|
|
| » |
Gleich als Erstes: Liebäugelt Ihr mit der Selbsterstellung von CDs, solltet Ihr Euch unbedingt VOR (!!) dem Brenner-Kauf schlau machen, welcher Recorder von welcher Software unterstützt wird. Macht Ihr das nicht, kann ein vermeintliches Brenner-Schnäppchen zum kapitalen Fehlkauf mutieren. Nicht jeder Brenner wird von den Amiga-Softwarepaketen unterstützt oder bereitet eventuell Schwierigkeiten und produziert "verbrannte" CD's.
Nach zähen und letztendlich erfolgreichen Verhandlungen mit einem fast weltweit bekannten Mann werkelt seit dem 24. Dezember des letzten Jahres ein CD-RW-Brenner Ricoh MP6200S in meinem Amiga. Bei diesem Brenner handelt es sich um ein 2x2x6-Gerät, d.h. CD-RW und CD-R können mit zweifacher Geschwindigkeit beschrieben, fertige CDs mit sechsfacher Geschwindigkeit gelesen werden.
Natürlich kann der Amiga mit dem Brenner pur nicht allzuviel anfangen, und so mußte noch die passende Software her. Ich habe mich für MakeCD von Angela Schmidt und Patrick Ohly entschieden.
MakeCD ist Shareware. Die nutzbare Demo-Version besitzt jedoch nur geringe Einschränkungen und kann deshalb für eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit gut getestet werden. Im Vergleich mit der registrierten Version weist die unregistrierte Version folgende Einschränkungen auf:
| · | Beim Erstellen des Images kann der Name der erzeugten CD-ROM nicht |
| frei gewählt werden. Hier erscheint der Volume-Name UNREGISTERED. | |
| Außerdem kann "Publisher" nicht angegeben werden. | |
| · | Es können maximal 10 Tracks auf eine CD-R gebrannt werden. |
| · | Im Disc-At-Once (DAO)-Modus kann nur im Testmodus gebrannt werden. |
| (Im Track-At-Once (TAO)-Modus kann die unregistrierte Version von | |
| MakeCD sowohl im Test-Modus als auch richtig brennen). | |
Der CD-RW-Brenner wurde gemeinsam mit MakeCD auf einem A3000 mit eingebautem SCSI-Hostadapter, geupdatetem SCSI-Chip (WD 08), 12 MB RAM und einem 040/40 Prozessor unter CyberGFX v3 und einem fast vollständig bestücktem SCSI-System (6 angeschlossene Geräte) getestet.
2.1 Hardware
Der Brenner läßt sich genauso einfach wie jedes andere SCSI-Gerät dem System hinzufügen. Neben der mechanischen Befestigung ist nur noch die passende ID und Terminierung des SCSI-Stranges zu beachten. Fertig.
2.2 Installation Software
MakeCD ist auch ohne separate Installation aus dem entpackten lha- (Aminet) bzw. tar.gz-Paket (Diskette) lauffähig, dennoch bietet sich eine Festplatten-Installation an.
Sie erfolgt einfach und bequem mit Hilfe des Installers. Während der Installation wandert MakeCD mit den zusätzlich notwendigen Daten in ein eigenes Verzeichnis auf eine Festplatte(npartition) Eurer Wahl.
Wollt Ihr MakeCD aus dem Aminet installieren, empfiehlt es sich, zusätzlich die deutsche Locale-Datei sowie die deutsche Dokumentation herunter zu laden. Wurde die MakeCD-Diskette geordert, befindet sich das komplett eingedeutschte Paket auf selbiger.
Zusätzlich stellt MakeCD einige Goodies zur Auswahl, die für den Betrieb nützlich sein könnten.
Außerdem kann bereits während der Installation der passende Brenner-Treiber ausgewählt werden.
Nach wenigen Minuten hat MakeCD ein neues Zuhause auf der Festplatte und kann auf seinen Einsatz vorbereitet werden.
