Es nimmt einfach kein Ende. Seitdem E.T. seinen Freunden verklickert hat, daß die Bewohner des Planeten Erde im Grunde sehr viel Angst vor nicht auf ihrem Heimatplaneten geborenem Leben haben, kommen jene in Scharen, um ein wenig mit uns herumzustenkern.
Na gut, das mag vielleicht ein wenig an den Haaren herbeigezogen sein, jedoch frage ich mich, wann ich das letzte mal einen Außerirdischen auf unseren Leinwänden bewundern durfte, der nicht Angst und Schrecken verbreitet hätte. Und ich muß gestehen: Ich kann mich nicht erinnern.
Und damit sind wir auch schon mittendrin, in "Dark City", dem dunklen SciFi-Abenteuer aus der Hand des "The Crow"-Regisseurs Alex Proyas. Ja, dunkel ist es allemal, denn irgendwer hat das Tageslicht ausgeknipst. Wer das war, wird uns gleich zu Anfang verschwiegen, als uns Dr. Schreber (Kiefer Sutherland oder in diesem Fall sein Synchron-Sprecher) mittels einiger einleitender Worte, die er etwas arg verkrampft herunterstammelt, sich selbst und die Situation in Dark City vorstellt. Wir erfahren immerhin, daß es "Fremde" sind, die die Stadt und eben scheinbar nicht nur diese kontrollieren.
Dieser spontane Informationsschub sollte jedoch nicht allzu schnell verzehrt werden, denn im folgenden werden wir gezwungen, uns zunächst in Enthaltung zu üben. Szenen reihen sich aneinander, die zwar durch wunderhübsche Kamerafahrten, bescheidene Beleuchtung und matte Farben eine herrlich finstere Stimmung hätten verbreiten können, dies jedoch durch den Mangel an dichtem Inhalt nicht erreichen. Wir sehen Rufus Sewell als John Murdock, der unschwer als der Held der Story erkennbar ist, William Hurt als Inspektor Bumstead und einige andere mehr oder minder storytragende Figuren, die allerdings zunächst noch gar nicht oder nur in sehr dünnem Zusammenhang zueinander stehen.
Später soll sich die Geschichte noch verdichten, aber bis dahin wirkt alles unnötig gestückelt. Die Figuren bleiben zu lange farblos und daher auf Distance. Zu ihnen gehören freilich auch die "Fremden" (oder doch die Einheimischen?), die ihre physische Umwelt mit Hilfe des bloßen Willens kontrollieren und verändern ("tunen") können. Natürlich sind diese vom Aussterben bedroht und vergreifen sich an den Menschen nur, um ihre eigene Rasse zu erhalten. Soviel zur nicht ganz neuen, aber durchaus ergiebigen Idee.
Die interessanten Aspekte, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, geraten allerdings wieder einmal ins Hintertreffen, werden erst gegen Ende des Films eröffnet und hätten doch gerade den ersten Teil so viel interessanter machen können. So aber dient nur der Inhalt einiger Manteltaschen unseres Helden als Wegweiser durch die fantasievolle Reise in die Finsternis. Erst als er alle fünf beteiligten Parteien und somit auch alle Fäden der Geschichte zusammenführt, wird die Sache dicht genug, um Spannung aufkommen zu lassen.
Wir erleben einige Aha-Effekte, erfreuen uns an ein wenig eingeflochtener Romantik und schwimmen so unaufhaltsam dem Showdown entgegen. Dieser endet in einem ebenso vorhersehbaren wie effektgeladenen Duell zwischen Gut und Böse, bei welchem letztere natürlich wie immer den kürzeren Ziehen und einem nahezu perfektionierten Happy-End.
Dark City ist zwar durchgehend dunkel, aber nicht düster. Die Finsternis, die die Bilder in sich tragen, fällt durch die Löcher einer leider viel zu großmaschig gewebten Story durch und kann auch von der besseren zweiten Hälfte des Films nicht mehr aufgefangen werden. Ergo ist es nicht verwunderlich, daß den Zuschauer Freude überkommt, wenn der Held sich am Ende imstande sieht, das Licht wieder anzuschalten.
![]() |
Inhaltsverzeichnis | ![]() |
| ©`98 Der AmZeiger | ||