| Das nachfolgend getestete Produkt wurde uns freundlicherweise von der Firma "Ferst Computer", Köpenicker Straße 11, 15537 Gosen, (http://www.ferst.de/ferst@t-online.de) leihweise zur Verfügung gestellt. |
Faxe verschicken: viele Menschen machen das sehr selten. Warum also ein relativ teures Faxgerät kaufen, wenn man da schon ein Modem rumstehen hat, das mit entsprechenden Befehlssätzen für die Faxfunktion aufwarten kann? Softwareseitig sind die Hersteller der Modems nicht zimperlich, ich kann mich nicht erinnern, schon mal ein Modem gesehen zu haben, das nicht mit entsprechenden Windows-Programmen ausgestattet ist. Weil das den Amiga- Anwender bekanntermaßen nicht weiterbringt, gibt es schon lange Anbieter von Fax-Software für den Amiga.
Von Active Technologies wird uns STFax professional, früher als Shareware zu haben, beschert. STFax kommt in buntem MUI-Design daher, damit ist MUI unverzichtbare Voraussetzung. Davon abgesehen, nennt die Anleitung keine weiteren Beschränkungen. Da es die Hauptaufgabe von STFax ist, Faxe mit dem Computer zu verschicken und zu empfangen, sollte man natürlich ein Faxmodem oder eine entsprechende Erweiterungskarte haben.
Da STFax viele Sonderfunktionen für Voice-Modems bietet, ist ein Modem mit solchen Features nötig, wenn man diese Funktionen nutzen möchte.
STFax steckt in einer CD-Hülle, wird aber auf zwei Disketten ausgeliefert. Das Faltblatt beschreibt die Installation und macht unmißverständlich (auf Englisch) klar, daß man zuerst MUI installieren soll, dem Diskette 2 gewidmet ist. Anschließend wird Schritt für Schritt beschrieben, welche Fragen das eigentliche STFax-Installerscript an den Anwender stellt und was bei der Installation passiert. Zwischendurch muß man den 20-stelligen Code abtippen, der im Faltblatt aufgeklebt ist. Alles kein Problem.
Nach dem Start öffnet STFax sein Fenster und meckert über das nicht verfügbare Modem. Okay, man sollte also immer das Modem einschalten, bevor man STFax startet, sonst kommt ein nervender Requester... das Modem erst später einzuschalten, wird von STFax leider nicht akzeptiert. Der Requester "Serial not ready" taucht immer wieder auf.
Am oberen Rand sind diverse Icons angeordnet, mit denen sich Faxe versenden und ggfs. empfangen lassen können, auch das Ausdrucken von Faxen und das Ansehen am Bildschirm ist möglich. Dafür wird sogar ein Datatype mitgeliefert. Zu jedem Icon sind Bubble-Helps definiert, die Help-Taste ruft die AmigaGuide-Anleitung auf.
Darunter findet man zwei Listen, links die Gruppenübersicht, die die Faxpostfächer (empfangene, versandte, für den späteren Versand vorbereitete und sonstige gespeicherte Faxe) und die Voice-"Postfächer" ansteuert. In der rechten Liste werden die Nachrichten angezeigt, die im gewählten Postfach liegen.
Im Preferences-Menü lassen sich, wie schon vermutet, viele Details einstellen. Briefköpfe lassen sich auf jeder Seite einblenden, soll das Modem automatisch die Anrufe beantworten? Offenbar lassen sich auch ARexx-Programme (Hooks) starten, wenn ein Ereignis (Anruf) eintritt.
Ein Fax zu erzeugen ist nicht weiter schwer. Zu STFax gehört ein Druckertreiber, der sich per Menü aktivieren läßt. Man kann aus jeder Textverarbeitung heraus drucken, STFax fängt die Ausgabe ab und macht ein Fax daraus. Alternativ dazu erzeugt STFax eine verschickbare Seitengrafik auch selbst, aus einem ASCII-Text und einer wählbaren Schriftart.
Benutzer von TurboPrint (sprich: ich) haben es leider schwer. TurboPrint selbst hat gar keinen Amiga-Druckertreiber im System, sondern scheint sich irgendwie hereinzupatchen. Das mag schneller sein, aber es läßt sich nicht abschalten. Den STFax-Druckertreiber im Printer- Preferencestool einzustellen, genügt nicht. Die einzige Lösung, die ich gefunden habe, erfordert daß TurboPrint/TurboSpool aus der WBStartup-Schublade verbannt werden und der Rechner neu gestartet wird. STFax kann den Text nun problemlos aus der Textverarbeitung empfangen, wenn man was ausdrucken möchte, muß man TurboPrint per Hand starten. Das ist nervig, aber soweit ich das einschätzen kann, eher ein Problem auf der Seite von TurboPrint. Unterschreiben kann man seine Faxe natürlich nicht, außer man hat seine Unterschrift per Scanner digitalisiert und in der Textverarbeitung eingefügt.
Nun genügt es, die Telefonnummer des anzusteuernden Faxgeräts einzugeben, ein Telefonbuch ist vorhanden. Auch Titelseiten lassen sich gestalten. Ich habe die Faxfunktion unter Mithilfe von Andreas Schlick ausprobiert, von STFax an STFax und von STFax an ein "echtes" Faxgerät (Philips Magic Vox), beides hat problemlos funktioniert.
Aber Vorsicht: eine gestartete Aktion sollte man nicht wieder abbrechen wollen. Andreas [Schlick] ist STFax dabei abgestürzt, und weil der Rechner gerade beim Schreiben auf die Festplatte war, mußte er erst auf die Validierung der Festplatte warten.
