CONTENTS | PREV | NEXT

6. Themenbeitrag "AMIGA der Zukunft" (von Alexx Riedel)

Alexx Riedel hat uns seine Vorstellungen zu einem AMIGA der Zukunft 
mitgeteilt:

»Hardware:

Es ist immer wieder deprimierend, wenn da hin und wieder Leute Amiga-eigene
Customchips als Vorteil oder gar notwendige Bedingung für ein neues Modell
sehen. Das war ganz sicher vor 10 Jahren so, aber heute muß ich mir da nur
an den Kopf langen. Nehmen wir nur das Beispiel Grafikchips (2D/3D):

Spezialistenfirmen auf dem Gebiet investieren da Unsummen in die 
Entwicklung immer neuer Features für solche Bausteine, und entsprechend 
leistungsfähig sind die (BTW äußerst preiswert) verfügbaren Grafikchips. 
Die lassen den Amiga, gerade mit AGA-Chips, in Sachen Multimedia einfach 
stehen. Warum sollte solche Technologie nicht für den Amiga genutzt werden? 
Ganz zu schweigen davon, daß Amiga International dafür wohl nicht das 
notwendige Geld hat - das Chipdesign kostet Zeit! Und genau die hat der 
Amiga nicht mehr (eigentlich ist die Zeit für den Amiga hardwaretechnisch 
schon vor Jahren abgelaufen, das leistungsfähige Betriebssystem und einige 
eifrige Entwickler und Freaks haben ihn bislang gerettet). 

Oder das Beispiel "Erweiterungsbus": PCI ist äußerst leistungsfähig, bietet
Plug´n´Play, und es gibt jede Menge preiswerte Erweiterungskarten aller Art
dafür, für die "nur noch" ein Treiber geschrieben werden muß. Warum Zeit 
mit der Entwicklung eines neuen Zorro-Systems verplempern?

Auf Bereiche wie Floppy-Controller, Schnittstellen, AT-Bus, SCSI oder
Kleinigkeiten wie Keyboard und Maus möchte ich gar nicht erst eingehen. Da
ist das einzige (allerdings unbedingt notwendige) Zugeständnis an Amiga-
eigene Spezialitäten, daß die Tastatur statt der "Windoofs"-Tasten
"Amiga"-Tasten bekommt!

Das Rad muß nicht zweimal erfunden werden. Wo Hardware aus dem PC-Bereich
billig und leistungsfähig in den neuen Amiga integriert werden kann - nur
zu! Und wer solche zwingenden Schritte aus kurzsichtigen Prinzipien ("keine
Wintel-Hardware in meinem Amiga") ablehnt, der sei dran erinnert, daß auch
Macs und diverse unter Unix laufende Systeme so zur vollen Zufriedenheit
funktionieren.

Natürlich bin ich nicht aus Prinzip gegen Custom-Hardware - die A/Box hätte
mir schon hervorragend gefallen. Nur sollten solche Eigenentwicklungen eher
als langfristige Ziele denn als zwingende Notwendigkeit angesehen werden.

Betriebssystem:

Ein paar Unix-Spezialitäten - allen voran Speicherschutz und Resource
Tracking - stünden dem Amiga wirklich nicht schlecht zu Gesicht. Wie oft 
hat es mich genervt, daß amoklaufende Programme den ganzen Amiga 
mitgerissen haben! Auch die integrierten Netzwerk- und Multiuser-
Fähigkeiten eines leistungsfähigen Unix-Kernels wären eine Bereicherung für 
das AmigaOS. Wobei natürlich die Amiga-Eigenheiten (z.B. Datatypes etc.) 
erhalten bleiben müßten, denn wo wäre sonst der Unterschied zu Linux?

Weitere Vorschläge:
- Laßt die neue Workbench doch von Greg Perry (DirOpus) entwickeln!
- Ein TCP/IP-Stack á la Miami.
- HTML als Ergänzung/Ersatz für AmigaGuide.
- GUI-Gestaltung flexibel und konfigurierbar wie bei MUI (wobei natürlich
  Raum für andere GUI-Libraries sein müßte, ähnlich der diversen Toolkits   
  für X-Windows).
- Als Grafik-Subsystem RTG nach Art von CyberGFX, für den Sound halt dann
  AHI o.ä.

Die meisten dieser m.E. notwendigen Verbesserungen des AmigaOS sind ohnehin
schon in irgendeiner Form vorhanden, es müßte nur noch dafür gesorgt 
werden, daß sie sich nahtlos ins Betriebssystem integrieren.

Wer sehen will, woran sich der neue Amiga heute messen muß, der sollte sich
nicht Win95 ansehen, sondern Linux/KDE auf einem Standard-PC für unter
2000.-! Blick über den Tellerrand! Das ist was, was so einigen leitenden
Köpfen von Amiga International zu fehlen scheint, die da laut darüber
nachgedacht haben, den Amiga der Zukunft mit einem Prozessor einer seit
Jahren eingestellten Prozessorserie zu bestücken.

Überhaupt, die Vorgehensweise dieser Firma ... aber dazu möchte ich mich 
gar nicht erst auslassen. 

CU

Alexx

-- 
Alexx Riedel
mailto:riedel@forst.uni-muenchen.de
mailto:101.128890@germany.net«