Testberichte

2. Softwaretest: STFax (von Uwe Pannecke, Testexemplar von Ferst Computer)

»Heute schon gefaxt?

Das Fax- Programm STFax von Simone Tellini

Teil 1: Installation und grundlegende Funktionen Faxversand/ -empfang und Anrufbeantworter

(Teil 2: Mehrere Voice- Boxen, Fax- Polling, Fax- on- demand, BBS in der nächsten aakt.)

Nach einem Zwischenspiel als Shareware- Version und immer weiter anwachsender Komplexität und Funktionalität entschloß sich Simone Tellini, STFax als kommerzielles Programm zu vermarkten.

Haage & Partner Computer GmbH hat den weltweiten (außer UK) und damit auch deutschen Vertrieb übernommen.

Der Käufer erhält für knapp 100,- DM als materiellen Gegenwert eine CD- Hülle, aber keine CD, dafür zwei Disketten, die alle notwendigen Dateien enthalten.

In den System- Anforderungen hält sich STFax in der Dokumentation recht bedeckt.

Auf der Haage&Partner- Homepage sind dann doch noch weitere Angaben zu finden:

System- Voraussetzungen: 
Amiga mit 68000 CPU, 
AmigaOS 2.04+, 
2 MB FastRAM, 
1 MB ChipRAM, 
Festplatte. 
 

Unterstützte Modems: US Robotics, ZyXEL, Dynalink, ELSA, alle Modems mit Rockwell-Chipsatz.

STFax unterstützt derzeit keine ISDN-Modems oder -Karten.

Es ist noch nicht klar, ob dies in späteren Versionen implementiert werden kann.

Empfohlen Amiga- Ausstattung: Grafikkarte oder 2MB ChipRAM, um große Faxe anzeigen zu können (ab STFax 3.5 wird FastRAM zur Fax- Anzeige benutzt).

68030/50 als Minimum, um aufgezeichnete Nachrichten des Anrufbeantworters über Amiga- Audio abspielen zu können.

STFax bietet (zumindest in der Werbung) umfangreiche Möglichkeiten:

FAX-Funktionen der Fax- Klassen (1, 2, 2.0), 
- ein Adreßbuch, 
- zeitgesteuertes Faxen, 
- Reporte, 
- unterstützt Datatypes zur Bildkonvertierung, 
- Anzeige der verschickten und eingegangenen Faxnachrichten, 
- Fax-Weiterleitung. 
 
"Voice"-Funktionen: 
- digitaler Anrufbeantworter, 
- Faxabruf-System (Fax-On-Demand), 
- sprachgesteuertes Informationssystem (Voice Mailbox), 
- Modem als Telefon, 
- Fernabfrage eingegangener Nachrichten, 
- Anrufer-Kennung. 
 
Mailbox-System: 
- ein oder mehrere gesicherte Zugänge/Bereiche, 
- erlaubt den Benutzern das laden/speichern von Dateien und Nachrichten, 
- einstellbare Menüs und Begrüßungstexte. 
 

Für diesen Test stellte freundlicherweise die Firma Ferst- Computer (http://www.ferst.com) STFax in der Version 3.2 zur Verfügung. Ich habe außerdem die im Aminet verfügbaren Patches genutzt und konnte somit STFax in der Version 3.5 unter die Lupe nehmen.

Wer Interesse an diesem Programm hat, kann fast alle Funktionen mit der im Aminet frei erhältlichen Demo- Version (V3.3b) ausprobieren.

Installation

Mit Hilfe des Installers stellt sie selbst für Laien kein Problem dar. Neben dem eigentlichen Programmpaket benötigt STFax zwingend MUI in der Version 3.8 oder höher.

Wenn Ihr MUI (immer) noch nicht auf Eurem Rechner für ein magisches User- Interface schuften laßt, ist dies ein weiterer Grund, dieses Versäumnis sofort nachzuholen.

Um hier nicht lange im Aminet oder auf den Aminet- CD's herumwühlen zu müssen, ist eine der beiden Disketten des STFax- Paketes MUI gewidmet.

Screenshot

Dann sollte auch MUI als erstes installiert werden. Doch auch bei bereits im System vorhandenem MUI werdet Ihr nicht umhin kommen, diese zweite Diskette in ein passendes Laufwerk zu schieben. Denn STFax geht auf Nummer sicher und fordert den Installer von der Diskette 2 (MUI).

