Teil 1: Prozessor, Takt und Speicher
Teil 2: Bussysteme
Teil 3: Peripherie
Nachdem ich in den beiden ersten Folgen das eigentliche Herz eines Computers beschrieben habe, widmet sich der letzte Teil den auf den ersten Blick untergeordneten Funktionsgruppen eines PCs. Auf den zweiten Blick muß man erkennen, daß die Peripheriegeräte aber die Schnittstelle zur Außenwelt und vor allem zum User sind. Ohne Druckeranschluß kann man keine selbsterstellte Grafik ausdrucken und an die Wand hängen, ohne seriellen Anschluß kein Modem und Internetzugang betreiben, ohne Tastatur nicht einmal einen Brief schreiben. Und ohne Grafikausgang gäbe es nicht einmal ein Bild von dem, was man mit dem Computer fabriziert.
Gute Sicht
Der Hauptsinn des Menschen ist der Sehsinn. Wenn wir etwas sehen, verstehen wir besser, als wenn wir uns etwas abstrakt vorstellen müssen. Sehr wichtig ist deswegen der Monitor, und als Ansteuerung desselben, die Grafik(-karte).
Der Ur-Amiga konnte bereits im HAM6-Modus 4096 Farben gleichzeitig darstellen, damals eine Sensation, heute eigentlich lächerlich, da moderne Grafikprozessoren mit vielen Millionen Farben wesentlich schneller sind. Das Problem ist, daß so viele Pixel gar nicht auf den Bildschirm passen. Selbst mit guter Grafikkarte und noch besserem Monitor kann man nur etwa eine Dreiviertel Million Pixel in annehmbarer Qualität auf einmal darstellen, will man nicht ein total verflimmertes Bild in Kauf nehmen.
Im Grunde geht es bei der Grafikausgabe auch nicht mehr um möglichst viele Farben auf einmal auf dem Bildschirm, sondern um möglichst feine Farbabstufungen, die bei einer 24-Bit-Grafik aber bereits so fein sind, daß sie das menschliche Auge gar nicht mehr wahrnehmen kann. Noch offensichtlicher ist das bei Graustufen: Das Auge kann nur etwa 100 Grauwerte tatsächlich unterscheiden.
Am wichtigsten ist eine hohe Bildwiederholfrequenz und eine hohe Auflösung, die man jedoch nicht dazu mißbrauchen sollte, mit Miniaturfonts möglichst viel auf den Bildschirm zu quetschen. Eine höhere Auflösung sollte auch mit größeren Schriften genutzt werden, da diese dann nicht so eckig ausfallen und dadurch besser lesbar sind.
Die Bildwiederholfrequenz sollte zwischen 70 und 80 Hertz liegen, mehr schadet nicht, aber es bringt auch nichts weiter als zusätzliche Prozessorbelastung. Besonders mit der Raumbeleuchtung muß man hier aufpassen. Leuchtstoffröhren und (leider) auch Energiesparlampen haben in einem Zimmer, in dem ein Bildschirm steht, nichts verloren. Diese Leuchten flackern nämlich mit 50 Hz vor sich hin und es bildet sich, zusammen mit der Bildwiederholfrequenz, Interferenzflackern.
Als Beispiel: Läuft der Monitor mit 75 Hz, so liegt der größte gemeinsame Teiler bei 25. Die Bildfrequenz "vermischt" sich also mit der Leuchtstoffröhre zu der sehr niedrigen Frequenz von 25 Hz, die dem Auge natürlich nicht sehr gut tut. Glühlampen sind in dem Zusammenhang unkritisch, da sie keine Lichtblitze erzeugen, wie Leuchtstoffröhren, sondern nur leichte Helligkeitsschwankungen.
Was tun ?
Die Bedingungen oben sind leichter gesagt, als erfüllt. Mit der eingebauten Amigagrafik ist man weit von "Ergonomie" entfernt. Die geforderten 70 Hertz kann man zwar mit einigen Screenmodi erreichen, aber einen Monitor, der diese dann auch darstellt, ist schwer zu finden.
Hauptsächlich wird die Bildausgabe durch zwei Größen bestimmt: Die Horizontalfrequenz und die Vertikalfrequenz (=Bildwiederholfrequenz). Begrenzt werden diese hauptsächlich durch den Monitor, beim Amiga allerdings auch durch die Grafikchips. Auf jeden Fall ist eine Grafikkarte zu empfehlen, wenn man seinen Augen etwas Gutes gönnen möchte.
Schon die Horizontalfrequenz ist der erste Stolperstein. Ein neuerer Amiga (1200, 4000) stellt von Haus aus nur Frequenzen von 15 kHz bis 31 kHz zur Verfügung, die meisten Monitore im Handel fangen aber erst bei 30 kHz an. Abhilfe schaffen z.B. Scandoubler, die die Horizontalfrequenz einfach verdoppeln, also auf 30 kHz bis 54 kHz. Warum nur 54 kHz ? Man kann sich sparen, die Frequenzen, die schon über 30 kHz liegen, auch noch zu verdoppeln, da sie der Monitor ja schon erkennt. Und die nächsten krummen Amigafrequenzen liegen bei 24 bis 27 kHz. Nur einen gravierenden Nachteil haben die Scandoubler: Es lassen sich keine Super-Hires-Modi damit anzeigen, bei diesen fehlt jeder zweite horizontale Pixel.
