"ANTZ"

von
André Wyrwa

Abgesehen davon, daß schon der Titel "ANTZ" Spaß macht, repräsentiert er in seiner Zweideutigkeit auch bestens das Thema des zweiten reinen Computer-Animationsfilms der Kinogeschichte.

Einerseits haben wir da einen Haufen kleinster Insekten, die so winzig sind, daß sie tatsächlich nur im Plural erwähnenswert scheinen, und dann wiederum trägt doch jede einzelne von ihnen einen Namen, im Falle unseres Helden "Z" zwar kein spektakulärer, aber immerhin Name genug, um seiner Individualität Ausdruck zu verleihen.

Steht dieses Aufgehen in der Masse im Widerspruch zur Selbstidentifikation als denkendes und handelndes Individuum? Oder läßt sich das "Ich" mit dem "Wir" in der Realität vielleicht durch einen ebenso leichten Trick vereinen, wie es das Wortspiel des Titels demonstriert?

Dieser und ähnlichen Fragen widmet Spielberg seinen Film und entwickelt sie in einer kleinen Ameisenkolonie auf irgendeiner Wiese am Rande irgendeiner Stadt. Verpackt wird das ganze in eine kurzweilige Geschichte, die ihren "Schema F"-Charakter nicht zu verbergen sucht. Es ist eben einfach "eine der üblichen Junge verliebt sich, Junge rettet seine Freundin, Junge verändert die Gesellschaft-Stories", wie der Held am Ende das Werk ironisch kommentierend, verlauten läßt.

Aber die Betonung liegt hier wirklich auf kurzweilig, denn die eingemischten Zutaten bestehen nicht nur in Slapstick, Parodien auf Kinoklassiker und amysantem Wortwitz, sondern darüber hinaus in der unterschwelligen Einbindung der oben erwähnten Fragen, die hier und da zum Denken anregen und letztlich klarstellen, daß die Zielgruppe keineswegs nur in Menschen jüngeren Alters besteht. Angefangen von der Relativität des Blickwinkels bei der Bewertung der eigenen Realität, über den durchweg als Grundmotiv zu spürenden Aufruf zum Selbsthandeln und Selbstdenken, bis hin zur sozialen und politischen Strukturanalyse finden sich zahlreiche Häkchen, bei denen die Gedanken gern einen Moment verweilen würden, wenn sie nicht fürchten müßten, dabei schon wieder die nächste Anspielung zu verpassen.

"ANTZ" ist die gelungene Mischung aus einem humorvollen, unterhaltsamen und beschwingten Film, bei dem man nicht nachdenken muß, so man nicht will, und einer voller dezent eingebrachter Gedanken und Fragen steckenden Abstraktion der menschlich-gesellschaftlichen Realität in die Welt der Ameisen, an der dann der Rest Spaß hat.


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