Lange hat es gedauert bis endlich die ersten PPC Karten
für den Amiga kamen. Das beinahe "unmögliche" hat phase5
möglich gemacht und so dem Amiga zu mehr Power verholfen.
Der Arme Anwender hat jetzt die Wahl zwischen den
verschiedensten PPC und 68k Prozessoren. Welche Lösung
gerade die beste ist kann man wirklich nur schwer sagen.
Der Preis spielt dabei noch eine entscheidende Rolle.
Dann ist da noch die Frage lohnt es sich jetzt schon
überhaupt eine PPC Karte zu kaufen? Auch auf die Frage
werde ich Euch natürlich versuchen eine Antwort zu geben.
Die erste Lieferung der PPC Karten bei Oberland Computer
war schnell ausverkauft, so das ich erstmal über eine
Woche auf die zweite Lieferung warten mußte. Davor
steckte in meinem Rechner die BlizzardIV mit einem 030er
Prozessor und SCSI. Das Trading-Angebot kam aber für
mich nicht in Frage. Erstens wurde dafür zu wenig
geboten und zweitens wollte ich meine Karte behalten
falls die PowerPC Karte nicht so laufen sollte wie man es
sich vorstellt. Inzwischen bin ich auch sehr froh das
ich die alte Blizzard behalten habe, aber dazu später.
Die PowerPC Karte steckt in einer anderen Verpackung als
z.B. die BlizzardIV Karte. Darin befand sich außerdem
eine CD-Rom, zwei Disketten und das Handbuch.
Für das Handbuch hat man inzwischen auch ein anderes
Format genommen, so das es etwa doppelt so groß ist. Das
Hanbuch ist wie man das von phase5 kennt in zwei Sprachen
gehalten - englisch und deutsch. Alles ist sehr
ausführlich erklärt, so das bei einer Installation
eigentlich nichts passieren sollte. Trotzdem vermißt man
einige Einzelheiten. Die A1200 User ohne Tower, werden
überhaupt nicht darauf aufmerksam gemacht, das es mit dem
schwachem Netzeil zu Problemen kommen kann. Das Problem
tritt allerdings auch bei Usern mit Tower und einem
starkem Netzteil. Bei mir ist das z.B. der Fall.
Weiterhin wird man in dem Handbuch nicht darüber
informiert wie man die externe SCSI Schnittstelle auf
eine Interne umbauen kann. Das sind so die wichtigsten
Kritikpunkte.

Die PowerUP Karte hat genau die gleiche Größe wie die
alte Blizzard1230 IV. Die Verarbeitung ist wirklich gut,
besonders auffalend ist der große Kühlkörper der auf den
PowerPC Prozessor aufgesetzt wurde. Ein Lüfter befindet
sich genau auf der anderen Seite. Dem 040er hat man
dagegen nichts zum kühlen spendiert. Dieser wird schon
nach wenigen Minuten sehr heiß. Besonders User ohne
Tower sollten sich hier vielleicht mal par Gedanken
arüber machen. Zwar verfügt der 040er über ein
Keramik-Gehäuse, doch das nützt dem nicht viel wenn der
Prozessor in einem Rechner steckt wo kaum Luftbewegung
herrscht. Hier hätte man bei phase5 vielleicht eine
andere Lösung wählen sollen. Interessant ist da nur noch
der Slot für die Grafikkarte. Was noch fehlt ist natürlich
die Karte selbst und die entsprechende Software.

Was den SCSI Controller angeht, so werde ich phase5 nie
verstehen können. Hier denkt man anscheinend nur an die
User ohne Tower und wie man möglichst einfach Geld sparen
kann. Schon das Blizzard1230 SCSI hatten eine externen
Schnittstelle für die man einen speziellen Adapter z.B.
bei MicroniK dazu kaufen mußte. Leider ist diesmal
wieder ein anderer Stecker dabei (50 poliger HighDensity
Fast SCSI II). Das bedeutet also, das man den alten
Adapter von der Blizzard1230 nicht mehr verwenden kann.
Hier muß man wieder entweder einen guten Fachhändler
suchen der die erforderlichen Adapter hat (Kostenpunkt
ca.60-90DM) oder man wartet solange bis von MicroniK ein
passender kommt. Solche Fehlbauten sollte man phase5
nicht mehr so einfach verzeihen. Wenn man schon nicht
mehr an eine interne Lösung denkt, dann sollte man
zumindest bei dem gleichem Stecker wie schon bei den
Blizzard Karten bleiben. So macht man sich nämlich beim
Anwender nicht gerade beliebt.