Die Vertikalfrequenz ist die, die das Auge als flimmern wahrnimmt, z.B. beim Fernseher. Ausgeben kann der Amiga hier Frequenzen von 50 bis 70 Hz. Leider ist das für das Auge immer noch nicht flimmerfrei. Deswegen ist eine Grafikkarte vielleicht ein Spaßkiller, weil die meisten Spiele darauf nicht laufen, aber sie ist wesentlich besser für die Augen.
Mit den beiden Frequenzen verbunden sind auch die Bildauflösungen. Die Horizontalfrequenz errechnet sich aus dem Produkt der vertikalen Anzahl der Pixel und der gewünschten Bildwiederholfrequenz, plus 5 %:
Fh = PixV * Fv * 1,05
Will man also eine Auflösung von 800 mal 600 Pixel bei 75 Hz, so kommt man auf folgendes:
Fh = 600 * 75 Hz * 1,05
Fh = 47250 Hz = 47,25 kHz
Oft findet man auch die Bandbreite in MHz für einen Monitor in den technischen Daten. Das ist nichts anderes, als die Anzahl der horizontalen Pixel mal der Horizontalfrequenz plus 10 %. Für unsere Beispielrechnung braucht man also (...
BB = PixH * Fh * 1,1
BB = 800 * 47,25 kHz * 1,1
BB = 41580 kHz = 41,58 MHz
...) einen Monitor, der mindestens 42 MHz Bandbreite hat. Aber Vorsicht bei der Berechnung mit den Amiga-Werten: Super-Hires und Interlace sind Tricks, die zwar die Auflösung erhöhen, aber nicht die Bandbreite. Folglich geht immer einer der Frequenzwerte in den Keller, was sich mit Flimmern bemerkbar macht.
Weiterhin wichtig ist auch der Bildröhrendurchmesser des Monitors. Als Faustregel gilt folgendes:
Ein 14 Zoll-Monitor stellt 640 mal 480 Pixel noch sauber dar. Ein 15 Zoll-Monitor schafft noch 800 mal 600 Pixel. Ein 17 Zoll-Monitor ist gut für 1024 mal 768 Pixel. Ein 19 Zoll-Monitor ist für den Amiga eigentlich schon Verschwendung, wenn man nicht gerade eine PowerUp-Karte mit adäquater Grafikkarte besitzt.
Zum Abschluß noch ein Appell an die Vernunft:
Man sollte in der Farbtiefe nicht übertreiben. Sicher sieht eine Workbench in 24 Bit toll aus, aber die Grafikkarte sitzt im Systembus (meistens Zorro 3) und der kann nur begrenzt Daten anliefern. Eine einfache Rechnung: 800 mal 600 Pixel Auflösung in 24 Bit (= 3 Byte Daten für jeden Bildpunkt) und 75 Hz Wiederholfrequenz:
Datenmenge = 800 * 600 * 3 * 75 = satte 103 MByte pro Sekunde !!!
Das ist weniger schlimm, wenn sich nur kleine Teile des Displays ändern, aber öffnet man ein Workbenchfenster, das einen größeren Teil des Bildschirms einnimmt, handelt man sich massive Darstellungsfehler und Flackereffekte ein.
Maus und Tastatur
Diese Eingabegeräte sind die unproblematischsten: Sie warten die meiste Zeit auf Eingaben des Benutzers, und der ist bekanntlich das langsamste Peripheriegerät am Computer. Zum Keyboard nur soviel: Es ist eine einfache serielle Übertragung, die pro gedrückter Taste ein Byte an Daten liefert. Die individuelle Datenrate kann sich jeder anhand seiner Anschläge pro Minute ausrechnen.
An der Maus interessiert nur, daß es zwei Arten von Mäusetechnik gibt: Die mit serieller Übertagung (für den PC) und Busmäuse, wie sie der Amiga und einige wenige PCs benutzen. Durch einen einfachen Zwischenstecker kann man PC-Busmäuse auch am Amiga nutzen. Anleitungen dazu gibt's z.B. im Aminet unter "hard/hack". Genauso gibt es dort Treiber, die es erlauben, eine serielle PC-Maus am Amiga einzusetzen. Der einzige Grund, dies zu tun, wäre der günstige Preis der PC-Mäuse. Der einzige serielle Port des Amiga ist dann aber blockiert. Außerdem ist ein Amiga-Treiber für die serielle Maus nur im Multitasking funktionsfähig - Spiele, die dieses abschalten, schalten damit auch die Maus ab...
