Die PowerPC Karten für den Amiga sind endlich lieferbar
doch die versprochene Softwareflut läßt auf sich warten.
Woran das liegt und was uns noch die Zukunft bringt, wird
Euch möglicherweise dieser Artikel verraten.
Kurz nachdem Amiga von EsCOM gekauft wurde, stand schon
der neue Prozessor fest. Es sollte natürlich der PowerPC
sein. Groß war die Freude bei allen Usern und auf die
Frage des Amiga Magazins "Warum hat man sich für den
PowerPC entschieden?" gab es von Petro Tyschtschenko
folgendes zu hören:
'Viele Gründe sprachen für den PowerPC. Wichtig ist
vorallem der Support großer Firmen wie Apple und
Motorola. Apple hat mit den PowerMacs bereits große
Erfahrungen gemacht und vielleicht kann man sich die
Unterstützung von Apple zunutze machen. Da es für den
PowerPC 68k-Emulationen gibt, können wir das neue
Amiga-Betriebsystem (native) stufenweise portieren.'
Eine nicht gerade sehr viel sagende Antwort, aber diese
zeigte deutlich das der zukunftige Amiga Prozessor der
PowerPC sein sollte. Auf der Motorola Homepage gab es
dazu folgendes zu lesen:
POWER AMIGA
Amiga goes POWER PC (TM)
Bensheim November 11, 1995 - During his key note address
held in Los Angeles at the Video Toaster Expo, Petro
Tyschtschenko, CEO and President of Amiga Technologies
officially announced the Power PC to be the processor
used in the future generation of Amiga computers.
The first POWER AMIGA will be available 1st quarter 1997
and will feature the Power PC 604 RISC CPU. Further
models will be available later in the entry-level, as
well as in the mid-range.
The Power Amigas will be backwards compatible with
current models and will also feature a new and more
powerful chipset.
"Our pre-emptive multitasking Operating System AmigaOS
will be ported to the Power PC platform first. Our goal
is to make our OS hardware independent to allow further
ports on other platforms", said Petro Tyschtschenko.
He also added: "We have a clear business plan: We do
things consequently, step by step. First, we ramped up
the production and set up an organisation to handle the
Amiga market and satisfy the demand. Now that we have
achieved this successfully, we focus on research &
development to bring new and better products on the
market. One of the mistakes the former Commodore made,
was to do too many things at a time, too many promises
and therefore losing focus on important aspects of its
business. We have learned from these mistakes and won't
repeat them. Commitments and promises are nice but facts
are better."
The developments will also focus on including more
features in the AmigaOS, especially regarding network
abilities and memory management.
The development of the native RISC AmigaOS will be made
internally at Amiga Technologies. An R&D department is
currently being set up in Bensheim with sufficient
engineers to meet the announced schedules. Former well
known Commodore engineers as well as new competencies
will join the team in Bensheim this year.
This development project will also be involving a dozen
companies in close partnership with Amiga Technologies
GmbH.
More good news for all Amiga users: The Power PC
technology will not only be available for new Power
Amigas. Thanks to a close co-operation between Amiga
Technologies and Phase V, a German turbo board
manufacturer, a full range of Power PC boards will also
be available for the A1200, A3000 and A4000 series.
This will allow a general migration of the Amiga platform
towards Power PC in a short time, also for current
models.
First Power PC boards for current Amigas will be
available before end of 1996.
Amiga Technologies will be flexible in licensing the RISC
Operating System as before so that a global solution will
be available for all above mentioned Amiga computers.
This is especially important for the foreseeable
partnerships.
The 68060 board for the Amiga 4000 T will be available
during the first quarter of 1996 and will provide the
power needed by applications like 3D rendering software,
compilers and high-end graphics software.
During 1996, new 68K based entry-level models will be
available. These Amigas will be based on the A1200
platform, with faster processors, more memory expansion
capacity and CD ROM expansion.
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Hier konnte man endlich mehr erfahren und das alles klang
schon sehr vielversprechend. Leider sollte es wieder
nicht so sein wie man es gerne hätte. Dafür konnte
damals Amiga Technologies nichts. Trotzdem ist in der
Zeit mit EsCOM mehr passiert als jetzt seit dem
Gateway2000 der neue Besitzer ist. Das ist aber diesmal
nicht unser Thema. Diesmal dreht sich alles nur um den
PowerPC und die PowerPC Karten.
