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»Heute schon gefaxt?
Das Fax-Programm STFax von Simone Tellini
Teil 2: Mehrere Voice-Boxen, Fax-Polling, FAX ON DEMAND, BBS
In der Amiga Aktuell 11/98 konntet Ihr einiges zur Installation und zu den grundlegenden Funktionen Faxversand/-empfang und Anrufbeantworter-Betrieb lesen.
In diesem zweiten Teil soll STFax zeigen, ob es mehr als nur ein simples Fax-Programm ist.
Der Programmautor verspricht viel (siehe Teil 1), nun soll es sich zeigen, ob er im Gegensatz zu vielen Politikern seine Versprechen auch halten kann.
Hier nochmals kurz die wichtigsten Betriebsvoraussetzungen:
Unterstützte Modems: US Robotics, ZyXEL, Dynalink, ELSA, alle Modems mit Rockwell-Chipsatz.
Empfohlen Amiga-Ausstattung: Grafikkarte oder 2MB ChipRAM, um große Faxe anzeigen zu können (ab STFax 3.5 wird FastRAM zur Fax-Anzeige benutzt).
68030/50 als Minimum, um aufgezeichnete Nachrichten des Anrufbeantworters über Amiga-Audio abspielen zu können.
Getestet wurde STFax unter folgenden Bedingungen: AmigaOS 3.1, CyberGFX 3.x, 12+2 MB RAM, 68040/40 Prozessor, MulitFaceCard III, Modem ELSA MicroLink 56k V90.
Beginnen wir mit der Möglichkeit, mehrere Voice-Boxen mit STFax verwalten zu können.
Stellt Euch vor, Ihr besitzt mehrere Anrufbeantworter (z.B. für jedes Familienmitglied einen) und der Anrufer soll anhand einer Begrüßungsansage wählen können, welchem Familienmitglied er auf dessen Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen möchte.
Genau dies ermöglicht STFax ohne jeden zusätzlichen technischen Aufwand. Aber ohne Fleiß keinen Preis. Und ohne Konfiguration keine funktionierenden Voice-Boxen.
Also als erstes die gewünschte Anzahl der Voice-Boxen im Menü-Punkt "Voice/Voice settings..." im Unterpunkt "Voice Boxes" festgelegt. Wichtig ist die Wahl einer passenden ID (Identifikationsnummer) und einem eventuellen Passwort für einen autorisierten Zugriff.
Nun sollte man sich überlegen, welche akustischen Mitteilungen ein Anrufer bei der Auswahl der Voice-Boxen durch STFax vorgespielt werden sollen. Die Aufnahme der Ansagetexte kann wie im Test-Teil 1 beschrieben, am einfachsten über das Modem erfolgen. Voraussetzung ist natürlich ein Micro- Anschluß am oder ein eingebautes Micro im Modem.
Dann wird ein passendes Script erstellt, um den Anrufer an die gewünschte Voice-Box weiterleiten zu können. Dabei hat man mehrere grundsätzliche Möglichkeiten, entsprechende Kommandos in das Script einzubauen. Die Erstellung des Scriptes erfolgt interaktiv im Wechselspiel mit STFax. Man kommt völlig ohne externen Editor o.ä. aus. Leider hält sich die Anleitung in der Beschreibung der einzelnen im Script verwendbaren Befehle mehr als zurück.
Die schon im ersten Test-Teil bemängelte viel zu spartanische Anleitung erschwert hier dem Anwender unnötig eine schnelle und funktionierende Konfiguration.
Auch die deutsche Übersetzung kann da nicht weiterhelfen, da sie lediglich eine 1:1- Übertragung der englischen Originaldokumentation darstellt.
Zwar bietet STFax im "Script"-Fenster auch einen Test des Scriptes an, leider stellte sich bei meinen Versuchen heraus, daß dieser Testmodus rein gar nichts zur tatsächlichen Funktion des Scriptes aussagt. Wer sich hier auf einen erfolgreichen Testverlauf verläßt, ist dann im tatsächlichen Betrieb u.U. verlassen.
