Hard- & Softwaretuning für den Amiga
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Ein Buch oder Nachschlagewerk habe ich noch nie testen müssen, aber es
gibt ja bekanntlich immer eine erstes mal und so habe ich mir das Werk
vom INTEREST Verlag "Hard- und Softwaretuning für den Amiga" einmal näher
angesehen. Das "Buch" ist eigentlich ein Order, dem man Blätter entfernen
oder zufügen kann. Dieser Ordner enthält außerdem noch zwei Disketten, die
das über 600 Seiten starke Werk, mit Beispieldateien unterstützen.
Das Nachschlagewerk befaßt sich mit sehr vielen Themen rund um den Amiga.
Doch ich fange mal am Anfang an. Neben einer kurzen Aufführung des gesamten
Inhaltes, wird man sofort in die Hardware des Amigas eingeführt. Dieser
Teil ist in insgesamt 7 Unterpunkte eingeteilt. Angefangen wird mit der
Geschichte des Amigas, von der eigentlichen Idee, bis hin zur Verwirklichung
und der Pleite von Commodore. Wenn man sich diesen Abschnitt
durchliest, wird man richtig nostalgisch, zumahl man auf alte Rechner,
wie den Pet oder den Sinclair eingeht und zum Schluß zur Auffassung kommt,
daß der Amiga nach seinem Erscheinen technisch voll überlegen war und
die bis dahin führenden Computer vom Thron stoßen könnte bzw. konnte.
Weiterhin wird der genaue Aufbau der Hardware, wie Prozessor, Chips (gründlich
befaßt man sich auch mit den drei Chips: Denise, Paula und Agnus),
Speicher, Schnittstellen... ja man erklärt sogar die Programmierung der
Coprozessoren. Alles wird unterlegt, mit Beispielen, die in Assembler
oder anderen Programmen geschrieben wurden. Danach berichtet man auch über
die Schnittstellen des Amigas, die man kurz zusammengefaßt auch als
Steckplätze bezeichnen kann, die sich hinten am normalen Desktop Amiga befinden.
Die internen Anschlüsse werden aber auch nicht vergessen. Gerade Namen,
wie SCSI oder IDE, die einem zwar nicht unbekannt sind, aber wo nähere
Informationen fehlen, werden hier gut definiert und schaffen somit ein
Hintergrundwissen. Wie ich feststellen mußte, ist man nach dem einfachen
schmökern und nach einem intensiven lesen um einiges schlauer als vorher,
doch dazu später mehr.
Kapitel drei des Ordners, befaßt sich mit dem Betriebssystem. Auch hier,
wie schon beim Hardwarekapitel, geht man ersteinmal auf Allgemeines ein,
und verschafft dem Leser die notwendigen Informationen. Untermalt wird
dieses Kapitel mit Bildern, die auf die Strukturen des OS`s in Verbindung
mit den Dateien eingehen (Library`s, Device`s oder aber Pheripherie). Das
Kapitel "Betriebssysteme" ist das umfangreichste von allen 9 enthaltenen
und erklärt DOS Befehle und wie schon erwähnt Devices und Library`s, aber
auch Unix/Linux und Macintosh-Emulationen. Im vierten Kapitel wird man in
die Kunst der Programmiersprachen eingeweiht. ARexx, Assembler, C und Modula2
werden auf mehreren Seiten mit vielen Beispielen zum selber ausprobieren
beschrieben und dem Leser detailiert erklärt. Einige Kommandos werden
mit einem Begleittext und Kurzprogrammen, die man als kleine Tools bezeichnen kann, aufgeführt.
Kapitel fünf ist schon etwas für interessierte User, die sich auch mit dem
Programmieren beschäftigen, denn hier geht es um Musterprogramme. Von der
Idee, bis hin zur Verwirklichung... Algorithmen, mathematische Berechnungen,
Datenbanken oder die Erstellung von fraktalen Gestalten, alles wird behandelt
und mit Beispielen (die auch auf den beiliegenden Disketten sind)
verständlich gemacht. Kapitel 6 gibt Auskunft über Multimedia. IFF Format,
Datatypes, Multiview oder wie in jedem Kapitel, Fakten zu den Grundlagen!
Recht kurz gehalten, aber sehr informativ ... so präsentiert sich dieser
Teil des Werkes "Hard- und Softwaretuning für den Amiga".
