Vom 13. bis 15. November war es wieder soweit: Die größte deutsche Amiga- Messe, die Computer 98 in Köln, wurde zelebriert. Bereits am Freitag Vormittag war der Zulauf recht kräftig, einige Parkdecks waren fast voll besetzt. Vorbildlich war die Beschilderung und das Bodenpersonal, das beim Einflug in die Parklücken mit einwinken half. 8 DM Parkgebühren für den ganzen Tag ist vergleichsweise wenig für diesen Service. Den hatte ich auch nötig, nach 5 Stunden Autofahrt erst im Dunkeln und dann bei Nieselregen.
Die Tageskarte kostete 20 DM, zusammen mit Parkgebühr und Sprit waren also schon mal 100 DM futsch, nur um überhaupt die Messehalle betreten zu können. Die erste Enttäuschung gab es dann auch schon mit der Eintrittskarte: Der auf der Messe-Homepage versprochene Ausstellerkatalog war nicht vorhanden. Wie es schien, war er auch nie geplant, denn außer ein paar Werbeflugblätter war an der Kasse nichts zu bekommen. Dafür entschädigten dann die netten Mädels am Einlaß.
Drinnen wurde man gleich am Eingang erst mal von verschiedenen Leuten mit Flugblättern eingedeckt, Werbung von Schatztruhe, einem Spieleversand und einem Aktionsblatt der DAUG. Die DAUG (Dachverband deutscher Amiga User Groups) ist eine Interessengemeinschaft der Amiga Clubs, die auf Amiga Inc. im Sinne der User einwirken will. Wenn man die Mißverständnisse und Fehlentscheidungen sieht, die bis jetzt schon passiert sind, sicher eine gute Sache. Wer sich weiter dafür interessiert:
WWW: http://www.HP.Europe.de/DAUGNachdem ich den ersten Papierstapel aus Werbematerial dann im nächsten Mülleimer versenkt hatte, versuchte ich der ersten großen Lärmquelle, der Vorführung eines PC-Autorennsimulators, aus dem Weg zu gehen und landete in einer ruhigen Ecke, beim StormRexx-Seminar. Die etwa siebzig Stühle waren zu drei Vierteln besetzt, für 11:45 Uhr ganz gut, es wurden im Laufe des Tages aber nicht mehr. Der Seminarleiter von Haage & Partner rackerte sich redlich ab, aber die Resonanz aus dem Publikum war, vorsichtig ausgedrückt, verhalten. Irgendwie hatte er Schwierigkeiten, die Vorzüge von StormRexx an den Mann und die Frau zu bringen. Ob es an ihm, oder dem Produkt lag?
Überhaupt war überraschend, wie viele Frauen und auch ältere Semester anwesend waren, nicht nur hinter den Verkaufsständen, auch im Publikum. Die Publikumsmagneten hingegen waren fast nur von Männern besucht: Torwandschießen und "Human Table Soccer", ein riesiges Tischfußballfeld mit echten Menschen an den Stangen.
Eigentlich war ich ja wegen der Computer und im speziellen wegen dem Amiga zur Messe gekommen, also habe ich mich erstmal quer durch die Stände gekämpft. Gut die Hälfte der Aussteller waren Amiga-Firmen, fast alle namhaften Hersteller waren vertreten, wer fehlte, war eigentlich nur Phase 5.
Die einzelnen Austeller hatten verschiedene Methoden, das Publikum anzulocken. Die meisten protzten mit einer übervollen Auslage an Billig- CDs, die zwar nicht unbedingt ihr Geld wert waren, aber trotzdem die Leute anlockten. Wieder andere, und hier vor allem Amiga Int./Inc., versuchten mit überlauter Technomusik die Massen anzuziehen. Und sie kamen auch. Anscheinend ist Kopfschmerz unverzichtbarer Teil des heutigen Lifestyles.
Genau gegenüber vom Amiga-Stand gab es die dritte Form der Attraktion: Oberland Computer zeigte die neueste Version 7 der Bildbearbeitungssoftware Wildfire. Zwar verstand man kaum sein eigenes Wort im Lärm des Amiga-Stands, aber was die Software an Effekten zeigte, war rein optisch ein Kracher. So war die Vorführung eigentlich immer von einigen faszinierten Leuten umstellt.
Der Gegenpol war die sogenannte Edutainment-Software. An den Ständen war nur tote Hose, einige wenige Bildungshungrige waren aber auch hier am stöbern. Mittlerweile war es ein Uhr, und der Durst machte sich bemerkbar. 5 DM für eine Tasse Kaffee. Dafür war er heiß.
Die Kaufrenner waren eindeutig CDs, gefolgt von Scannern und CD-Brennern. Besonders verlockend war ein Stand mit Billigst-Festplatten, 50 DM für das Gigabyte. Natürlich aus Konkursbeständen und Hochwasserschäden, ohne Garantie... Der PC-Markt lockte mit günstigen Prozessoren und älteren Motherboards, außerdem mit Kleinteilen für Rechner.
Am wenigsten Betrieb war ganz offensichtlich am Stand der Bundeswehr, was aber genauso offensichtlich am nicht konkurrenzfähigen Angebot an Computern lag.
Den Amiga-User erfreuten die wenigen Neuheiten, die es gab: Zum einen wurde zur Messe die Erstausgabe einer neuen Amigazeitschrift verteilt, die "amigaOS", die ab Neujahr monatlich erhältlich ist. Zum andern waren bei VillageTronic die Picasso IV und die Ariadne 2 der Renner. Die Ariadne 2 ist eine abgespeckte Version der Ariadne-Netzwerkkarte für 199 DM. Und ein paar Schritte weiter erhält man eine PC-Netzwerkkarte für 25 DM...
Da wir gerade bei VillageTronic sind: Sie haben eine Umfrage gestartet, wie die Amiga-User zu einer Grafikkarte mit 3Dfx-Chipsatz stehen. Näheres auf der Homepage unter: http://www.villagetronic.com/amiga/
Nach über vier Stunden Messe habe ich mich dann wieder auf die Heimfahrt gemacht. Zurück bleibt ein dumpfes Gefühl im Ohr, vom Lärm, und die Gewißheit, daß ich nächstes Jahr wieder dabeisein werde. Nur mit mehr Geld in der Tasche.
[Weitere Informationen zur Messe finden Sie bei Am Puls, d. Chefred.]
![]() |
Inhaltsverzeichnis | ![]() |
| © `98Der AmZeiger | ||