Wenn der geliebte Rechner Zuhause auf dem Schreibtisch vor sich hinsummt, glaubt man kaum, daß ein großes Gefährdungspotential für die Gesundheit darinsteckt. Solange man eine akute Erkrankung nicht direkt auf den Computer zurückführen kann, entwickelt sich kein Bewußtsein für die Gefahren. Dabei sind viele Effekte schon lange erforscht und nachgewiesen.
Ein jeder hat schon einmal nach einer längeren intensiven Computersitzung "angestrengte Augen" oder sogar Schmerzen in Schultern oder Rücken gehabt. Vielleicht sogar Kopfschmerzen. Aber diese Symptome treten auch bei zu viel Fernsehgenuß auf, also kein Grund zur Sorge. Oder doch?
Dauerbelastungen
Diese Phänomene wären harmlos, wenn sie nur ab und zu auftreten würden. Aber der Computer fesselt uns regelmäßig mehrere Tage in der Woche, für mehrere Stunden, in einer relativ starren Haltung auf den Stuhl. Er fordert uns höchste Aufmerksamkeit ab, überschüttet uns mit Bildern und Tönen, und beeinflußt so unsere Wahrnehmung. Er hat Auswirkungen auf unsere Psyche und Physis, also den Geist und den Körper.
Die psychischen Belastungen
Im Dezember 1997 konnten die Japaner und die ganze Welt einen interessanten Effekt unserer Medienwelt erleben. Hunderte von Kindern mußten in den Krankenhäusern wegen Epilepsie-ähnlichen Symptomen behandelt werden. Die Fernsehserie "Pocket Monsters" hatte bei einigen der zuschauenden Kinder durch eine schnelle Folge vom Farbwechseln die Wahrnehmung überreizt. Für das Gehirn gibt es dann zwei Arten zu reagieren: Entweder es schaltet ab, man wird ohnmächtig, oder, wie hier geschehen, es verliert die Kontrolle und die Nervenzentren werden unkontrolliert stimuliert: Epilepsie.
Dies war natürlich, trotz der hohen Medienwirksamkeit, kein großer Vorfall, denn um diese Symptome auszulösen, müssen einige Faktoren zusammenkommen. Zum einen muß das Gehirn schon stark stimuliert sein, zum Beispiel durch koffeinhaltige Getränke, und die Aufmerksamkeit muß völlig auf den Schirm gerichtet sein.
Jetzt vergleichen Sie dies mit Ihrer täglichen Computerarbeit. Haben Sie nicht auch eine Tasse Kaffee oder Tee neben sich stehen? Konzentrieren Sie sich nicht auch so auf die Bildschirmarbeit, daß Sie die Welt um sich herum vergessen? Sind die Farb- und Helligkeitswechsel bei Ihrem neuen Ballerspiel extrem schnell und schmerzen in den Augen, wenn Sie länger hinsehen?
Auch wenn Sie eine stabile Psyche haben und dies verkraften, einen sozialen Effekt hat das trotzdem. Wenn Sie vor dem Rechner sitzen, sind Sie meistens allein. Ihre Freunde sitzen vielleicht ebenfalls vor den eigenen Computern und man trifft sich im Internet auf einen Chat. Aber ist das wirklich Ihr Freund, mit dem Sie sich unterhalten? Chatpartner sind trotz Nicknames und eMail-Adresse anonym.
Als weitere Folge vernachlässigen Sie Ihre Umgebung: Sie räumen weniger oft auf, putzen weniger oft, reden weniger oft mit Ihrer Familie. Vielleicht werden Sie zum "Couchpotato", einer unförmig aufgequollenen Figur von zu viel fettem Essen und zu wenig Bewegung. Damit sind schon einige Grundlagen gegeben für die physischen Belastungen.