Endlich nach mehreren Monaten Wartezeit haben wir die so
lang erwarteten PowerPC Karten. Was wir allerdings nicht
haben ist die dazu passende Software, die uns so von
vielen Firmen versprochen wurde. Allen voran die Firma
Maxon. Noch bevor die Karten das Beta-Stadium erreicht
haben, verkündete man der Amiga Welt das der Kern von
Cinema4d schon fertig in einer PPC Version bereits in der
Schublade liegt. Damals war das Wort von Maxon noch so
heilig wie Heute das von phase5. Man vertraute den
Firmen. Doch Heute sieht man selbst wie sich sowas
auszahlt. Maxon macht inzwischen mächtig Kohle woanders
und der Amiga Markt wird einfach links liegengelassen.
Das versprochene Statement wurde noch immer nicht
veröffentlicht. Wir sind nicht darüber sauer das es noch
bis Heute keine neue Cinema4D Version oder auch MaxonC
mit PPC Unterstützung gibt. Das stört uns relativ wenig,
was uns nicht gefällt ist die Art mit der wir User
behandelt werden. Erst macht man uns große Versprechen
und dann ist keiner bereit Farbe zu bekennen. Gerade von
Maxon, einer Firma die früher fast nur Software für den
Amiga entwickelt hat, hätte man sowas nicht erwartet.
Eine PPC Version von Cienema4D ist deshalb sehr
unwahrscheinlich geworden.
Mit den PowerPC Karten kamen auch die ersten Probleme.
Gleich zur Anfang gab es den ersten Krieg zwischen zwei
Unternehmen. Das traurige dabei ist natürlich wieder das
daran zwei Firmen beteiligt sind die für den Amiga sehr
wichtig sind. Haage&Partner haben schon längst ihre
Stärken gezeigt und gerade diese können dem Amiga auf dem
Weg nach Vorne sehr helfen. Phase5 ist dagegen schon
seit Jahren ein Name das für Qualität spricht (bis
Heute!).
Die WarpOS vs PPC.Library Geschichte kennt wohl
inzwischen jeder. Beide Firmen verfolgen hier andere
Interessen. Phase5 hat schon längst angesehen das es so
mit dem Amiga nicht weiter gehen kann. Man versucht
deswegen das Problem durch die Entwicklung eines neuen
Rechners zu lösen. Dieser wurde damals noch gro
angekündigt und sollte A/Box heißen. Inzwischen wurde
das Projekt auf Eis gelegt und durch die sogenannte
pre/Box ersetzt. Genau mit der A/Box kam auch das
Problem mit der Software für die PowerPC Karten. Ein
neuer Rechner ohne Software kann nicht überleben und so
mußte man bei phase5 eine Lösung finden, dafür die
entsprechende Software zu bekommen. Ein neuer Rechner
bedeutet auch ein neues Betriebsystem. Das Betriebsystem
zu programmieren ist aber oft schwerer als die Hardware
zu entwickeln. Deshalb würde man bei phase5 mit
ziemlicher Sicherheit in Richtung Unix experimentieren.
Wer sich mit dem Betriebsystem schon einmal befaßt hat
weiß ganz genau das man dort das sogenannte ELF Format
benutzt. Jetzt weiß man auch wieso phase5 gerade für die
Amiga PowerPC Karten so ein weit von dem Amiga entferntes
System gewählt hat. Damit will man einfach schon Heute
für die passende Software sorgen. Diese müßte dann
später womöglich nur durch wenige Änderungen an die A/Box
angepaßt werden. Wirtschaftlich gesehen ist das für
phase5 mit Sicherheit nicht schlecht und auch
verständlich. Leider sieht die ganze Sache schon etwas
anders aus wenn man sich das von der Amiga Seite mal
anschaut. Problematisch wird das aber erst dann wenn man
noch garnicht weißt welchen Weg Amiga Inc. einschlagen
wird.
