Interview

mit
Marcel Beck

Marcel Beck, Programmierer von YAM, des mit Abstand anerkanntesten und beliebtesten eMail-Programms für den Amiga beantwortete mir einige Fragen.

AmZ: Gregor Franz
MB : Marcel Beck


AmZ: Gerade YAM hat Dich in der Amiga-Gemeinde bekannt gemacht. Wie sieht eigentlich Deine Computer-Historie aus? Auf welchen Systemen hast Du begonnen, welche sonstigen nennenswerten Programme entwickelt?
MB:

Begonnen habe ich 1982, im zarten Alter von 13 Jahren, auf dem Sinclair ZX-81 meines Vaters. Heute ist es schwer vorstellbar, was man mit 16 MB RAM alles anstellen kann...

Der erste eigene Computer war ein Sinclair Spectrum, auf dem ich alle möglichen Dinge in Basic und Z80-Assembler programmierte. 1987 musste ich mich entscheiden, ob ich Sinclair treu bleiben will und mir einen QL kaufe, oder ob ich das Lager wechsle und auf einen Amiga 500 umsteigen will. Beide Computer hatten eine 68000er CPU. Glücklicherweise entschied ich mich für die zweite Option. Der 500er wurde dann noch mit einer 20MB Platte und einer 2MB Speichererweiterung ausgestattet.

Als alter Basic-Profi entwickelte ich meine ersten Progrämmchen in AmigaBasic (Vokabeltrainer, Datenbank, einfachere Spiele und dergleichen). Da die Geschwindigkeit jedoch zu wünschen übrig liess, erlernte ich die Programmiersprache C.

Die nächste grosse Anschaffung war ein Amiga 2500 (was eigentlich bloss ein mit einer Festplatte und einer Commodore 68020-Turbokarte ausgestatteter A2000 war). Das grösste Projekt, welches ich in dieser Zeit programmierte, war das Sharewareprogramm 'Statistica', welches zur statistischen und grafischen Auswertung von Messdaten diente und für einige Zeit sogar in Maxons Lowcost-Software-Serie verkauft wurde. Andere, sehr spezifische Programme habe ich für Kollegen und Verwandte geschrieben, aber nie veröffentlicht.

Seit 2-3 Jahren bin ich nun Besitzer eines Amiga4000T/040, der zur Zeit wie folgt konfiguriert ist:

18 MB Ram, 1 GB Festplatte (SCSI), 4fach CD-ROM von Sony (SCSI) Picasso II, VLab Digitizer, Multiface Card 3, Scandoubler, Claxan 15S Monitor, ZIP Drive (SCSI), Commodore A10 Aktivboxen, OS/WB 3.1, Picasso 96, MagicWB

AmZ: YAM ist relativ unangefochten das führende Internet-Mailprogramm auf dem Amiga. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg, der in dieser Form, wenn man sich die Situation auf anderen Systemen ansieht, ziemlich einmalig ist?
MB:

Der anfängliche Erfolg (der mich übrigens ziemlich überrumpelt hat) war wohl mit der einfachen Konfigurierung und Bedienung zu erklären.

Vor drei Jahren war die Installation von Internetanwendungen auf dem Amiga für weniger erfahrene Benutzer eine Qual (da gab es noch kein Miami, und die Mailer waren portierte UNIX-Programme). Das YAM heute noch so erfolgreich ist, liegt vermutlich am Freeware-Status. Die meisten vergleichbaren Produkte sind eingeschränkte Shareware. Auch habe ich stets versucht, Anfragen von Benutzern möglichst schnell zu beantworten und bin auf viele Vorschläge eingegangen.

AmZ: Die gegenwärtige Beta macht schon einen guten Eindruck (s. auch Test in Ausgabe #5). Wann ist mit der endgültigen 2.0 zu rechnen und sind bis dahin noch größere Änderungen zu erwarten?
MB: Im Gegensatz zu anderen Programmierern lasse ich nicht gerne Alpha- Versionen auf die grosse Benutzerschar los. Nicht jeder ist ein langjähriger Amigaprofi, der weiss, wie man auftretende Probleme behebt. Das heisst, das ich jetzt vor allem noch die bekannten Bugs ausmerzen will (sind so um die 50 Stück, wobei sich nicht alle auf meinem System reproduzieren lassen). Wie lange das dauern wird, kann ich nicht sagen (hängt u.a. davon ab, wieviel Stunden meiner knappen Freizeit ich in die Programmierung stecken will).
AmZ: Was sind Deine Planungen für die Zukunft? Wird YAM kontinuierlich weiterentwickelt und/oder faßt Du andere Projekte ins Auge?
MB: Die Liste der Vorschläge für YAM 3 hat bereits eine beachtliche Länge erreicht, d.h. es wird wohl weiter gehen. Andere Projekte leiden deshalb darunter. Was ich gerne programmieren würde, ist eine Toolsammlung für WWW-Surfer und Webmaster (externer Linkchecker, URL Reminder, Offline-Browser etc.). Selbstverständlich gibt es solche Programme bereits als einfache ARexx-Skripts, ich möchte das ganze jedoch in eine benutzerfreundliche MUI-Umgebung einbetten.

