kritzelt by Marco Siegel

Da augenscheinlich jeder Test der BlizzardPPC-Karten mit bedauernswerter Inkompetenz von englischen Magazinen & diversen Privatleuten verfasst worden ist (was an den nichtssagenden Lobhudeleien extrem sichtbar wird) muss ich mich hiermit entgegen meinem Versprechen keine Texte mehr zu verfassen, doch dazu hinreissen lassen, eine objektivere Betrachtung besagten Stueck Hardwares

folgen zu lassen.

Wer keinen Bock auf langwierige stilistisch verfahrene Textausfuehrungen hat sollte gleich zur End"abrechnung" am Ende des Textes springen.

Fangen wir also an:

Nach langen Verschiebungen und (zweifelhaften) Umgestaltungen war es also kurz vor Ende Mai soweit gekommen, dass man als sehnsuechtig wartender Kunde die langerwartete BlizzPPC beim heimischen Haendler abholen konnte.

Irgendwelche Testergebnisse bezueglich der Kompatibilitaet zu den verschiedenen ZII-Boards und entsprechenden Zorrokarten gab es natuerlich nicht, da Phase die Teile gleich sofort auf den Markt schmiss (eine laengere Wartezeit waere wohl auch nicht mehr zu ertragen gewesen).

Ergo war es irgendwie auch ein Risiko dat Dingens zu bestellen. Naja, unser Haendler hatte natuerlich wie ueblich auch nicht gerade die Weisheit mit Loeffeln gefressen und ist in solchen Dingen des Hardwaretestens auch nicht gerade der/die Schnellste/Erfahrenste.

Also nicht lange rumgefaselt, sondern das Teil ins Auto geworfen und zum heimischen Tower gekurvt. Nach dem Oeffnen der "BlackBox" wartete eine CD und ein Handbuch nebst der Karte auf ihre Entdeckung. Das Handbuch war wie ueblich so umfangreich wie es das Manual einer TK sein kann. Es wurden alle Probleme und Gesichtspunkte so umfangreich wie moeglich und so idiotensicher wie moeglich geschildert. Das Lesen kann man sich allerdings als halbwegs informierter und wissender Amigabesitzer klemmen bzw. auf spaetere Zeit verschieben. Das Handbuch ist trotz des fast gleichen Umfangs in einem groesseren Format als z.b die Anleitung der Blizz1230. Natuerlich ist auch die Schrift nun "grossflaechiger". Das Ganze wohl damit Kleingeister nicht wieder schreien "so eine teure Karte und so eine kleines Handbuch". Obwohl diese Vergroessung des Formats u. der Schrift nun wirklich keinen Vorteil bringt.

Das "grosse" Handbuch ausgenommen ist die das Design der Hardware aber einem rigorosem Sparkurs unterworfen worfen (bzw. erlegen). Dazu aber spaeter mehr.

Also erstmal fix das Handbuch weggefetzt und die Karte betrachtet. Schliesslich will man ja mal sehen, wo die PPCcpu sitzt. Hmmm, leider ist diese durch einen eigenartigen schwarzen Kuehlkoerper/Luftkanal total verdeckt, dessen Groesse irgendwie fast (aber nur fast) an die KuehlBadewannen der PII`s erinnert! Durch die Lotstellen an der Rueckseite kann man dann allerdings die Groesse der PPCcpu relativ genau einschaetzen. Der (einzige !) Luefter, der den "Kuehlkoerper" des PPC`s mit Luft versorgt (bzw. dezent streichelt) streichelt ist aus Platzgruenden in der Karte (und nicht auf dem Kuehlkoerper/Prozessor!!!) untergebracht, und kann dadurch natuerlich nicht die volle Leistung entfalten.

Dieser Designkompromiss geht darauf zurueck, dass man bei Phase nun (ueberraschenderweise) auf die glorreiche Idee gekommen ist, das Teil muesse in einem Desktop1200 passen und funktionieren. Was es auch sang und klanglos selbst bei hochgeruesteten Geraeten mit dem Originalnetzteil (nur bei der besseren Version!) tut. Wegen dem Platzbedarf (und dem hauseigenen Sparkurs) ist dementsprechend auf der 040`er CPU kein Luefter, so dass diese spaetestens nach 15min zu gluehen beginnt. Der nicht vorhandene Luefter und der duemmlich angeordnete (der Desktop-Tribut) PPCLuftschaufler sorgen dafuer, das die Karte nach kurzer Zeit beginnt sich den plastischen Sphären anzunaehern. Das Nutzen der Karte in Desktopgeraeten ist also nur im geoeffneten Zustand zu empfehlen bzw. im Sinne der Lebensdauer der Karte ganz abzulehnen. Wer also vorhat laengere Zeit Freude an der Karte zu haben, sollte sich tunlichst einen Kuehlkoerper mit Luefter besorgen (mgl. alte 486`er Luefter) und auf den 040`er kleben, da er sonst nicht lange funktionstuechtig bleiben wird.