Die physischen Belastungen
Leiden Sie sowieso schon an Übergewicht, das nicht erblich bedingt ist, auch wenn Sie es sich noch so oft einreden, dann hilft Bewegung. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Überwindet man den inneren Schweinehund, was zugegeben sehr schwer ist, kann man alleine mit Bewegung und bewußtem (nicht "weniger"!) Essen sehr viel erreichen. Lassen Sie sich dagegen vom Computer an Ihren Sessel fesseln, haben Sie schlechte Karten. Oder besser gesagt, Ihr Rücken.
Am Computer geht heute nichts mehr ohne Augen. Sie sind das oberste Kontroll- und Informationsorgan, wenn man am Computer sitzt. Flimmernde Monitore und schlechte, unergonomische Grafikeigenschaften (wie definitiv die eingebaute Amigagrafik) setzen uns sehr zu, ohne daß wir es gleich merken. Typisch sind Kopfschmerzen, ein verspannter Nacken infolge verkrampfter Haltung, die immer dann auftritt, wenn man sich beim Lesen anspannen muß, und allgemeine Rückenschmerzen, die aus der Verkrampfung resultieren. Auf Dauer entwickeln sich sogar schwere Haltungsschäden, wie z.B. ein Hohlkreuz.
Damit sind die Belastungen auf die Wirbelsäule übergegangen und der Spaß hört auf. Eine Verformung der Wirbelsäule tritt bei Erwachsenen erst im fortgeschrittenen Alter auf, wenn die Bandscheiben schrumpfen und alles ein wenig zusammensackt. Durch Fehlbelastungen, wie sie beim verkrampften Sitzen vor dem Computer auftreten, haben Sie sich bald die Voraussetzungen für einen Bandscheibenvorfall aufgebaut. Typischerweise tritt der allerdings nicht vor dem Computer ein, sondern erst, wenn Sie sich mal wieder bewegen und das auf eine ungesunde Art, z.B. beim Einsteigen ins Auto, oder wenn Sie sich bücken.
Überhaupt ist das falsche Sitzen verantwortlich für die meisten Schäden, die den Rücken, Gelenke oder Muskeln betreffen. Wenn Sie total unbeweglich und starr, oder völlig verrenkt und zappelig sitzen, dann machen Sie etwas falsch.
Eine weitere typische Computerkrankheit, um die es etwas still geworden ist, ist "RSI". Diese "Repetetive Strain Injury" (Verletzung durch wiederholte [und ungewohnte] Anspannung) hat mehrere Symptome. Es ist im wesentlichen eine Mischung aus Gelenkschmerzen, Sehnenscheidenentzündung und Nackenverspannung. Durch schnelles, langanhaltendes Tippen am Computer ohne Pause können Nerven im ganzen Oberkörperbereich überreizt werden und sich entzünden. Kuriert man dies nicht aus, wird es chronisch und man hat das Krankheitsbild RSI.
Zu guter letzt ist der Computer ganz einfach auch giftig. Viele Teile des Rechners und des Zubehörs sind aus Kunststoff, die mit Weichmachern und Flammschutzmitteln versetzt sind. Diese gasen im Laufe der Zeit aus und wirken auf den Organismus ein. Allein sind sie nicht allzu gefährlich, außer für Allergiker, aber im Haushalt sammeln sich diese Stoffe an, durch Möbel, andere Elektrogeräte und sogar durch die Baumaterialien des Hauses selbst.
Was kann man tun?
WICHTIG: Wenn Sie meinen, eine Gesundheitsbeeinträchtigung durch den Computer erlitten zu haben, suchen sie zuerst und möglichst bald Ihren Arzt auf. Nehmen Sie nichts auf die leichte Schulter, ganz besonders dann nicht, wenn Sie irgendeine Art von Schmerzen haben. Wenn Ihr Arzt nichts Ernstes feststellt, fragen Sie ihn oder Ihre Krankenkasse nach Vorbeugungsmaßnahmen, z.B. einem Kursbesuch in der Rückenschule. Scheuen Sie sich nicht, auch ohne Beschwerden einmal daran teilzunehmen.
