"Where You Gonna Run" / Firefly

von
Gregor Franz

Bekannte Musiker, wie Ricky Phillips (Toto & Bad English), Ron Wikso (The Storm), sowie Bob Gilles (The Innocent) haben sich zusammen mit Michael Alemania und John Pratt zu Firefly zusammengetan und hiermit ihr Debut vorgelegt.

Auf dem Cover läuft ein Mann schemenhaft durch ein rotes Flammenmeer - eindeutig im Computer erzeugt, aber stark aussehend. Im Booklet sind auch alle Songtexte enthalten.

Das Album beginnt mit dem Titelsong "Where You Gonna Run" schon recht munter, wenn auch bestimmte Sequenzen nach dem Refrain leider eher etwas unharmonisch klingen und der Titel dadurch verliert.

Weiter geht es mit "Holes In The Wall", der besser gefällt. Schnell, melodisch, mit härteren Klängen zwischendurch. Die Stimme und Singweise von John Pratt ist allerdings erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, hier aber gelungen.

Der nächste Titel "Money" ist durchaus als Hardrock zu bezeichnen und leider ziemlich unmelodisch.

"Calling Out Your Name" startet verhaltener, bis der Sänger im Kehrreim die unterdrückten Gefühle rauslassen kann, aus seinem Herz keine Mördergrube mehr zu machen braucht. Die Musik - prima mit markanter Gitarre und interessantem Keyboardhintergrund - mischt gelegentlich disharmonisch wirkende Tonfolgen in den Background ein, was berechnet erscheint und sich am Schluß gewissermaßen zu einem Crescendo steigert, ein interessanter, wirkungsvoller Effekt. Der Gesang von John Pratt wirkt leider an manchen Stellen etwas zu "kreischig", was in diesem Titel aber zu verschmerzen ist.

"Scion" dagegen beginnt wieder hart, wenn auch langsam und das geht auch bis zum Schluß so weiter. Die Instrumente, sowie der Gesang wirken schwer und düster, passend zum Text. Insgesamt aber doch nur Durchschnitt.

Ein ruhigerer Song ist "One Silent Voice", mit einer sehr gefälligen Melodie, die voll durchschlagen könnte, wenn der Sänger hier nicht leider zeitweise unerträglich zu "Kreischen" begänne. Scheinbar befindet sich da doch einiges vom Klangspektrum außerhalb seiner Möglichkeiten oder es liegt an der persönlichen Art - ich jedenfalls kann es in manchen Titeln nicht verknusen.

"What Will Be Tomorrow" beginnt mit einer schönen instrumentalen Intro, bis langsam der Gesang einsetzt, leider mit dem eben beschriebenen Effekt, was dem an sich guten Titel auch seine negative Marke aufdrückt.

Bei "Take Me Back" bleibt dies aber im grünen Bereich, so daß es doch noch einen recht guten Titel zu hören gibt, der zusammen mit dem Hintergrundgesang und der durchaus markanten Begleitung über dem Durchschnitt liegt.

"120 P.S." ist wieder Hartrock in Reinkultur, in diesem Fall wieder kaum melodiös. Für mich stellt aber Melodiösität auch bei härteren Titeln ein Gütezeichen dar. Dieser Song ist unterdurchschnittlich.

Der darauffolgende Titel "Lydia" ist einer der besten der CD und, das sei dazu gesagt, auch generell sehr gut! Es ist ein gefühlvoller Song, bei dem die cool anzuhörende Instrumentierung, mit dem Hintergrundgesang und dem hier sehr passenden und guten Gesang von John Pratt zusammenspielt (es geht also doch!). Wirklich ein Schmuckstückchen auf der CD.

Auch beim letzten Song "I Will, You Wont" beweist der Sänger, daß er tatsächlich gut singen kann, wenn er in seinem Bereich bleibt, denn hier handelt es sich um einen langsamen Akustiktitel, in dem er nur von Akustikgitarren begleitet wird. Allerdings überzeugt der Song selbst nicht besonders und man kann ihn auch nicht unter Pop oder Rock einordnen sondern er geht vielleicht sogar ganz leicht in die Richtung Folk/Country.

Sicherlich handelt es sich hier um ein musikalisch interessantes Debut, allerdings mit im Endeffekt wenigen herausragenden Titeln. Viel von dem Potential wurde durch den Sänger vergurkt, aber eine Gruppe ist halt doch die Summe seiner Mitglieder, so daß man es nicht ihm allein anlasten kann.

Schade, da hätte mehr draus werden können.

© 1998 Escape Music Ltd., Vertrieb durch Point Music, ca. 30,- DM


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