Nunja nach dem kurzen Anschauen wanderte das Geraet in das Innere des Towers. Nach dem Anschalten blieb erstmal alles schwarz u. nichts ruehrte sich. Ohne lange nachzudenken stand fest, entweder das Zorroboard wuerde zu viel Strom abzapfen (unwarscheinlich) oder die Speicheradressierung der PicassoII (nur Rev1.6 !! 1.4 funzt zb.) wuerde kollidieren. Zweiteres war (eigentlich schon 1 Woche vorher geahnt) der Fall. Picasso ins Klo gekickt und innerhalb von 3 Tagen eine gebrauchte CV3d organisiert. Denn ohne GFXcard ist die BlizzPPC nicht nutzbar, da alle Programme (Memtester ausgenommen) CGFX vorraussetzen.

Theoretisch liegt zwar eine CGFXversion fuer AGA vor, die den PPC vorraussetzt (fuer was auch immer), allerdings ist diese langsamer als die Originalscreens unter AGA und bietet (logischerweise) auch nur die selben Hz-Werte/Auflsg.. Wer also auf die zugehoerige BlizzVision durch Zorromangel warten muss, ist wirklich zu bedauern. Falls dieses Stueck Hardware denn nun endlich erscheint sollte man sich aber nicht veraergert zeigen, wenn die theoretischen 100MB/s des (PSXlookalike) Ports von der Graka nicht im entferntesten erreicht werden. Wie laut offiziellem Statement verlautet wurde, ist einer CGFX_PPCversion durch das staendige Wechseln keine grossen Geschwindigkeitsvorteile beschieden , so dass sehr warscheinlich keine PPCversion erscheinen wird! Und wenn, dann nur aus Donglegruenden (kontra WarpOS). Ergo kann die Graka nur solche Durchsatzraten erreichen, wie sie die 68kCPU erlaubt. Was uns zum naechsten Problem fuehrt:

Den absolut inaktzeptablen Speicherzugriffsraten der 040`er CPU u. deren relativ hoher Belastung.

Beim Kopieren von Dateien im Speicher erreicht die 040`er nur miese 6,4MB waehrend 68k-only-Karten wie die Blizz1240 oder die Apollo bei solchen Raten nur das muede Gaehnen bekommen. Immerhin sind sie um ein Vielfaches (19MB/s; Apollo) schneller. Auch wird die CPU so strapaziert, dass der interne IDEcontr. in die Knie geht. Die Geschwindigkeit meiner Platte ging von 2,1 MB/s auf etwa die Haelfte herunter. Was neben der sowieso verringerten Ansprechzeit beim Neustart zu einem stark verlangsamten Booten fuehrt. Was kein kleiner subjektiver Eindruck, sondern eine unbestreitbare Tatsache ist. Da die CPUausnutzung meines PCMCIA-IDEcontr. etwas besser ist als die des internen IDEports ist nun ironischerweise mein Toshiba24x schneller als die Platte !

Das bedeutet fuer Leute die die Speedraten von 2,5"Platten nicht mehr gewoehnt sind, man(n) muss zum SCSIcontr. greifen. Was uns wieder zu einem (Spar)Problem fuehrt: Statt die weitverbreiteten Anschluesse fuer den integrierten (oder auch nicht) FastSCSIcontr. zu nutzen, griff man bei Phase zu dem (im Einkauf billigeren) H(igh)D(ensity)-Port. Das ist natuerlich (!) eine externe Ausfuehrung fuer die Idioten (<- weil Fehlkauf!), die sich ihre SCSIgeraete extern dranbammeln, statt sich einen billigen Tower zu kaufen. Da muss man also erstmal sich einen Adapter fuer den HDport besorgen (da kaum eine Peripherie den nutzt) und dann noch einen Adapter von Extern auf Intern, damit man seine SCSI-Teile auch im Tower benutzen kann. Nur der eine Adapter ist ohne Probleme erhaeltlich, den Anderen bekommt man nur indem man eine entsprechend teures anderes AdapterTeil auseinanderbaut und "zweckentfremded". Solch verschlungene Basteleien waren denn auch fuer unseren Haendler und die anderen BlizzPPCuser (immerhin 7 Stueck) der Lieferung zu viel des guten, weshalb keiner von denen den SCSIcontr. ausprobieren konnte. Immerhin zeigte sich Mikronik ueberrascht (da sie natuerl. kein Testexemplar bekommen hatten) aber natuerlich doch gewillt in der Notlage zu helfen und meinte dann zum heimischen Haendler, dass sie einen solchen Adapter fertigen werde. Die derzeitige Bastelei jedenfalls schlaegt mit mind. 90,- fuer ein intern angeschlossenes Device zu Buche.

