Canon BJC 4300

von
Gregor Franz

Der Canon BJC 4300 ist ein Farbtintenstrahldrucker, der nach dem sogenannten Bubble Jet-Prinzip arbeitet. Da er in diesem Moment in Folge der alljährlichen Angebotsrenovierung gegen seinen Nachfolger BJC 4400 ausgetauscht wird, kann man ihn bei manchem Händler und in manchem Großmarkt oder auch gebraucht zu einem günstigen Preis ergattern.

Wo ist er einzuordnen?

Bevor ich näher auf ihn eingehe, will ich erst versuchen seine Position im Canon-Produktprogramm zu verdeutlichen. Er bedient unterhalb des Top- und der DIN-A3-Modelle und oberhalb einiger kleinerer Drucker das mittlere Segment als Allround-Drucker.

Bei den Vorgängern fiel auf, daß die ab dem BJC 4000 vorgenommenen Änderungen an den Nachfolgemodellen schwer zu erkennen waren und sind. Zuerst fielen zwar ein paar Knöpfe weg, die letzten Modelle kommen mit nur zwei Stück aus, aber die Form blieb gleich und im allgemeinen konnten die gleichen Tintenpatronen oder Druckköpfe weiterverwendet werden. (Die offizielle Canonbezeichnung für die Patrone lautet übrigens "Kartusche" und für den Kopf in Kombination mit Kartuschen "Patrone". Ich werde bei diesen Termini bleiben, um Mißverständnissen vorzubeugen.)

Auch beim direkten Vorgänger, dem BJC 4200, muß man etwas detektivische Arbeit leisten, um Unterschieden auf die Spur zu kommen. Einmal wäre da die veränderte Farb-Patrone mit einem neuen Druckkopf, die mitgeliefert wird, sowie die ebenfalls veränderte optionale Fotopatrone. Ansonsten können zur Befüllung dieser Patronen (die also Druckkopf und Tintenkartuschenbehälter in einem darstellen) die gleichen Kartuschen, wie bei den Vorgängern (ab BJC 4000) verwendet werden, was durch die langjährige Serienproduktion ein großer Vorteil ist, durch weite Verbreitung und geringere Preise.

Der zweite Unterschied, den ich herausgefunden habe, ist, daß man zwei kleine Klappen an dem Papierausgabefach hochklappen kann, was den Druck von Endlospapier für Banner (bis zu 6 Seiten) unterstützt, was beim Vorgängermodell nicht möglich war, soweit ich informiert bin.

Außerdem ist ab dem BJC 4300 der Einsatz eines Scannerkopfes, statt der normalen Druckköpfe - ich meine natürlich Patronen - möglich. Er erreicht zwar eine Auflösung von 360 DPI, ist aber durch einen hohen Preis (der höherwertigere Flachbettscanner um einiges übertrifft), seine naturgemäß unflexible Beschränkung auf sehr dünne Scanvorlagen und seine Nichtunterstützung durch Treiber beim Amiga nur für sehr wenige PC- Besitzer mit noch weniger Platz interessant.

Der Nachfolger BJC 4400, gerade erst erschienen, ist optisch (wie eigentlich auch der BJC 4200) identisch mit dem BJC 4300. Neue Patronen oder Kartuschen sind hier nicht erforderlich, auch der Scankopf wird unterstützt - neue, veränderte Leistungsdaten konnte ich nicht entdecken, ja selbst die Packung ist gleich, so daß sich der Verdacht aufdrängt, das sich der größte Unterschied möglicherweise in einer erhöhten Ziffer auf dem Gehäuse niederschlägt. Somit dürfte dieser Test auch einen Großteil dieses Druckers abdecken.

Beschreibung des Aufbaus

Aber uns geht es ja um den BJC 4300:

Dieser präsentiert sich recht formschön mit einer geringen Standfläche, die durch das vorn unten befindliche Papierausgabefach etwas vergrößert wird. Diesea kann aber sehr einfach und schnell wieder hineingeschoben werden. Hinten schräg nach oben ragt die Papierstütze mit dem Blatteinzug, auf dem dann das Papier lagert. Nachteil: Bei langen Pausen zwischen den Drucken stauben die Blätter schnell ein. Der Einzug faßt maximal 100 Seiten.