Ein anderes Projekt in der Warteschlange ist AmigaETV, ein Programm, welches den Zugriff auf das elektronische Telefonbuch der Schweiz ermöglicht.

AmZ: Wann hast Du Dich bei YAM für die Verbreitungsform als Freeware entschieden? Bist Du gegen das Shareware-Konzept, willst Du den Usern etwas Gutes tun? :)
MB:

Freeware ist bequem: man muss keine Disketten versenden, hat keine Verpflichtungen seinen Usern gegenüber und man macht sich beliebt ;-) Der Nachteil ist, dass man kein Geld dafür erhält, aber da ich die "Armer Student"-Phase hinter mir habe und Programmieren eigentlich ein Hobby ist, verlange ich kein Geld für YAM.

Das Shareware-Konzept finde ich gut, weil der Benutzer damit nicht die Katze im Sack kauft. Das Statistica-Programm habe ich damals (1991) auch als Shareware vertrieben, es sind etwa 30 mal 20 Mark zusammengekommen.

AmZ: Es ist zwar bereits etwas Zeit ins Land gegangen seit der WOA in London. Trotzdem, was hältst Du von den Äußerungen bzw. Bekanntmachungen der Amiga Inc.? Gibst Du ihren Plänen bzw. dem Amga an sich für die Zukunft eine Chance?
MB: Eigentlich interessiert es mich jetzt noch nicht, was Ende 1999 sein wird. Bis dahin sind es noch 16 Monate, und in dieser Zeit kann sich sehr viel ereignen. Die Ankündigung von AI ist mir zu vage und erscheint im Vergleich mit dem A1000 von damals nicht sehr innovativ. Umso erfreulicher ist es, dass gerade in Deutschland die Hardware-Fabrikanten zusammenspannen und Lösungen anbieten, die *jetzt* verfügbar sind.
AmZ: Besitzt Du ein PPC-Board oder wirst Du Dir eines anschaffen? Denkst Du, daß Phase 5 zusammen mit Haage & Partner eine Alternative bieten können, die es zu unterstützen lohnt?
MB: Ja, siehe oben. Die Anschaffung eines PPC-Board habe ich mir noch für dieses Jahr vorgenommen.
AmZ: Was denkst Du eigentlich über andere 'direktere' Kommunikationsformen im Internet, wie IRC und ICQ? Kommen sie für Dich in Frage?
MB: IRC und ICQ haben sicher ihre Daseinsberechtigung, wobei ich Email für das effizientere Kommunikationsmedium halte als z.B. IRC. Für Leute, die sich einfach die Zeit mit rumquatschen vertreiben wollen, ist es sicher toll. IRC benutze ich nicht; ICQ habe ich installiert, lasse es aber nicht ständig laufen.
AmZ: Gibt es ein Leben neben dem Computer? ;) Was machst Du 'beruflich'? Was für weitere Hobbys und Leidenschaften fordern Dich?
MB:

Ich arbeite als Chemiker im Bereich Umweltanalytik. Meine Computererfahrung kann ich auch dort einfliessen lassen, d.h. ich bin unter anderem für unsere Labordatenbank verantwortlich.

Sportlich betätige ich mich v.a. als Velofahrer: so fahre ich mit Bike zur Arbeit, unternehme gerne Fahrradtouren und mach einmal im Jahr Veloferien.

AmZ: Und in welcher Gegend radelst Du umher? Meint, wo wohnst Du? :)
MB: Aufgewachsen bin ich am Thuner See (Berner Oberland). Heute wohne ich in Füllinsdorf, das liegt zirka 10 km südöstlich von Basel.
AmZ: Die unvermeidliche Frage zum Schluß: Kanntest Du den AmZeiger, bevor ich mich das erste Mal bei Dir gemeldet habe und was hältst Du von ihm?
MB: Den Amzeiger kannte ich bisher nicht (ich lese fast nie Online- Magazine). Hier meine Eindruck: Ich finde ihn gelungen; das schnörkellose Design, das ein schnelles Laden und angenehmes Lesen ermöglicht, fällt als erstes positiv auf. Die Themen sind bunt gemischt, so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Vorbildlich ist auch das Artikelverzeichnis und dass die Ausgaben als Archiv zum Download angeboten werden.
AmZ: Was soll man da noch sagen? ;) Danke für das Interview.


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