Für Amiga- Programm unüblich liegt das STFax- Paket als tgz- Archiv vor. Dies spielt für den Anwender jedoch keine Rolle, denn das mitglieferte untagz und der Installer verschaffen nach kurzer Zeit dem Programmpaket eine neue Residenz auf einer Festplatte(npartition) Eurer Wahl. Während der Installation müßt Ihr noch Euren Namen, Eure Firma (oder anstelle der nicht vorhandenen Firma z.B. die Eingabe Privat) sowie die Registriernummer der Installationsroutine mitteilen.

Neben der STFax- Schublade wird ein neuer Druckertreiber nach Devs: kopiert und den Datatypes ein STFax- Datentyp hinzugefügt. Damit ist es auch anderen Programmen (z.B. Multiview) möglich, diese Faxe anzuzeigen bzw. zu verarbeiten.

Desweiteren wird der User- Startup ein Assign auf die STFax- Schublade hinzugefügt.

Auf Wunsch kopiert der Installer noch einige Zugaben. So verschiedene Konverter, um GPFax- und MultiFax- Files ins STFax- Format und STFax- eigene Faxe in PS- Dokumente zu wandeln.

Nach der erfolgreichen Installation solltet Ihr vor dem ersten STFax- Probelauf Euren Rechner rebooten. So wird eine Abarbeitung des Assigns in der user- startup sichergesetellt.

Programmbeschreibung

Jetzt aber soll STFax zeigen, was in ihm steckt. Also Modem auf EIN und STFax gestartet.

Nach kurzer Zeit erscheint ein ansprechendes und übersichtliches GUI (dank MUI).

Screenshot

Die wichtigste Arbeit steht nun bevor- die Konfiguration des Programms. Denn ohne passende Einträge passiert gar nichts.

Konfiguration Fax- Betrieb

Unter dem Menü- Punkt "Preferences" werden viele elementaren Einstellungen vorgenommen. Als erstes sollte man den Menü- Unterpunkt "Settings" aufrufen.

Im Abschnitt "Fax" werden die Fax- Parameter wie Absendername, Fax- und Telefonnummer, eventuell Kopf- und Fußzeilen, Blattränder, die Linien pro Blatt, Auflösung und Paginierung (Seitenzahl angeben oder nicht) eingestellt.

Screenshot

Ihr solltet sorgsam mit der Verteilung der eigenen Fax- Nummer umgehen. Jeder Empfänger rechnet damit, Euer (scheinbar) vorhandenes Faxgerät 24 Stunden am Tag erreichen zu können. Und wenn der Amiga nur für kurze Zeit am Tag in Betrieb ist, kann es hier schnell zu unnötigen Irritationen und Frustationen kommen.

Eine sehr wichtige Einstellung erfolgt im Abschnitt "Modem". Hier ist zwingend die Schnittstelle (Device), z.B. "seriell" für die interne, oder wie in meinem Beispiel "duart" für eine MultiFaceCard III, mit der passenden Unit, z.B. "0", zu wählen.

Außerdem benötigt STFax einen passenden "Init- String", d.h. eine Initialisierungssequenz, um das Modem für den Fax-/ Voice- Betrieb zu aktivieren.

Damit dies nicht zu einfach wird, haben viele Modem- Hersteller für ihre Geräte individuelle "Init- Strings" vorgesehen. STFax versucht, dem Anwender unter die Arme zu greifen und stellt für verschiedene Modems passende Sequenzen zur Verfügung.

Screenshot

Voreingestellt ist bei Programmstart "Default". Mit diesem "Init- String" konnte mein ELSA Microlink 56k ohne weiteres im Fax- und Voice- Betrieb erfolgreich mit STFax zusammenarbeiten.

Sollte Euer Modem nicht mit den voreingestellten oder auswählbaren "Init- String"s zusammenarbeiten, hilft häufig ein tiefer Blick in das Modem- Handbuch. Ich fand in meinem einen für mein Modem vom STFax vorgegebenen abweichenden Init- String für den Fax- Betrieb. Auch mit diesem speziellen ELSA Microlink- Init- String arbeiteten STFax und Microlink einträglich zusammen.

Als Wählverfahren (Dial Mode) sollte Tonwahlverfahren eingestellt werden. Alle anderen Einstellmöglichkeiten kann man für den grundlegenden Betrieb vorerst auf Vorgabe belassen und später an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Unter "Misc" solltet Ihr nun u.a. einstellen, ob das Modem automatisch jeden Anruf entgegennehmen soll (Gadget "Auto Answer"), ob die Fax- und/oder Anrufbeantworter- bzw. Daten- Funktion durch das Modem übernommen werden soll und welchen Umfang das Log- File aufweisen soll.