Nachdem wir nun endlich die Karte äußerlich betrachtet
haben kommen wir nun zu dem nächstem Punkt. Ich habe
ganz am Anfang schon die Probleme mit der Stromversorgung
angesprochen. So wie es aussieht hat man es bei phase5
nicht mehr rechtzeitig geschafft die Karte mit
verschiedenen Rechnern gründlich zu testen. Aus
unerklärlichen Gründen will der Rechner bei mir nie beim
ersten mal sofort hochfahren. Das würde bedeuten das die
Karte einfach zu wenig Strom bekommt. Bei vielen Usern
ist das auch der Fall. In meinem MicroniK Tower steckt
dagegen ein 200 Watt Netzteil, so müßte die Karte also
auch genug Strom bekommen. An manchen Tagen muß ich
sogar bis zu 6mal den Rechner einschalten bevor alles
läuft. Manchmal läuft zwar die Karte, dann aber nicht
die Tastatur. Das Problem kann aber auch woanders liegen
und zwar an den ZorroII Slots. Sobald ich näheres dazu
erfahre, werde ich Euch das dann mitteilen. Wartet
lieber noch mit dem Kuf ab. Meine Versuche von phase5
eine Antwort per E-Mail zu bekommen waren bisher
erfolglos. Soviel zu dem angeblich gutem Support. In
den nächsten Tagen werde ich es nochmal mit einem Anruf
versuchen, anonsten bleibt mir da nur noch bei MicroniK
nachzufragen. So kann das zumindest nicht weiter gehen.
Erstens macht sowas kein Spaß und zweitens ist das mit
Sicherheit nicht gut für den Rechner.
Wurde die Karte aber gestartet, so verhält sich diese
ganz normal wie schon die Blizzard1230. Der Speicher
wird automatisch erkannt, egal welchen Sockel man dafür
benutzt. Die PPC software befindet sich im FlashRom,
sowie einige andere librarys. Komischerweise wird in dem
Handbuch auch die Installation der Software von der
Diskette erläutert, so das man als User sich nicht ganz
sicher ist, ob das installieren noch erforderlich ist.
Im Flashrom befindet sich die Version 45.16 der
ppc.library, natürlich Beta. Inzwischen ist schon längst
die Version .20 raus und eine Lösung oder auch Hinweis
wie man diese in das FlashRom laden kann, gibt es leider
noch nicht. Das ist schon wohl der dritte Minuspunkt.
Kommen wir aber endlich auch zu den positiven Seiten.
Der 040er läuft ganz normal und funktioniert auch so wie
eine 040er Turbokarte, nichts außergewöhnliches also.
Von dem PowerPC merkt man nichts, solange kein PPC
Programm läuft. Auf der mitgeliferten CD-Rom befinden
sich einige PowerPC Programme. Leider sind das teilweise
nur einfache Tools und kaum ernsthafte Anwendungen.
Anwender mit AGA ohne Grafikkarte müssen erstmal CyberAGA
installieren, sonst wird man einen Großteil der Programme
nicht starten können. Die installation ist einfach und
bringt leider keine Vorteile gegenüber dem Original. Es
heißt nur das Grafikkartenprogramm endlich auch mit
CyberAGA laufen sollten. Das stimmt leider nur
teilweise. Viele starten zwar, aber früher oder später
treten beim öffnen von Screens Probleme auf. Die
mitgelieferten Beispiele liefen dagegen einwandfrei,
allerdings auch nicht alle. Überzeugende Leistung
brachte das Mandelprogramm Benoit und der MPEG Player
IsisPPC. Weiterhin befinden sich noch witere Demos von
Programmen wie WildfirePPC, ArtStudio, ElasticDreams,
PersonalPaint7, BurnIt und dem Spiel TraumaZero drauf.
Denkt bitte aber nicht das jetzt alle Programme auf
PowerPC umgesetzt wurden. Bei TraumaZero wird man sich
noch eine Weile auf die PowerPC Version gedulden müssen.
Sonst sind auf der CD-Rom weitestgehend Tools für
Programmierer drauf, darunter auch der freie ANSI C
Compiler VBCC. Ein PowerPC Doom-Port ist auch drauf.
Die CD-Rom enthält also wirklich wenig interessantes.