Naja, mal von den Problemen anderer Leutz abgesehen wurde der Contr. natuerlich einer genauen (Speed)Probe mit einer 4Gbyte-IBM unterzogen. Erfreulicherweise erwies sich der Contr. als den Versprechungen von SCSI-II angemessen, dh. es konnten bis zu 9MB/s gemessen werden (was nat. die Datensicherheit nicht beleuchtet).

Nun aber zu dem eigentlichen Sinn der Karte, naemlich dem Speedgewinn durch PPC. Die beigefuegte CD soll einem in dieser Hinsicht die Augen oeffnen. Nun neben besagtem Testprog, dass wohl noch auf der alten Annahme basiert, der Bus arbeite mit 50Mhz und dementsprechend nur 150(bzw.133 /je nach CPU) statt der eigentlichen 200(160) anzeigt ist noch einiges mehr enthalten. U.A. zwei Fraktalprogramme (Mandelbrot;Lscapes) die es erlauben die entsprechende Berechnung sowohl vom PPC, wie auch von der 68k-CPU erledigen zu lassen. Natuerlich zu Zwecken des Vergleiches. Es wird eine Steigerung um den Faktor 5-17 gegenueber der 040/25+fpu angezeigt. Ebenfalls enthalten ist eine Demo von ElasticDreams die in der CDfassung trotz Installation der PPCfassung bei mir keinen Deut schneller war (die entspr. Module nicht verfuegbar waren). Was bei der Vollversion allerdings nicht so ist, wo ein wahrer Geschwindigkeitsrausch ausbricht (allerdings noch nicht ganz in Realtime).

Der vielbeschworene Knaller allerdings ist Isis der MPEGplayer. Nahezu ohne Ruckeln (je nach MPEGauflsg.) ist es moeglich diese im WBfenster abzuspielen. Wer noch dazu eine CV3d besitzt kann die Overlayfaehigkeit des Virge dazu benutzen die Filme ohne Speedverlust auf den vollen WBscreen zu scalieren. Insgesamt ein sehr eindrucksvolles Spektakel, dass so manchen CyrixUser die Kinnladen runterklappen laesst.

Ebenso gigantisch schnell laeuft VDoom, obwohl der FPScounter dank Bug absolut idiotische Werte ausgibt. Neben einigen anderen zT. "unnuetzen" Progs sind noch diverse Webseiten und Sourcecodes (+FreewareCompiler) auf der CD enthalten.

Abschliessend sei noch erwaehnt, dass von der zustaendigen "Telefonseelsorge" bei Phase nur daemliche Sprueche bezueglich von Beschwerden zu dem SCSIcntrl erfolgten. Wohlgemerkt auf den Anruf des Haendlers hin, beim dem ich mich beschwehrte.

Der obige Test spiegelt nur meine Erfahrungen mit der Karte wieder, die auf dem tlw. enormen Billigdesign der Karte beruhen. Es soll keineswegs davon abgeraten werden, sich solch ein Teil zuzulegen, da die Geschwindigkeitsgewinne doch tlw. phantastisch sind. Laut Testprogramm ist die MipsLeistung doppelt so hoch wie bei einem P90 waehrend die fpuLeistung erwartungsgemaess erheblich niedriger ausfaellt als beim 604`er und etwa mit einem P90 gleichzieht.

Allerdings scheint sich Phase5 immer mehr in der Lage zu waehnen mit uns doch alles machen zu koennen. Was man relativ krass bei dieser Karte bemerkt, wo nur um Materialkosten im einstelligen Bereich zu sparen dem User Mehrkosten in erheblicher Hoehe zugemutet werden. Augenscheinlich ist es dieser Firma sowieso relativ egal, was die Kaeufer danach denken. Die oeffentlichen Magazine stimmen der Situation angemessene Loblieder an und selbstverfasste Tests von Privatleuten in diversen "OnlineMags" und im IRC beweisen, dass salopp gesagt eben nicht nur erfahrene Amigauser den Como/Escom-Crash ueberdauert haben und der Plattform treu geblieben sind. Eben deshalb sollte dieser Test zeigen, dass eben nicht alles glorios ist, nur weil es von Phase5 ist.

Im Endeffekt wollen sie ja doch nur unser Geld, u. das massiv. Dafuer sollte man aber auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten koennen.

