von Thomas Szedlak (The Kalauerman)
Wie Euch sicher schon aufgefallen ist, präsentiert sich nicht nur die neue Online Online, sondern die komplette "Jubiläums-NoCover" erstmals im HTML-Gewand. Damit dürften die "häßlichen Zeiten" der NoCover endlich der Vergangenheit angehören.
Natürlich wird wegen der Umstellung nicht jeder von Euch sofort in Begeisterungsstürme ausbrechen. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist sicher notwendig, um seinen Artikel ein vernünftiges HTML-Layout zu verpassen. Aber auch ein "eigenes" neuentwickeltes Anzeigeprogramm, wie es lange Zeit angekündigt wurde, hätte eine Umgewöhnung erfordert.
Damit Ihr Eure Artikel möglichst schnell und einfach in eine HTML-Datei "verwandeln" könnt, findet Ihr in jeder NoCover sog. "Dummy-Dateien". Dies sind vorformatierte HTML-Dateien, in die Ihr nur noch Eure Artikel als ASCII-Text einfügen und ein paar kleinere Formatierungen vornehmen müßt. So dauert das Layout auch für Ungeübte nicht länger als bisher mit dem Magnetic Editor. Genaueres steht in "Artikel-Layout leichtgemacht" in der Intern-Rubrik dieser NoCover.
Aber ich schätze mal, Andreas Magerl geht im Editorial dieser Ausgabe auch genaustens auf das Thema "NoCover goes HTML" ein, weshalb ich mich jetzt lieber den eigentlichen Themen dieser Online Online-Ausgabe widmen möchte.
Nachdem sich in den letzten Monaten außer den üblichen, vollmundigen Ankündigungen sehr wenig auf dem Amiga-Browsermarkt getan hat, liegt nun plötzlich von jedem der drei Konkurrenten eine neue Version vor.
Den Anfang machte bereits im Februar die Fa. AmiTrix mit der Version 3.1 ihres Web-Browsers AWeb-II. Mitte März veröffentlichten dann auch Omnipresence (IBrowse 1.2) und VaporWare (Voyager-NG 2.95) fast gleichzeitig neue Programmversionen ihrer Aushängeschilder. Grund genug, Euch mit einem ausführlichen Vergleichstest auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen und gleichzeitig die Frage zu klären: Wer ist die (neue) Nr.1 ?

Als erster und bisher einziger Amiga-Browser unterstützt AWeb-II die von Netscape entwickelte Skriptsprache Java-Script. Mit Java-Script lassen sich beispielsweise kleinere Web-Anwendungen wie Shopping-Angebote oder Online-Spiele programmieren.
Beispiele dafür findet Ihr auf folgenden Web-Sites:
http://www.playstation-europe.com/
http://www.bmginteractive.de/
http://www.alternate.de/
In Sachen Geschwindigkeit gibt sich AWeb-II auch in der neuen Version keine
Blöße, wobei die Qualität der verwendeten Datatypes natürlich auch eine Rolle
spielt. Vor allem auf leistungsschwächeren Systemen macht sich der Verzicht auf MUI
in einer im Vergleich zur Konkurrenz höheren Arbeitsgeschwindigkeit bemerkbar.
Auch bei der HTML-Darstellung zieht AWeb-II nun mit scheinbarer Leichtigkeit an der Konkurrenz vorbei und kann dabei noch mit einem echten Novum aufwarten: AWeb-II bietet drei unterschiedliche Darstellungsmodi: Im Modus "Streng" hält sich das Programm strikt an den aktuellen HTML-Standard 4.0, womit sich dieser Modus vor allem für Website-Publisher empfiehlt.
Im "Tolerant-Modus" kennt AWeb-II auch viele Netscape-Erweiterungen und im "Kompatibel-Modus" wird schließlich alles geschluckt und dargestellt, was nur irgendwie nach HTML-Seite aussieht.
Alle wichtigen Protokolle wie HTTP, FTP, Mailto, News und Gopher werden von AWeb-II intern unterstützt. Es ist aber auch problemlos möglich, externe Programme wie beispielsweise YAM für den Mailto-Versand einzubinden. Desweiteren ist es nun auch mit AWeb-II möglich, über MiamiSSL geschütze Verbindungen zu Web-Servern aufzubauen, um sensible Daten sicher übertragen zu können.
| Produktname: | AWeb-II 3.1 |
| Hersteller: | AmiTrix Development |
| Preis: | ca. DM 100,- |
| Update: | kostenlos im Aminet |
| Demo-Version: | aktuelle Version im Aminet |
| Minimalkonfig.: | OS 3.0, 3 MB RAM, TCP/IP-Stack, Datatypes für GIF und JPEG |
| empf. Konfig: | 68030-Prozessor, 6 MB RAM, |
| Stärken: | schnell, sehr tolerante HTML-Darstellung, HTML 4.0, Java-Script |
| Schwächen: | hoher Preis, Datatypes erforderlich |
IBrowse hat schon immer den Ruf, dem immer noch führenden PC-Browser
Netscape Navigator am ähnlichsten zu sein, was sich nicht nur auf die
Optik, sondern vielmehr auf die sehr tolerante HTML-Darstellung bezieht.