Dieses Log- File kann eine Hilfe bei auftretenden Fehlern sein. Denn in dieser im Verzeichnis STFax abgespeicherten Datei werden alle Aktivitäten des Programms aufgezeichnet. Wie umfangreich die Aufzeichnungen sein sollen, kann unter dem Punkt "Log" ausgewählt werden.

Die Wahlmöglichkeiten reichen von kein Log- File über short (kurz), medium (mittel), verbose (wortreich) bis debug (sehr ausführlich für Fehlersuche).

Screenshot

Konfiguration Anrufbeantworter- Betrieb

Um STFax neben den Fax- Funktionen auch als Anrufbeantworter einsetzen zu können, sind nun noch einige Einstellungen im Voice- Teil notwendig. Dazu wird aus dem Menü "Voice" der Unterpunkt "Voice- Settings..." aufgerufen.

Hier begegnet uns für die Grundfunktion Anrufbeantworter das zweite wichtige Konfigurationsfenster.

In der Liste sind unter "Messages" einige Einträge zu finden. Um STFax eine vom Telefon gewohnte Anrufbeantworterfunktion unterzuschieben, ist der erste Eintrag "Greetings" zwingend notwendig.

Dieser muß nun eine Stimme bekommen. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

Die effektivste könnt Ihr nutzen, wenn Euer Modem ein eingebautes Mikrofon besitzt.

Stellt die Record- Option auf Microphone, und schon kann nach Anklicken des Record- Buttons der gewünschte Ansagetext (z.B. "Keiner da. Nachricht kann nach dem Signalton hinterlassen werden.") live aufgezeichnet werden. Die erreichbare Qualität ist dabei erstaunlich gut.

Screenshot

Wenn das Modem nur einen Mikrofon- Eingang besitzt, muß erst noch ein passenden Mikro eingestöpselt werden.

Nach erfolgter Aufnahme kann selbige sofort mit Hilfe des Play- Buttons überprüft werden.

Dabei kann die Audio- Ausgabe über Amiga- Audio, AHI oder auch Kopfhörer bzw. interner Lautsprecher des Modems erfolgen.

Im Gegensatz zu den Aussagen einiger Testberichte (AmigaPlus 8/98, AmigaTimes 04/98) speichert STFax offensichtlich weder die aufgezeichneten "Messages" noch die eingegeangenen Nachrichten im Wave- Format. Und diese sind damit auch nicht mit dem Wave- Datatype durch Fremdprogramme abspielbar/ bearbeitbar.

Will man diese Nachrichten jedoch im genannten Format besitzen, bietet STFax über ein PopUP- Menü (rechte Maustaste) ein Speichern als Wave- Datei an.

Screenshot

Die voreingestellten Werte in den Unterpunkten "Voice Boxes" und "Script" sind für den einfachen Anrufbeantworter- Betrieb gut nutzbar und brauchen nicht unbedingt verändert werden.

Screenshot

Dennoch könnt Ihr natürlich jederzeit den Namen der Voice- Box oder die maximale Aufzeichnungsdauer u.s.w. den eigenen Bedürfnissen entsprechend ändern.

Und diese "Voice- Settings" sind das Tor zu Spezialitäten wie mehrere Anrufbeantworter- Boxen, Fax- on- Demand, ein sprachgesteuertes Informationssystem oder BBS- Betrieb.

Doch dazu im zweiten Teil in der nächsten Amiga aktuell mehr.

Screenshot

Um eingegeangene Nachrichten abzuhören, ist im Voice- Menü die passende Ausgabe einzustellen.

Auch hier sind wieder mehrerere Möglichkeiten auswählbar.

Screenshot

Nutzung

Vor jedem STFax-Start sollte vorher Euer Modem betriebsbereit sein. Denn mit dem Programmstart fragt STFax das Modem ab und übermittelt ihm eine (hoffentlich) passende Initialisierungssequenz.

Das Erstellen der zu versendenen Faxe kann mit STFax selbst oder mit jedem Programm erfolgen, daß seine Daten an einen Workbench- Drucker(treiber) übergeben kann.

In diesem Augenblick schaltet sich der STFax- Druckertreiber ein, fängt die Druckdaten ab und wandelt sie in ein mit STFax versendbares Format. So kann bequem aus z.B. einer Textverarbeitung heraus im WYSIWYG- Modus ein Fax erstellt und an STFax übergeben ("gedruckt") werden. Oder ein eingescanntes Dokument vom Scanprogramm direkt an STFax weitergeleitet werden, oder ein im Malprogramm gerade erstellter Comic STFax als Zwischenhändler anvertraut werden. Oder.... Oder....

Erfolgreich getestet wurde das Drucken in ein Fax mit FinalWriter, GoldED, ScanQuix, XiPaint und MetaView.