Sitzen Sie richtig. Auch das können Sie bei einem Therapeuten lernen, meistens bei der Rückenschule. Wichtig ist aktives Sitzen, das ein "sich durchhängen lassen" verhindert. Am besten, Sie benutzen nur einen gepolsterten Hocker zum Sitzen, ohne Lehnen. Da müssen Sie dann fast zwangsläufig richtig sitzen.
Sorgen Sie für viel Bewegung. Entspannend und trainierend sind vor allem Wanderungen und Schwimmen. Vergessen Sie Radfahren, dies bringt nur für die Kondition etwas. Ergänzend zum Wandern und Schwimmen ist es ok. Zwingen Sie sich dazu, regelmäßig Sport zu treiben, mindestens einmal die Woche für eine Stunde, besser öfter. Ein Fitneßstudio ist genau das, was der Name sagt - es trainiert die Fitneß. Von Gesundheit ist da keine Rede. Erstellen Sie sich Ihren Trainingsplan lieber mit der Krankenkasse, einem Therapeuten oder Ihrem Arzt.
Wenn Sie so viel an der frischen Luft und unter Leuten sind, lösen sich auch die psychischen Probleme ganz leicht. Unter Umständen werden Sie sogar Ihre Dauerkopfschmerzen auf diese Art los. Ganz bestimmt besser wird es Ihnen aber gehen, wenn sie sich eine Grafikkarte und einen guten Monitor gönnen. Ab einer Bildwiederholfrequenz von 75 Bildern pro Sekunde ist die Darstellung nicht mehr gesundheitsgefährdend. Vermeiden Sie unbedingt Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen in Ihrem Computerzimmer. Auch wenn Glühlampen mehr Energie verbrauchen, das Flackern der elektronischen Leuchten macht den Nutzeffekt des besseren Monitors wieder zunichte. Siehe auch AmZeiger Ausgabe 6 - 09/98, Hardware/Harte Fakten.
Gegen RSI gibt es sogar ein Amigaprogramm: "RSIBreak1_4" im Aminet unter "util/misc" und auf der Aminet CD 23. Das Programm tut nichts anderes, als den Amiga nach einer bestimmten Zeit für einige Minuten zu blockieren, um eine Schreibpause zu erzwingen. Mit viel Disziplin kann man es auch ohne Programm versuchen, erfahrungsgemäß ist die Droge Computer aber stärker.
Gegen die Gifte in der Luft hilft ganz einfach regelmäßiges Lüften, und natürlich auch ein regelmäßiger Spaziergang. Die teure Lösung wäre, ohne Gift zu bauen, aber das können sich die wenigsten selbst aussuchen. Meistens sitzt man irgendwo in einer Mietwohnung oder einer Firma und hat keinen Einfuß darauf.
Unterstützung
Viele Krankenkassen haben gute Online-Angebote, mit aktuellen Themen, wie Zeckenbisse im Frühling, Sonnenschutz im Sommer, oder die richtige Ernährung. Schauen Sie dort unbedingt vorbei, die AOK hat z.B. einen Medienshop, in dem Sie, für Mitglieder kostenlos, Ratgeberbroschüren bestellen können.
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Fazit
Wie Sie sehen, können Sie schon mit einfachen Maßnahmen, wie regelmäßigen Spaziergängen, einen Großteil der Gefahren, die am Computer lauern, ausschalten. Wenn Sie Ihren gesunden Menschenverstand einschalten, und sich selbst kritisch bewerten, sollten Ihnen die nötigen Maßnahmen nicht schwerfallen. Nehmen Sie auf jeden Fall die Unterstützung durch Ihre Krankenkasse an, viele Dinge können durch unbefangene Beobachter von außen besser gelöst werden. Vermeiden Sie Hausmittel und Selbstmedikation, sprechen Sie unbedingt zuerst mit dem Arzt.
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