Der Fluch der Krähe

Kapitel 5

"Jene, die durch die Dunkelheit wandeln..."

Die Abenddämmerung linderte die Hitze der Sonne, und langsam neigte sich der Tag dem Ende zu. Die Bauern gingen nach Hause, erschöpft von der Ernte, und die Hirten trieben ihre Tiere aus den Weiden zurück in die Ställe. Die Sonne hatte ihnen geholfen, und den Tag mit Licht erfüllt, wie sie es schon immer getan hatte. Und nun, wo sie in dem großen Ozean versank, um sich abzukühlen, taten die Menschen das gleiche. Sie meinten, es ihrem Stern schuldig zu sein. Der Himmel wurde jetzt nur noch von den Kinden der Sonne erhellt. Die 2 Monde zogen herauf, und umkreisten sich dabei. Mal schnell, mal langsam, wie in einem Spiel, daß Kindern gebührt.

Darnok sah nichts davon. Der anbrechende Tag hatte ihn überrascht, und als er aus dem schützenden Blätterdach des Waldes in die Mittagssonne getreten war, hatten seine Beine einfach nachgegeben, und sein Geist fiel in einen Abgrund aus Schmerz und Feuer. Und nun lag er immernoch am gleichen Fleck, und starrte aus trüben Augen in den Himmel. Als er den Kopf wandte, sah er die Krähe auf einem Zaunpfahl sitzen. "Steh auf !", sprach sie, ohne die Kiefer zu bewegen. Ihre Stimme war magischer Natur, sie erklang nur in Darnoks Kopf.

Stöhnend gehorchte Darnok, und seine schmerzenden Knochen quälten ihn schlimmer als zuvor. Was war nur mit ihm geschehen? Es war doch nur Sonne, verdammt nochmal! Was hatte er Mutter Sonne denn getan, das sie ihm solche Pein bereitete? Als ob er den Gedanken laut ausgesprochen hätte, antwortete ihm die Krähe. "Die Welt ist von Dunkelheit erfüllt... Du hast als einziger die Wahrheit erkannt, und man fürchtet dich nun. Geh! Nur mit bösem kann man das Böse vernichten, du hast es selber gesagt !". Darnok straffte sich, das Feuer in seinen Gliedern ignorierend. Das war es! Er betrachtete die Stelle, an der er gelegen hatte. Wie ein ausgebrannter Krater, schwarzgerändert genau seine Formen nachzeichnend. Er blickte nach Westen, wo noch etwas verklingende Helligkeit von der untergehenden Sonne kündigte, und ballte die Faust. Nur mühsam unterdrückte er den aufsteigenden Zorn. Dann drang ein Geräusch an sein verfeinertes Ohr, und er packte sein Schwert fester... Ein Pferdefuhrwerk! Wer mochte das sein, so spät in der Nacht? Er spähte in Richtung des nahegelegenen Dorfes, und sah einen Planwagen herausfahren, mit einer weihin sichtbaren Krone auf dem Tuch. Ein "Steuerbeauftragter"! Darnok zitterte vor Wut. Der Mann auf dem Kutschbock, ein widerlich fetter Bediensteter seiner Majestät. Schon oft hatte dieser Mensch Darnoks Heimatdorf heimgesucht, und es mit prall gefüllten Taschen verlassen. Diese Welt mußte... befreit werden, von Leuten wie ihm !

Er schnellte nach oben, erfüllt von flammendem Haß, und stierte in Richtung des Wagens. Wie weit war es? 200, 100 Meter? "Walte deines Amtes, Befreier...", wisperte die Krähe, die sich auf Darnoks Schulter niedergelassen hatte,"er hat böses getan und Menschen ins Unglück gestürzt.". Darnok atmete nicht mehr. Er blickte in sich...und sah Feuer. Er holte noch einmal Luft, und schrie seinen Haß dem Mann entgegen, ließ seine Gefühle fließen. In einer Woge sich aufbäumender Wut peitschte der Zorn aus ihm heraus, klaffte als grellroter Strahl in die Nacht und zerriß den Mann auf dem Kutschbock binnen eines Augenblicks. Darnok taumelte und brach in die Knie, aber trotz seiner Erschöpfung fühlte er sich gut. Mühsam hob er den Blick. Frau und Kinder des Mannes standen erschüttert vor dem brennenden Wagen und dem zerfetzten Leichnam. Über das Prasseln des Feuers meinte er ein verzweifeltes Schluchzen zu hören. Das Kind der Krähe stemmte sich hoch, und zuckte die Achseln. Natürlich war der Tod des Beamten nicht für alle eine klar ekennbare Wohltat. Einige...und er blickte geringschätzig zu der versammelten Familie...würden für immer unbelehrbar bleiben.

"Dein Haß hat dich mächtig gemacht...", raunte die Krähe in seinem Kopf,"...und jetzt GEH! Geh, und suche deine Brüder, auf das ihr gemeinsam der Welt die Freiheit wiedergebt...GEH !". Darnok schreckte auf. "...Brüder?...es gibt noch mehr von meiner Art ?" Die Krähe nickte nur. In ihren kleinen tückischen Augen funkelte eine Bosheit, Gier und Rachsucht, wie es sie auf dieser Welt selten gegeben hatte. Unbändiger Haß ging von dem Geschöpf aus, der alleinige Wunsch zu zerstören, Leben zu nehmen und Unglück zu bringen.

Darnok seufzte, und streichelte zärtlich das Tier.

"Danke...Danke daß ich dir dienen darf, Mutter Krähe!"

ENDE TEIL 5 When wisdom, power and eternity come togehter.... SAX