Wenn Ihr ein Script erstellt habt, probiert es unbedingt scharf, d.h. mit einem echten Anruf aus! Dazu gehören dann auch solche "Kleinigkeiten" wie das passende Wählverfahren. Als ich meine Voice-Boxen-Konfiguration von einem öffentlichten Telefon aus testete, stellte ich nach vielen mißlungenen Testversuchen fest, daß dieses (eventuell alle?) öffentliche Telefon das Impuls-Wählverfahren als Standard-Wählverfahren benutzt. Und damit ließen sich mehrere Voice-Boxen NICHT zur Zusammenarbeit bewegen. Nachdem ich (kurz vor der Verzweifelung) das Wählverfahren am öffentlichen Telefon auf MFV (Mehrfrequenz- oder Tonwahlverfahren) umstellte, funktionierte es. Bei nur einer Voice-Box (dem "einfachen" Anrufbeantworter) spielte das Wählverfahren keine Rolle.
Zu diesen Besonderheiten findet sich in der Programmbeschreibung kein Wort.
Viele Firmen oder Institutionen stellen diverse Informationen auf Abruf per Telefonnummer zur Verfügung. So kann man z.B. die regional aktuellen Kino- Filme oder die neuesten Wetterdaten nach Anwahl der Telefonnummer als Fax empfangen. Der Amiga- User braucht dazu kein separates Fax-Gerät, denn er hat ja STFax.
Im Haupt- Menü findet Ihr den Punkt "Fax/Abrufen...". Nach Auswahl des Punktes öffnet ein kleiner Requester, dem Ihr nur noch die Telefonnummer des Fax-Dienstes mitteilen müsst, und schon macht sich STFax an die Arbeit, und besorgt Euch die gewünschte Information. Dabei öffnet STFax auf Wunsch auch das Telefonbuch und die Telefonnummer kann, so sie vorhanden ist, mit einem Mausklick ausgewählt werden.
Nach mehr oder weniger langer Zeit (eher mehr, da fast immer der Datentransfer mit 2400 bps abläuft, - ob die Telekom ein wenig dazuverdienen möchte?) wird das gewünschte Fax auf Eurem Rechner angekommen sein.
So weit, so gut- leider ist STFax hier kein echter Könner. Sowie die Faxe den Amiga erreicht haben, verabschiedet sich STFax mit einer Reise ins Nirvana. Wollt Ihr die Faxe dann tatsächlich lesen, steht ein Neustart des Rechners ins Haus.
Simone Tellini weiß von diesem Bug und verspricht für das nächste Update eine Fehlerbeseitigung.
Mit dieser Programmfunktion ist man in der Lage, für Interessenten Faxe auf Abruf bereit zu stellen.
Die für einen Abruf bereitgestellten Faxe werden auch hier über den Menü-Punkt "Voice/Voice settings..." im Unterpunkt "Script" konfiguriert. STFax bietet gleichzeitig die Möglichkeit, den Anrufer akustisch zum für ihn interessanten Fax zu leiten. Über beliebig gestaltbare Ansagetexte kann der potentielle Fax- Interessent mit Hilfe seiner Telefontastatur das gewünschte Fax auswählen. Ohne weiteres läßt sich dabei der FAX ON DEMAND-Dienst mit einem VoiceBox-Betrieb oder der Weiterleitung des Anrufes an eine reale Person (dem sog. Operator) kombinieren.
Leider war es nicht möglich, diese Funktion vollständig zu testen. Es konnte zwar ansagetext-gesteuert das gwünschte Fax ausgewählt werden, die eigentliche Fax- Übertragung verweigerte STFax jedoch.
Da nicht jedes Modem für diese Betriebsweise geeignet ist, habe ich den ELSA-Support kontaktiert.
Die Dame am Support-Telefon versicherte, das MicroLink 56k sei technisch in der Lage, den FAX ON DEMAND-Dienst bereitzustellen. Es soll z.B. mit WinFax möglich sein.
Aber auch Nachfragen beim Programmautor Simone Tellini brachten bisher keine Lösung mit STFax.
Offen bleibt, ob STFax oder das Modem für die Fehlfunktion verantwortlich ist.
Eine Programmfunktion, die mit dem Versenden und dem Empfang von Fax- Nachrichten nichts zu tun, aber dennoch eine interessante Zugabe darstellt, ist die Möglichkeit, eine Mini-BBS einzurichten.
Mit dieser Mailbox soll es möglich sein, einem Besucher selbiger unabhängig vom Internet die Möglichkeit zu geben, Daten verschiedenster Art (Texte, Bilder, Patches, Programme,...) von dieser Mailbox herunter oder auf diese hinauf laden zu können. Für diese Zwecke können sogenannte Bretter, die man sich als Schublade einer Festplatte vorstellen kann, eingerichtet werden. Dabei ist es möglich, bestimmten Brettern nur beschränkten Zugriff über ein Passwort zuzuweisen.
