Damals - vor 14 Jahren

Diesen Monat möchte ich eine neue Rubrik einführen. Als ich vor kurzem in meinem Zimmer etwas aufräumen und die alten "Chip", "C't" und PC-Direkt" wegschmeißen wollte, sind mir doch tatsächlich noch uralte "Happy Computer" in die Hände gefallen, die ich schon längst vergessen hatte... Uralt ist hierbei nicht übertrieben, da die älteste Zeitschrift von Juli 1984 stammt - also fast 14 Jahre alt ist! Im Computerbereich sind 14 Jahre ja wirklich eine Ewigkeit. Ich wette, daß viele NC-Leser von den meisten Computer noch nie etwas gehört haben, über die in der Happy Computer vom Juli 1984 berichtet wird. Natürlich kenne auch ich nicht jeden Computer, aber praktische Erfahrung habe ich zumindest auch mit einem C64 (klar, oder?), einem Texas Instruments TI99/4A und einem Schneider CPC664. Außerdem sind mir die meisten Computer aus dieser Zeit wenigstens vom Namen her ein Begriff. Wer kennt denn z.B. noch den Dragon 32 oder 64? Oder den Sinclair ZX81 oder Spectrum?

Was ich also vorhabe? Ich möchte Euch einen kleinen Rückblick geben auf die gute alte Homecomputer-Zeit, wo PCs noch keinerlei Konkurrenz für die damals aktuellen "Microcomputer" waren. So versuche ich, in jeder Ausgabe der NC einen kleinen Bericht zur Lage der Homecomputer in den 80ern zu verfassen. Pro Ausgabe der NC kommt eine Ausgabe der Happy Computer zum Zuge. So könnt Ihr Euch in dieser Ausgabe auf einen Bericht über die heile Computerwelt von 1984 freuen. Als erstes werde ich wohl ein paar Wörter über die damals üblichen Computer loslassen. Dann sollten noch die damals aktuellen Preise, Anwendungsprogramme und natürlich Spiele genannt werden. Einen kleinen Scan der Titelseite der Ausgabe 7/84 habe ich beigelegt. Mal sehen, ob er mit in die NC findet. Leider sind meine Quellen nicht lückenlos:

So habe ich aus dem Jahre 1984 nur die Juli-Ausgabe (7). Aus 1985 habe ich nur die Mai-Ausgabe (5). Von 1986 besitze ich die Ausgaben März, April und Mai (3-5). Dann kommt eine größere Lücke bis zum Jahre 1988, wovon ich die Ausgaben für August, November und Dezember mein Eigen nennen darf. Den Jahrgang 1989 besitze ich komplett. Leider wurde dann die Happy Computer eingestellt und dafür die Computer Live eingeführt, die sich fast nur noch mit PCs beschäftigte.



Happy Computer vom Juli 1984

1984 kostete die Welt (der Computer) noch lächerliche 5,- DM. Dies sollte sich aber bis zur nächsten Ausgabe - bzw. zur nächsten Ausgabe, die ich besitze - ändern. Dafür bekam man dann eine vollständig in Farbe gedruckte Zeitschrift mit 184 Seiten Umfang.

Die damals aktuellen Computer habe ich eigentlich oben schon genannt: das waren vor allem der seit etwa einem Jahr in Deutschland erhältliche Commodore 64, dessen Vorgänger VC20, der Apple II und der Sinclair Spectrum. Soweit ich mich erinnere war dem TI 99/4A nie der rechte Erfolg beschieden. Der ZX81 wurde zu dieser Zeit schon als Bausatz für 98,-DM (inklusive Z80A-Prozessor, 8kb ROM und sagenhaften 1kb RAM) angeboten. Andere Computerhersteller, wie z.B. Sharp mit dem MZ700, Sinclair mit dem QL, Apple mit dem IIc, Aquarius, Tatung mit dem Einstein, der Genie III, der Oric Atmos, der Enterprise, der Laser 310 oder Dragon mit dem Dragon 32 oder 64 hatten weniger Erfolg. Ja, selbst die heutzutage so erfolgreiche Firma Sony erlitt mit ihrem MSX-Computer (wie alle MSX-Hersteller) in Deutschland eine Bauchlandung. Dafür war auch damals schon Atari mit dem 600 und 800 auf dem Markt.

