Rätsel um Wurmlöcher (Teil IV)
Weiße Löcher - wo sind sie geblieben?
Weiße Löcher sind kosmische Vulkane, die genau das Gegenteil der alles verschluckenden Schwarzen Löcher bewerkstelligen: Sie spucken und speien unaufhörlich Materie und Energie ins All aus und strahlen somit in einem grellen weißen Licht. Das "ultimative" Weiße Loch ist der Urknall. Seit aus dieser gigantischen Explosion vor 15 Milliarden Jahren das Universum geschaffen wurde, durchflutet unaufhörlich Materie und Energie den gesamten Kosmos.
Aber: ob es auch heute noch Weiße Löcher gibt, weiß man nicht. Einst galten Quasare als mögliche Kandidaten für Weiße Löcher, da die Astronomen bei ihnen gewaltige Energieausbrüche beobachteten, wie sie sonst nirgends im Universum vorkommen. Doch die Theoretiker winkten ab: Weiße Löcher sind zu instabil, als dass sie Quasare mit Energie versorgen könnten; viel eher sind es Schwarze Löcher, die als Energielieferant für diese ungewöhnlich hellen Galaxien in Frage kommen. Ein massereiches Schwarzes Loch, das im Innern des Quasars lauert, saugt ständig Materie an und erzeugt aus der Wechselwirkung zwischen geladenen Teilchen und starken Magnetfeldern das außergewöhnlich grelle Quasarlicht.
Wenn nicht bei den Quasaren, wo könnten sich dann Weiße Löcher versteckt halten? Der amerikanische Physiker Douglas Eardley vom California Institute of Technology (Caltech) meint: "Nirgends!" Eardley berechnete, dass Weiße Löcher im Gegensatz zu ihren schwarzen Kollegen nur eine sehr kurze Lebenserwartung besitzen. "Kurz nach ihrer Geburt", sagt Eardley, "ersticken Weiße Löcher an ihrer eigenen ausgespuckten Materie, die sich um ihren Antihorizont gesammelt hat."
Vorstellen muss man sich das Ganze so: Weiße Löcher haben wie ihre dunklen Geschwister eine enorme Anziehungskraft, aber weder Energie noch Materie kann ihren Anti-Ereignishorizont überqueren und in ihr Inneres vordringen. Dadurch lagert sich Materie und Energie schichtweise über dem Weißen Loch ab. Irgendwann kollabiert das gesamte Gebilde aufgrund der extremen Raumzeitkrümmung und stülpt sich - quasi wie ein Regenschirm im Sturm - zu einem Schwarzen Loch um. Eardley hat gezeigt, dass ein Weißes Loch mit zehn Sonnenmassen innerhalb von nur einer Tausendstel-Sekunde zerfällt und auch bei einer Million Sonnenmassen nicht viel länger als eine Minute existieren könnte.
Also wieder kein Happy-End für Floyd: Es gibt sie nicht, die rettenden Weißen Löcher. Alle Crashtests von Paul Halpern enden in einem Desaster. Und die Gesetze der Physik untermauern: Schwarze und Weiße Löcher besitzen so schlechte Transiteigenschaften, dass sie für Weltraumreisen mit Überlichtgeschwindigkeit ad acta gelegt werden können.
In der nächsten NoCover geht es dann weiter mit dem 5. Teil.
Bis dann, Euer