Gerade diese außergewöhnliche "Gutmütigkeit" ließ ihn schnell zum
weitverbreitetsten Amiga-Browser werden. Die große Beliebtheit von IBrowse in der
Amiga-Gemeinde belegt auch ein Blick auf die
Zugriffsstatistik von Browserwatch, wo
IBrowse mit weitem Abstand vor den anderen Amiga-Browsern vorn liegt.

Obwohl seit dem letzten Update auf V1.12 neun Monate vergangen sind, halten sich die Neuerungen von IBrowse in überschaubaren Grenzen. Eine Unterstützung von HTML 4.0 und Java-Script sucht man weiterhin vergeblich. Beides hebt man sich wohl für das kostenpflichtige Update auf IBrowse 2.0 auf, das für Sommer ´98 angekündigt wurde.
Ein Download der neuen IBrowse-Version ist aber keineswegs pure Zeitverschwendung, denn man hat ordentlich an der Geschwindikgeit gefeilt. So werden Bilder nun im Fast-RAM abgelegt, was sich besonders auf AGA-Systemen in einer drastisch schnelleren Bild-Darstellung bemerkbar macht. Auch die Zeit, die der Cache-Browser nach dem Aufrufen benötigt, bis er einsatzbereit ist, wurde enorm verkürzt.
Ein Nachteil von IBrowse war bisher die Tatsache, daß Bilder bei gleicher Farbtiefe schlechter dargestellt wurden als bei der Konkurrenz. Dies hat sich nun in der neuen Version etwas gebessert, so daß man die Farbtiefe aus Geschwindigkeitsgründen problemlos ein, zwei Stufen herunterschrauben kann ohne eine schlechtere Bildqualität in Kauf nehmen zu müssen.
IBrowse verwendet interne Anzeiger für GIF-, JPEG- und PNG-Grafiken und erlaubt dem Anwender, außer über die Farbtiefe, auch mit einigen Einstellmöglichkeiten die gewünschte Mischung aus Geschwindigkeit und Bildqualität zu erzielen, beispielsweise mit Floyd-Steinberg-Dithering.
Auch in puncto HTML-Darstellung kann IBrowse 1.2 erwartungsgemäß voll überzeugen. Wenn eine Web-Site mal nicht korrekt angezeigt wird, liegt das in der Regel an besonders schlampiger HTML-Programmierung. Somit fällt auch das Fehlen des HTML 4.0-Supports (bisher) kaum ins Gewicht. IBrowse kommt ebenfalls mit allen wichtigen Protokollen zurecht, auch MiamiSSL wird unterstützt.
| Produktname: | IBrowse 1.2 |
| Hersteller: | Omnipresence |
| Preis: | ca. DM 100,- |
| Update: | kostenlos unter www.hicug.com/peter/ |
| Demo-Version: | nur von V1.12 bei Omniprence |
| Minimalkonfig.: | OS 3.0, 68020, 6 MB RAM, TCP/IP-Stack, MUI 3.8 |
| empf. Konfig: | 68030/50, 10 MB RAM |
| Stärken: | tolerante HTML-Darstellung, läuft sehr stabil |
| Schwächen: | hoher Preis, kein Java-Script |
Voyager-NG von VaporWare ist der einzige der drei Testkandidaten, der als Shareware
vertrieben wird. Und bisher merkte man dem Browser auch an, daß er von einem
Hobby-Programmierer entwickelt wird, auch wenn es sich bei
Oliver Wagner um
einen der besseren seiner Gattung handelt.

Der erste Amiga-Browser, der Frames darstellen konnte, hieß Voyager-NG. Ebenso konnte man SSL-geschützte Verbindungen zuerst mit Voyager-NG aufbauen. Doch was hilft das, wenn jede veröffentlichte Voyager-Version eher den Eindruck einer (frühen) Beta-Version denn eines ausgereiften Programms macht? Ich denke den meisten sind Stabilität und tolerante HTML-Darstellung wesentlich wichtiger. Und damit hatte Voyager-NG bisher stets Probleme.
Ob sich das in der neuen Version gebessert hat? Jein!
