran glauben.

Leider wurde nicht nur das Äußere verändert, sondern auch auf Standardverhalten, wie es im Amiga User Interface Style Guide beschrieben ist, verzichtet. So läßt sich z.B. das Stringfeld nicht mehr mit Amiga+x löschen. Aus der Anleitung geht hervor, daß dazu die STRG-Taste (STRG+x) verwendet wird, wobei STRG der CTRL-Taste entspricht. Schon von den ästhetischen Aspekten abgesehen, spricht auch sonst nichts für so ein GUI-System, da es sich nicht konfigurieren läßt, nicht öffentlich zugänglich für andere Programmierer ist (zum Glück auch :), einfach unnötig Entwicklungszeit verschlingt und nur eine neue Quelle für Bugs ist.

Das GUI System bietet ja nicht einmal größenveränderbare Fenster. Dies macht sich sehr stark bemerkbar, wenn man viel mit der Prefs (oder muß ich Registry sagen?) arbeitet. Es lassen sich ja einfache Scripte schon innerhalb von GoldEDs Konfiguration erledigen, was häufig bei GoldED 4 passierte. Das sich jedoch in dem kleinem Prefs-Fenster schwer arbeitet läßt, empfand wohl auch der Programmierer und packte die meisten dieser Funktionen jetzt in eigene ARexx-Scripte.

Durch häufige Benutzung von Listtrees wird meist nur ein kleiner Teil der anzuzeigenden Information dargestellt und hier nutzt auch die tollste Grafikkarte nichts, wenn das Fenster sich nicht vergrößern läßt. Vor allem geht auch die Übersicht sehr leicht verloren. Das das GUI weiterhin nicht ausgereift ist, merkt man, wenn man einen neuen Font einstellt. Da das Fenster ja auch auf keinem Fall etwas größer werden "darf", gehen die Beschriftungen manchmal über den Rand des Fensters hinaus und verloren. ;-(

All die Punkte hätten sehr leicht vermieden werden können, wenn z.B. MUI benutzt worden wäre. Dort sind die meisten Bugs inzwischen bekannt und wirken sich meist auch (für den Anwender) nicht so schwerwiegend aus. Um trotzdem den Look zu behalten, hätten ja nur ein paar entsprechende Images gemalt werden müssen. Einzigster Trost ist, daß das GUI hauptsächlich bei den Prefs Verwendung findet und während der allgemeinen Benutzung nicht stört.

Update

Eine der vielleicht wichtigsten Neuerungen ist die echte Unterstützung von Tabulatoren. Damit lassen sich nun endlich auch leicht Makefiles und ähnliches erstellen. Die weiteren Neuerungen betreffen hauptsächlich die Prefs-Einstellungen.

Desweiteren haben die meisten Fenster jetzt ein Fragezeichen-Gadget mit einer Art Bubble-Help, die, wenn sie aufgerufen wird, eine kurze Erklärung zum dem Gadget abgibt. Außer kleineren Features und Bugfixes läßt sich nicht viel mehr zum Update sagen. Wer GoldED 4 kennt, weiß schon recht gut wie GoldED 5 funktioniert.

Fazit:

Ein allgemeines Fazit zu finden, fällt mir schwer. GoldED 3 und 4 sind kostenlos erhältlich, was den Druck des Preis-/Leistungsverhältnisses auf GoldED 5 erheblich verstärkt. Durch den erhöhten Preis lohnt sich die Anschaffung von GoldED 5 für den durchschnittlichen Anwender kaum - für den, der womöglich bloß hin- und wieder mal die User-Startup editieren will, ist der Funktionsumfang sicherlich viel zu groß.

Auf jeden Fall sollte man sich GoldED vorher anschauen, vor allem da die kostenlosen Vorgängerversionen sehr gut sind. Wer Programmierer ist oder auch ansonsten häufig einen Texteditor benötigt, sollte sich sehr genau überlegen, ob er sich die Version 5 nicht doch holt. Auch wer GoldED mag und die Weiterentwicklung fördern will, sollte sich wohl trotzdem die Version 5 kaufen, da sie es von den Leistungen her allemal wert ist.

Produkt: GoldED 5 Studio Hersteller: Dietmar Eilert
Art: Texteditor Version: 5
Preis: 89.90DM/Upd.:49.90 Bez.Quelle: Programmautor
Leistungsfähigkeit:1
Benutzerfreundlich:
Dokumentation:2
Preis-/Leistung:3
Gesamt:2

Erklärung:
¹ - Prefs-/Registry-GUI führte zur Abwertung.

Adresse : Dietmar Eilert, Mies-v-d-Rohe-Str. 31, 52074 Aachen
eMail : dietmar@tomate.tng.oche.de


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