| Das nachfolgend getestete Produkt wurde uns freundlicherweise von der Firma "Ferst Computer", Köpenicker Straße 11, 15537 Gosen, (http://www.ferst.de/ferst@t-online.de) leihweise zur Verfügung gestellt. |
Sixth Sense Investigations von CineTECH ist ein neues Grafikadventure. Man bewegt sich als Detektiv der "6th Sense Investigations"-Detektei durch diverse Welten, und das ist durchaus wörtlich gemeint. Die beiden Detektive, die gleich am Anfang getrennt werden, so daß man immer nur eine Figur steuern muß (kann), sind ziemlich durchgedrehte - eben englische - Charaktere. Die Fälle, die die Beiden bearbeiten, sind auch ziemlich seltsam - eine verschwundene Katze, ein unter einem Riesenkäse eingeklemmter Käsehändler und dergleichen.
Die "Hardware"
In der ziemlich schlichten Verpackung (bedrucktes Papier um einen weißen Karton) findet sich neben den 10 Disketten noch ein kleines Detektiv- Notizbuch, das die Anleitung und Platz für eigene Notizen enthält. Auf den ersten Blick ein recht netter Gag, im täglichen Gebrauch aber nervtötend, da erstens die Schrift sehr klein geraten ist; zweitens das Büchlein am oberen Rand geklebt ist (wie ein Daumenkino) und so den Text oben auf der Seite sehr schwer lesbar macht; und drittens einige Seiten falsch geheftet sind. Und viertens ist das Buch zweisprachig: Von der einen Seite gelesen, findet man alles in Englisch, dreht man es herum, steht alles in Deutsch da. Eigentlich eine nette Idee, aber man blättert garantiert immer die englische Version auf, wenn man das Ding in die Hand nimmt. Fünftens neigt das Ganze bei intensivem Gebrauch zum Fleddern, was ich bei meinem Testmuster aber vermieden habe, schließlich muß ich es zurückgeben.
Die Anforderungen
Die Diskettenversion braucht eine Festplatte mit ca. 20 MB freiem Platz (die Anleitung sagt 30 MB), alternativ darf es auch ein ZIP-Medium sein, oder sonst etwas, auf dem genug Platz ist. Laut Hersteller soll das Spiel auch auf einem nackten A1200 laufen (ich habe auf meinem A4000 probeweise das Fastmem ausgeschaltet: Es geht, aber langsam), und mit Fastmem schneller laden, was ich aber nicht nachvollziehen konnte. Man kann aus einem Raum heraus- und gleich wieder hineingehen, das Spiel muß immer von Festplatte nachladen. Da hilft auch Fastmem nichts. Erfreulicherweise gab es aber mit einem MC68060 Prozessor (unverträglich mit vielen Spielen) keine Probleme.
Unbedingt abschalten sollte man alle Patches und Commodities, allen voran MCP. Tut man dies nicht, hängt das Spiel spätestens nach zwei Minuten. Ein AGA-Amiga (1200, 4000) muß es übrigens sein, da die Grafiken in 256 Farben daherkommen. Leider ist die Auflösung nur durchschnittlich: 320 mal 200 Pixel - man könnte auch sagen, das mit jedem Amiga auf einem Fernseher darstellbare.
Natürlich braucht man zur Installation auch ein Diskettenlaufwerk, wobei ich beim nächsten Thema bin, der Installation.
Die Installation
Tja, es scheint, das Spiel ist noch eine Betasoftware. Zuerst habe ich alles mit zwei Diskettenlaufwerken installiert, die erste Disk im einen, die anderen Disks im zweiten Floppy. Kein Problem. In der Readme-Datei (übrigens sehr gut versteckt, ohne Icon, auf der ersten Installationsdiskette) steht wörtlich:
"Wenn Sie über mehr als ein Diskettenlaufwerk verfügen, lassen Sie Disk 1 immer in einem der Laufwerke, da diese immer wieder benötigt wird."
Nun, als Tester ist man gründlich, schaltet das zweite Floppy per Bootmenü ab, und installiert zum Spaß einfach nochmal. Erste Disk - ok. Zweite Disk geht auch noch. Aber plötzlich meldet sich LHex (das Programm, das die Installationsarchive auspackt) siebenmal mit Usage-Fehler und die Installation ist fertig ohne Fehlermeldung vom Installationsprogramm. Tatsächlich installiert waren aber nur die ersten zwei Disketten.
Wer nur ein Diskettenlaufwerk hat, muß also das Spiel "zu Fuß" installieren. Dazu kopiert man von jeder Diskette die .lha-Datei auf Festplatte, erzeugt ein Verzeichnis für das Spiel und entpackt die Archive in dieses Verzeichnis. Für reine Spielernaturen und Anfänger natürlich ein unüberwindliches Hindernis, ich weiß. Außerdem verbraucht man nochmal 8 MB Speicher auf der Platte.
Wenn man gerade dabei ist, kann man auch noch die Patches von der CineTECH Homepage mit installieren, falls man denn einen Internetzugang hat...
Hat man endlich alles installiert, findet man auch eine Readme-Datei, die man vorher so dringend benötigt hätte. Allerdings nicht dieselbe, wie die auf der Diskette. Hier steht dann:
"1. Move the install icon in the directory you want to install the game on. 2. Double click on the install icon to install the game."
Gesagt, getan, schließlich soll ich das Teil testen, aber nichts geht. "Programm EasyInstaller nicht gefunden", meldet die Workbench. Wundert mich nicht, denn es wird ja nur das Installationsskript kopiert, nicht das dazu notwendige Programm. Also auch keine funktionable Art der Installation.
Ach ja, Englisch braucht man auch ab und zu, obwohl das Spiel eingedeutscht ist.