Auch bei VaporWare spart man sich Highlights wie HTML 4.0- und Java-Script-Support wohl für das nächste kostenpflichtige Update auf und so beschränken sich die Verbesserungen wie bei IBrowse hauptsächlich auf einen optimierten Programmcode. Auch Voyager-NG speichert dargestellte Bilder nun im Fast-RAM, womit Chip-RAM-bedingte Abstürze endlich der Vergangenheit angehören dürften. Dies bringt auch einen weiteren Geschwindigkeitsgewinn bei der Seiten-Darstellung mit sich, was schon immer eine Stärke von Voyager-NG war.
Voyager-NG war bei der HTML-Darstellung bisher immer der empfindlichste Amiga-Browser. Wenn er eine Seite korrekt darstellt, konnte man sicher sein, daß auch jeder andere Browser mit dieser Seite keine Probleme hat. Das mag mancher Seiten-Ersteller als Vorteil ansehen, aber flexible Darstellungsmodi, wie sie AWeb-II 3.1 bietet, sind mir persönlich doch bedeutend lieber.
Diesen "Luxus" bietet die aktuelle Voyager-Version zwar nicht, aber bei der HTML-Darstellung sind doch deutliche Fortschritte gegenüber der letzten öffentlichen Version (2.88) erkennbar. Trotzdem rangiert Voyager-NG in dieser Kategorie immer noch auf dem dritten und letzten Rang.
Führend ist das Programm dagegen auch weiterhin bei der Bild-Darstellung. Was Voyager-NG aus 6 Bit Farbtiefe (64 Farben) macht, ist wirklich erstaunlich. Reizt man alle Einstellungsmöglichkeiten, die Voyager-NG für die Bilddarstellung bietet, in qualitativer Richtung aus, dann ist kaum ein Unterschied zur Darstellung in 256 Farben erkennbar. Zwar geht dies etwas auf Kosten der Geschwindigkeit, aber man surft immer noch wesentlich schneller als wenn man die Farbtiefe auf 8 Bit (256 Farben) nach oben schraubt. (Alle Angaben bezogen auf AGA-Darstellung)
Als bisher einziger Amiga-Browser unterstützt Voyager-NG den HTTP/1.1-Standard. Dies erlaubt Voyager-NG, Verbindungen mit Web-Servern zu "parken" (wenn diese HTTP/1.1 unterstützen), um sie später wieder schneller aufrufen zu können. Von wievielen Web-Servern HTTP/1.1 tatsächlich schon unterstützt wird und welchen "spürbaren" Vorteil das in der Praxis dann bringt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Ansonsten kann Voyager-NG all das, was man sich heuzutage von einem Web-Browser verspricht: E-Mail (Mailto-Links), FTP, interne Bild-Darstellung (GIF, JPEG, PNG), News, Telnet usw. Für E-Mail und Newsgroups bietet Voyager-NG eine Schnittstelle zum hauseigenen Microdot-II (E-Mail-Client und Newsreader in einem). Aber auch andere Programme wie beispielsweise YAM 2 können in Voyager-NG eingebunden werden.
Aber Voyager-NG wäre nicht Voyager-NG, wenn sich nicht auch in der neuen
Version ein schwerwiegender Fehler befinden würde: In
der Version 2.95 funktioniert nämlich plötzlich das Offline-Surfen
aus dem Festplatten-Cache nicht mehr!
Wählt man im Offline-Modus eine Adresse an, dann wird man mit einem nervigen
Fehler-Requester "beglückt", wie man ihn von den meisten PC-Browsers her
kennt, die bisher alle mit dem Offline-Surfen große Probleme haben. Offline-Surfen
ist seit jeher eine große Stärke aller Amiga-Browser und funktionierte stets
auch bei Voyager-NG einwandfrei. Jetzt leider nicht mehr. Unbestätigten Gerüchten
zufolge soll aber in naher Zukunft eine fehlerbereinigte Version erscheinen, bei
der das Offline-Surfen wieder problemlos möglich sein soll. Wir halten Euch
auf dem laufenden!