Im entprechenden Fax- Verzeichnis angekommen, erlaubt STFax eine umfangreiche Einflußnahme auf das soeben erstellte Fax. Einerseits wird man nicht umhin kommen, die Telefax- Nummer des Empfängers einzugeben oder bequem aus einem vorher erstellten Telefonbuch auszuwählen.

Screenshot

Andererseits ist es u.a. möglich, dieses Fax noch einmal visuell zu kontrollieren, ein Titel voranstellen zu lassen, oder auch ein zeitversetztes Versenden (Schedule) des Faxes festzulegen.

Auf Anhieb konnten Faxe versendet und empfangen werden, speicherte der Anrufbeantworter eingehende Nachrichten. Diese Nachrichten des Anrufbeantworters lassen sich per Doppelklick über Amiga- Audio anhören oder auch bei Bedarf als Wave- Datei abspeichern.

STFax lädt bei Betätigung der Helptaste die Online- Dokumentation als Amigaguide- Dokument.

Dabei wird die Mausposition leider nicht abgefragt (um z.B. gezielt zu einem unklaren Detail der Programmoberfläche eine Hilfestellung zu erhalten), d.h. man landet grundsätzlich auf der Startseite der Hilfe- Datei.

Überhaupt ist die Programmdokumentation ein großer Schwachpunkt des Programmpaketes.

Solange bei der Konfiguration oder Bedienung des Programms alles glatt läuft, stört dies nicht weiter. Braucht man jedoch Hilfestellung, steht man oft völlig im Regen. Für ein kommerzielles Programm ist die vorhandene Dokumentation unzureichend.

Da hilft es auch nichts, das der Programmautor die Dokumentation noch einmal im HTML- Format abgeliefert hat- denn diese ist zum einen nicht auf dem aktuellen Stand, enthält die gleichen Schwächen und liefert noch zusätzlich neue, in dem z.T. Bilder zur Verdeutlichung angeboten werden, die eher zur Verwirrung beitragen.

Auch einen Index sucht man in der Anleitung vergeblich.

Haage&Partner's Angebot, nach Einsendung der Registrierungskarte eine deutsche Katalogdatei und Anleitung downloaden zu können, ist da nur ein schwacher Trost. Besser wäre es, dem potentiellen Käufer schon in der DemoVersion eine (auch deutsche) ausführliche Anleitung zur Verfügung zu stellen.

Da STFax MUI als Benutzeroberfläche nutzt, steht dem Anwender potentiell als Gedankenstütze die Sprechblasenhilfe zur Verfügung (d.h. Maus über einen unklaren Bedienpunkt- und nach kurzer Zeit erscheint eine Sprechblase mit Kurzanleitung). Leider ist diese Hilfefunktion in STFax völlig inkonsequent nur auf einige scheinbar willkürlich ausgewählte Bedienelemente beschränkt.

Fazit (Für die Grundfunktionen in diesem ersten Test- Teil)

STFax ist erwachsen geworden, sowohl bezogen auf die Leistungsfähigkeit wie auch auf den Preis.

Auf Anhieb war ein problemloser Fax- und Anrufbeantworterbetrieb zu realisieren.

Diese Grundfunktionen beherrscht STFax sicher. Und für viele Anwender wäre damit auch schon ein ausreichender Funktionsumfang gegeben.

Für die besprochenen Grundfunktionen ist der Kaufpreis aus meiner Sicht jedoch zu hoch.

Hier wäre es vielleicht sinnvoll, STFax in zwei Versionen- ein deutlich preiswerteres STFaxLite mit den Grundfunktionen Fax/ Anrufbeantworter und ein STFaxPro inclusive aller Funktionen in der jetzigen Preislage anzubieten.

Die Bedienungsanleitung wie auch die Sprechblasenhilfe bedürfen einer gründlichen Überarbeitung und Ausweitung.

Bezugsquellen

Demoversion (V 3.3b): 
im Aminet oder auf der Aminet- CD 27 unter biz/demo/STFaxProDemo.lha 
Einschränkungen der Demoversion: 
- nach 2 Stunden beendet sich STFax, 
- auf 30 Tage Nutzungsbeschränkung des kompletten Programms, 
- nur 1 Voice- Box, 
- der Text "Using STFax Demo" bzw. "STFax Lite" wird auf jeder Fax- Seite 
ausgegeben. 
 

Vollversion (V 3.5): Diverse Amiga- Händler, z.B. Haage&Partner (http://haage-partner.com), ADX (http://www.adx.de).

Mailing Liste: stfax-request@vapor.com (mit einem ADD als Inhalt der Mail).

Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«