Der Weltraum, unendliche Weiten: Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Voyager, das mit seiner aus Föderationsmitgliedern und Maquiskämpfern zusammengesetzten Besatzung unterwegs ist, um den Weg zurück zur Erde zu finden - jenem Blauen Planeten, von dem die Voyager-Besatzung mehr als 70.000 Lichtjahre entfernt ist ...
So oder ähnlich könnte sich das Intro der jüngsten STAR TREK - Ablegerserie Voyager anhören - wenn es eines gäbe. Denn in Paramounts jüngster SF-Serie geht es für die wackeren Raumfahrer der Sternenflotte nicht darum, in unerforschte Welten vorzustoßen, sondern einen Weg zu finden, wieder zurück zur Erde zu gelangen denn selbst bei Höchstgeschwindigkeit würde die Reise Jahrzehnte dauern ...
Als die Paramount - Bosse Ende 1993 eine dritte Ablegerserie des beliebten Universums von Gene Roddenberry in Auftrag gaben, hatten sie dafür berechtigte Gründe: Deep Space Nine , das so vielversprechende dritte STAR TREK - Projekt, hatte in seiner ersten Season nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zwar war genügend Zuschauerpotential vorhanden und die Trekker - Welle angeheizt von einer hervorragenden siebten Staffel der NEXT GENERATION noch immer kräftig am Rollen.
Aber die Fans verlangten lautstark nach einer neuen "Schiff"-Serie, in der das Element der Bewegung und die Erforschung unbekannter Gefilde wieder das Zentrum des Geschehens einnehmen sollten. Da eine weitere Season mit Picard und seiner Crew nicht geplant war, sondern die Raumfahrer der nächsten Generation - wie die "klassischen" Helden vor ihnen - auf die Kinoleinwand wechseln sollten, schien die Zeit für eine vierte STAR TREK - Fernsehserie gekommen zu sein.
Michael Piller und Ric Berman, die schon DEEP SPACE NINE produziert hatten, wurden mit der Konzeption der neuen Serie beauftragt. Zu Ihnen stieß Jeri Taylor, die an DS9 als Autorin und ausführende Produzentin mitgearbeitet hatte. Das Trio hob ein neues Serienkonzept aus der Taufe, das zwar - wie allgemein gefordert - wieder die Abenteuer einer Schiffsbesatzung erzählt, jedoch auch einige Überraschungen bereithält. Denn den berühmten Stuhl in der Mitte besetzt diesmal - Zur Freude der Trekkerinnen eine Frau. Und die Mission der Voyager besteht nicht in der Erforschung unbekannter Regionen des Weltraums, sondern einfach darin, nach einer Raumkathastrophe, die das Schiff in einen weit entfernten Sektor der Galaxis geschleudert hat, wieder nach Hause zurückzukehren.
Fieberhaft wurde das ganze Frühjahr 1994 an Drehbüchern gefeilt, wurden Besatzungsmitglieder gecastet, Modelle gebaut, Masken gefertigt und Spezialeffekte ausgetüftelt. Mit großem Aufwand an Werbung und PR hob die neueste Kreation aus dem Hause Paramount schließlich am 16.Januar 1995 zum Jungfernflug ab. Die U.S.S. Voyager, Kennziffer NCC-74656, die der neuesten Serie ihren Namen gibt und den Charakteren der Handlung nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Heim und Zuflucht ist.
Mit diesem edlen, schlanken Schiff, das erstmals auch in der Lage ist, auf planetaren Oberflächen zu landen, tritt die Voyager-Crew ihre lange Odyssee durch den Weltraum an, und erlebt dabei unvorstellbare Abenteuer.
Für zusätzliche Spannung sorgt die Zusammensetzung der Voyager-Besatzung. Da herrschen nämlich nicht nur eitel Freude und Sonnenschein, sondern es gibt durchaus auch Rivalitäten. Kurz bevor die Voyager in den entlegenen Delta-Quadranten geschleudert wurde, war sie nämlich dabei, ein Schiff des Maquis zu verfolgen, jenes Bundes von Widerstandskämpfern, der schon in der NEXT GENERATION-Episode 176 und der DS9-Doppelfolge 40/41 von sich reden machte und immer wieder für blutige Zwischenfälle an der cardassianischen Grenze sorgt. Gemeinsam verschlägt es die beiden Schiffe in die weit entfernte Galaxis, und als das Maquis-Schiff vernichtet wird, bleibt der Voyager-Besatzung nichts weiter übrig, als die Rebellen bei sich aufzunehmen. Das Zusammenleben ist nicht gerade leicht, aber die Crewmitglieder wissen, daß nur Zusammenarbeit sie zurück zur Erde bringen wird.So herrscht trotz immer wieder aufbrechender Gegensätze an Bord der Voyager weitgehende Harmonie, von der ersten Episode an fühlt man sich an den familiären Kreis der Next Generation erinnert. Statt Poker wird hier Billard gespielt, ansonsten steht die Brückenbesatzung in ähnlich vertrautem Verhältnis.
Die sympathischen Charaktere, die von Beginn an viel weniger kantig sind als die Mannen von DS9 (und dafür, so wird mancher bemängeln, weniger realistisch wirken), wurden vom Produzententeam mit viel Bedacht ausgewählt und stellen mal wieder eine STAR TREK gemäße Multikulti-Truppe dar. Bemerkenswert sind die Leistungen der offenbar sehr engagierten Darstellerriege, die ihre Charaktere vom Pilotfilm an mit einer solchen Selbstverständlichkeit spielt, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Neben der Kommandantin des Schiffes, der von Kate Mulgrew (entgegen allen Unkenrufen) sehr sympathisch verkörperten Kathryn Janeway ist Chakotay (Robert Beltran) zu nennen, seines Zeichens erster Offizier und ehemaliger Maquis-Kämpfer. Auf der Brücke vertreten sind außerdem Lt. Tom Paris (Robert Duncan McNeill), Lt. Harry Kim (Wang Garrett) und Tuvok (Tim Russ), mit dem zum ersten Mal seit Spock wieder ein Vulkanier zur ständigen Besatzung einer Serie gehört. Den klassischen Scotty Part besetzt Halbklingonin B´Elanna Torres (Roxann Biggs Dawson) als Chefingeneurin des Schiffes, die Außerirdischen Kes (Jennifer Lien) und Neelix (Ethan Phillips) sorgen für den nötigen Schuß Exotik. Der Mediziner an Bord ist diesmal eine Holodeckfigur (Robert Picardo), die ein wenig wie der Androide Data in Next Generation sowohl für Humor als auch für Nachdenklichkeit sorgt.
Ob diese neue Besatzung, deren Abenteuer nun endlich auch im deutschen Fernsehen zu sehen sind, sich hierzulande die Herzen der Fernsehzuschauer erobern wird, bleibt abzuwarten. Die Toleranz der Trekkies ist, was neu Serienkreationen betrifft, bekanntlich nicht gerade groß.