Theoretisch müßte das dann der Weg von Haage&Partner sein
da es sich hier um eine sehr Amiga Konforme Lösung
handelt. Das WarpOS unterstützt weiterhin die
sogenannten Mixed-Binaries. Hierbei handelt es sich um
ein Programmteil welches den 68k- und auch PPC Code
enthällt. Bei der phase5 Lösung wird dagegen der PPC
Teil dazugeladen. Weiterhinn wird besonders das
Programmieren von komplexen Programmen dadurch dem
Programmierer sehr schwer gemacht. Diese Lösung eignet
sich vorallem für Programmteile die ohne das AmigaOS
auskommen. Sobald aber das AmigaOS ins Spiel kommt
beginnen oft die Probleme. Bemerkbar macht sich das
alles bei Programme die besonders auf das AmigaOS
angewiesen sind. Bestes Beispiel ist z.B.
ElasticDreams. Über das Programm kann man nicht meckern,
leider ist die PPC Version nicht viel schneller als die
für den 040er Prozessor. Das ist dann besonders hart.
So gesehen ist die dual Technologie schlechter als man
gedacht hat. Das wird sich bei ElasticDreams auch nicht
mehr viel ändern obwohl der Programmierer uns versprochen
hat das Programm noch stärker zu optimieren. Durch die
ständige Mausabfrage kann der PowerPC Prozessor nicht die
erwartete Leistung bringen.
Vor kurzem ist auch Reflections4.2 in einer PPC Version
erschienen. Doch auch hier wurde nur der Teil für die
Berechnung auf PowerPC umgesetzt. Die erste PPC Version
von Reflections noch in einem sehr frühem Stadium konnte
man auf der Computer96 bewundern. Es hat also über 1
Jahr gedauert bis die fertige Version auf den Markt kam.
Daran sieht man ganz deutlich das es doch nicht so
einfach ist Programme auf PowerPC umzusetzen. Einpar
Mausklicks reichen da leider nicht aus. Natürlich dauert
es seine Zeit bis die Entwickler erstmal die neue
Hardware lernen, aber so langsam müßte man schon die
ersten Ergebnisse zu sehen bekommen. Einfache Tools
werden kaum jemanden dazu bewegen sich eine PowerPC Karte
zu kaufen. Hier muß die Softwareindustrie endlich den
ersten Schritt machen. Man kann einfach von uns nicht
mehr erwarten das wir alles kaufen ohne zu wissen was
dafür noch kommen wird.
Wo bleiben den die PPC Spiele, oder auch Programme wie
Lightwave. Bisher waren alle Firmen sehr zurückhaltend.
Selbst ClickBoom sind nicht mehr so von den Karten
begeistert und schieben lieber die Schuld einfach auf die
zwei existierende Systeme. Gerade Quake könnte hier von
dem PPC profitieren. Selbst auf einem 060er macht es
kaum Sinn Quake zu spielen, abgesehen davon das es die
Prozessoren langsam kaum gibt.
Bei Titan Computers befinden sich mehrere PPC Spiele in
Arbeit, aber auch dort hat man anscheinend Probleme
damit. Claws of the Devil müßte schon längst draußen
sein und bis Heute gab es davon leider nichts zu sehen.
Eine PPC Version von Descent wäre schon was feines, doch
auch hier hat man durch den teilweise sehr schlechten
Code große Probleme.
Natürlich gibt es auch positives zu berichten.
Schließlich haben wir Doom für PPC oder auch M.A.M.E.
PPC. An Software haben wir Wildfire, ElasticDreams,
ArtStudio, Reflections4.2 und CandyFactory. CandyFactory
zeigt hier noch am eindrucksvollsten wie man den PowerPC
richtig nutzen kann. Hier profitiert das Programm
allerdings davon, das die meiste Arbeit von dem PowerPC
erledigt wird. Der 68k Teil sorgt eigentlich nur für die
Bildschirmausgabe.
Die Amiga Firmen müssen endlich anfangen zusammen zu
arbeiten. Wie soll man den eine Platform am Leben
erhalten die schon jetzt fast kaum existiert, wenn jeder
in eine andere Richtung entwickelt. Bei Amiga
International und Amiga Inc. tut sich leider zur Zeit
wenig, da kann man schon die User verstehen wenn die sich
mal aus Spaß einen Aldi PC besorgen.
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