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7. Kommentar zum Napalm-Test von Manni Froitzheim (von Wolfgang W. Wolber)

Hier also meine Meinung zum Streit um die Qualitaet von Napalm:

Ich denke, es kommt immer darauf an, mit welchem Erwartungen man an ein Spiel herangeht, so kann ich zB den ganzen Hype um Adventures wie Monkey Island 3 nicht verstehen, weil ich mit dem Spielprinzip nichts anfangen kann. Ich habe zwar auch schon ein paar Adventures (mit Hilfe von Komplettloesungen ;-) ) gespielt und mich dabei durchaus ueber die eine oder andere Storyline gefreut, aber ich habe einfach nicht genug Geduld, um mich stundenlang mit diversen, IMHO teilweise unlogischen, Raetseln rumzuplagen. Ich kann aber durchaus verstehen, dass man mit solchen Spielen viel Spass haben kann, (wenn man eben weiß, was einen erwartet) und wuerde deshalb nie zum Publisher eines Adventures sagen, solche Spiele zu veroeffentlichen, sei eine Unverschaemtheit, nur weil es mir aufgrund des Spielprinzips nicht gefaellt.


Manni und Aicke duerften wohl vermutlich mit falschen (zu hohen ?) 
Erwartungen an Napalm herangegangen sein und da konnte eine Enttaeuschung 
nicht ausbleiben.  

Manni vergleicht das Spiel z.B. u.a. mit Civilization -nun, das ist ein rundenbasiertes (trotzdem geniales) Strategiespiel. Der Vergleich mit einem Echtzeitstrategical hinkt also etwas- und gibt auch zu, C&C nicht zu kennen bzw. nicht gespielt zu haben.

Ein Hauptkritikpunkt ist/war deshalb wohl der Begriff "Strategiespiel" bzw. die Tatsache, daß eine Strategie beim Spielprinzip von Napalm nicht ersichlich sein soll.

Nun, im Vergleich zu komplexen Spielen wie Civilization trifft dies wohl durchaus zu, die Hauptstrategie bei Napalm besteht eben daraus, eine Basis aufzubauen, Einheiten zu erschaffen und letztere zum Schutz der Basis und zum Angriff richtig einzusetzen.

Weitere Strategien wie Buendnisse, Ausnutzen des Gelaendes etc. existieren (zumindest soweit ich das bei den von mir gespielten Missionen feststellen konnte) nicht.

Bloß: das ist kein spezifischer Nachteil von Napalm, sondern eben typisch für das heutige Genre der sog. Echtzeitstrategiespiele (Dune2 und Command&Conquer sehen diesbezueglich nicht anders aus), die man vielleicht eher als strategisch angehauchte Ballerspiele bezeichnen sollte. Demnach sollte eine Bewertung auch unterdiesem Gesichtspunkt erfolgen.

Ich selbst besitze Command & Conquer für den Sega Saturn und muss im direkten Vergleich sagen, dass Napalm da durchaus mithalten kann. Was ich kritisieren koennte, waere, dass z.B. "Dune 2" ueber 3 Spielparteien verfuegte und es bei dem guten alten "Megalomania" ebenfalls mehr als ein Gegner existierte und man darueber hinaus mit einem von diesen Buendnisse gegen die anderen schliessen konnte; solche Features haetten Napalm sicher nicht geschadet, ...aber C&C hatte als Nachfolger von Dune2 ja auch nur einen Gegner zu bieten und ein Clone muss da wohl genauso aussehen (siehe oben, zu dem Punkt "Clones" komme ich spaeter nochmal)

Die Kritik wg. dem fehlenden Zweispielermodus mag gerechtfertigt sein, nur wie soll das ausser mit Nullmodemkabel oder ueber Netzwerk/internet zufriedenstellend funktionieren, etwa mit Splitscreen ?

