"Calm Before Storm" / DARE

von
Gregor Franz

Diese CD macht schon einmal mit einem wunderschönen Cover auf sich aufmerksam, auf dem man ein Mädchen anmutig übers Wasser in Richtung eines malerischen Sonnenuntergangs laufen sieht. Das Bild, das ein Münchner Airbrush-Künstler für die englische Band schuf, bezieht sich aber nicht auf den Titelsong, sondern auf den ersten Song "Walk On The Water".

Und dieser Song ist mit Sicherheit auch eines der Prachtstücke der CD. Eine langsame Einführung, mit sanften Gitarrenklängen und diversem leisen Sprechfunk im Hintergrund, leitet zu der eigentlichen Intro über, bis Darren Wharton`s Stimme voller Gefühl und Inbrunst einsetzt. Nein, das ist kein ausgesprochen langsamer Song, sondern er reißt einen auf seine Art mit, verführt einen mit seinen Tempowechseln und fasziniert mit der gelungenen, ausgewogenen Instrumentierung, bis schließlich der Titel mit einer langen, ruhigen Sequenz nach fast sieben Minuten wieder ausklingt.

"Someday" ist von der Geschwindigkeit schneller und überzeugt sowohl durch Melodik und Lyrik:

"Father look what they`ve done
They`ve taken the heart of your son
It`s a long road that leads to my soul
But I still hear the words that you said
There`s a cold wind blowin` outside"

"Calm Before The Storm" ist ein weiterer herausragender Song. Er beginnt sehr ruhig, fast ein wenig melancholisch, wird aber dann mit dem ersten Refrain temperamentvoller, ohne die Grundstimmung zu ändern. Eine lange, angenehme Iinstrumental-Sequenz schließt auch ihn ab. Der Titel vermag Emotionen zu wecken und ist absolut hörenswert.

Flotter weiter geht es mit "Rescue Me" - auch ein sehr schöner Titel, ebenso wie der sehr langsame und gefühlvolle, ein wenig traurige "Silence Of Your Head", der seine Kraft gerade im Kehrreim entfaltet.

Mit "Rising Sun" und "Ashes" folgen zwei weitere eher ruhige, sanfte Songs bis "Crown Of The Thorns" wieder einen kleinen Gegenpol setzt, mit höherem Tempo und kräftigerer Instrumentierung. "Deliverance" ist dann wieder langsamer, hat aber eine wunderbar markante Melodie, die mit der "schwereren" Begleitung in Einklang steht.

"Still In Love With You"... na klingelt`s? Denn wenn man diesen Titel hört, erkennt man ihn zuerst wirklich nicht wieder. Es handelt sich um das sehr bekannte Stück, das schon Michael Bolton trällerte. Nur das man diese Ballade, die ja sehr häufig im Radio gespielt wurde, wegen des heraustriefenden Schmalzes kaum noch hören konnte.

Hier jedoch erhält der Titel eine völlig neue Qualität durch den Gesang von Darren Wharton, der zeigt, welches Potential in der Vorlage liegt, und das man für einen wirklich gefühlvollen Vortrag keine unechten Übertreibungen benötigt! Das mir der Titel so gefallen könnte, hätte ich vorher nicht angenommen!

Wie man erkennt, handelt es sich bei dieser CD also um eine vornehmlich ruhige Melodic Rock-Scheibe, die mit einigen absoluten Glanzlichtern aufwarten kann und durchweg hörenswerte Songs bietet.

© & (P) MTM Music 1998; ca. 30 DM


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