Foundation

von
André Wyrwa

Bei der Konkurrenz, die durch Klassiker wie "Populus", "Die Siedler", "Colonisation" und vielen anderen Weltengründer-Strategie-Spielen herrscht, will es scheinen, daß dieses Genre langsam aber sicher ausgereizt ist. Doch während Blue Byte an "Die Siedler 3" (für PC) stricken, kann sich der Amigianer mit einem weiteren Exemplar derartiger Spiele vergnügen: "Foundation".

Dabei versucht "Foundation" der Konkurrenz vor allem durch seine technische Umsetzung beizukommen. Das Spiel ist vollständig Multitasking- kompatibel und systemkonform geschrieben, unterstützt neben AGA auch Grafikkarten, läßt Bildschirmmodi frei wählen, besitzt eine AHI- Soundkartenunterstützung, ermöglicht die Wahl der Sprache für die Bildschirmtexte und vieles mehr. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind umfassend. An Grundvorraussetzung verlangt es dafür einen AGA-Amiga oder eine Grafikkarte, mind. 2MB Ram, einen 68020er Prozessor oder höher und natürlich einen CD-Römer.

"Foundation" ist das erste Spiel, bei dem ich solche Systemkompatiblität erlebt habe, ein Arbeiten auf der Workbench, während im Hintergrund die kleinen Inselbewohner ihren Tätigkeiten nachgehen, ist problemlos möglich und machte bei mir bisher keine Probleme. Diesen Testbericht schreibe ich auf diese Weise. Einziges feststellbares Manko waren bei mir Probleme mit AGA-Auflösungen größer HiRes. Diese führten entweder zum Absturz oder zum Fehlen grafischer Elemente und damit zur Unbedienbarkeit des Spiels. Daß selbiges dadurch auch unheimlich langsam wurde, ließ sich gerade noch feststellen.

Hat man die im Konfigurationsprogramm des Spiels integrierte, in ihrem Grad sehr flexible Installation der CD auf Festplatte abgeschlossen und startet das Spiel, so wird man von einem zwar hübsch gerenderten, aber nicht gerade interessanten oder inhaltsreichen Intro begrüßt.

Danach präsentiert sich das Hauptmenü, von dem aus noch einmal spielinterne Einstellungen getroffen, ein altes Spiel geladen, einer der beiden Spielmodi gewählt und andere Dinge getan werden können. Sämtliche Menü- oder folgende Auswahlscreens sind mit gerenderten Landschaften hinterlegt, was bei langsamen CD-Rom-Laufwerken zu etwas längeren Ladezeiten führen kann, sofern die Grafiken nicht auf Festplatte installiert wurden.

Hat man sich durch sie hindurchgeklickt, kann das eigentliche Spiel beginnen. Zunächst einmal erinnert tatsächlich alles an "Die Siedler", zwar sehen die Gebäude in "Foundation" wesentlich phantastischer aus, wirkt alles etwas mittelalterlicher, aber das Grundprinzip ist dasselbe. Es gibt verschiedene Gebäudetypen, zwischen denen die Bürger unseres Staates hin- und herpendeln, um so den Produktionsprozeß aufrecht zu erhalten. Statt einer langwierigen Aufbauphase werden die Häuser jedoch einfach aus dem Boden gezaubert, sofern genügend Rohstoffe dafür vorhanden sind. Aber auch die Statistiken und Randwertekontrollen erinnern stark an das Siedler-Konzept, z.B. das Festlegen der Transport- und Produktionsprioritäten.

Jedoch, obwohl Foundation zunächst einfacher wirkt, als der BlueByte- Klassiker, entpuppt sich während der - aufgrund der zahlreichen kleinen, rein ikonischen Anzeigen und Buttons, recht langanhaltenden - Eingewöhnungsphase, eine unheimlich detaillierte Komplexität. Gleich zu Beginn ist man verblüfft, daß jeder Bewohner der Insel, auf der die jeweilige Mission ausgeführt wird, nicht nur über einen Namen und ein Gesicht verfügt, sondern darüber hinaus auch noch seine "Lebensdaten" (Gesundheit + Alter) verwaltet werden. Später stellt man dann fest, daß auch die gesamte Produktion und der Transport in gleicher Detailliebe organisiert sind. So läßt sich für jede Mine einzeln einstellen, wieviel Anteil ihres Produktionsvermögens in Erz, Kohle, Stein oder Öl investiert werden soll. Ebenso verhält es sich natürlich auch mit den anderen Gebäuden.