Sicher haben Manni und Aicke recht, wenn sie sagen, dass es nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, wenn wir auf dem Amiga nur Clones erfolgreicher PC-Spiele spielen koenen, aber ich denke, wenn wir den Peezehlern und Konsoleros (Beruflich muss ich an einem PC unter OS2/Warp und Windows 3.11 arbeiten und da habe ich speziell beim sog.Multitasking schon so einige Überraschungen erlebt, ab und an kann ich am PC meines Schwagers mal ein Spiel testen, ausserdem besitze ich neben dem CD32 und dem Saturn auch eine PSX; ich weiss also, wovon ich rede, aber irgendwie machen mir Amigaspiele oft mehr Spass als die Konsolen-Grafikoverkills) beweisen koennen, zu was unsere veraltete Kiste noch faehig ist, ist das wohl kein Fehler.

Aehnlich beurteile ich uebrigens auch die derzeit erhaeltlichen Umsetzungen aelterer 3D-Shooter von ID-Software; auch hier hiess es vor 5 Jahren "geht nicht auf dem Amiga" und jetzt koennen die Dinger zT durchaus mit den (teilweise fuer damalige HighTech-Kisten programmierten) Originalen mithalten.

Und sind wir doch ehrlich: Wintel-PCs verkaufen sich, ausser aufgrund des Gates-Monopols doch wohl auch, wegen der dafuer erhaeltlichen Spiele und wenn ich mich in Software-Shops umsehe, stehen da hauptsaechlich Strategiespiele ala C&C sowie Ego-Shooter in den Regalen (sofern letztere nicht indiziert sind), da ist es doch, auch wenn das Image des Amiga als Spielekiste zweifelhaft ist, eventuell schon ein Argument, einem Aussenstehenden oder einem zweifelnden Noch-Amiganer sagen zu koennen, dass es qualitativ vergleichbare Spiele auch fuer unsere Freundin gibt.

Allerdings denke ich auch, dass das, was der Amiga braucht, ein absolutes, fuer andere Plattformen nicht erhaeltliches Killerprogramm ist, egal, ob Spiel oder Anwendung, dass dann allerdings auch entsprechend promotet werden muesste, um es auch Leuten ausserhalb der Amiga-Community bekannt zu machen.

Gerade in meinem beruflichen Umfeld stelle ich fest, daß sich der Grossteil meiner Kollegen schon darüber wundert, dass unsere PCs kein Windoze95 haben, weil sie als Normaluser einfach nix anderes kennen, wie soll man dann erklären, dass es da Computer gibt, die absolut Gates-frei sind ?

Zu den neuesten Aussagen von Manni kann ich leider nix sagen, da ich erst einen Robot-Level angespielt habe und ich gerade keine 2 fuer Napalm ausreichende Amigas zum Vernetzen habe (ein 4000er mit PPC604/200 und PicassoIV wartet gerade bei KDH auf mich, bis dahin muss mein alter Commo1200er mit Blizzard 1230-IV ausreichen, mein 600er und das CD32 sind leider fuer das Spiel ungeeignet) Aber auf jeden Fall klingen seine neuen Anmerkungen fuer mich wesentlich sachlicher als sein erster Test. Und eine eigene, von der Masse abweichende Meinung gestehe ich, wie bereits gesagt, jedem zu ;-),solange das nicht in billige Polemik ausartet (schliesslich haben wir Amiganer in den Augen der PeeZehler eh alle ne Macke)

Lange Rede, kurzer Sinn: ich halte napalm trotz der genannten Kritikpunkte (im Vergleich zu andren Spielen dieses Genres) fuer ein sehr gutes Spiel, moechte aber trotzdem Leuten wie Manni und Aicke nicht meine Meinung aufzwingen, da ich einige ihrer allgemeinen Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann und aus Ihrer Sichtweise heraus evtl. wirklich keine bessere Wertung rauspringen kann.

Ich wuensche mir lediglich eine sachliche Auseinandersetzung (sowohl bei denen, die über das Spiel so denken wie ich als auch bei Andersdenkenden) mit dem Thema und wie mir scheint, ist Manni da bereits auf dem richtigen Weg ;-). (Wenn ich mir allerdings einige "Softwareperlen" wie z.B. das Intro zu Gloom3 ansehe bzw. anhoere, faellt es mir auch schwer, sachlich zu bleiben :)) )

Wolfgang W. Wolber <Wolfgang.Wolber@okay.net>

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