| Produktname: | Voyager-Next Generation V2.95 |
| Hersteller: | VaporWare |
| Preis: | DM 40,- per EMail, DM 45,- auf Diskette |
| Update: | kostenlos bei VaporWare |
| Demo-Version: | aktuelle Version bei VaporWare |
| Minimalkonfig.: | OS 3.0, 6 MB RAM, TCP/IP-Stack, MUI 3.8 |
| empf. Konfig: | 68030/50, 10 MB RAM |
| Stärken: | erstklassige Bild-Darstellung, hohe Geschwindigkeit, attraktiver Preis |
| Schwächen: | kein Java-Script, Offline-Surfen in dieser Version nicht möglich |
Alle drei WWW-Browser hinterlassen in der aktuellen Version einen positiven Eindruck. Im Vergleich zu den führenden PC-Browsern Netscape Navigator und M$ Internet Explorer sind Amiga-Browser schneller, kompakter und bieten mit der Möglichkeit des problemlosen Offline-Surfens einen, gerade hierzulande nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil. Was man nun noch vermißt, sind eine JAVA-Virtual-Machine und Amiga-Umsetzungen der gängigen PC-Plug-Ins wie Real Audio/Video oder Shockwave Flash. Zumindest die JAVA-VM dürfte ja nun nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Im Amiga-internen Vergleich läßt sich beim besten Willen kein eindeutiger Sieger ausmachen. Alle drei Konkurrenten machen, bis auf kleinere Ausnahmen, einen ausgereiften Eindruck und sind für den täglichen Einsatz bestens gerüstet.
AWeb-II bietet in der aktuellen Version den größten Funktionsumfang. Mit HTML 4.0- und Java-Script-Unterstützung ist das AmiTrix-Produkt auf dem aktuellen Stand der Technik. Wer viel auf PC-Seiten surft, wird dies zu schätzen wissen. Durch den Verzicht auf das resourcenhungrige MUI als grafische Oberfläche ist AWeb-II vor allem auch Amiga-Nutzern mit "schwächerer Motorisierung" zu empfehlen.
IBrowse dürfte es in Zukunft schwerer haben, seine eindeutige Führungsposition zu behaupten. Die Konkurrenz hat mächtig aufgeholt und IBrowse in manchen Bereichen sogar überflügelt. Mit der angekündigten Version 2.0 könnte man verlorenen Boden wieder zurückgewinnen, hoffentlich läßt das Update nicht zu lange auf sich warten.
Voyager-NG ist vor allem durch den günstigen Preis attraktiv - er kostet nicht mal halb soviel wie die Konkurrenz! Durch das gelöste Chip-RAM-Problem hat Voyager-NG auf AGA-Systemen sehr an Stabilität gewonnen. Grafikkarten-Besitzer hatten damit natürlich noch nie Probleme. Bei der HTML-Darstellung hat Voyager-NG, verglichen mit der Konkurrenz, immer noch die meisten Schwierigkeiten, auch wenn sich das gegenüber früheren Versionen spürbar gebessert hat. Und der Fehler beim Offline-Surfen wird hoffentlich schnellstens gefixt!
(Ich wollte den folgenden Satz wirklich mit aller Macht verhindern, aber er entspricht eben der Wahrheit) Mit keinem der drei getesteten WWW-Browser macht man beim Kauf etwas falsch. Am besten schaut man sich die Demo-Versionen der Browser an und entscheidet sich dann für seinen Favoriten.
Wäre YAM 2 ein Shareware-Programm, hätte ich mich schon längst registrieren lassen. Aber nein, der Autor Marcel Beck verschenkt sein Meisterwerk lieber. Dies sollte uns aber nicht davon abhalten, ihm trotzdem ein paar Fränkli zukommen zu lassen, sozusagen als Motivationsgebühr. Denn manchmal überkommt mich das Gefühl. daß wir Amiga-Fans schon ein komisches Völkchen sind, weil wir jeder PC-Umsetzung hinterhercheln und es gleichzeitig als nicht-honorierungsbedürftige Selbstverständlichkeit ansehen, daß wir auf dem Amiga das wohl beste E-Mail-Programm haben, daß jemals auf irgendeinem System dieser Erde erschienen ist. Und das auch noch kostenlos!
Also, befreit Euch aus Eurer Lethargie
(Richtig geschrieben? Na ja, Ordokravie war noch nie meine Stärke...)
und unterstützt Marcel Beck! Und zwar MATERIELL, denn von einem bloßem
"Danke" wird sein schweizer Nummernkonto auch nicht voller...:-)
Ihr müßt ja nicht gleich ne Bank ausrauben oder
Eure Omma anpumpen. Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, daß er auch schon
mit einem (gebrauchten) Amiga-Spiel wie Flyin´ High zufrieden wäre.
Und gleichzeitig tun wir damit noch was für die Deutsch-Schweizerische Freundschaft. Schließlich wird ja auch in der Schweiz beim Grand Prix Eurovision de la Chanson per TED abgestimmt, wenn Ihr wißt, was ich damit sagen will (piep, piep, piep...)
Ach ja, das wichtigste hätte ich fast vergessen - seine Adresse:
Marcel Beck
Hammerstraße 4
4414 Füllinsdorf
Schweiz
E-Mail:mbeck@access.ch