3.1 Programmoberfläche
MakeCD benutzt die Triton.library von Stefan Zeiger, dementsprechend erscheint auch die (Standard-) Oberfläche. Die GUI ist funktional und übersichtlich, wenn auch eine große Anzahl an Fenster und fast schon nicht mehr überschaubare Konfigurationsmöglichkeiten beim ersten Einsatz schnell Verwirrung stiften können.
Als Anfänger sollte man auch die entsprechende Einstellung "Anfänger" im Fenster "Globale Einstellungen" wählen, um so etwas mehr Anfangs-Übersicht zu erhalten.
Hilfreich ist in der Grundkonfiguration die aktivierten Online-Hilfe, ähnlich Bubble-Help in MUI-Programmen.
Da MakeCD eine sehr umfangreiche Einflußnahme auf die Gestaltung der zu brennenden CD gestattet, soll an dieser Stelle lediglich exemplarisch das Brennen einer Daten-CD angerissen werden.
3.2 Brennen am Beispiel einer Daten-CD
Als erstes ist MakeCD an die vorhandene Hardware anzupassen. Neben dem(n) Lese-und Schreibgerät(en) z.B. die Benutzerstufe, zusätzlich zu verwendender Pufferspeicher und die Audio-Ausgabe (wichtig nur bei der Erstellung/Testen von Material für Audio-CD).
Obwohl in der Anleitung ausdrücklich auf mögliche Probleme bei der Nutzung eines gemeinsamen SCSI-Hostadapters für Brenner und Festplatte(n) hingewiesen wird, konnten im vorliegenden Fall beide friedlich auf einem Hostadapter koexistieren.
Es ist unbedingt ratsam (nicht nur bei eventuell hierbei auftretenden Problemen), die Anleitung intensiv zu studieren. So läßt sich schon im Vorfeld oft die eine oder andere "verbrannte" CD vermeiden.
Nach der Wahl passender Grundeinstellungen kann es an die erste selbstgebrannte CD gehen.
Dazu muß MakeCD wissen, wieviel Tracks auf die CD gebrannt werden sollen und was tatsächlich in den Tracks an Daten enthalten sein soll. Ein Klick auf "Neu" erzeugt den noch leeren Track 1 "Daten (Mode 1)".
Nun könnt Ihr unter Track-Optionen MakeCD mitteilen, welcher Art die Datenquelle und das Datenziel sein soll. Als Quelle können z.B. eine vorher von MakeCD angelegt Image-Datei, ein Track einer zu kopierenden CD, ein Dateisystem (d.h. der Inhalt einer Festplatte/Schublade) oder auch ein Block-Medium angegeben werden.
Als Ziel dient entweder auf direktem Weg die CD, eine zu erstellende Image- Datei oder ein Block-Medium.
Im dargestellten Beispiel sind als Quellen mehrere Festplattenpartitionen ausgewählt.
MakeCD erlaubt in dieser Situation im Experten-Modus u.a. auch die die Wahl verschiedener Boot-Optionen, so das die fertige CD z.B. unter einem CDTV oder CD 32 selbstbootend wird.
Dazu benötigt Ihr aber die korrekten Trademark-Dateien, die nicht im MakeCD-Lieferumfang, aber u.a. auf der AMIGA Developer CD v1.1 zu finden sind.
Jetzt können die Tracks geschrieben werden.
Wollt Ihr eine CD-Kopie Eurer Festplatte anlegen und auf dieser Festplatte existieren sehr viele kleinere Daten (Iconsammlungen, Artikel aus einer News-Gruppe u.ä.), ist es ratsam, von dieser Festplatte(npartition) eine Image-Datei zu erzeugen, um so einen Puffer-Unterlauf beim eigentlichen Brennvorgang zu vermeiden.
Solch ein Puffer-Unterlauf ist für den Brennvorgang der Super-GAU. Und zumindest der aktuelle Track ist im allgemeinen (es sei denn, ein CD- RW-Medium steckt im Recorder) verloren.
Um dieser Gefahr entgehen zu können, bietet MakeCD zusätzlich einen Testmodus an, in dem der Brenner nur scheinbar ein Medium beschreibt und Ihr während dieses Testlaufs recht sicher beurteilen könnt, ob es auf Eurem System zu einem möglichen Pufferunterlauf kommen kann.