Wer kein Voice-Modem hat, sollte auch nicht aus Versehen das "Answer"- Icon zum zwischenmenschlichen Gespräch anklicken. Das erscheinende Fenster bietet zwar sowohl "Hang up" als auch ein Schließgadget, aber dessen Benutzung hat bei mir zweimal einen Absturz der härteren Art produziert.
Zum Empfang: STFax kann Faxe sowohl automatisch empfangen, zu empfehlen, wenn das Modem an einer Leitung hängt, die nur für Faxe bestimmt ist. Oder wenn man so eine mystische Faxweiche sein eigen nennt. Aktiv? Passiv? Der Telekommunikationsfachverkäufer hilft gern weiter. Der Rechner muß dazu permanent eingeschaltet sein. Ansonsten kann man das Modem parallel zum Telefon in die TAE-Dose, die die Post -ähm- Telekom freundlicherweise installiert hat, einhängen und schnell zum Computer laufen, wenn beim Abheben mittels konventionellem Hörer das Faxpiepen im Ohr schmerzt. Wenn der Rechner nicht gerade ultraschnell bootet, ist es zum Einschalten wohl schon zu spät: die Gegenstelle erhält keine Antwort und legt wieder auf. Abhilfe schafft "Fax per Absprache", man läßt sich einfach vor dem Faxempfang Bescheid sagen.
Ob man nun selber das passende Icon in STFax anklickt oder das Modem sich automatisch auf den Anruf stürzt; STFax leitet souverän den Empfang ein und holt das Fax auf den Rechner. Auf Wunsch wird es automatisch ausgedruckt. Im Postfach kann man das Fax ansehen, dabei vergößern, verkleinern, drehen, spiegeln und (dafür gibt's leider kein Icon) auf die nächste Seite blättern.
Auch der Abruf-Empfang (Polling) wird von STFax unterstützt.
Zu den Voice-Funktionen: Über das Voice-BBS-System, das STFax bietet, läßt sich eine richtige Menüstruktur aufbauen. Jeder Anrufer wird per Sample willkommengeheißen und kann, wie beim antiquierten Anrufbeantworter, eine Nachricht hinterlassen. Oder er kann per Tonwahl wählen, ob er eine Nachricht hinterlassen, ein Fax abrufen, ein Fax senden oder jemanden persönlich sprechen möchte.
Wählt er "Fax abrufen", kann er womöglich noch aus einer Reihe von vordefinierten Faxen wählen. Geht bei "persönlich sprechen" niemand ans Telefon, kann STFax auch das verarbeiten. Es lassen sich mehrere Postfächer, ähnlich der T-Net-Box, realisieren. Es gibt paßwortgeschützte Bereiche. Da Modems auch eine R-Taste (Hook flash) simulieren können, lassen sich Gespräche evtl. auch innerhalb einer Nebenstellenanlage vermitteln. Das hängt von der Funktionalität des Modems ab, bei unserem Telefon ist die Konfiguration des Telefons auf die Telefonanlage auf sieben Seiten beschrieben...
Die Anleitung ist, wie das Programm, durchgehend in Englisch gehalten. Man kann zwischen der AmigaGuide-Form und HTML wählen, für letzteres benötigt man natürlich einen Browser. Die HTML-Variante ist gut gestaltet und enthält viele Screenshots von den STFax-Fenstern. Ein Index fehlt bei beiden Varianten.
Leider geht die Anleitung auf das weitgehend mit den Icons identische Menü nicht mehr ein, deshalb wird die Polling-Funktion nicht erwähnt. Außerdem ist nichts zur Hooks-Seite des Einstellungsfensters zu finden. Und was macht "Silent compression"?
Es liegt eine alternative Registraturkarte bei, die man an Haage & Partner abschicken kann. Denn: "nur wenn wir Sie kennen, können wir Ihnen helfen!" Bloß schade, daß man diese Hilfe mangels Angabe einer Telefonnummer nur schriftlich bekommen kann. Wer seine Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis stellen möchte, darf natürlich Active Technologies in England anrufen. Die haben noch nicht mal ihre Auslandsvorwahl vergessen.
Fazit: STFax bietet alle Fax-Funktionen und den Komfort, den man sich wünscht. Die Voice-Features nehmen einen großen Teil des Programms ein und sind wirklich umfangreich. Wer soetwas nutzen möchte, ist mit STFax sehr gut beraten. Leider hat das Programm kleine Macken, die die Benutzung aber nicht stark stören. Die Anleitung ist englisch, aber ausführlich und gut geschrieben, sie bietet sogar ein Tutorium für Voice-Scripte. Zu Nebenstellenanlagen findet man keine Informationen, außerdem ist die Anleitung nicht 100%ig auf dem Stand des Programms, was man bei einer ausschließlich elektronischen Anleitung erwarten dürfte.
[Dieser Test bezieht sich explizit auf die Version 3.2. Inzwischen sind Updates kostenfrei auf der Haage & Partner-Homepage downloadbar (http://www.haage-partner.com), d. Chefred.]
| Produkt: | STFax professional | Hersteller: | Active Tech. |
| Art: | Fax-Software | Version: | 3.2 Pro |
| Preis: | 98,- DM | Bez.Quelle: | Fachhandel |
| Leistungsfähigkeit: | 2 ¹ | ||
| Benutzerfreundlich: | 2 | ||
| Dokumentation: | 2 ² | ||
| Preis-/Leistung: | 2 | ||
| Gesamt: | 2 | ||
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