Will man dagegen was wirklich sehen so muß man sich im
Aminet umschauen. Dort befinden sich so wundervolle
Programme wie CandyFactory oder auch der Emulator
MamePPC. Wünschenswert wäre ein PPC Descent Port. Von
kommerziellen Sachen sind derzeit WildfirePPC,
Reflections4.2 PPC, ArtStudio, ElasticDreams, TurboPrint
und PictureManager erschienen. Kommerzielle PPC Spiele
gibt leider noch nicht. Angekündigt wurden zwar viele,
aber es dürfte noch eine weile dauern bis welche kommen.
Meistens werden nur kleine Tools umgesetzt von denen der
PowerPC kaum profitiert. Der erwartete Anstrum mit
PowerPC Software ist also noch nicht da. Dazu kommen
noch die gewissen Schwierigkeiten die bei einer Umsetzung
auftreten. Es ist für den Programmierer eine harte
Arbeit. Dazu kommt es noch das viele Programme kaum von
einem PowerPC profitieren, da diese sehr stark auf das
AmigaOS angewisen sind. Bei Reflections hat man z.B.
nur den Raytracer selbst auf PowerPC umgesetzt. Der
Editor läuft weiter mit einem 68k Prozessor. So wird die
Berechnung einfach an den Raytracer abgegeben und der
kann dann ohne Unterbrechung auf dem PowerPC alles
berechnen, sobald alles fertig wird gibt er das Ergebniss
an das Programm weiter ab und hier erst tritt wieder der
68k mit AmigaOS ins Spiel. Hätte man den Editor für
PowerPC umgesetzt so müßte dieser ständig mittels AmigaOS
die Mausposition abfragen und auch noch für die
Grafikausgabe sorgen. So gut wie die also aussehen sind
die Karten noch lange nicht, die ppc.library hat
zusätzlich noch einen langen Weg vor sich, im gegensatz
zu Haage&Partners Lösung WarpOS ist diese noch nicht ganz
ausgereift. Zusätzlich verwendet diese das von Unix her
bekannte ELF Format, welches sehr Amiga Fremd ist.
Fazit:
Diesmal hat sich phase5 selbst ein Eigentor geschossen
und das wirklich gewaltig. Die Karten bringen noch lange
nicht das was uns allen versprochen wurde und vorallem
was wir erwartet haben. Benchmark Tests kann man nur
bedingt glauben schenken. Der PowerPC ist mit Sicherheit
sehr leistungsstark, aber in verbindung mit dem AmigaOS
das ja mit einem 68k Prozessor läuft kann er nicht
überzeugen. Weiterhin ist phase5 Ignoranz gegen anderen
Systemen wie WarpOS sehr unverständlich. WarpOS ist
nämlich ein offenes System und jeder
Turbokartenhersteller kann dafür selber die nötigen
Treiber schreiben, ähnlich wie z.B. für AHI. Die Amiga
Zukunft wir hier nicht durch Haage&Partner gefährdet
sondern alleine durch phase5, die einfach nicht fähig
sind mit anderen Firmen zu kooperieren. Das ist
schließlich nicht das erste mal, wo man was gegen eine
Fremdlösung hat. Inzwischen sind auch viele Firmen nicht
mehr so von den PPC Karten überzeugt, das erklärt auch
die sehr langsam kommende Software.
Ich kann eigentlich jedem User raten erstmal abzuwarten.
Diesmal muß die Software-Industrie den ersten Schritt
machen und dann die User. Glaubt nicht das die Software
erst dann kommt wenn genug Turbokarten verkauft sind.
Inzwischen sind schon mehrere Monate vergangen, seitdem
die Karten auf dem Markt sind. Schon Monate davor haben
viele Firmen die ersten Developer-Boards bekommen und mir
kann keiner erzählen das man für Umsetzung von einem
Programm mehr als 6 Monate braucht, außer der wurde
vollständig in Assembler geschrieben. Weiterhin bereiten
die Karten oft noch große Probleme. Besonders was die
Kompatibilität mit Grafik- und Musikkarten angeht, so
weiß man noch nicht genau wie sich diese hier verhalten.
Ich werde diese Entwicklung allerdings weiterverfolgen
und Euch dann auf dem Laufenden halten. Wie gesagt -
wartet noch mindestens bis zur Computer98 ab. Da wird es
sich deutlicher zeigen ob die Karten Flop oder Top sind.
Hier folgen nun jetzt einige Werte, die ich bei meinem
Test rausbekommen habe und Antworten auf einige Fragen.