Der Schneider CPC 464 war mit seinem mitgelieferten Monitor und eingebautem "Tapestreamer" (ok, es war ein Massenspeicher, der - genau wie beim C64 die Datasette - irre langsam war) schon fast eine Ausnahme, wo doch so gut wie alle Computer am Fernseher anzuschließen waren. Doch war dieser Computer weit verbreitet, weil er in sehr gutes Basic hatte. Im Gegensatz zum eher leistungsschwachen C64-Basic V2.0 hatte das "Locomotive Basic" (oder so ähnlich) des Schneider einige Vorzüge, wie mehr und bessere Befehle. Das war auch fast der einzige Grund, weshalb dieser nicht sofort in der Versenkung verschwand.



Das Titelthema dieser Ausgabe ist der Test des "Hochleistungs - Heimcomputers" Dragon 64. Die Ausstattung dieses Computers war wie folgt:

Als Fazit des Tests war zu lesen: "Zusammenfassend kann man aber sagen, daß die Zukunft des Dragon 64 weniger im Bereich der hobbymäßigen Anwendung mit Basic liegen dürfte, sondern vielmehr im eher kommerziellen Sektor und als Einstieg für Unix-interessierte."



Als weitere Newcomer wurden der C264 (hieß er nicht später Plus4?) und der C16 von Commodore vorgestellt. Um es einfach zu sagen: beides waren Flops hoch 10, obwohl beide eine bessere Tastatur und ein besseres BASIC als der C64 hatten.



Der nächste Test war der des Apple IIc. Dieser Computer sollte im Bereich der professionellen Heimcomputer seine Käufer finden.

Ausstattung:

Fazit: Der Apple IIc wird seinen Bruder IIe nicht vom Markt verdrängen. Er kann große Teile der Software des Apple II verarbeiten, aber Programme, die Zusatzplatinen benötigen, können nicht benutzt werden. Für alle, die sich ein bedienerfreundliches Gerät mit umfangreichem Software-Angeobt wünsche, ist der Apple IIc empfehlenswert. So mobil, wie er immer dargestellt wird, ist er nicht, solange man noch eine Steckdose und einen Monitor/Fernseher braucht.



Beispiel-Preisliste:

Preisliste Juli 1984
5,25" Slimeline Diskettenlaufwerk einseitig, einfache Dichte 575,- DM
32 kByte RAM-Erweiterung für VC20 179,- DM
Commodore SX64 (heißbegehrtes Sammlerstück!) 2998,- DM
Commodore 64 748,- DM
1541 Floppy für C64 748,- DM
5,25" Disketten einseitig, doppelte Dichte 10 Stück 59,- DM
Sinclair Spectrum 389,- DM
Tandy Akustikkoppler AC3 Vollduplex 300 Baud 348,- DM
TA Typenraddrucker (20 Zeichen/Sekunde) 1590,- DM



Aktuelle Spielehits:

House of Usher, Pogo Joe, Ultima 2, Miner 2049er, Bruce Lee, Encounter, Quest for Tires (eines meiner Lieblingsspiele auf C64), PSSST, Manic Miner und Jet Set Willy.



So, das war es diesmal mit meiner Rückblende auf das Jahr 1984. Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Natürlich bin ich jederzeit offen für Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Schließlich ist dies erst die erste Ausgabe. Bis zum nächsten Monat mit der Ausgabe 5/85 von Happy Computer.

Ciao,



Andreas Etzrodt
E-Mail: shark@nwn.de