"Ray of Light" / Madonna

von
André Wyrwa

Seit dem Erscheinen des aktuellen Madonna-Albums "Ray of light" sind bereits einige Tage ins Land gegangen, die große Revival-Welle hat sich gelegt und die Songs geistern nicht mehr gar so häufig durch das Programm diverser Radiostationen. Zu solchen Zeiten kann es dann gerade genüßlich sein, sich das Objekt der allgemeinen Euphorie zur Hand zu nehmen und zu Gemüte zu führen. Und genau das werde ich nun tun.

Das interessanteste, was mir seinerzeit an diesem Album auffiel, war - neben einer angenehm veränderten Erscheinung der Künstlerin freilich - vor allem der Name William Orbit, der zahlreich in den Credits der Songs und des Albums auftaucht. Jener gehört zu den wohl eher unauffälligen und daher auch unbekannteren Musikern unserer Tage, der allerdings in zahlreichen Projekten seine Finger hat und auch selbst einige schöne Trance- und Ambient-Stücke veröffentlichte.

Diese Konstellation einer gemeinsamen Produktion von ihm, diesem den Mainstream eher meidenden Techno-Instrumentalisten, und der klassischen Pop-Ikone schlechthin machte natürlich neugierig, obgleich mir "Frozen" in jenen Tagen natürlich nahezu ständig wohlig in den Ohren lag.

Was mir dann beim Durchhören der CD ins Gehör rieselte, rechtfertigte allen Rummel, der später folgen sollte, wobei mir erlaubt sei, vorwegnehmend anzumerken, daß der Titelhit "Ray of light" für meinen Geschmack der schlechteste Track des Albums ist. Im ersten Moment fragte man sich eben wirklich, ob das wirklich das "Material Girl" ist oder die Urheberin des "Erotica"-Albums mit allen es umgebenden Klatsch und Gerüchten. Was sich hier präsentierte glich einem Überholen ohne einzuholen.

Madonnas letzte Veröffentlichungen schienen dem Zeitgeist immer mehr nachzulaufen, aber hier war plötzlich wieder etwas innovatives, neues, wirklich aktuelles, das sich darüber hinaus richtig gut anhört, hier erhielt der alte Popstern Madonna plötzlich wieder neuen Glanz. Wieviel Anteil daran William Orbit hat, bleibt natürlich ungeklärt, immerhin aber hat er einigen Anteil an den Kompositionen des Albums und das ist auch hörbar.

Über die Songs im einzelnen will ich gar nicht so viele Worte verlieren, Stil und Spektrum werden hinreichend durch die beiden oben erwähnten Auskopplungen markiert. Frozen ist vermutlich der sanfteste Track und während "Ray of light" mit seiner Geschwindigkeit schon ein wenig aus dem Album heraussticht, siedeln sich die anderen Titel zwischen diesen beiden an, wobei sie unverwechslbar denselben Stil haben. Dies ließ mich zunächst befürchten, daß die Scheibe mangels Abwechslung allzu schnell ihren Reiz verlieren würde, doch weit gefehlt. Trotz dieser unleugbaren Ähnlichkeit der Titel klingt doch keiner wie der andere und man wird des angenehmen Schwingen und Plätscherns in den Ohren kaum überdrüssig.

Die Texte beschäftigen sich mit den üblichen Themen: Liebe, Freundschaft, Lebensweisheiten, freilich aber auf eine der neuen Madonna würdige reife Art und Weise.

Resumierend bleibt zu sagen, daß Madonna hier Anfang dieses Jahres eine echte Bereicherung für den Pop-Markt abgeliefert hat, die ein breites Spektrum an Hörern gefunden haben dürfte und sicherlich in der Zukunft eines der berühmteren Alben der Sängerin bleiben dürfte, wenn es nicht sowieso als der Wendepunkt in ihrer Schaffensperiode gehandelt wird.

Bei WOM ist im übrigen ein Remix-Kurzalbum zum Titel "Frozen" erhältlich, bei dem es sich um einen Japan-Import handelt. Die enthaltenen Mixe sind wirklich abwechslungsreich und dürften vor allem für Freunde von Dance und House interessant sein.

© 1998 Warner Bros. Records Inc.


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