Wer weiter auf dem Laufenden sein möchte, der sollte
dafür die PowerNews Seiten nutzen, dort werden dann immer
aktuelle PowerPC News erscheinen und mögliche
Lösungsvorschläge veröffentlicht. Möglich sind auch
ProgrammierWorkshops für PPC, doch dafür müßte sich
jemand melden der diese auch schreibt.
Hier der erste Test mit ByteMark. und der ppc.library
PPC Test
BYTEmark (tm) Native Mode Benchmark ver. 2 (3/95)
NUMERIC SORT : Iterations/sec.: 55.584283 Index: 1.436472
STRING SORT : Iterations/sec.: 1.544402 Index: 0.678858
BITFIELD : Iterations/sec.: 18600032.000556 Index: 3.190494
FP EMULATION : Iterations/sec.: 5.907840 Index: 2.840308
FOURIER : Iterations/sec.: 484.366251 Index: 0.548447
ASSIGNMENT : Iterations/sec.: 0.439986 Index: 1.676328
IDEA : Iterations/sec.: 216.433193 Index: 3.311401
HUFFMAN : Iterations/sec.: 108.479827 Index: 3.014585
NEURAL NET : Iterations/sec.: 0.900804 Index: 1.524202
LU DECOMPOSITION : Iterations/sec.: 13.021863 Index: 0.768796
...done...
===========OVERALL============
INTEGER INDEX: 2.041668
FLOATING-POINT INDEX: 0.862972
(90 MHz Dell Pentium = 1.00)
==============================
Hier der Test mit dem 040er der PPC Karte. Hat wirklich
sehr lange gedauert, bis er damit fertig war.
BYTEmark (tm) Native Mode Benchmark ver. 2 (3/95)
NUMERIC SORT : Iterations/sec.: 4.485403 Index: 0.115917
STRING SORT : Iterations/sec.: 0.166748 Index: 0.073295
BITFIELD : Iterations/sec.: 921537.461538 Index: 0.158073
FP EMULATION : Iterations/sec.: 0.495598 Index: 0.238268
FOURIER : Iterations/sec.: 13.280213 Index: 0.015037
ASSIGNMENT : Iterations/sec.: 0.056058 Index: 0.213582
IDEA : Iterations/sec.: 8.847365 Index: 0.135364
HUFFMAN : Iterations/sec.: 4.881071 Index: 0.135642
NEURAL NET : Iterations/sec.: 0.043657 Index: 0.073870
LU DECOMPOSITION : Iterations/sec.: 2.438637 Index: 0.143974
...done...
===========OVERALL============
INTEGER INDEX: 0.143531
FLOATING-POINT INDEX: 0.054281
(90 MHz Dell Pentium = 1.00)
==============================
Folgende Mips Werte liefert SysSpeed PowerPC für WarpOS
SysSpeed V2.6 - TestResults
============================
CPU/FPU 040 Results in MioOp/s
MIPS 18.07
MFLOPS 6.85
PowerPC Results in MioOp/s
MIPS 245.96
MFLOPS 152.26
Hier noch der WarpRace Test für WarpOS.
WarpRace V1.1 1997 by Sam Jordan
A performance test program for 68K and PPC processors
CPU: PPC603E
Version of powerpc.library: 14.1
----------------------------------------
Module: WordWrite V1.0
Result: Memory performance: 32.05 MB/s
Module: LongWrite V1.0
Result: Memory performance: 32.03 MB/s
Module: ByteWrite V1.0
Result: Memory performance: 15.04 MB/s
Module: WordRead V1.0
Result: Memory performance: 40.01 MB/s
Module: LongRead V1.0
Result: Memory performance: 49.06 MB/s
Module: ByteRead V1.0
Result: Memory performance: 40.04 MB/s
Module: WordCopy V1.0
Result: Memory performance: 17.05 MB/s
Module: TurboCopy V1.0
Result: Memory performance: 18.03 MB/s
Module: LongCopy V1.0
Result: Memory performance: 20.02 MB/s
Module: ByteCopy V1.0
Result: Memory performance: 17.02 MB/s
Module: PixelOMania V1.0
Short: CPU context switch test program
Result: Elapsed time: 20.220141 seconds
Module: CallPPC V1.0
Short: CPU context switch test program
Result: Average overhead time: 0.948 ms
Module: Call68K V1.0
Short: CPU context switch test program
Result: Average overhead time: 1.017 ms
Module: Landscape V1.0
Result: Elapsed time: 1.065961 seconds
Module: CyberMand V1.0
Result: Elapsed time: 0.229595 seconds
Module: C2P V1.0
Result: Elapsed time: 19.051 ms
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