Die letzten drei Kapitel (7, 8 & 9) sind noch etwas unvollständig. So sind
zwar im Inhalt alle Themen aufgeführt, jedoch fehlen ein paar. "Tips,
Tricks und Utilities" verbirgt das Kapitel 7. Verwendung und Nutzung von
Programmen wie SuperDuper oder DiskSalv2 bekommt man genausten beschrieben
und da beide Programme den dazugehörigen Disketten beiliegen, kann man es
auch gleich einmal ausprobieren. Im Bereich Dateiverwaltung, stehen alle
Fähigkeiten des Freeware-Tools TashIcon schwarz auf weiß gedruckt und auch
dieses Programm kann man sich von den Disketten ziehen. Detailiert geht
man auch auf das eigene erstellen von WBIcons ein, sowie auf die Grundlagen
der Workbench-Standarduhr und der Datumsanzeige. Kapitel 8 ist auf
Anwendungen zugeschnitten. PersonalPaint hat man ganze 10 Seiten zur Verfügung
gestellt, da PPaint zur Standardsoftware bei neuen Amigas gehört,
hat man sich diesem Programm besonders angenommen. Ersetzen kann es das
PPaint Handbuch natürlich nicht, aber Grundfunktionen werden ausreichend
erklärt.
Weiterhin werden die Spiele DeluxePacman und GNU Chess "vorgestellt". Nunja
die Spiele haben schon ganz paar Jahre auf dem Buckel und ich glaube, daß
sowas eigentlich in solch einen Order nicht reingehört... denn es sind eben
nur 2 von XXX Spielen. Aber eines muß man den Autoren lassen, beide Spiele
wurde ordentlich erklärt, Ziel, Installation, Steuerung und Tastenkombinationen hat
man teilweise tabellarisch in Szene gesetzt. Ein sehr interessanter
Abschnitt des achten Kapitels, ist der Punkt "8/7 Netzwerke". Viele
User wissen zwar was mit diversen Namen, wie ftp oder ppp etwas anzufangen,
doch was dahinter steckt... das ist den wenigsten bekannt. Auf 20 Seiten,
werden sehr viele Abkürzungen umfangreich erläutert und Grundwissen verdeutlicht.
Erweitert wurde dies alles mit einer Liste, aller internationalen
Internetabkürzungen (z.B.: UK für United Kingdom = England). Das letzte
Kapitel ist nur für echte Bastler interessant, denn hier geht man auf das
Hardwaretuning und Erweiterungen ein. Ob Ports, Interface oder dem Messen,
Steuern und Regeln, man hat nichts ausgelassen. Besonders hervorzuheben ist,
daß man dieses Kapitel mit Folien "versorgt" hat, die man mittels Polylux
(oder zu deutsch "Bildwerfer") projezieren kann und anderen Leuten in einem
Vortrag - als Beispiel - zeigen kann. Wirklich eine gute Sache.
Das ganze "Buch" ist sehr gut gemacht worden, viele Informationen enthält
es und Definitionen, somit kann man auch mit Abkürzungen etwas anfangen.
Die Hintergrundinformationen zum Amiga und dessen Hardware sind sehr informativ
und gerade die ersten Seiten, lassen einen Hauch von Nostalgie aufkommen.
Großer Nachteil ist die Tatsache, daß dieses Werk 1996 zum ersten
Mal erschien und bis heute keine erkennbaren Veränderungen beinhaltet, so
geht man dort noch auf AmiTCP als ultimatives Internetzugangsprogramm ein,
obwohl man heute zugeben muß, daß sich Miami durchgesetzt hat. Auch ist
der Workbenchersatz DOpus mehr und mehr für User interessant geworden und
somit werden angesprochene Tools überflüssig, da sie in DOpus (als Beispiel)
integriert sind. Also einige Kapitel sollten dringendst überarbeitet
werden, damit eine Aktualität garantiert ist und der Leser, der schon über
ein breitgefächerten Wissensstand verfügt, auch noch dazulernen kann und
nicht die Seiten überblättert. Der Ordner kostet 99,- DM mit zwei Disketten,
die - wie ich schon sagte - alle Tools, Programme und erwähnten Beispiele
enthalten. Der Preis ist wegen der teilweise auftretenden Unaktualität
zu hoch, wenn man aber "Hard- und Softwaretuning für den Amiga"
überarbeitet und erweitert, so ist er gerechtfertigt!
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