4.1 CD-RW-Brenner
Der Ricoh MP6200S (Firmware v2.20) versteht sich sehr gut mit MakeCD. Nur bei CD-RW setzt er starrsinnig seinen Kopf durch und besteht grundsätzlich auf 2-facher Geschwindigkeit beim Beschreiben dieser Medien.
Bei normalem Einsatz und guter Belüftung zeigte sich der Ricoh MP6200S als zuverlässiger Recorder.
Nach einem Dauereinsatz (mehrere CD-RW-Schreib-und Löschzyklen am Stück) schien der Brenner thermische Probleme zu haben, da kurzzeitig das Medium nicht mehr korrekt gelesen werden konnte. Nach einer kleinen Verschnaufpause war er dann aber wieder zur Zusammenarbeit bereit. Audio-CD-R(W) wurden ohne Störgeräusche beschrieben und im akustischen Selbstversuch als qualitativ gute Kopien festgestellt.
4.2 CD-R(W)-Medien
Es wurden sowohl Marken- als auch NoName-CD-R und CD-RW verwendet. Dabei bewegte sich der typische Medienpreis um 3,- DM für eine CD-R und 10,- DM für eine CD-RW. Alle Medien ließen sich fehlerfrei beschreiben. Die CD-R-Medien konnten in vielen CD-ROM- und Audio-CD-Laufwerken abgespielt werden.
Lediglich bei einem ca. 6 Jahre alten Audio-CD-Player wurden die selbstgebrannten Audio-CD-R nicht erkannt.
Problematischer sind die RW-Medien, denn ihre Reflexionsfähigkeit beträgt nur noch ca. 15 % im Vergleich zur gepreßten CDs (CD-R immerhin noch ca. 70 %). Hier waren viele der getesteten CD-ROM- und Audio-CD-Laufwerke nicht in der Lage, diese Medien zu erkennen und abzuspielen. Sind Eure CD-Player Baujahr 1997 oder jünger, ist jedoch die Chance groß, außer mit dem Brenner auch mit diesen Laufwerken die CD-RW-Medien lesen zu können.
Problemlos kam mein Audio-CD-Player Sony CDP-XE320 mit diesen CD-RW-Medien zurecht.
Mein CD-ROM Panasonic CR-506B ließ sich jedoch nicht zu einer Zusammenarbeit überreden.
Ein CD-RW-Medium wurden bisher gezielt ca. 20 mal ohne Ausfälle gelöscht und beschrieben. Damit konnte die Grenze von 1000 Schreib-/Löschzyklen bei weitem nicht erreicht werden, so daß zur maximalen Wiederbeschreibbarkeit (noch) keine Aussagen gemacht werden können.
MakeCD bildet mit dem Ricoh MP6200S ein harmonisches und leistungsfähiges Gespann. Auf Anhieb konnten CD-R und CD-RW erstellt werden. Will man alle Möglichkeiten des Programms ausschöpfen, ist jedoch eine längere Einarbeitungszeit notwendig.
Die gute deutsche Dokumentation steht dem User hilfreich zur Seite. Man muß die Anleitung nur lesen...
MakeCD unterstützt alle gängigen CD-Formate und ist für den Amiga-User sicher eine gute Wahl.
Ein Preis ab 75,- DM (TAO) bzw. 115,- DM (DAO) für die Vollversion ist der Leistungsfähigkeit angemessen.
Zu finden sind MakeCD und die Zusatzdateien u.a.
im Aminet und auf den Aminet- CDs unter
disk/cdrom/MakeCD.lha (aktuell war im Testzeitraum die Version 3.2a) disk/cdrom/MakeCDdeutschC.lha (deutsche Katalog-Datei) disk/cdrom/MakeCDdeutschD.lha (deutsche Anleitung)
sowie auf der MakeCD-Homepage zusätzlich mit vielen Tips, Tricks & Links
Uwe Pannecke
Uwe.Pannecke@t-online.de«