Und keine am geschroepften Kunden vorbeigehende Planung mit einem unfreundlichen und inkompetenten Support. Und evt. sollte man beim naechsten mal auch nicht versuchen dem User (entgegen den Lobpreisungen im Handbuch) unausgereifte Hardware im Betateststadium anzudrehen. Denn 2 Wochen nach Markteinfuehrung hat Phase still und heimlich das Design der Boards im Hard- und Soft(das 64kb-FlashROM)sinne geaendert, mit dem bewundernswertem Ergebniss, dass jetzt die ewig dauernde Booterkennungszeit auf normales Niveau gesunken ist. Leider fuehrten diese Aenderungen dazu, dass diese PPCkarte (deren Programme nahezu alle einen GFXcard vorraussetzen) nur noch sehr schlecht (2-25 mal dauerbooten bis zur Funktionalitaet) mit ZII-Boards zusammenarbeitet. In der typischen Desktopkonfiguration funktionieren sie natuerlich problemlos. Wie nahtlos sich die neue Generation der Blizz in das System einfuegt merkt man wenn (zb. im Bootmenue) erkenntlich wird, das die Hardware vom System nicht identifiziert wird. Diese Problem treten natuerlich nur bei der neue Baureihe auf. Die Alte arbeitet tadellos (mit den bekannten Macken), aber bootet im Vergleich sehr viel spaeter. Fuer die vielen Pal-LooSeR ist die neue Generation empfehlenswerter. Allerdings ist ein PPC unter Pal relativ nutzlos wie schon (nicht oft genug) erwaehnt

Nachfolgend eine Zusammenfassung der positiven und negativen Aspekte und eine abschliessende Einschaetzung

Nachteile:

*zT. ist der Speicherzugriff der 68k-CPU erheblich langsamer als bei anderen 40`erKarten

*Bie Belastung der 68k-CPU ist relativ hoch, was dazu fuehrt, dass auf interne IDE-Geraete erheblich langsamer zugegriffen wird als normal (Platte jetzt bei 1,3MB/sec; vorher bei 2,3 MB/sec); externe AtapiContr. sind durch bessere CPU-Ausnutzung schneller als der integrierte IDEcontr. . Was dazu fuehrt, das paradoxerweise nun mein CD-LW schneller ist als die Platte. Ein SCSI-contr. ist also Pflicht.

*die Benutzung von SCSIdevices am integrierten Controller zieht dank des Genius von Phase5 die Anschaffung von 2 Adaptern (1 nur als Teil eines anderen Adapters erhaeltlich) und einem Kabel nach sich. Die Kosten fuer den Anschluss eines SCSI-Geraetes betragen ca. 90,- DM !!!! Da aber momentan kaum einer in der Lage ist solche verqueren Basteleien wie ich auszufuehren, werden wohl die Meisten nicht in der Lage sein den Contr. zu nutzen. Allerdings hat Micronik zugesagt solch einen Adapter zu bauen, der dann sicher mit 69,- "erheblich" billiger wird, als die 2 Adapter-Bastellsg. Aber das Teil wirds wohl erst in einigen Wochen geben.

*es existiert kein eigener Luefter/Kuehlkoerper fuer den 040`er

*sowohl 40`er wie (vor allem) 603`er werden sehr schnell heiss Das geht sogar soweit, dass sich PPC nicht mehr nutzen liess, da er wegen Hitzestau staendig Abstuerze produzierte; das Towergehaeuse also stets schliessen, damit der Luftstrom des integrierten Towernetzteils auch ueber die Karte streicht. Der Kartenluefter ist durch seine idiotische Lage (ein Desktoptribut) nicht dazu faehig auch nur annehernd seine Funktion langfristig zu erfuellen.

*clevererweise laeuft die Karte im 70nsMode !!! obwohl solche lahmen Simms schon seit ueber einem Jahr nicht mal mehr als Restposten vorhanden sind (laesst sich patchen, was den Speicherzugriff um ca. 30% verschnellert)

Vorteile:

*2 Simmsockel

*keine Speicherkonflikte bzw. AbsturzProbleme (wie bei manch anderen Karten) mit Ausnahme der PicassoIIrev1.6 (aeltere Vers. funzen); die ZII-Boards von Mikronik sowie RBM funktionieren problemlos Ausgenommen die Karten der neueren Generation!!

*recht ordentliche Geschwindigkeitssteigerungen

*gute Softwarebeilage (CD)

*auch in Desktopgeraeten nutzbar (getestet) - was eigentlich kein Vorteil ist, da es fast alle schwachsinnigen Designfehler verursacht hat. Unsinnig zumal spaetestens mit Erscheinen der BlizzVision ein Tower angesagt ist

prozentuales Fazit:

61%

Ein mit Designfehler gepraegtes unausgereiftes Stueck Hardware, das seinen Preis in der derzeitigen Form nicht wert ist! Die Lieferung von groesseren Geschwindigkeitsschueben liegt in der generellen Leistungsfaehigkeit der PPCs begruendet und wird durch die Peripherie der Karte nur noch gemindert.