Hinten muß einmalig das AC-Adaptermodul eingeschoben werden, das sich nahtlos in das Gehäuse einfügt. Vorteil: Keine externe Stromversorgung trotz geringer Abmessungen. Für den Hersteller gibt es sicher Einsparungen durch die Herstellung eines Modells für alle Märkte und einfaches "Hinzupacken" des jeweiligen Stromadapters und, wie ich gehört habe, auch Vorteile bei der CE-Prüfung.

Das Papier wird also beim Drucken im Normalfall von schräg oben nach gerade unten durchgezogen. Warum im Normalfall? Weil es hinten, über dem Adaptermodul, einen weiteren Einzug gibt, der für andere Medien (zu denen ich später noch komme) und Briefumschläge zu verwenden ist und der das Papier gerade durchzieht.

Auf der Oberseite des Druckers befinden sich die (wie erwähnt) zwei Tasten und eine Statusleuchte. Die POWER-Taste dient natürlich zum Ein- und Ausschalten, und bewirkt bei längerem Drücken beim Einschalten des Druckers je nach Anzahl der erfolgenden Piptöne unterschiedliche Selbsttest-Drucke.

Die RESUME-Taste dient dem Zurücksetzen bei Fehlern, zum Einziehen eines Blattes, zum Auswerfen eines Blattes oder (bei längerem Drücken) zur Druckkopf-Reinigung.

Hinter der Frontklappe befindet sich eine Cartridge-Taste, die das Herüberfahren des Druckkopfes aus der Parkposition rechts in die Mitte bewirkt, um Wechsel durchzuführen. In jedem Fall sollte man vermeiden die Patrone manuell auf der Schiene zu bewegen! Über der Parkposition (in der die Tinte nicht austrocknet) befindet sich ein Druckkopfhebel, der, je nach Dicke des zu bedruckenden Materials, gegebenenfalls in eine andere Position gebracht werden muß.

Dieses also erst einmal zum Aufbau.

Bestandsaufnahme

Nach dem ersten Auspacken findet man neben dem Drucker auch einen Standarddruckkopf vor, der eine kleine Farb- und eine kleine Schwarz- Kartusche aufnehmen kann, die ebenfalls mitgeliefert werden. Dazu gibt es einen Patronenbehälter, der die Austrocknung verhindern soll wenn man Patronen zeitweise komplett austauscht, z.B. wenn man die Foto-Patrone einsetzen will, deren Einsatz ja nur in speziellen Fällen lohnt.

Es gibt eine großformatige, bunte Kurzanleitung, die in kompakter "idiotensicherer" Form den ersten Aufbau und Anschluß erläutert und diese Aktion zum Kinderspiel macht. Dafür ein großes Kompliment an Canon!

Neben der, ebenfalls sehr guten, ausführlichen und natürlich ebenso deutschsprachigen Bedienungsanleitung, gibt es noch ein Heft, das die Windowsinstallation erläutert, sowie die dazugehörigen Windows- Treiberdisketten und eine Disk mit Fonts.

Ein Parallelkabel, zum Anschluß notwendig, ist nicht im Lieferumfang enthalten und natürlich auch keine Amiga-Treiber, aber das ist ja bei keinem Drucker der Fall.

Hier hält aber Canon doch eine kleine Überraschung für viele Amiga- User bereit, denn sie unterstützen doch tatsächlich den Amiga! Auf der Support-Homepage (www.canon.de), ebenso wie im Aminet, ist CanonStudio erhältlich, eine abgespeckte Version des Studio-Programms, einem Treiberpaket für viele Drucker von Wolf Faust, das bis zum BJC 4300 namentlich alle Canon-Tintenstrahler unterstützt.

Daten, Zahlen, Fakten

Bevor ich mich der Zusammenarbeit der Software mit dem Drucker und dem eigentlichen Drucken zuwende, erst noch einiges über die allgemeinen Möglichkeiten des BJC 4300:

Er kann maximal 720x360 DPI Auflösung erreichen, viele Materialien bedrucken, inklusive Normalpapier, beschichtetem Papier, Briefumschläge, Folien, Endlospapier und Druckstoff (!).

