Nachdem ich von einem Kurzgeschichten-Wettbewerb (SF oder Fantasy) gelesen hatte, werkelte ich am folgenden Tage in der Mittagspause bereits am Computer, obwohl ich die Konventionen nur überflogen und deshalb undeutlich im Gedächtnis hatte. Ich meinte, daß die Story mit "Es sind Ratten im Soufflé!" beginnen müsse, sowie maximal 150 Wörter zählen dürfe.
Es hat sich aber leider herausgestellt, daß beides nicht ganz korrekt war - dazu später mehr. Trotzdem ist das Endergebnis und die Entwicklung dahin recht interessant.
Hier also erst einmal der dritte, finale Versuch, der den vermeintlichen Vorgaben entsprochen hätte:
Versuch 3:
"Es sind Ratten im Soufflé!"
"Wünsche guten Appettit!"
"Kommen Sie mir nicht so. Das ist ja skandalös!"
"Solche Gäste sind höchstens skandalös. Nur weil es kaum noch Restaurants
mit menschlicher Bedienung gibt, muß sich meine Zunft ständig mit dem
`Fliege in der Suppe`-Syndrom herumschlagen."
"Ich verbitte mir solche Unterstellungen! Schauen Sie doch selbst!"
"Ups..."
"Da bleibt Ihnen wohl die Spucke weg?!"
"Hm, also mein Herr, ich muß mich entschuldigen. Ich habe dafür keine
Erklärung!"
"Das wird teuer!"
"Schnappt ihn Euch!"
"Nein, argh."
"Warum haben sie ihn festgenommen?"
"Polizei! Wir sind vom Betrugsdezernat. Sehen sie diesen Apparat hier, den
er in seiner Jackentasche trug? Damit hat er versucht, die letzten besseren
Speiselokale zu betrügen! Es ist ein neuartiger Hologramm-Projektor. - Wir
müssen jetzt los!"
"Diesen Blick in den Auflauf werde ich wohl nie vergessen! Was wird die
Technik in Zukunft wohl noch an Überraschungen für mich bereithalten?"
(146 Wörter)
Hier ist also die Idee auf das Wesentliche (in diesem Fall durch den Kniff der ausschließlichen wörtlichen Rede) konzentriert, ohne allzuviel der Elemente, die ich unterbringen wollte, wegzulassen. An den folgenden ersten beiden Versuchen kann man die Entwicklung dahin gut ablesen.
Begonnen hatte ich mit folgendem Text, der schon auf der ursprünglichen (Mini-)Idee basierte.
"Es sind Ratten im Soufflé!"
"Wünsche guten Appetit!", antwortete ich.
Er sah mich etwas konsterniert an. "Nein, nein. Wirklich!", sagte er.
Er ging mir so auf die Nerven! Schon als er das Restaurant betreten hatte,
war er mir unangenehm aufgefallen. Griesgrämig und übelgelaunt war er mir
erschienen. Dann soll er doch lieber in eines der Automatik-Lokale gehen,
wo es keine menschliche Bedienung mehr gibt, hatte ich mir gedacht, oder
zu McRobot. Ausgerechnet an einem Tisch in meinem Bedienungsbereich hatte
er dann Platz genommen.
"Sie wünschen?", hatte ich gefragt, nachdem ich ihn eine Weile die Karte
studieren gelassen hatte.
Seine Stirn schlug Falten, als er intensiv überlegte. Ich wunderte mich,
daß er mehrmals verstohlene Blicke hinter sich warf. Schließlich traf er
seine Entscheidung: "Pilz-Soufflé".
Und jetzt dies. Noch bevor ich meine
Hand von der gerade vor ihm abgestellten Auflaufform zurückziehen konnte,
stellte er schon diese absurde Behauptung auf. Die berühmte Fliege in
der Suppe war mir ja bereits geläufig und mit ihr, wie auch mit diversen
anderen Unzulänglichkeiten, wie z.B. Zähnen (meistens, die der Kunden)
hatte ich umzugehen gelernt.
(178 Wörter)
Hier schöpfe ich noch aus dem Vollen und lasse den Protagonisten nach dem kurzen Beginn zur Einführung die letzten Minuten Revue passieren. Dann allerdings habe ich doch die Wörter zählen lassen und somit hatte sich das schon erledigt.
Versuch 2:
"Es sind Ratten im Soufflé!"
"Wünsche guten Appetit!", antwortete ich. Wieder einer, der auf `Fliege
in der Suppe` machen wollte. Solche Typen hatten in den McRobot-Restaurants
natürlich schlechte Karten und daher versuchten sie es hin- und wieder hier.
Er sah mich etwas konsterniert an. "Nein, nein. Wirklich!", sagte er.
Ich sah hinunter auf den Auflauf, den ich gerade vor ihm auf den Tisch
gestellt hatte und von dem ich noch nicht einmal die Hand zurückziehen
konnte, als er schon etwas auszusetzen hatte.
Nun zuckte sie allerdings sehr ruckartig von der Auflaufform zurück, als
mir durch die dampfende Oberschicht mit stumpfem Blick eine offensichtlich
tote Ratte entgegenlugte.
"Öh!", war der erste Laut, zu dem ich in meiner Perplexität erst einmal
fähig war.
"Schnappt ihn Euch!, erklangen plötzlich vom Nebentisch Rufe und ein paar
Männer sprangen auf und legten ihm blitzschnell Handschellen an. Sichtlich
geknickt wartete er auf seinen Abtransport.
(An dieser Stelle fiel mir schon auf, daß es wieder zu lang wird [148 Wörter bis dahin], aber ich entschloß mich, diesen Versuch zu Ende zu bringen.)
Einer der Männer trat auf mich zu, faßte dem Gast in die Tasche und zog
einen kleinen Apparat mit ein paar blinkenden Anzeigen heraus. Er hielt
mir einen Ausweis entgegen.
"Wir sind vom Betrugsderzernat der Polizei. Unser Proband hier zockt der
Reihe nach Lokale mit menschlicher Bedienung ab, mit Hilfe dieses", er
nickte in Richtung des Gerätes, das er in der anderen Hand hielt,
"neuartigen Holoprojektors."
Er verabschiedete sich abrupt und weg waren sie.
Meinen Blick in den Auflauf werde ich nie vergessen. Was würde die Technik
in Zukunft noch an Überraschungen für mich bereithalten?
(243 Wörter)
Der Rückblick ist also wegrationalisiert, was nicht genügte, zumindest, da ich trotz der Wortbegrenzung nicht an den sprachlichen Mitteln herumkürzen wollte - auch wenn es so und so kein Anwärter auf den Literaturnobelpreis ist. Vielleicht lesen Sie noch einmal das Endergebnis, denn jetzt können Sie beurteilen, ob das Wesentliche noch enthalten ist.
Jedenfalls hat sich, wie erwähnt, herausgestellt, daß die Vorgaben etwas anders sind. Der Anfangssatz soll nämlich "Da waren schon wieder Ratten im Soufflé" lauten und die maximale Wortanzahl 100 betragen. Die Idee ist somit wertlos, aber das Probieren war ganz lustig.
05.11.1998 / Kommentare 20.11.1998.
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