Damals - vor 13 Jahren

Diesen Monat stelle ich die Happy Computer Ausgabe 5 aus dem Jahre 1985 vor. Sie umfaßte 168 Seiten, wovon nur 32 Seiten aus Werbung bestanden - heutzutage kaum vorstellbar, wo die aktuelle Ausgabe der Amiga Plus doch schon fast 40 Seiten Werbung bei nur 100 Seiten Umfang hat!

Diesen Monat habe ich das Titelbild auch etwas größer gescannt als beim letzen mal. Diesmal sollte man auch etwas erkennen können...



Happy Computer von Mai 1985

Auf Seite 17 kommt (nach den "News") der erste interessante Artikel: ein Interview mit David Crane, seines Zeichens Mitbegründer von Activision und Programmierer von z.B. "Pitfall 1+2", "Decathlon" und "Ghostbusters". Letzteres stand zu der Zeit des Interviews an der Spitze aller wichtigen Charts. Weltweit wurden zirka sechs Millionen Spiele von David Crane verkauft. Man sollte dazusagen, daß damals (heute wohl nur noch bei Amiga-Projekten) fast alle Spiele Ein-Mann-Projekte waren.

Ein paar Fragen und Antworten aus dem Interview:

HC (Happy Computer): Glaubst Du, daß Computerspiele in Zukunft an Bedeutung verlieren werden?

DC (David Crane): Nein, drei Viertel der Leute benutzen den Computer, um sich zu unterhalten. Der Rest nutzt ihn zweitrangig zur Unterhaltung. Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft der Unterhaltungs-Software.

(Anmerkung: womit er ja (zumindest im PC/PSX-Bereich eindeutig recht behalten sollte!)

HC: Welchen Computer hast Du zu Hause stehen?

DC: Einen Commodore 64. Die Grafik ist mindestens so gut wie bei anderen Computern und der Sound ist am besten.

(Anmerkung: bis der Amiga erschien...)

HC: Ist der C64 Dein Lieblings-Computer?

DC: Ja, ... Es ist der einzige Computer, den ich zu Hause habe.

HC: Mittlerweile werden die ersten Spiele veröffentlicht, die 128kb Arbeitsspeicher brauchen. Wird Activision sich diesem Trend anschließen?

DC: Bevor wir ein Spiel machen, das einige nicht haben können, weil ihr Computer nicht genug Speicher hat, trennen wir es in Teile und lassen es nachladen.

HC: Die Diskette läuft der Kassette also den Rang ab?

DC: In den USA hat so gut wie niemand Kassetten. Wir sind sehr ungeduldige Leute. Bei uns benutzen 19 von 20 C64-Besitzern ein Diskettenlaufwerk.

HC: Du hattes einige große Erfolge in den letzen Jahren wie "Decathlon", "Pitfall" und natürlich "Ghostbusters". Wie lange arbeitest Du eigentlich an einem kompletten Spiel?

DC: In der Vergangenheit habe ich zehn bis zwölf Monate an einem Spiel gearbeitet. Manchmal habe ich eines der kleineren Projekte auch in sechs Monaten geschafft. Die Projekte sind jetzt größer als sie einmal waren und werden deshalb zeitaufwendiger.



Im Test in dieser Ausgabe ist der Commodore 128, der als C64-Nachfolger allerdings kaum Erfolge feiern konnte. Die Ausstattung des Computers war wie folgt:

Das Diskettenlaufwerk (1571) konnte im 64er-Modus 170kb speichern, im 128er-Modus 340kb und im CP/M-Modus sogar 450kb. Das schaffte es durch doppelte Dichte und Aufzeichnung auf beiden Diskettenseiten.

Die Neuheiten gegenüber dem C64 waren:

Schnelles Fazit: "Kompatibel zum 64er und fähig unter CP/M zu arbeiten - damit eröffnet Commodore seinem neuesten Produkt zwei Welten von Software. Der PC 128 gehört zu einer neuen Klasse, die zwischen den reinen Heimcomputern und den Personal Computern angesiedelt ist. Die Software, die es für den 64er gibt und die, die unter CP/M läuft, machen den PC 128 zu einem Computer, dem eine große Zukunft bevorsteht."

(Anmerkung: dem war ja nicht so, leider. Denn, für damalige Zeiten war dieser Computer zwar keine Sensation, aber dennoch nicht zu verachten. Im Gegensatz zum C16, C116, C264 und wie sie alle hießen, war der C128 durchaus ein leistungsfähiges Gerät. Ich persönlich kenne ihn nur von Freunden, weiß also nicht, woran er denn nun wirklich gescheitert ist. Vielleicht war es der Preis von 1500,- DM. Oder die kurz bevorstehenden Premieren des Atari ST und des Amiga. Vielleicht war es aber schlicht und ergreifend SCHLECHTES MARKETING seitens Commodore! Ich denke, das wird es gewesen sein...)



Spiele

Die Spiele-Rubrik in dieser Ausgabe war insgesamt 8 Seiten lang. Hier wurden einige Klassiker (Spiele, die HEUTE Klassiker sind) getestet:

Pitstop II - "Bei Grafik und Spielwitz stellt Pitstop II alles in den Schatten, was an Autorennen-Simulationen für Heimcomputer derzeit auf dem Markt ist. Gegen die von uns getestete C64-Version wirkt selbst "Pole Position" wie ein müder Kolbenfresser."

(Anmerkung: und tatsächlich ist Pitstop II eines meiner Lieblingsspiele auf dem C64 gewesen und auch heute spiele ich es noch gerne, auch wenn - oder gerade weil - es für die Playstation mit Gran Turismo, Rage Racer, Porsche Challenge, Formel 1 '97 und TOCA Touring Car zum Beispiel sehr realistische Autorennen gibt, die ein viel authentischeres Fahrgefühl aufweisen können als die damaligen "Spitzentitel".)

H.E.R.O. - "Bei der von uns getesteten MSX-Version überzeugen die farbenfrohe Grafik und das hohe Tempo. Dank der zahlreichen Spielstufen wird das Programm auch nicht so schnell langweilig. Ein flottes Spiel, das sein Geld (79,- DM auf Diskette) wert ist."

(Anmerkung: HERO ist schon eine Herausforderung... Der "Held" muß mit seinem Rucksack- Hubschrauber durch enge Schluchten fliegen, mit einem kleinen Laser-Strahler Spinnen, Fledermäuse und dergleichen verjagen, mit Dynamit Wände wegsprengen, Lichtschalter betätigen usw. Ich persönlich fand es eigentlich zu schwer - ich stand eigentlich sowieso mehr auf Fußball- und Autorenn-Spiele - und auch heute spiele ich auf der Playstation am liebsten FIFA 98.)



Beispiel-Preisliste:

Preisliste Mai 1985
5,24" Disketten 2seitig, doppelte Dichte 59,- DM
Akkustik-Koppler dataphon s21d 300baud 289,- DM
Commodore MPS 801 Drucker 499,- DM
Commodore MPS 802 Drucker 799,- DM
Commodore SX64 1890,- DM
Sanyo PC 8088 CPU mit MS-DOS 2999,- DM



So, dies war nun die zweite Ausgabe meines Rückblickes in die gute alte Zeit der Heimcomputer. Ich hoffe, es hat Euch auch dieses Mal gefallen. Bis zur nächsten Ausgabe.

Ciao,



Andreas Etzrodt
E-Mail: shark@nwn.de