Die Tinte ist weitgehend lichtunempfindlich, trocknet schnell, ist wischfest und eignet sich auch für Normalpapier (nicht bei allen Tintenstrahlern selbstverständlich!).

Mit der Fotopatrone (um die 80 DM zusätzlich), kann man auf entsprechendem Spezialpapier nahezu Photoqualität erreichen. Dies habe ich nicht selbst getestet aber dementsprechende Ausdrucke gesehen.

Die Handhabung ist sehr einfach und auch das Wechseln der Kartuschen und/oder des Druckkopfes fällt sehr leicht. Für die Standardpatrone sind auch Nachfüllkartuschen von anderen Herstellern erhältlich. Die kleine Farbkartusche enthält in drei Kammern die Farben Cyan, Magenta und Gelb, aus der die anderen benötigten Farben zusammengemischt werden. S/W-Bilder und Texte werden mit der Schwarz-Kartusche gedruckt, da ein, aus den anderen Farben gemischtes Schwarz meist etwas merkwürdig aussehen würde und auch die anderen Farben unnötig verbraucht, dabei die Kosten erhöht. Auch ist so kein Wechsel der Patronen bei Farb- oder Text- Druck nötig.

Allerdings ist die Lebensdauer dieser kleinen Kartuschen bei vielem Drucken natürlich sehr begrenzt. Man sollte Farbdrucke auf das nötige begrenzen. Die schwarze Kartusche hat bei mir ziemlich genau für 50 dichtbedruckte Textseiten gereicht.

Neben der erwähnten Fotopatrone und einer speziellen Fluoreszenz-Patrone für sehr spezielle Zwecke, gibt es auch eine Spezial- Schwarzpatrone, die den Tank direkt mit dem Druckkopf vereint, was bedeutet, daß beide nach Tintenende entsorgt werden müssen. Trotzdem lohnt sich bei Drucken von vielen Texten oder Schwarz-Weiß-Grafiken die Investition von etwa 70 DM, da der ziemlich große Tank lange vorhält. Eine der kleinen Schwarzkartuschen kostet etwa 15 DM, andere Herstellern, wie Pelikan, liegen ein paar Mark darunter.

Nun also zu der Software:

CanonStudio bietet die Installation in drei verschiedenen Sprachen an, darunter Deutsch. Der Installer steht eigentlich für Problemlosigkeit, da allerdings eine ältere Version mitgeliefert und verwendet wird, kann es, je nach Fonteinstellung des Systems, dazu kommen, daß die Optionsknöpfe im Fenster nicht anwählbar sind. Schnelle Problemlösung: Ändern der Standardwerkzeug-Zeile der Installationsicon-Info auf z.B. "C:Installer", so daß der eigene, hoffentlich neuere verwendet wird (erhältlich im Aminet).

Danach geht alles glatt. Neben neuen WB-Treibern, wird ein spezielles Prefsprogramm mitgeliefert, sowie für den Druck von Grafiken das relativ stark eingeschränkte CanonStudio. Die WB-Treiber sind allerdings überhaupt nicht eingeschränkt!

Am Ende der Installation startet automatisch der WB-Printer-Einsteller, in dem man, wie eben vom Installer aufgefordert, den speziellen Canon- Treiber auswählt. Danach kann man im ebenfalls automatisch startenden CanonBJEC-Prefsprogramm seine bevorzugten Einstellungen wählen.

Das CanonBJEC-Prefs-Programm

Hier gibt es den Button "Emul" in dem man aus zahlreichen Drucker- Emulationen im Normalfall den BJC 4300 auswählen wird. Der Knopf "Mode" läßt eine große Liste mit möglichen Medien erscheinen, die man vor dem Bedrucken jeweils hier einstellen sollte.

Es fällt übrigens auf, daß die Programme alle in Englisch gehalten sind. Die Dokumentation der Software besteht aus ellenlangen Readme`s, ist aber deutsch und verständlich geschrieben.

