"Double Medication Tuesday" / Harlan Cage

von
Gregor Franz

Hierbei handelt es sich um das zweite Album der kalifornischen Gruppe Harlan Cage. Das Cover, in metallische Blautöne getaucht, zeigt ein etwas abstraktes Bild mit zahlreichen Gesichtsmasken, die in einem Raum schweben. Das Artwork ist recht gut und neben den Texten gibt es im Booklet u.a. auch ein Bild der Formation zu sehen.

Den Anfang macht "Blow Wind Blow", der schon die markante, außergewöhnliche Stimme des Sängers offenbart und ruhig rockig recht "schweren" Sound bietet - gut.

"Halfway Home" beginnt mit einer sehr eindrucksvollen Einführung, deren Grundthema sich auch weiter durch den Titel zieht. Auf seine, ein wenig düstere, aber nicht deprimierende Art, ist der Song mitreißend und der Hauptrhythmus sehr eingängig.

"Lola`s In Love" beginnt rockig/furios und es bleibt so flott. Gitarre und Schlagzeug sind auch hier sehr prägend, ein eigener Stil ist unverkennbar.

"Solitary Dance" ist dann wesentlich ruhiger. Eine wirklich wunderbare Ballade - gefühlvoll gesungen, gespielt und mit einer schönen Melodie.

Mit leisen Tönen beginnt auch "My Mama Said", bis der Sänger seine Geschichte zu `Erzählen` bzw. zu Singen beginnt. Hier werden wieder ungewöhnliche musikalische Schritte beschritten und auch wenn seine Mutter meint, eine bestimmte Frau sei die Richtige für ihn, scheinen sich die Dinge zum Schlechten verändert - und Mütter nicht immer Recht zu haben.

Übergangslos mit einer Mundharmonika-Einleitung, die an einen Supertramp- Song erinnert, beginnt der nächste Titel "Dearborn Station", dann setzt eindringlich die Liedstimme ein. Nur allmählich von hinzukommenden Instrumenten unterstützt, die erst beim Refrain voll einsetzen, hier schon orchestral wirken. Es klingt sehr "voll", vom Klangspektrum her gesehen, was man hier hört.

"Defend This Heart Of Mine" startet flott aber verhalten und zeigt seine Power erst im Kehrreim. Instrumental wieder voll auf der Höhe, bietet Harlan Cage beim besten Willen keinen Eintopf an, sondern bleibt virtuos und variabel.

"Restless Hearts" - mit ruhiger Intro geht es los, während der Refrain sehr nachdrücklich vorgebracht wird. Kein leiser Song und wie einige andere Titel in seinem Tempo sehr variierend und das nicht nur dort.

"Lights For Our Losers" folgt ein wenig dem Muster des vorangegangenen Titels, allerdings mit anderer Melodie - die akzentuierte, eindringliche Singweise heben ihn über den Durchschnitt, in den er ansonsten, in Bezug auf die Qualität des restlichen Albums, zu rutschen drohen würde.

"As You Are" ist besser. Nicht nur besser, sondern phantastisch! Eine Liebesballade par excellence, mit soften Klängen, passend eingesetztem Saxophone, gefühlvollem Gesang und nicht zuletzt einer Melodie, die einen wirklich entführt - wenn man dazu bereit ist.

"Turn Up The Radio" ist wieder sehr interessant instrumentiert und bietet natürlich zum vorigen Titel einen zünftigen Gegensatz, wenn es gerade im Refrain wieder richtig rockig zur Sache geht.

Der letzte Titel ist "Joker On The Kings Highway". Nachdenklichkeit kommt herüber, die mit Schwermütigkeit einher geht:

"Callin` to me, the one who runs
Away with my dreams
I`ve done my time ya know,
In the jail of her arms
In a whirlwind of leaves
Blowin through prisons and schools
I`ve done my share of walking
In my fathers worn out shoes "

Die Stimmung bleibt durchweg, auch wenn im Refrain Temperament durchbricht. Absolut wirkungsvoll erreicht der Song sein Ziel, denn er berührt einen - ist etwas besonderes.

Etwas besonderes ist auch diese CD, die mich voll überzeugt hat. Hier sollte jeder an Melodic Rock / AOR Interessierte unbedingt zumindest einmal hineinhören. Am Anfang war ich mir noch nicht im Klaren, ob ich mich an die ungewöhnliche Stimme des Sängers L.A. Greene gewöhnen würde, aber er singt wirklich gut, ist sicherlich ein wesentliches Element, das den Stil der Gruppe ausmacht. Aber nicht das einzige, denn Melodien und Instrumentierung zeigen Eigenständigkeit, eben Stil.

Man darf gespannt sein, was von diesen Jungs noch zu erwarten ist.

© & (P) 1998 MTM Music München, Vertrieb durch Intercord, ca. 30,- DM


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