Lola rennt

von
André Wyrwa

Rennen - eine Fortbewegungsart, die die Menschen mit zunehmendem Alter immer mehr zu meiden scheinen. Während die ganz Kleinen unter uns offenbar nichts lieber tun, als in wilder Hast durch die Gegend zu flitzen, fluchen die Mittzwanzigjährigen bereits, wenn sie mal dem Bus nachlaufen müssen. Vom gesetzten Elternteil, der gleich nach den Autoschlüsseln fingert, wenn es ums Zigarettenholen geht, soll hier gar nicht die Rede sein. Aber dies soll ja sowieso weniger ein medizinisch-pädagogischer Appell an alle Sportmuffel sein, als vielmehr ein Kommentar zu Tom Tykwers aktuellem Kinohit.

Diesem wurde ja auch mittels eines flotten Soundtracks, der auch vorab als Single "Wish" erschien, und einigem übrigen Medienrummel zu einem glücklichen Start verholfen, wobei gerade dies aber für den Film selbst zum Problem wird.

Dieser lebt nämlich von seinen überraschenden Wendungen und Spielereien und wenn da jeder schon vorher weiß, daß dieselbe Story dreimal erzählt wird und mit Zeichentrick- und anderen Elementen gearbeitet wurde, dann kann dies beim Zuschauer freilich kaum noch große Wirkung zeigen. Wir verpassen also den Kritikern, Moderatoren und sonstigen Beteiligten einen kleinen Gonzo und widmen uns wieder dem Streifen selbst.

Dieser beginnt recht furios mit einem schon sehr eigenwilligen Vorspann und verbeißt sich dann für ein paar Minuten in einem etwas gewöhnungsbedürftig gespielten Telefongespräch zwischen Manni (Moritz Bleibtreu) und Lola (Franka Potente). Ist dies jedoch erst einmal beendet, gehts endlich richtig los:

*Lola rennt!*

Daß sie 100.000 DM in 20 Minuten auftreiben soll, ist ja auch bereits in aller Munde.

Mehr erlaubt der Film allerdings auch gar nicht preiszugeben und so verlassen wir das detaillierte Geschehen und versuchen uns ein wenig im um den Brei herumreden.

Was Tykwers Werklein - das gute Stück hat sich nach etwa 70 Minuten ausgehechelt - interessant macht, ist die Geschwindigkeit. Die rennende Lola ist so etwas wie der Rote Faden etlicher kleiner Miniaturstories, die durch die von uns betrachtete ebenso kleine Geschichte in einen Zusammenhang gesetzt werden. Das Schöne daran ist, daß Tykwer um die Mängel seines Stoffes weiß und daher nicht ihn zum Thema macht, sondern vielmehr seinen Film selbst. Tykwer scheut sich nicht, mit den Mitteln, die ihm das Kino zur Verfügung stellt, zu experimentieren, wobei einige seiner Spielereien natürlich auch schon in anderen Filmen für Abwechslung und verblüffte Gesichter sorgten. Somit wirkt "Lola rennt" nicht großartig anders, als ein experimenteller Großbild-Videoclip.

Das Konzept geht auf. Während die Augen des Zuschauers sich im häufigen Szenenwechsel damit beschäftigen, die laufende Lola nicht aus dem Blick zu verlieren, verleiht der einfache aber schwungvolle Soundtrack den Gedanken den richtigen Rhythmus und es entsteht eine Art entspannte Spannung, kein wirkliches Mitfiebern, sondern eher eine wohlige Neugier, die gerade für siebzig Minuten Aufmerksamkeit ausreicht.

"Lola rennt" ist ein mit witzigen Ideen angereicherter, schwungvoller Kino-Clip, der ein nettes Abendstündchen bescheren kann, jedoch unter dem übermäßigen Medienrummel leidet, der ihn begleitet und der vielleicht auch etwas übertrieben ist.


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