Die CD-Version (die ich aber nicht testen konnte), hätte zusätzlich auch noch gerne 1 bis 4 MB Fastram - die Anleitung ist sich hier nicht einig - um die Sprachausgabe zu aktivieren.
Endlich - das Spiel
Öffnet man die Schublade, in die man das Spiel installiert hat, kann man 6th Sense auf zwei Arten starten: "Quickstart" ohne Intro und "SixthSense" mit Intro.
Zumindest einmal sollte man sich das Intro ansehen, denn hier werden schon einige Charaktere vorgestellt, die man im Spiel kennen sollte. Man bekommt auch schon einen Eindruck von der Gestaltung und der Geschwindigkeit des Spiels.
Später kann man das Intro auslassen und direkt ins Spiel starten. Besonders zu loben ist hier die Möglichkeit, zu jeder Zeit ein Spiel sichern und laden zu können. Die Steuerung erfolgt ausschließlich über die Maus, einige Icons und Befehle am unteren Bildrand, ein Klick mit der rechten Maustaste führt einen vordefinierten Befehl für ein Objekt aus, so daß man z.B. Käsekrümel nur mit rechts anklicken muß, und Frank (einer der zwei Detektive) steckt sie ein.
Einstecken kann man eine Menge, nämlich unbegrenzt viel. Bei so viel Bequemlichkeit geht der Realismus natürlich flöten, aber die Story ist sowieso ziemlich abgehoben. Außer den beiden Detektiven Frank und Ben gibt es noch den Geist "Arthur David Fieldstone", der frappante Ähnlichkeit mit Commander Data aus Star Trek besitzt.
Das Ziel des Spiels ist, die Erde von einem ausgeflippten Wissenschaftler zu befreien, was angesichts des unberechenbaren Geistes und der ziemlich skurrilen Rätsel nicht einfach ist. Schon im ersten Level findet man in der Spielzeugfabrik Hinweise auf das Wirken des Bösewichts, wie z.B. einen demolierten Roboter oder ein Giftmüllfaß.
Die Figuren sind ausnahmslos Cartoon-Charaktere, mit denen man sich natürlich prima um so aufwendige Dinge, wie 3D-Animationen, Videosequenzen und Echtzeitberechnungen drücken kann. Der Vorteil ist eben, daß 6th Sense so auch auf kleinen Amigas läuft.
Bis auf den seltsamen (englischen) Humor spielt sich 6th Sense wie jedes Adventure: Hinweise sammeln, Sachen anwenden, die richtigen Schlüsse ziehen. Zum Beispiel kann man mit Käsekrümeln, Bierdeckel und einem Glas eine Maus fangen, mit der man wiederum eine Katze ablenken kann, die dann ihrerseits die Hausherrin ablenkt...
Spieletechnisch gesehen gehört 6th Sense zum guten Mittelfeld, wenn man den durchschnittlichen A1200-Besitzer betrachtet. Die Animationen sind flüssig genug, die Auflösung für einen Grafikkarten-Gewöhnten wie mich viel zu grob; CyberGraphX-Grafikkarten werden durch einen Patch im Aminet unterstützt, leider sagt die CineTECH-Homepage nicht, von welchem; und das Multitasking wird natürlich abgeschaltet. Aber leider nicht so komplett, daß ein Tool wie MCP nicht noch dazwischenpfuschen könnte. Daß das trotzdem möglich wäre, zeigen Spiele wie DeluxeGalaga, das auch wieder sauber zur Workbench zurückkehrt (wie 6th Sense übrigens auch).
Soundeffekte sind vorhanden, genauso eine unaufdringliche Hintergrundmusik, die einen nicht vom Hocker reißt, aber andererseits auch nicht nervt. Die Grafiken sind originell, aber nicht sehr aufwendig, also keine Speicherfresser. Ich frage mich allerdings, ob es bei soviel Rücksicht auf langsamere Rechner nicht besser gewesen wäre, das Spiel komplett im Multitasking zu betreiben. Prozessorbelastende Balleraction ist bei einem Adventure dieser Klasse bestimmt nicht zu erwarten.
Störend wirken teilweise holprig übersetzte Dialoge und vergessene englische Satzfetzen, das Spiel beeinträchtigen tun sie allerdings nicht. Manche eingesammelten Gegenstände sind später plötzlich wieder da, ohne daß man sie erneut einsammeln kann, praktisch als Geisterbilder. Einmal ist es mir auch passiert, daß sich eine Türe nicht mehr öffnen ließ, die kurz vorher noch funktionierte, und Frank in einem Zimmer eingesperrt war. Mit dem Patch von der CineTECH Homepage sollten diese Probleme aber behoben sein.
Die zu lösenden Rätsel sind recht originell, wenngleich auch nicht immer logisch, so daß man meistens einfach probieren muß. Wer den besonderen englischen Humor liebt, kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Vielleicht muß man die Installation auch unter diesem Gesichtspunkt betrachten...
Die Wertung
| Produkt: | 6th Sense Investigat. | Hersteller: | CineTECH |
| Art: | Comic-Grafikadventure | Version: | 1.0 |
| Preis: | ca. 49.- DM | Bez.Quelle: | Fachhandel |
| Festplattenspielbar? | JA | ||
|---|---|---|---|
| Exit zur Workbench? | JA | ||
| Grafik: | 2 | ||
| SoundFX: | 3 | ||
| Musik: | 3 | ||
| Spielbarkeit: | 2 | ||
| Spielspaß: | 2 | ||
| Preis-/Leistung: | 2 | ||
| Gesamt: | 3 | ||
| Kontakt/Support: http://users.skynet.be/Graffito/sixth_sense | |||
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