Dies geschieht über den Menü-Punkt "Preferences/BBS Settings...".
Hat man die BBS-Funktion aktiviert und ein oder mehrere Bretter eingerichtet, kann man den Brettern downloadbare Dateien zuweisen. Ein Klick auf die rechte Maustaste und ein PopUp-Menü ermöglicht das Hinzufügen, Entfernen und Umbenennen von Dateien im ausgewählten Brett.
Das Brett "Uploads" ist bei der Einrichtung der Mailbox leer und nimmt die vom Anrufer gesendeten Dateien auf.
Auch in diesem Punkt war bisher leider ein erfolgreicher Test nicht möglich. Die Mailbox läßt sich einrichten, bei einem Anruf von einem externen Rechner wird dieser von STFax als "Daten-Ruf" identifiziert, ein sichtbares Einloggen in die Mailbox war bisher jedoch nicht möglich. Der Datei STFax.Log ist zu entnehmen, daß STFax den "Daten-Ruf" beantwortet, ein Menü mit den verfügbaren Brettern anbietet, dann jedoch auflegt. Im Terminalprogramm des anrufenden Rechners ist jedoch keinerlei Rückmeldung der STFax-Mailbox wahrnehmbar. Dabei spielt es keine Rolle, ob in den Preferences "FAX/DATA" oder "DATA ONLY" eingestellt ist.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen brachte auch eine Rückfrage beim Autor Simone Tellini bisher keine Lösung.
STFax macht in der Version 3.5 einen durchwachsenen Eindruck.
Auf Anhieb war ein problemloser Fax- und Anrufbeantworterbetrieb, mit etwas mehr Mühe auch mit mehreren VoiceBoxen, zu realisieren.
Für viele Anwender sicher schon ein ausreichender Funktionsumfang. Und damit einen Kauf wert.
Für die besprochenen Grundfunktionen ist der Kaufpreis aus meiner Sicht jedoch zu hoch.
Hier wäre es sinnvoll, STFax in zwei Versionen- ein deutlich preiswerteres STFaxLite mit den Grundfunktionen Fax/Anrufbeantworter und ein STFaxPro inclusive aller Funktionen in der jetzigen Preislage anzubieten. Sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, stellt sich das Bild schon etwas anders dar.
Einige Funktionen, wie die Freisprech- und FAX ON DEMAND-Möglichkeit, sind aus technischen Gründen (Chipsatz Modem) nicht mit jedem der als unterstützt aufgeführten Modem möglich sein.
Diesen Sachverhalt konnte ich den Werbetexten und der Programmdokumentation nicht entnehmen.
Unangenehm für denjenigen, der sich STFax aus den angeführten Gründen gekauft hat und nun feststellen muß, daß er mit seinem eigentlich STFax- tauglichen Modem diese Funktionen nicht nutzen kann.
Die implementierte Möglichkeit, erstellte Scripte im Voice-Breich zu testen, hat sich als unbrauchbar erwiesen. Soll die Funktionsfähigkeit überprüft werden, ist ein erheblicher Aufwand notwendig. Man benötigt zwingend ein (externes oder Funk-) Telefon und einen externen Rechner. Da aus der Anleitung kaum Hilfe erwartet werden kann und viele Funktion nach der Versuch-Irrtum-Methode abgearbeitet werden müssen, ist die Gefahr groß, in der Verwandschaft/Bekanntschaft mit "der sich 'nen Wolf läuft" betitelt zu werden.
Die Bedienungsanleitung wie auch die Sprechblasenhilfe bedürfen einer gründlichen Überarbeitung und Ausweitung.
| Demoversion (V 3.3b): |
| im Aminet oder auf der Aminet- CD 27 unter biz/demo/STFaxProDemo.lha |
| Einschränkungen der Demoversion: |
| - nach 2 Stunden beendet sich STFax, |
| - auf 30 Tage Nutzungsbeschränkung des kompletten Programms, |
| - nur 1 Voice- Box, |
| - der Text "Using STFax Demo" bzw. "STFax Lite" wird auf jeder Fax- Seite |
| ausgegeben. |
Vollversion (V 3.5): Diverse Amiga- Händler, z.B. Haage&Partner (http://haage-partner.com), ADX (http://www.adx.de).
Mailing Liste:
stfax-request@vapor.com (mit einem ADD als Inhalt der Mail).
Teil 1 des STFax- Tests in Amiga Aktuell 11/98: "Installation und grundlegende Funktionen Faxversand/-empfang und Anrufbeantworter"
Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«