Weiter geht es mit der Wahlmöglichkeit zwischen Color und SuperGray, und vielen weiteren speziellen Einstellungen, wie z.B. der automatischen Abschaltung des Gerätes. Erwähnenswert neben den Color-Adjustments, in denen man neben den Farbeinstellunegn auch den Gammawert, Helligkeit und Kontrast regeln kann, ist die Auswahl der Dithermethoden, die sehr zahlreich vorhanden sind und bei denen man auch eine seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen kann.

Positiv an dem Programmkonzept ist, daß alle Programme die die WB-Treiber zum Drucken verwenden, also die Mehrzahl, nun von den Möglichkeiten der neuen Treiber und des Canon-Druckers profitieren können. Für das Programm PageStream 2.2 sind spezielle Treiber mitgeliefert, die von PageStream 3.0, sowie ImageFX sind nur in der Vollversion enthalten.

Grafiken drucken mit CanonStudio

Das Programm CanonStudio dient dem Drucken von Bildern in bis zu 24 Bit Farbtiefe. Allerdings ist es stark eingeschränkt. So können in dieser Version lediglich IFF-Bilder gedruckt werden, die Dichte, Größe, Aspekt und die Dithermethode ausgewählt werden.

Das CMS, das Color Management System, welches den Farben des Bildschirms nahezu entsprechende Ausdrucke erzeugen soll, sowie andere interne Grafikformate, Datatype-Unterstützung, ARexx-Schnittstelle, Effekte usw. usw. sind gesperrt und nur in der, für 40 DM Bar oder sonst 45 DM teuren Vollversion erhältlich.

Nun muß man also entweder alles mühevoll in IFF konvertieren, (denn so viel 24 Bit-IFFs gibt es ja im allgemeinen nicht), ein Tricktool verwenden, daß Amiga-Programmen, die nur IFF`s laden können, Datatype- Support beibringt oder löhnen. Ansonsten ist das Programm vielleicht doch ein bißchen arg eingeschränkt.

Trotzdem ergaben sich recht ansehnliche Druckergebnisse im Grafikdruck. Mit Augenmerk auf den Farbdruck sind auch gute Ergebnisse möglich, jedoch sollte klar sein, daß man für Photoqualität die Spezialpatrone benötigt. Gerade dann braucht man aber für optimale Ergebnisse auch die Vollversion, die einiges an Leistungsreserven freisetzen soll.

Texte drucken

Demgegenüber sind ja erfreulicherweise die Standardtreiber nicht eingeschränkt. Probeausdrucke unter Finalwriter mit seiner Truetype- Fonts-Unterstützung, sowie unter GoldED, welches "Schreibmaschinen- Fonts" verwendet, ergaben jeweils eine sehr gute Textdruckqualität, selbst auf "Billig-Papier".

Bemerkung zur Bewertung

Ich werde in diesem Fall Treiber und Hardware nicht einzeln bewerten, da die Treiber, wie beim PC (wo es selbstverständlich ist), kostenlos mitgeliefert werden und die Benutzung erst richtig möglich machen. Druckerfirma und Wolf Faust gebühren Dank für das Engagement und dieses, dem User zugute kommende Arrangement!

Fazit:

Der Canon BJC 4300 hält, was er verspricht. Zu einem konkurrenzlos günstigen Preis gibt es einen vollwertigen Mittelklassedrucker, der in Bezug auf Druckmedien und Patronen sehr flexibel ist und mit einer sehr guten Druckqualität glänzt. Zusammen mit den Treibern läßt es sich so auf dem Amiga komfortabel arbeiten.

Produkt:Canon BJC 4300Hersteller:Canon
Art:Bubble-Jet-DruckerVersion:-
Preis:249 DM(neu)soweit erh.Bez.Quelle:Fachhandel
Leistungsfähigkeit:1
Benutzerfreundlich:1
Dokumentation:1
Preis-/Leistung:1
Gesamt:1

Die Vollversion des Treiberpakets `CanonStudio` ist für 40 DM (bar) oder 45 (Versand Europa) erhältlich bei:

Wolf Faust, Am Dorfgarten 10, 60435 Frankfurt
eMail: 100116.1070@compuserve.com


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