Die wichtigste Angabe bei der Maus sind allerdings die DPI (Dots Per Inch = Punkte pro Zoll). Dieser Wert gibt an, wieviele Bildschirmpixel der Mauszeiger zurücklegt, wenn man ihn einen Zoll auf der Mausmatte bewegt. Je höher der Wert, umso "lebendiger" die Maus, bzw. umso kleiner muß der Platz für das Nagetier auf dem Schreibtisch sein. Umso schwerer fällt aber auch das Zielen bei Malprogrammen und Spielen...
Gute Werte liegen bei 400 dpi und höher; benutzt man kleine Bildschirmauflösungen, tun es auch 200 dpi, wie sie die mitgelieferte Amiga-Standardmaus hat.
Die serielle Schnittstelle
Diese Schnittstelle ist zum schwächsten Glied des Amiga geworden. Moderne serielle Schnittstellen können bis über 400 kBit pro Sekunde übertragen, der Durchschnittsamiga (mit 68030 Prozessor) tut sich schon bei 100 kBit sehr schwer. Der Grund dafür liegt am Ein-Ausgabepuffer, bzw. daran, daß die eingebaute serielle Schnittstelle des Amiga so etwas gar nicht hat.
Der Prozessor muß nun die Schnittstelle so schnell abfragen, daß ihm kein Bit entgeht, denn es wird ja nichts zwischengespeichert. In einem Multitaskingsystem ist das natürlich tödlich, denn entweder bleibt dann kaum Prozessorzeit für andere Anwendungen übrig, oder es gehen ab und zu ein paar Bits verloren, so daß Datenpakete neu angefordert werden müssen, in der Hoffnung, daß beim nächsten Versuch alles rüberkommt.
Die dritte Möglichkeit ist einfach die, die Geschwindigkeit nicht so hoch einzustellen, dann sind moderne Modems mit 33 kBit pro Sekunde aber nicht bis zur vollen Geschwindigkeit ausgereizt. Pauschal kann man rechnen, daß die mögliche Datenrate des seriellen Geräts mindestens die doppelte Geschwindigkeit zum Computer hin verlangt. Ein 28.8 kBit Modem sollte also mit mindestens 57.6 kBit an der seriellen Schnittstelle betrieben werden.
Es empfielt sich, bei intensiver Nutzung der seriellen Schnittstelle gleich eine zusätzliche Schnittstellenkarte einzusetzen, diese bietet genügend Reserven für gängige serielle Geräte.
Die parallele Schnittstelle
Viel mehr als einen Drucker wird man hier nicht anschließen wollen. Zwar gibt es, vor allem im PC-Bereich, einige Geräte, die man an den Parallelport anschließen kann, aber keines davon ist für den Amiga geeignet, einfach, weil es keine Treiber gibt. Solche Geräte sind meistens als Low-Cost-Ausführungen für den Wintel-PC gedacht und da muß man schon Glück haben, wenn überhaupt Windows NT oder IBMs OS/2 unterstützt werden. An den Amiga braucht man da gar nicht denken.
Der Parallelport ist, wie die serielle Schnittstelle, vollständig prozessorabhängig. Je schneller der Prozessor, desto sicherer (nicht besser). Der Unterschied ist nur, daß der Parallelport 8 Bit auf einmal überträgt und ein etwas aufwendigeres Hardwareprotokoll besitzt.
An Druckern gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an Geräten für spezielle Anwendungen und in jeder Preisklasse, z.B. Fotodrucker, Universaldrucker, auf Text abgestimmte Drucker, einfarbig, vierfarbig, mit getrennten Schwarz- und Farbtanks, sogar Farblaser. Am besten, man liest die einschlägigen PC-Magazine und beachtet die einzige Einschränkung, die es für den Amiga gibt: Eigens für Windows (3.1) konzipierte Drucker, sogenannte GDI-Drucker, funktionieren am Amiga NICHT. Übrigens auch nicht mit Windows NT, OS/2, Linux oder am Macintosh.
Das Fazit
Der Amiga ist in jeder Hinsicht ein besonderer Computer. Man kann nicht einfach in den Laden gehen und das kaufen, was am PC problemlos (?) paßt. Man kann genausowenig erwarten, daß der Verkäufer im Laden über den Amiga Bescheid weiß, dazu ist unsere Freundin einfach zu unbedeutend geworden.
Am sichersten fährt man, wenn man den Amiga zum Kauf mitnimmt, oder ein Rückgaberecht eingeräumt bekommt. Meistens funktioniert dies am besten beim kleinen PC-Shop um die Ecke. Erfahrungsgemäß kennen die Händler das Gejammere der Außenseiter-Rechner-Besitzer schon und haben sich darauf eingestellt; manche vermitteln sogar Kontakte zu anderen erfahrenen Usern.
Wenn man dann selbst schon grob die Möglichkeiten und Beschränkungen der eigenen Hardware kennt, sollte ein Fehlkauf eigentlich ausgeschlossen sein. Sicher ist man aber erst, wenn das gekaufte Gerät auch wirklich funktioniert.
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