Diese "Entdeckungsreise" ist durch die sehr gelungene Steuerung bedingt, die es sowohl ermöglicht, "makroskopisch" mit dem langen Hebel Einfluß auf das Geschehen zu nehmen, als auch einfach und schnell im Detail zu operieren. Wie schon erwähnt, muß man sich lediglich erst einmal gründlich mit den Bedeutungen der vielen kleinen Symbole, über die das Spiel gesteuert wird, vertraut machen.

Hier könnte die in HTML passend gestaltete Anleitung ein wenig umfangreicher ausfallen. Diesbezüglich ist auch etwas merkwürdig, daß das HTML-Verzeichnis auf der CD-Rom, in welchem sich selbige befindet, kein Icon hat. Vorbildlich ist wiederum, daß eine AWeb-Version zum Lesen der Doku mitgeliefert wird.

Aber kommen wir endlich zum Gameplay selbst. Vor dem Spiel wird dem Spieler seine Mission mitgeteilt. Dabei steigert sich freilich der Anspruch mit jeder weiteren Insel, zu welcher man natürlich wiederum nur durch das Erfüllen einer Mission gelangt. Ist man auf der ersten Insel noch allein, steigern sich Anzahl und Intelligenz der Computergegner schnell. Damit aber auch während einer Mission für Abwechslung gesorgt ist, kann man Forscher damit beauftragen, neue Häuser, Waffen usw. erfinden zu lassen. Sollten einmal die Rohstoff-Vorräte zur Neige gehen, hilft Handeln oder ein teurerer Soforttausch, sofern man sich nicht dazu entscheidet, seine Bauern loszuschicken, um die benötigte Ware beim Nachbarn zu stibitzen. Trotz dieser und zahlreicher anderer Beschäftigungsmöglichkeiten bleibt Foundation ein Spaß für Geduldige.

Vielleicht sind es gerade die von den Siedlern bekannten Bauwettrennen, um dem Nachbarn ein beanspruchtes Gebiet wegzuschnappen, die Foundation zum Fesseln des Spielers vor dem Monitor fehlen. Hier verbringt man doch einige Zeit damit, nur darauf zu warten, bis wieder genügend Rohstoffe vorhanden sind. Zwar kann man die Spielgeschwindigkeit dreistufig erhöhen, jedoch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die eigenen Figuren da eine Weile ohne das Zutun ihres Oberhauptes klarkommen müssen. Und da schaltet man dann eben doch wieder auf den WB-Screen zurück und schreibt inzwischen einen Testbericht oder beantwortet eine EMail.

Und damit sind wir beim Stichwort Support. Die Supportseite im WWW macht einen sehr guten Eindruck, zeugt vor allem von der Begeisterung des Autors für sein Projekt, für die auch die ständige Weiterentwicklung ein starkes Indiz ist. Neben aktuellen Updates und Demoversionen findet man hier die komplette Anleitung, Tips&Tricks, verschiedenste .catalog-Dateien zur Anpassung an die eigene Sprache, und andere Informationen. Neuerdings wurde sogar ein eigener IRC-Channel eingerichtet, auf dem sich freilich über das Spiel ausgetauscht werden kann und sich der Programmierer selbst regelmäßig blicken läßt.

Für die Zukunft sind ein Zweispielermodus, eine Modem-Option und eine komplette Überarbeitung der Grafikroutinen geplant. Angesichts der bisherigen Entwicklung des Projektes darf man gespannt sein, was da noch kommt.

Auf dem aktuellen Stand ist Foundation das wohl technisch beste Spiel seiner Art, leider könnte das Gameplay etwas spannender sein. Ein Kompliment möchte ich vor allem für die bei dieser Komplexität recht gut gelungene Bewahrung der Übersichtlichkeit, und - fast hätte ich es vergessen - für die sehr schöne musikalische Begleitung loswerden.

Produkt: Foundation Hersteller: Sadeness Softw.
Art: Wirtschafts-Simulation Version: 1.2b
Preis: 49DM zzgl. Versandk. Bez.Quelle: GTI
Festplattenspielbar?JA
Exit zur Workbench?JA
Grafik:2
SoundFX:2
Musik:1
Spielbarkeit:2
Spielspaß:3
Preis-/Leistung:3
Gesamt:2
Foundation-Support


Vertrieb: Grenville Trading International GmbH (GTI),
Carl-Zeiss-Str. 9,
79761 Waldshut-Tiengen,
Deutschland
http://www.grentrade.com/homeami.htm


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